Scharlach beim Kind: Wann darf es wieder in die Schule?
Kurz gesagt: Scharlach wird von Bakterien ausgelöst und ist mit Antibiotikum gut behandelbar. In Deutschland gilt nach Empfehlung des Robert Koch-Instituts: Etwa 24 Stunden nach der ersten Antibiotika-Gabe ist dein Kind in der Regel nicht mehr ansteckend. Ist es dann fieberfrei und fühlt sich gut, darf es meist wieder in die Schule. Ohne Antibiotikum bleibt es deutlich länger ansteckend. Die Schule musst du in Deutschland informieren. In Österreich und der Schweiz klärst du die Regeln am besten direkt mit Schule oder Kinderarzt.
Am Montagmorgen klagt deine Tochter über Halsweh, mittags ruft die Schule an: Sie hat Fieber und liegt im Sekretariat auf der Liege. Am Abend entdeckst du kleine rote Pünktchen in der Leiste, die sich anfühlen wie Schmirgelpapier. Beim Kinderarzt am nächsten Morgen dauert der Test nur ein paar Minuten. Das Ergebnis: Scharlach.
Scharlach klingt für viele Eltern alarmierender, als er heute meistens ist. Trotzdem tauchen sofort praktische Fragen auf. Wie lange muss sie zuhause bleiben? Was sage ich der Schule? Und was ist mit dem kleinen Bruder, der gestern noch aus ihrer Flasche getrunken hat? Hier findest du die Antworten, so wie sie für die meisten Familien gelten. Im Einzelfall entscheidet dein Kinderarzt.
Was Scharlach eigentlich ist
Scharlach wird durch bestimmte Bakterien ausgelöst, die sogenannten Streptokokken der Gruppe A. Sie verbreiten sich vor allem über Tröpfchen beim Husten, Niesen und Sprechen, also genau so, wie es in einem Klassenzimmer ständig passiert. Am häufigsten erkranken Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter. Erwachsene können sich aber ebenfalls anstecken.
Besonders oft tritt Scharlach im Winter und Frühling auf. In manchen Jahren gibt es in Schulen kleine Wellen, bei denen mehrere Kinder einer Klasse kurz hintereinander krank werden.
Woran du Scharlach erkennst
Scharlach beginnt meist plötzlich. Ein Kind, das am Vormittag noch normal gespielt hat, ist am Nachmittag schlapp und fiebrig. Typisch sind:
- Halsschmerzen und Schluckbeschwerden: Die Mandeln sind gerötet und geschwollen, manchmal mit weißlichen Belägen. Viele Kinder wollen deshalb kaum essen.
- Fieber: Oft steigt es schnell und recht hoch. Manche Kinder haben dazu Kopf- oder Bauchschmerzen, manche erbrechen.
- Ausschlag: Kleine, dicht stehende rote Pünktchen, die sich rau anfühlen. Er beginnt häufig in den Leisten oder Achseln und breitet sich dann aus. Die Haut rund um den Mund bleibt oft auffallend blass.
- Himbeerzunge: Die Zunge ist anfangs weißlich belegt und wird nach ein paar Tagen kräftig rot mit kleinen Erhebungen, ähnlich wie eine Himbeere.
Der Ausschlag fehlt allerdings manchmal oder ist so schwach, dass er kaum auffällt. Dann sieht die Erkrankung aus wie eine gewöhnliche Mandelentzündung. Ansteckend ist sie trotzdem genauso. Hat dein Kind starke Halsschmerzen und Fieber, aber keinen Schnupfen und keinen Husten, lohnt sich ein Besuch beim Kinderarzt.
Ein bis zwei Wochen nach der Erkrankung schält sich bei manchen Kindern die Haut an Händen und Füßen. Das sieht ungewohnt aus, ist aber harmlos und vergeht von selbst.
Beim Kinderarzt: Schnelltest und Antibiotikum
In der Praxis wird meistens ein Abstrich aus dem Rachen genommen. Mit einem Schnelltest liegt das Ergebnis oft schon nach wenigen Minuten vor. Für dein Kind ist das kurz unangenehm, weil das Stäbchen hinten im Hals einen Würgereiz auslösen kann. Sag ihm das ruhig vorher ehrlich:
„Die Ärztin streicht mit einem Wattestäbchen ganz kurz hinten über deinen Hals. Das kitzelt und ist ein bisschen eklig, aber nach zwei Sekunden ist es vorbei.“
Ist der Test positiv, verschreibt der Kinderarzt in aller Regel ein Antibiotikum. Viele Kinder fühlen sich damit schon nach ein bis zwei Tagen deutlich besser. Genau hier liegt eine Falle: Das Medikament muss trotzdem so lange gegeben werden, wie es verordnet wurde. Wer früher aufhört, riskiert, dass die Bakterien nicht vollständig verschwinden. Hilfreich ist eine kleine Liste am Kühlschrank, auf der dein Kind jede Dosis selbst abhaken darf. Schulkinder übernehmen so etwas oft mit Stolz.
Fällt es deinem Kind schwer, den Saft oder die Tabletten zu nehmen, sprich mit der Praxis oder Apotheke. Oft gibt es Tricks oder eine andere Darreichungsform, mit der es besser klappt.
Wann dein Kind wieder in die Schule darf
Für Deutschland empfiehlt das Robert Koch-Institut: Bekommt dein Kind ein passendes Antibiotikum, ist es in der Regel etwa 24 Stunden nach Beginn der Behandlung nicht mehr ansteckend. Ist es dann fieberfrei und fühlt sich wieder wohl, kann es meist zurück in die Schule. Wurde das Antibiotikum am Dienstagnachmittag zum ersten Mal gegeben, ist bei gutem Verlauf also oft der Donnerstag ein realistischer Schultag.
Ansteckungsfrei heißt aber nicht automatisch fit. Manche Kinder sind noch ein paar Tage müde, haben wenig Appetit oder schlafen schlecht wegen des Halses. Ein Tag mehr zuhause ist dann kein Drama. Wie du einschätzt, ob dein Kind wirklich schon wieder einen Schultag schafft, liest du im Ratgeber Kind krank: Wann zuhause bleiben, wann in die Schule?.
Ohne Antibiotikum sieht es anders aus. Dann kann ein Kind deutlich länger ansteckend sein, unter Umständen über Wochen. Wenn du dich gegen eine Behandlung entscheidest oder dein Kind das Medikament nicht verträgt, besprich unbedingt mit dem Kinderarzt, ab wann es wieder in die Schule darf.
Ob die Schule ein ärztliches Attest für die Rückkehr verlangt, ist unterschiedlich. Das Robert Koch-Institut hält es in der Regel nicht für nötig, manche Schulen oder Bundesländer wollen trotzdem eine Bestätigung. Ein kurzer Anruf im Sekretariat klärt das schnell.
Was du der Schule melden musst
In Deutschland gehört Scharlach zu den Krankheiten, die Eltern nach dem Infektionsschutzgesetz der Schule oder Kita mitteilen müssen. Es reicht also nicht, dein Kind einfach nur krankzumelden. Sag der Schule ausdrücklich, dass es sich um Scharlach handelt. Das kann zum Beispiel so klingen:
„Guten Morgen, ich möchte Lena aus der 3b krankmelden. Der Kinderarzt hat gestern Scharlach festgestellt, sie bekommt seit gestern Nachmittag ein Antibiotikum. Ich melde mich, sobald sie wieder kommen kann.“
Die Schule gibt die Information bei Bedarf an das Gesundheitsamt weiter und informiert die anderen Eltern, ohne den Namen deines Kindes zu nennen. Wie die Krankmeldung allgemein abläuft und welche Fristen es gibt, steht im Ratgeber Kind krankmelden in der Schule.
In Österreich und der Schweiz sind die Regeln nicht deckungsgleich mit Deutschland. In der Schweiz unterscheiden sie sich zum Teil sogar von Kanton zu Kanton. Informiere die Schule auf jeden Fall, dass es Scharlach ist, und frag dort oder beim Kinderarzt nach, ab wann dein Kind wiederkommen darf und ob eine Bestätigung nötig ist.
Geschwister und der Rest der Familie
Gesunde Geschwister dürfen in Deutschland nach Empfehlung des Robert Koch-Instituts in der Regel weiter in Schule oder Kita gehen. Beobachte sie in den folgenden Tagen aber genau. Wenn ein Geschwisterkind Halsschmerzen oder Fieber bekommt, lass es testen, bevor es wieder losgeht.
Zuhause helfen einfache Dinge: eigene Gläser und Besteck für das kranke Kind, regelmäßiges Händewaschen und Taschentücher, die direkt im Müll landen. Ganz verhindern lässt sich eine Ansteckung in einer Familie oft nicht, du senkst aber das Risiko.
Viele Eltern sind überrascht, dass Scharlach mehrfach auftreten kann. Eine überstandene Erkrankung schützt nicht dauerhaft, weil es verschiedene Streptokokken-Typen gibt. Eine Impfung gegen Scharlach gibt es derzeit nicht. Wenn dein Kind also im nächsten Winter wieder ähnliche Beschwerden hat, denk an Scharlach, auch wenn es ihn schon hatte.
Musst du für die Betreuung zuhause bleiben, kannst du in Deutschland unter bestimmten Voraussetzungen Kinderkrankengeld bekommen. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Kinderkrankengeld beantragen.
Wann du nochmal zum Kinderarzt solltest
Mit Antibiotikum heilt Scharlach bei den allermeisten Kindern ohne Folgen aus. Selten kommt es zu Komplikationen, manchmal noch Wochen nach der eigentlichen Erkrankung. Stell dein Kind wieder in der Praxis vor, wenn dir in dieser Zeit etwas auffällt, zum Beispiel:
- Das Fieber geht trotz Antibiotikum nach zwei bis drei Tagen nicht zurück, oder es kommt wieder.
- Dein Kind klagt über Ohrenschmerzen oder hat eine dicke, schmerzhafte Schwellung am Hals.
- Der Urin ist auffallend dunkel, bräunlich oder rötlich, oder die Augenlider sind morgens geschwollen.
- Gelenke tun weh, schwellen an oder werden warm, gerade in den Wochen nach der Erkrankung.
- Dein Kind wirkt ungewöhnlich erschöpft, kurzatmig oder einfach anders als sonst, und du hast ein ungutes Gefühl.
Das sind keine Gründe zur Panik, sondern Zeichen, die ein Arzt anschauen sollte. Lieber einmal zu viel nachfragen als einmal zu wenig. Bei Atemnot, starker Benommenheit oder wenn dein Kind kaum noch trinkt, ruf sofort ärztliche Hilfe.
Bei einer Grippe gelten andere Regeln für die Rückkehr, weil kein Antibiotikum hilft. Was dort zählt, liest du im Ratgeber Kind hat Grippe: Wann wieder in die Schule.
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Häufige Fragen
Wann darf mein Kind mit Scharlach wieder in die Schule?
In Deutschland gilt nach Empfehlung des Robert Koch-Instituts: Bekommt dein Kind ein Antibiotikum, ist es in der Regel etwa 24 Stunden nach Beginn der Behandlung nicht mehr ansteckend. Ist es dann fieberfrei und fühlt sich wieder fit, darf es meist zurück in die Schule. In Österreich und der Schweiz können die Regeln anders sein. Frag dort bei der Schule oder beim Kinderarzt nach.
Muss ich der Schule sagen, dass mein Kind Scharlach hat?
In Deutschland ja. Scharlach gehört zu den Krankheiten, die Eltern nach dem Infektionsschutzgesetz der Schule oder Kita mitteilen müssen. Die Schule informiert dann gegebenenfalls das Gesundheitsamt und die anderen Eltern, ohne den Namen deines Kindes zu nennen. In Österreich und der Schweiz frag am besten direkt in der Schule, was dort verlangt wird.
Gibt es Scharlach auch ohne Ausschlag?
Ja. Der typische Ausschlag fehlt manchmal oder ist kaum zu sehen. Dann stehen Halsschmerzen, Fieber und gerötete Mandeln im Vordergrund. Ansteckend ist eine solche Streptokokken-Infektion trotzdem. Deshalb lohnt sich bei starken Halsschmerzen mit Fieber ein Besuch beim Kinderarzt, auch wenn die Haut unauffällig aussieht.
Warum muss mein Kind das Antibiotikum zu Ende nehmen, wenn es ihm schon besser geht?
Viele Kinder fühlen sich nach ein bis zwei Tagen deutlich besser. Die Bakterien sind dann aber noch nicht alle verschwunden. Wer zu früh aufhört, riskiert, dass die Krankheit wiederkommt oder später Folgeerkrankungen auftreten. Gib das Medikament deshalb so lange, wie es der Kinderarzt verordnet hat.
Kann mein Kind mehrmals Scharlach bekommen?
Ja. Nach einer Erkrankung ist man nicht dauerhaft geschützt, weil es verschiedene Streptokokken-Typen gibt. Manche Kinder haben Scharlach zwei- oder dreimal. Eine Impfung gegen Scharlach gibt es derzeit nicht.
Dürfen die Geschwister weiter in die Schule?
In Deutschland müssen gesunde Geschwister nach Empfehlung des Robert Koch-Instituts in der Regel nicht zuhause bleiben. Beobachte sie aber in den folgenden Tagen gut. Bekommt ein Geschwisterkind Halsschmerzen oder Fieber, lass es beim Kinderarzt anschauen und schick es nicht ungetestet los. In Österreich und der Schweiz frag im Zweifel nach.