Mumps beim Kind: Wie lange ansteckend, wann in die Schule?
Mumps beim Kind: Wie ansteckend ist es und wie lange? Anzeichen, Inkubationszeit, wann dein Kind wieder in die Schule darf und wann du sofort zum Arzt gehst.
Kurz gesagt: Mumps beim Kind ist ansteckend, und zwar schon etwa sieben Tage bevor die Wange anschwillt und bis etwa neun Tage danach. Bis zum Ausbruch vergehen meist 16 bis 18 Tage, manchmal bis zu 25. In Deutschland darf dein Kind nach den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts frühestens fünf Tage nach Beginn der Schwellung wieder in die Schule, die Schule musst du informieren. In Österreich und der Schweiz entscheiden Ärztin oder Arzt und Gesundheitsbehörde.
Dein Kind klagt beim Frühstück, dass das Kauen wehtut. Am Nachmittag ist die Wange vor dem Ohr dick, das Gesicht sieht aus wie bei einem Hamster. Viele Eltern denken zuerst an einen Zahn oder eine Mandelentzündung. Steckt Mumps dahinter, tauchen schnell Fragen auf: Wie lange bleibt mein Kind zuhause? Muss ich die Schule anrufen? Und was ist mit dem kleinen Bruder oder der schwangeren Tante, die gestern zu Besuch war? Hier findest du die Antworten, Schritt für Schritt.
Was ist Mumps?
Mumps, umgangssprachlich auch Ziegenpeter genannt, ist eine Virusinfektion. Das Mumpsvirus befällt vor allem die Ohrspeicheldrüse, die vor und unter dem Ohr liegt. Es kann aber auch andere Drüsen und Organe erreichen, etwa die Bauchspeicheldrüse, die Hoden oder die Hirnhäute.
Dank der Impfung ist Mumps in Deutschland, Österreich und der Schweiz seltener geworden. Ausbrüche gibt es trotzdem immer wieder, vor allem in Schulen, Sportvereinen und unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Wer Mumps einmal hatte, ist in aller Regel lebenslang geschützt.
Woran erkennst du Mumps? Symptome und Hamsterbacken
Mumps beginnt oft unauffällig. Ein bis zwei Tage lang fühlt sich dein Kind schlapp, hat leichtes Fieber, Kopfweh oder keinen Appetit. Dann kommt das typische Zeichen:
- Schwellung vor dem Ohr: Die Ohrspeicheldrüse schwillt an, meist erst auf einer Seite, oft ein bis zwei Tage später auch auf der anderen. Das Ohrläppchen kann dabei etwas abstehen.
- Hamsterbacken: Das Gesicht wirkt rund und aufgedunsen, die Wange ist teigig und druckempfindlich.
- Schmerzen beim Kauen und Schlucken: Besonders saure Speisen und Getränke tun weh, weil sie den Speichelfluss anregen.
- Fieber: Meist mäßig, manchmal bis 39 oder 40 Grad.
Die Schwellung geht meist nach drei bis acht Tagen zurück. Wichtig zu wissen: Nicht jedes Kind mit Mumps bekommt Hamsterbacken. Gerade bei kleineren Kindern und bei Geimpften verläuft die Infektion oft wie eine leichte Erkältung oder ganz ohne Beschwerden. Auch diese Kinder können andere anstecken. Umgekehrt ist nicht jede dicke Wange Mumps. Eine Zahnentzündung oder geschwollene Lymphknoten sehen manchmal ähnlich aus. Sicher klärt das nur die Kinderarztpraxis, oft mit einem Abstrich aus der Wangeninnenseite oder einer Blutuntersuchung.
Mumps beim Kind: Wie ansteckend und wie lange?
Das Mumpsvirus verbreitet sich über Tröpfchen beim Husten, Niesen und Sprechen und über Speichel, etwa beim Teilen einer Trinkflasche oder eines Pausenbrots. Im Klassenzimmer und auf dem Pausenhof stecken sich ungeschützte Kinder deshalb leicht an.
- Inkubationszeit: Von der Ansteckung bis zu den ersten Beschwerden vergehen meist 16 bis 18 Tage, insgesamt kann es 12 bis 25 Tage dauern.
- Ansteckende Zeit: etwa sieben Tage vor bis neun Tage nach Beginn der Schwellung.
- Am ansteckendsten: etwa zwei Tage vor bis vier Tage nach Beginn der Schwellung.
Das Tückische: Dein Kind steckt andere schon an, bevor irgendwer ahnt, dass es Mumps hat. Wenn die Wange anschwillt, haben Geschwister und Freunde das Virus oft schon abbekommen. Hatte dein Kind Kontakt zu einem erkrankten Kind, achte gut drei Wochen lang auf erste Anzeichen.
Wann darf dein Kind mit Mumps wieder in die Schule?
In Deutschland gehört Mumps zu den Krankheiten, bei denen Paragraf 34 des Infektionsschutzgesetzes den Besuch von Schule und Kita verbietet, solange Ansteckungsgefahr besteht. Das gilt schon beim Verdacht. Nach den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts darf ein Kind frühestens fünf Tage nach Beginn der Schwellung wieder in die Schule, sofern es sich gesund genug fühlt. Ein ärztliches Attest ist dafür meist nicht vorgeschrieben, manche Schulen oder Gesundheitsämter verlangen aber eines. Frag am besten kurz nach.
Auch für Geschwister kann es Regeln geben. Gesunde Kinder, die zweimal gegen Mumps geimpft sind oder Mumps schon hatten, dürfen in der Regel weiter in die Schule. Bei ungeimpften Geschwistern ohne Schutz kann das Gesundheitsamt einen vorübergehenden Ausschluss anordnen. Das entscheidet die Behörde im Einzelfall.
In Österreich und der Schweiz gibt es keine gleichlautende Regel. Hier geben die behandelnde Ärztin oder der Arzt, die Schulärztin oder der Schularzt und die Gesundheitsbehörde (in Österreich die Bezirkshauptmannschaft oder das Magistrat, in der Schweiz der Kanton) den Zeitpunkt vor. Meist orientiert man sich ebenfalls an etwa fünf Tagen nach Beginn der Schwellung.
Meldepflicht: Wer muss wem Bescheid geben?
In Deutschland musst du die Schule sofort informieren, wenn dein Kind Mumps hat oder der Verdacht besteht. Die Schule meldet das dem Gesundheitsamt, und auch Arztpraxis und Labor sind zur Meldung verpflichtet. Andere Eltern werden in der Regel anonym gewarnt, also ohne den Namen deines Kindes.
In Österreich meldet die Ärztin oder der Arzt die Erkrankung an die Gesundheitsbehörde. In der Schweiz regeln Kanton und Schule, wie mit Erkrankungen umgegangen wird. Egal, wo ihr wohnt: Sag der Schule Bescheid. So können Familien mit Schwangeren oder ungeimpften Kindern rechtzeitig reagieren. Wie die Krankmeldung genau funktioniert, erklärt der Ratgeber Kind krankmelden in der Schule: Was Eltern wissen müssen.
Pflege zu Hause: Was deinem Kind hilft
Gegen das Mumpsvirus gibt es kein Medikament. Antibiotika helfen nicht, weil es keine Bakterien sind. Die Krankheit heilt bei den meisten Kindern von selbst aus. Du kannst aber viel tun, damit es deinem Kind besser geht:
- Weiches Essen: Suppe, Kartoffelbrei, Joghurt, Grießbrei. Alles, was kaum gekaut werden muss.
- Nichts Saures: Orangensaft, Zitronentee oder saure Gummis regen den Speichel an und tun dann richtig weh. Wasser und milder Tee sind besser.
- Viel trinken: Besonders bei Fieber, ruhig mit Strohhalm.
- Kühlen oder wärmen: Manche Kinder mögen ein kühles, feuchtes Tuch auf der Wange, andere lieber einen warmen Schal. Probiert aus, was guttut.
- Gegen Schmerzen und Fieber: Paracetamol oder Ibuprofen, dosiert nach Gewicht. Frag in der Apotheke oder Praxis nach der richtigen Menge. Kein Aspirin für Kinder.
- Ruhe: Bettruhe ist nicht nötig, aber Toben und Sport sollten pausieren, bis das Fieber weg ist.
Komplikationen: Wann wird Mumps gefährlich?
Bei den meisten Schulkindern ist Mumps nach gut einer Woche vorbei. Selten kommt es zu Komplikationen. Je älter das Kind, desto häufiger:
- Hirnhautentzündung: Zeigt sich durch starke Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit und Erbrechen. Sie verläuft bei Mumps meist gutartig, gehört aber immer in ärztliche Hände.
- Hodenentzündung: Betrifft vor allem Jungen in und nach der Pubertät. Der Hoden schwillt an und schmerzt stark, meist auf einer Seite. Unfruchtbarkeit danach ist selten.
- Hörschaden: Selten, meist auf einem Ohr, kann aber bleiben. Wenn dein Kind nach Mumps schlechter hört, lass das prüfen.
- Bauchspeicheldrüsen-Entzündung: Macht sich durch Oberbauchschmerzen und Erbrechen bemerkbar.
Wann sofort zum Arzt oder Notruf?
Ruf noch am selben Tag in der Kinderarztpraxis an, wenn du Mumps vermutest. Schon damit die Diagnose gesichert ist und du die Schule richtig informieren kannst. Sag am Telefon gleich, dass es um Mumps gehen könnte, damit dein Kind im Wartezimmer niemanden ansteckt. Sofort ärztliche Hilfe brauchst du bei:
- starken Kopfschmerzen mit steifem Nacken, Lichtempfindlichkeit oder wiederholtem Erbrechen
- Benommenheit, Verwirrtheit oder wenn dein Kind kaum ansprechbar ist
- einem Krampfanfall
- geschwollenen, schmerzenden Hoden
- starken Bauchschmerzen
- plötzlich schlechterem Hören
- wenn dein Kind kaum noch trinkt oder sehr wenig Urin hat
Bei Bewusstlosigkeit, Krampfanfall oder sehr schlechtem Allgemeinzustand wählst du den Notruf: 112 in Deutschland, 144 in Österreich und der Schweiz. Außerhalb der Praxiszeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst weiter: 116 117 in Deutschland, 141 in Österreich, in der Schweiz die kantonale Notfallnummer.
Geschwister und Schwangere schützen
Weil Mumps schon vor der Schwellung ansteckt, lässt sich eine Übertragung in der Familie oft nicht ganz verhindern. Ein paar Dinge helfen trotzdem:
- Impfpässe prüfen: Schau nach, ob alle Kinder und Erwachsenen im Haushalt zwei MMR-Impfungen haben. Eine fehlende Impfung kann die Praxis rasch nachholen. Ob das nach einem Kontakt noch vor Mumps schützt, ist nicht sicher, schützt aber vor künftigen Ansteckungen.
- Nichts teilen: Eigene Trinkflasche, eigenes Besteck, eigenes Handtuch.
- Hände waschen und in die Armbeuge husten: Für alle in der Familie.
- Abstand zu Schwangeren: Eine Mumps-Erkrankung in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft kann das Risiko für eine Fehlgeburt erhöhen. Ist eine Schwangere im Haushalt oder hatte sie Kontakt, sollte sie ihren Impfschutz prüfen und am selben Tag ihre Frauenärztin oder ihren Frauenarzt anrufen.
MMR-Impfung: Der beste Schutz vor Mumps
Gegen Mumps wird mit der Kombinationsimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln geimpft, kurz MMR. Für einen guten Schutz braucht dein Kind zwei Dosen. In allen drei Ländern ist die MMR-Impfung für Kinder kostenlos.
- Deutschland: Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die erste Dosis mit 11 Monaten und die zweite mit 15 Monaten. Wegen der Masern-Impfpflicht brauchen Schulkinder ohnehin einen Nachweis, und der MMR-Impfstoff deckt Mumps mit ab.
- Österreich: Laut österreichischem Impfplan gibt es zwei Dosen ab dem 10. Lebensmonat im Abstand von mindestens vier Wochen. Fehlende Impfungen können in jedem Alter kostenlos nachgeholt werden.
- Schweiz: Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) empfiehlt die erste Dosis mit 9 Monaten und die zweite mit 12 Monaten.
Fehlt bei deinem Schulkind eine Dosis, ist das kein Drama: Sie lässt sich jederzeit nachholen. Ein Blick in den Impfpass reicht, die Kinderarztpraxis sagt dir, was noch fehlt. Mehr dazu im Ratgeber Impfungen für Schulkinder: Was Pflicht ist und was empfohlen wird.
Hinweis: Dieser Ratgeber gibt allgemeine Informationen und ersetzt keine ärztliche Untersuchung und Beratung. Die Regeln zur Wiederzulassung und zu Impfungen können sich ändern. Maßgeblich sind die Vorgaben deiner Ärztin oder deines Arztes und der zuständigen Gesundheitsbehörde. Bei Bewusstlosigkeit, Krampfanfall oder starkem Kopfschmerz mit steifem Nacken wähle sofort den Notruf: 112 in Deutschland, 144 in Österreich und der Schweiz.
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Häufige Fragen
Wie lange ist ein Kind mit Mumps ansteckend?
Ein Kind mit Mumps kann etwa sieben Tage vor bis neun Tage nach Beginn der Schwellung an der Wange ansteckend sein. Am ansteckendsten ist es kurz vor und in den ersten Tagen nach Beginn der Schwellung. Weil die Ansteckung schon vor den ersten Anzeichen beginnt, haben sich Geschwister und Mitschüler oft schon angesteckt, bevor jemand von Mumps weiß.
Wann darf mein Kind mit Mumps wieder in die Schule?
In Deutschland darf ein Kind mit Mumps nach dem Infektionsschutzgesetz nicht in die Schule, solange es ansteckend sein kann. Nach den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts ist das in der Regel frühestens fünf Tage nach Beginn der Schwellung wieder möglich, wenn es dem Kind gut geht. In Österreich und der Schweiz legen Ärztin oder Arzt, Schularzt und Gesundheitsbehörde den Zeitpunkt fest.
Wie lange dauert es von der Ansteckung bis zum Ausbruch von Mumps?
Die Inkubationszeit bei Mumps beträgt meist 16 bis 18 Tage, sie kann aber zwischen etwa 12 und 25 Tagen liegen. Hatte dein Kind Kontakt zu einem erkrankten Kind, behalte es also gut drei Wochen lang im Blick. Achte vor allem auf Schmerzen beim Kauen und eine Schwellung vor dem Ohr.
Kann ein geimpftes Kind Mumps bekommen?
Ja, das kommt vor, ist aber deutlich seltener als bei ungeimpften Kindern. Die Mumps-Impfung schützt nach zwei Dosen sehr gut, aber nicht zu hundert Prozent, und der Schutz kann über die Jahre etwas nachlassen. Bei geimpften Kindern verläuft Mumps meist milder, und Komplikationen sind seltener.
Ist Mumps für Jungen gefährlich?
Bei kleinen Kindern verläuft Mumps meist harmlos. Ab der Pubertät kommt es bei Jungen und Männern häufiger zu einer schmerzhaften Hodenentzündung, meist einseitig. Unfruchtbarkeit ist danach selten, aber möglich. Schwellen bei deinem Sohn Hoden an oder schmerzen sie, geh noch am selben Tag in die Praxis.
Ist Mumps in der Schwangerschaft gefährlich?
Eine Mumps-Erkrankung in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft kann das Risiko für eine Fehlgeburt erhöhen. Fehlbildungen beim Baby sind nach heutigem Wissen nicht zu erwarten. Hat ein Kind im Haushalt Mumps und ist eine Schwangere nicht sicher geschützt, sollte sie zeitnah, am besten am selben Tag, ihre Frauenärztin oder ihren Frauenarzt anrufen.