Von der Kinwords Redaktion
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Windpocken beim Kind: Wann darf es wieder in die Schule?

Kurz gesagt: Windpocken sind schon ein bis zwei Tage vor dem Ausschlag ansteckend und bleiben es, bis alle Bläschen verkrustet sind. Das dauert meist fünf bis sieben Tage ab dem ersten Bläschen. In Deutschland darf dein Kind nach Empfehlung des Robert Koch-Instituts wieder in die Schule, sobald alles verkrustet ist, ein Attest braucht es dafür in der Regel nicht. Die Schule musst du in Deutschland informieren. In Österreich und der Schweiz klärst du die Regeln am besten direkt mit Schule oder Kinderarzt.

Beim Abendessen kratzt sich dein Sohn am Bauch. Du schaust nach und siehst drei rote Flecken, einer davon hat oben ein kleines, wassergefülltes Bläschen. Am nächsten Morgen sind es zwanzig, auch auf dem Rücken und zwischen den Haaren. Er ist etwas warm, aber eigentlich gut gelaunt und fragt, ob er trotzdem zum Fußballtraining darf.

Windpocken sind für die meisten Schulkinder unangenehm, aber harmlos. Organisatorisch sind sie trotzdem eine Herausforderung, weil das Kind meist eine ganze Woche ausfällt. Hier liest du, wie lange es zuhause bleiben muss, was du der Schule sagst und wie ihr die juckenden Tage gut übersteht. Im Einzelfall entscheidet dein Kinderarzt.

Was Windpocken sind und wie sie sich verbreiten

Windpocken werden durch ein Virus ausgelöst, das Varizella-Zoster-Virus. Es ist extrem ansteckend. Der Name kommt nicht von ungefähr: Die Viren können über die Luft ein Stück weit fliegen, zum Beispiel quer durch ein Klassenzimmer. Auch der Inhalt der Bläschen ist ansteckend.

Zwischen Ansteckung und Ausschlag vergehen meist rund zwei Wochen. Wer die Windpocken einmal hatte, ist danach in der Regel lebenslang geschützt. Das Virus bleibt allerdings im Körper und kann Jahre oder Jahrzehnte später als Gürtelrose wieder auftauchen.

Woran du Windpocken erkennst

Manche Kinder fühlen sich ein, zwei Tage vorher schlapp oder haben leichtes Fieber. Dann kommt der typische Ausschlag:

  • Rote Flecken, die zu Bläschen werden: Aus kleinen roten Punkten entstehen innerhalb von Stunden Bläschen mit klarer Flüssigkeit. Sie platzen leicht und trocknen dann zu Krusten ein.
  • Überall am Körper: Oft beginnt es an Bauch, Rücken oder Gesicht. Typisch sind auch Bläschen auf der Kopfhaut und manchmal im Mund oder im Intimbereich.
  • Verschiedene Stadien gleichzeitig: Neue Flecken, volle Bläschen und Krusten liegen nebeneinander, weil über mehrere Tage Nachschub kommt. Das nennen Ärzte „Sternenhimmel“ und es unterscheidet Windpocken von vielen anderen Ausschlägen.
  • Starker Juckreiz: Für die meisten Kinder ist das das eigentliche Problem, mehr als das Fieber.

Bist du dir unsicher, ruf in der Kinderarztpraxis an, bevor du hingehst. Viele Praxen wollen Kinder mit Verdacht auf Windpocken nicht ins volle Wartezimmer setzen, weil dort Babys, Schwangere oder abwehrgeschwächte Kinder sitzen können. Oft bekommst du einen Termin am Rand der Sprechstunde oder einen separaten Eingang.

Wie lange dein Kind ansteckend ist

Hier liegt der Haken bei Windpocken: Dein Kind steckt schon ein bis zwei Tage vor dem ersten Bläschen andere an. Wenn du die Flecken entdeckst, war es also womöglich noch gestern in der Schule und beim Kindergeburtstag. Dafür kannst du nichts, und das geht jeder Familie so.

Ansteckend bleibt es, bis alle Bläschen verkrustet sind. Bei den meisten Kindern ist das fünf bis sieben Tage nach Beginn des Ausschlags so weit. Schau dir dafür die Haut genau an, auch die Kopfhaut und den Rücken. Solange irgendwo noch ein frisches, flüssiges Bläschen ist, gilt dein Kind als ansteckend. Eine trockene, bräunliche Kruste dagegen ist kein Problem mehr.

Wann dein Kind wieder in die Schule darf

In Deutschland regelt das Infektionsschutzgesetz in Paragraf 34, dass Kinder mit Windpocken nicht in Schule oder Kita dürfen, solange sie ansteckend sind. Nach Empfehlung des Robert Koch-Instituts heißt das konkret: Sind alle Bläschen verkrustet, darf dein Kind wieder hin. Haben die ersten Bläschen am Sonntagabend geblüht, ist bei normalem Verlauf also oft der folgende Montag oder Dienstag ein realistischer Schultag.

Ein ärztliches Attest für die Rückkehr hält das Robert Koch-Institut in der Regel nicht für nötig. Einzelne Schulen fragen trotzdem danach. Ein kurzer Anruf im Sekretariat klärt das, bevor du einen extra Arzttermin machst.

Ansteckungsfrei heißt nicht automatisch fit. Manche Kinder schlafen wegen des Juckens schlecht und sind danach noch müde. Wie du einschätzt, ob dein Kind einen Schultag wirklich schafft, liest du im Ratgeber Kind krank: Wann zuhause bleiben, wann in die Schule?.

In Österreich und der Schweiz sind die Regeln nicht deckungsgleich mit Deutschland. In der Schweiz unterscheiden sie sich teils sogar von Kanton zu Kanton. Viele Schulen orientieren sich auch dort daran, dass alle Bläschen verkrustet sind. Verlass dich aber nicht darauf, sondern frag bei der Schule oder beim Kinderarzt nach, ab wann dein Kind wiederkommen darf.

Was du der Schule melden musst

In Deutschland müssen Eltern der Schule mitteilen, wenn ihr Kind Windpocken hat. Eine einfache Krankmeldung reicht nicht. Sag ausdrücklich, worum es geht, zum Beispiel so:

„Guten Morgen, ich möchte Jonas aus der 2a krankmelden. Er hat seit gestern Abend Windpocken. Er war am Freitag noch in der Schule. Ich melde mich, sobald alle Bläschen verkrustet sind und er wieder kommen kann.“

Der Hinweis auf den letzten Schultag hilft der Schule, die anderen Eltern zu informieren, ohne den Namen deines Kindes zu nennen. Das ist wichtiger, als es klingt: In fast jeder Klasse gibt es eine Familie mit einer schwangeren Mutter, einem Baby oder einem Kind mit geschwächtem Immunsystem. Für sie ist die Warnung wertvoll. Wie die Krankmeldung allgemein abläuft, steht im Ratgeber Kind krankmelden in der Schule.

In Österreich und der Schweiz informiere die Schule ebenfalls, dass es Windpocken sind. Was genau verlangt wird, erfährst du dort.

Juckreiz lindern und Kratzen vermeiden

Aufgekratzte Bläschen können sich mit Bakterien entzünden und später kleine Narben hinterlassen. Ganz ohne Kratzen geht es bei kaum einem Kind. Diese Dinge machen es leichter:

  • Fingernägel kurz schneiden, am besten gleich am ersten Tag. Nachts helfen bei jüngeren Schulkindern dünne Baumwollhandschuhe.
  • Lockere Baumwollkleidung und ein eher kühles Schlafzimmer. Wärme und Schwitzen verstärken das Jucken.
  • Lauwarm duschen oder kurz baden ist erlaubt, danach die Haut vorsichtig trocken tupfen statt rubbeln.
  • Juckreizstillende Lotionen oder Gele aus der Apotheke. Lass dich dort beraten, welches Mittel für das Alter deines Kindes passt. Bei sehr starkem Juckreiz kann der Kinderarzt auch etwas zum Einnehmen verschreiben.

Schulkinder lassen sich gut einbinden, wenn sie eine Alternative zum Kratzen haben. Du kannst zum Beispiel sagen:

„Wenn es ganz doll juckt, drück mit der flachen Hand auf die Stelle oder klopf leicht drauf. Oder hol dir einen kühlen Waschlappen. Das hilft fast genauso und die Bläschen bleiben heil.“

Gegen Fieber und Schmerzen empfehlen Kinderärzte bei Windpocken meist Paracetamol. Von Ibuprofen raten viele ab, weil es Hinweise gibt, dass bakterielle Hautentzündungen darunter schwerer verlaufen können. Acetylsalicylsäure (ASS, zum Beispiel Aspirin) bekommen Kinder grundsätzlich nicht, weil sie bei Virusinfekten eine seltene, aber gefährliche Komplikation auslösen kann. Frag in der Praxis oder Apotheke nach der passenden Dosis.

Impfung, Geschwister und Schwangere im Umfeld

In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) die Windpocken-Impfung für alle Kinder, mit zwei Dosen im zweiten Lebensjahr. Ältere Kinder und Jugendliche, die weder geimpft sind noch Windpocken hatten, sollen die Impfung nachholen. In Österreich und der Schweiz gibt es eigene Impfempfehlungen, die dein Kinderarzt kennt. Geimpfte Kinder bekommen selten Windpocken, und wenn, dann meist mit wenigen Flecken.

Geschwister, die geimpft sind oder die Windpocken schon hatten, dürfen in der Regel weiter in Schule oder Kita. Bei Geschwistern ohne Schutz ist es nicht so einfach. Sie haben sich wahrscheinlich schon angesteckt, und das Gesundheitsamt kann verlangen, dass sie eine Zeit lang zuhause bleiben. Eine Impfung in den ersten Tagen nach dem Kontakt kann die Erkrankung manchmal noch verhindern oder abmildern. Ruf deshalb gleich beim Kinderarzt an, wenn ein ungeschütztes Geschwisterkind im Haus ist.

Besonders vorsichtig solltest du bei Schwangeren sein. Windpocken in der Schwangerschaft können für Mutter und ungeborenes Kind gefährlich werden. Bist du selbst schwanger oder hat dein Kind Kontakt zu einer Schwangeren, und ist unklar, ob sie geschützt ist, sollte sie sich zügig bei ihrer Frauenärztin melden. Dort kann man den Schutz per Blutuntersuchung prüfen und bei Bedarf vorbeugend behandeln. Dasselbe gilt für Neugeborene und für Menschen, deren Immunsystem durch Krankheit oder Medikamente geschwächt ist.

Musst du für die Betreuung zuhause bleiben, kannst du in Deutschland unter bestimmten Voraussetzungen Kinderkrankengeld bekommen. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Kinderkrankengeld beantragen.

Wann du zum Kinderarzt solltest

Bei den allermeisten Schulkindern heilen Windpocken ohne Folgen aus. Selten kommt es zu Komplikationen. Melde dich in der Praxis, wenn dir etwas davon auffällt:

  • Einzelne Bläschen werden stark rot, heiß, geschwollen oder eitrig. Das kann auf eine bakterielle Entzündung hindeuten.
  • Das Fieber steigt nach einigen Tagen wieder an oder bleibt länger als drei Tage hoch.
  • Dein Kind hustet stark oder atmet schnell und angestrengt.
  • Bläschen sitzen am oder im Auge.
  • Dein Kind läuft wackelig, klagt über starke Kopfschmerzen oder einen steifen Nacken, oder es wirkt ungewöhnlich schläfrig.

Das sind keine Gründe zur Panik, sondern Zeichen, die ein Arzt anschauen sollte. Hat dein Kind eine Vorerkrankung oder nimmt es Medikamente, die das Immunsystem schwächen, ruf schon beim ersten Verdacht an. Bei Atemnot, starker Benommenheit oder wenn dein Kind kaum noch trinkt, hol sofort ärztliche Hilfe.

Bei Scharlach laufen Ansteckung und Rückkehr ganz anders, weil dort ein Antibiotikum hilft. Was dann gilt, liest du im Ratgeber Scharlach beim Kind: Wann darf es wieder in die Schule?.

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Häufige Fragen

Wann darf mein Kind mit Windpocken wieder in die Schule?

In Deutschland gilt nach Empfehlung des Robert Koch-Instituts: Sobald alle Bläschen verkrustet sind, ist dein Kind nicht mehr ansteckend und darf wieder in die Schule. Das ist meist etwa fünf bis sieben Tage nach Beginn des Ausschlags der Fall. Ein ärztliches Attest ist dafür in der Regel nicht nötig. In Österreich und der Schweiz können die Regeln anders sein. Frag dort bei der Schule oder beim Kinderarzt nach.

Ab wann ist mein Kind mit Windpocken ansteckend?

Schon ein bis zwei Tage bevor die ersten Bläschen auftauchen. Deshalb hat sich ein Geschwisterkind oft schon angesteckt, bevor überhaupt jemand weiß, dass es Windpocken sind. Ansteckend bleibt dein Kind, bis alle Bläschen verkrustet sind.

Muss ich der Schule sagen, dass mein Kind Windpocken hat?

In Deutschland ja. Windpocken gehören zu den Krankheiten, die Eltern nach dem Infektionsschutzgesetz der Schule oder Kita mitteilen müssen. Die Schule kann dann andere Eltern informieren, ohne den Namen deines Kindes zu nennen. Das ist besonders für Familien mit Schwangeren oder abwehrgeschwächten Kindern wichtig. In Österreich und der Schweiz frag direkt in der Schule, was dort verlangt wird.

Darf ich meinem Kind bei Windpocken Ibuprofen geben?

Viele Kinderärzte raten bei Windpocken von Ibuprofen ab und empfehlen gegen Fieber und Schmerzen eher Paracetamol. Hintergrund sind Hinweise, dass bakterielle Hautentzündungen unter Ibuprofen schwerer verlaufen könnten. Acetylsalicylsäure (ASS, zum Beispiel Aspirin) solltest du Kindern grundsätzlich nicht geben, bei Windpocken erst recht nicht. Frag im Zweifel in der Praxis oder Apotheke nach der richtigen Dosis.

Kann mein Kind trotz Impfung Windpocken bekommen?

Ja, das kommt vor. Man spricht dann von Durchbruchs-Windpocken. Sie verlaufen meist deutlich milder, oft mit nur wenigen Flecken und ohne hohes Fieber. Ansteckend ist dein Kind trotzdem, bis alle Stellen abgeheilt oder verkrustet sind. Melde es also genauso bei der Schule.

Dürfen die Geschwister weiter in die Schule?

Geschwister, die geimpft sind oder die Windpocken schon hatten, dürfen in Deutschland in der Regel weiter in die Schule. Bei Geschwistern ohne Schutz ist es komplizierter. Hier kann das Gesundheitsamt verlangen, dass sie eine Zeit lang zuhause bleiben. Eine Impfung in den ersten Tagen nach dem Kontakt kann helfen. Sprich das am besten gleich mit dem Kinderarzt ab.

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