Pfeiffersches Drüsenfieber beim Kind: Wann wieder Schule?
Pfeiffersches Drüsenfieber beim Kind: Anzeichen, wie ansteckend es ist, wann es wieder zur Schule darf, warum Sport Pause hat und was gegen die Müdigkeit hilft.
Kurz gesagt: Pfeiffersches Drüsenfieber beim Kind wird durch das Epstein-Barr-Virus ausgelöst und verläuft bei jüngeren Schulkindern oft mild, bei Jugendlichen eher heftig mit Halsschmerzen, geschwollenen Lymphknoten und starker Müdigkeit. Ein Besuchsverbot für die Schule gibt es in Deutschland, Österreich und der Schweiz nicht: Dein Kind darf zurück, sobald es fieberfrei ist und sich fit fühlt. Sport bleibt wegen einer möglichen Milzvergrößerung meist mehrere Wochen tabu, und die Freigabe gibt die Kinderärztin oder der Kinderarzt.
Erst sah es nach einer gewöhnlichen Halsentzündung aus. Dann wollte das Fieber nicht weggehen, die Lymphknoten am Hals waren dick wie Murmeln, und dein Kind schlief am Nachmittag auf dem Sofa ein. Irgendwann fiel in der Kinderarztpraxis das Wort Pfeiffersches Drüsenfieber. Viele Eltern haben davon schon gehört, wissen aber nicht genau, was es bedeutet: Ist das gefährlich? Wie lange fällt mein Kind aus? Und was sagt man der Schule? Dieser Ratgeber beantwortet die Fragen, die im Alltag mit einem kranken Schulkind wirklich wichtig sind.
Was ist Pfeiffersches Drüsenfieber?
Pfeiffersches Drüsenfieber heißt medizinisch infektiöse Mononukleose. Auslöser ist das Epstein-Barr-Virus, kurz EBV, ein Virus aus der Familie der Herpesviren. Es ist weit verbreitet: Die allermeisten Erwachsenen haben die Infektion irgendwann durchgemacht, viele ohne es zu wissen. Wer sie einmal hatte, trägt das Virus lebenslang in sich, erkrankt aber in aller Regel nicht noch einmal daran.
Übertragen wird das Virus vor allem über Speichel. Daher stammt auch der Spitzname Kusskrankheit. Bei Schulkindern spielen eher gemeinsam benutzte Trinkflaschen, angebissene Pausenbrote und Spielzeug im Mund eine Rolle. Zwischen Ansteckung und ersten Beschwerden vergehen meist mehrere Wochen, oft rund vier bis sechs. Deshalb lässt sich selten sagen, wo sich dein Kind angesteckt hat.
Anzeichen: Woran du Pfeiffersches Drüsenfieber beim Kind erkennst
Wie stark die Krankheit verläuft, hängt viel vom Alter ab. Kleinere Kinder und Grundschulkinder haben oft nur leichte Beschwerden, die wie eine Erkältung wirken, oder gar keine. Je älter das Kind, desto deutlicher werden die Zeichen. Bei Jugendlichen ist das typische Bild am häufigsten:
- Halsschmerzen: oft stark, die Mandeln sind geschwollen und haben häufig einen weißlich-grauen Belag. Schlucken tut weh.
- Geschwollene Lymphknoten: vor allem seitlich und hinten am Hals, manchmal auch in den Achseln oder in der Leiste.
- Fieber: kann mehrere Tage bis über eine Woche anhalten.
- Starke Müdigkeit: dein Kind ist schlapp, schläft viel und hat kaum Energie.
- Weitere Zeichen: Kopf- und Gliederschmerzen, wenig Appetit, geschwollene Augenlider, manchmal ein kurzer Ausschlag.
- Vergrößerte Milz oder Leber: merkt man von außen meist nicht, die Ärztin oder der Arzt kann sie aber beim Abtasten oder im Ultraschall feststellen.
Sicher feststellen lässt sich die Krankheit nur mit einer Blutuntersuchung. Dabei schaut die Praxis auf das Blutbild und auf Antikörper gegen das Virus. Schnelltests gibt es auch, sie sind bei jüngeren Kindern aber weniger zuverlässig.
Mandelentzündung oder Drüsenfieber? Der Antibiotika-Ausschlag
Am Anfang sieht Pfeiffersches Drüsenfieber oft genauso aus wie eine eitrige Mandelentzündung durch Bakterien. Deshalb wird manchmal zuerst ein Antibiotikum verschrieben. Gegen das Virus hilft das nicht. Bekommt ein Kind mit Pfeifferschem Drüsenfieber das Antibiotikum Amoxicillin oder Ampicillin, entwickelt es häufig nach einigen Tagen einen roten, fleckigen Ausschlag am ganzen Körper.
Dieser Ausschlag ist für viele Familien der Moment, in dem klar wird, dass etwas anderes dahintersteckt. Meldet euch dann bei der Kinderarztpraxis. Der Ausschlag bedeutet meist keine echte Penicillin-Allergie. Lass das ärztlich einordnen, damit dein Kind später nicht unnötig als allergisch gilt und auf wirksame Mittel verzichten muss.
Hinweise, die eher für Pfeiffersches Drüsenfieber sprechen: Die Halsschmerzen bessern sich trotz Antibiotikum nicht, die Lymphknoten sind am ganzen Hals und auch im Nacken geschwollen, und die Müdigkeit ist ungewöhnlich stark. Eine Diagnose ersetzen diese Hinweise nicht.
Was hilft deinem Kind jetzt?
Ein Medikament, das das Virus beseitigt, gibt es nicht. Der Körper wird selbst damit fertig. Du kannst deinem Kind aber helfen, die Zeit gut zu überstehen:
- Ruhe: Dein Kind darf so viel schlafen, wie es braucht. Strenge Bettruhe ist nicht nötig, solange es sich schont.
- Trinken: Wasser, lauwarmer Tee oder verdünnte Säfte. Kalte Getränke und Eis tun dem Hals oft gut.
- Weiche Kost: Suppe, Joghurt, Kartoffelbrei oder Apfelmus lassen sich leichter schlucken.
- Fieber und Schmerzen: Mittel wie Paracetamol oder Ibuprofen in der für Kinder passenden Dosis, am besten nach Rücksprache mit der Praxis. Kinder und Jugendliche bekommen kein Aspirin.
Wie ansteckend ist Pfeiffersches Drüsenfieber?
Das Virus ist weniger ansteckend als viele Erkältungsviren, weil es enge Kontakte mit Speichel braucht. Husten oder ein gemeinsames Klassenzimmer reichen in der Regel nicht. Allerdings kann ein Kind das Virus noch Wochen bis Monate nach der Erkrankung im Speichel ausscheiden. Eine Quarantäne würde deshalb wenig bringen.
Im Familienalltag hilft: Jedes Kind hat seine eigene Trinkflasche, Gläser und Besteck werden nicht geteilt, und angebissenes Essen bleibt bei dem, der davon abgebissen hat. Geschwister, die das Virus schon hatten, sind meist geschützt. Eine Impfung gegen EBV gibt es nicht.
Wann darf dein Kind wieder in die Schule?
Pfeiffersches Drüsenfieber steht in Deutschland nicht auf der Liste der Krankheiten im Infektionsschutzgesetz, bei denen ein Kind die Schule nicht besuchen darf. Auch in Österreich und der Schweiz gibt es kein generelles Besuchsverbot. Ein ärztliches Attest für die Rückkehr ist deshalb in der Regel nicht nötig, außer deine Schule verlangt es für längere Fehlzeiten.
Entscheidend ist, wie es deinem Kind geht. Es kann wieder in die Schule, wenn:
- es mindestens einen Tag ohne fiebersenkende Mittel fieberfrei ist,
- es gut essen und trinken kann,
- es einen Schulvormittag durchhält, ohne völlig erschöpft heimzukommen.
Bei vielen Kindern ist das nach ein bis zwei Wochen so weit. Bei Jugendlichen mit heftigem Verlauf kann es auch drei Wochen oder länger dauern. Manchmal hilft ein sanfter Einstieg, etwa die ersten Tage nur bis zur Mittagspause. Sprich das vorher mit der Klassenlehrkraft ab.
Sportpause wegen der Milz: Warum sie so wichtig ist
Bei vielen Kindern mit Pfeifferschem Drüsenfieber schwillt die Milz an. Sie liegt im linken Oberbauch unter den Rippen. Eine vergrößerte Milz ist empfindlicher und kann bei einem Stoß, Sturz oder starkem Pressen einreißen. Das kommt selten vor, ist dann aber ein Notfall. Das Risiko ist in den ersten drei bis vier Wochen am höchsten.
Deshalb gilt meist: Sportunterricht, Vereinstraining, Toben, Raufen und schweres Heben haben mindestens drei bis vier Wochen Pause. Bei Kontaktsportarten wie Fußball, Handball, Basketball, Kampfsport oder Reiten raten viele Ärztinnen und Ärzte zu einer längeren Pause. Wann es wieder losgehen kann, entscheidet die Kinderarztpraxis nach einer Untersuchung, manchmal mit Ultraschall. Lass dir für die Schule eine Bescheinigung über die Sportbefreiung ausstellen.
Das fällt sportlichen Kindern schwer, gerade wenn sie sich wieder gut fühlen. Erkläre deinem Kind, warum die Pause wichtig ist, und besprich mit der Sportlehrkraft, ob es im Unterricht zuschauen, Schiedsrichter sein oder etwas anderes übernehmen kann. Auch dem Trainer im Verein solltest du Bescheid geben.
Wenn die Müdigkeit bleibt: Schule und Lernstoff
Das Fieber ist weg, die Halsschmerzen auch, aber dein Kind ist nach der vierten Stunde am Ende. Diese lange Erschöpfung ist typisch für Pfeiffersches Drüsenfieber und kann Wochen, bei manchen Jugendlichen einige Monate dauern. Dein Kind ist dann nicht faul, sein Körper braucht noch Zeit.
Für die Schule heißt das: Informiere die Klassenlehrkraft früh, was dein Kind hat und dass die Müdigkeit noch eine Weile anhalten kann. Viele Lehrkräfte kennen die Krankheit. Gemeinsam lässt sich einiges regeln:
- Stoff nachholen: Mitschriften von einem Klassenkameraden, Arbeitsblätter per E-Mail oder über die Schul-App, ein Plan, was wirklich wichtig ist.
- Prüfungen verschieben: Schularbeiten, Klassenarbeiten oder Tests, die dein Kind verpasst hat, müssen nicht alle in der ersten Woche nachgeschrieben werden.
- Hausaufgaben reduzieren: für eine Übergangszeit weniger Aufgaben oder mehr Zeit.
- Pausen erlauben: etwa kurz ausruhen dürfen oder einzelne Stunden auslassen.
Bei einer längeren Erkrankung kann je nach Bundesland oder Kanton auch ein Nachteilsausgleich infrage kommen, also angepasste Prüfungsbedingungen wie mehr Zeit. Ob das für dein Kind passt, klärst du mit der Schulleitung. Ein ärztliches Schreiben, das die anhaltende Erschöpfung bestätigt, hilft dabei. Hält die Müdigkeit länger als einige Monate an, lass das in der Kinderarztpraxis noch einmal anschauen.
Zuhause hilft ein ruhiger Rhythmus: feste Schlafenszeiten, kurze Lerneinheiten statt langer Nachmittage am Schreibtisch, und Freizeittermine, die erst wieder dazukommen, wenn die Kraft reicht.
Wann du sofort zum Arzt musst
Die allermeisten Kinder überstehen Pfeiffersches Drüsenfieber ohne Komplikationen. Ein paar Warnzeichen solltest du trotzdem kennen. Geh sofort zur Ärztin oder zum Arzt oder in die Notaufnahme, wenn dein Kind:
- plötzlich starke Bauchschmerzen links oben bekommt, eventuell mit Schmerzen in der linken Schulter,
- blass wird, schwitzt, ihm schwindlig wird oder es kollabiert,
- schlecht Luft bekommt oder beim Atmen Geräusche macht, weil die Mandeln stark geschwollen sind,
- kaum noch schlucken kann, nichts mehr trinkt oder sabbert,
- sehr schläfrig oder verwirrt wirkt oder Gelbfärbung der Augen zeigt.
Bauchschmerzen links oben können auf eine Verletzung der Milz hinweisen. Bei starken Schmerzen, Kreislaufproblemen oder Atemnot wählst du den Notruf: 112 in Deutschland, 144 in Österreich und der Schweiz.
Geduld ist die beste Medizin
Pfeiffersches Drüsenfieber ist für Kinder meist harmlos, aber langwierig. Das Schwierigste ist oft nicht die Krankheit selbst, sondern die Geduld danach: kein Fußball, obwohl es wieder gut geht, und Müdigkeit, obwohl die Klassenkameraden längst wieder Vollgas geben. Wenn du deinem Kind erklärst, was in seinem Körper passiert, und die Schule mit ins Boot holst, kommt es Schritt für Schritt wieder in seinen Alltag zurück.
Hinweis: Dieser Ratgeber gibt allgemeine Informationen und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Ob dein Kind Pfeiffersches Drüsenfieber hat und wann es wieder Sport machen darf, klärt die Kinderärztin oder der Kinderarzt. Bei plötzlichen starken Bauchschmerzen links oben, Kreislaufproblemen oder Atemnot wähle sofort den Notruf: 112 in Deutschland, 144 in Österreich und der Schweiz.
Weiterlesen
Häufige Fragen
Darf mein Kind mit Pfeifferschem Drüsenfieber in die Schule?
Ein generelles Besuchsverbot gibt es weder in Deutschland noch in Österreich oder der Schweiz. Dein Kind darf wieder in die Schule, sobald das Fieber weg ist und es sich fit genug fühlt, einen Schultag durchzuhalten. Das dauert oft ein bis zwei Wochen, manchmal länger. Sport ist davon ausgenommen und bleibt meist mehrere Wochen tabu.
Wie ansteckend ist Pfeiffersches Drüsenfieber?
Das Epstein-Barr-Virus wird vor allem über Speichel übertragen, etwa über gemeinsam benutzte Flaschen, Besteck oder Küsse. Es ist deutlich weniger ansteckend als eine Erkältung. Allerdings kann das Virus noch Wochen bis Monate nach der Krankheit im Speichel sein. Deshalb ist Wegsperren nicht sinnvoll, wohl aber: kein Trinken aus derselben Flasche und kein Teilen von Besteck.
Wie lange muss mein Kind nach Pfeifferschem Drüsenfieber mit Sport pausieren?
Weil sich die Milz bei vielen Kindern vergrößert und dann leichter verletzt werden kann, raten Ärztinnen und Ärzte meist zu einer Sportpause von mindestens drei bis vier Wochen ab Krankheitsbeginn. Bei Kontaktsportarten wie Fußball, Handball, Kampfsport oder Reiten oft länger. Wann dein Kind wieder darf, entscheidet die Kinderärztin oder der Kinderarzt nach einer Untersuchung.
Wie lange dauert die Müdigkeit nach Pfeifferschem Drüsenfieber?
Die akuten Beschwerden klingen meist nach zwei bis drei Wochen ab. Die Erschöpfung kann aber Wochen, bei manchen Jugendlichen auch einige Monate anhalten. Hilfreich sind ein langsamer Wiedereinstieg, ausreichend Schlaf und eine Absprache mit der Schule, damit dein Kind nicht sofort alles nachholen muss.
Warum bekommt mein Kind nach Antibiotika einen Ausschlag?
Pfeiffersches Drüsenfieber sieht am Anfang oft aus wie eine eitrige Mandelentzündung. Bekommt ein Kind mit Pfeifferschem Drüsenfieber das Antibiotikum Amoxicillin oder Ampicillin, entwickelt es häufig einen roten, fleckigen Ausschlag. Das ist meist keine echte Penicillin-Allergie, sollte aber unbedingt ärztlich angeschaut, damit es in der Patientenakte nicht fälschlich als Allergie steht.
Wann muss ich mit meinem Kind sofort zum Arzt oder in die Notaufnahme?
Bei plötzlichen starken Bauchschmerzen links oben, Schmerzen in der linken Schulter, Blässe, Schwindel oder Kreislaufproblemen, weil das auf eine Verletzung der Milz hindeuten kann. Ebenso bei Atemnot, wenn dein Kind kaum noch schlucken oder trinken kann oder sehr schläfrig wirkt. Im Notfall wählst du 112 in Deutschland, 144 in Österreich und der Schweiz.