Von der Kinwords Redaktion

Keuchhusten beim Kind: Wie ansteckend, wann in die Schule?

Keuchhusten beim Schulkind: Anzeichen und Stadien, wie lange es ansteckend ist, wann es wieder in die Schule darf und wann du sofort den Notruf wählst.

Kinwords Redaktion 8 Min. Lesezeit

Kurz gesagt: Keuchhusten beim Kind ist sehr ansteckend, vor allem in den ersten ein bis zwei Wochen, wenn er noch wie eine Erkältung wirkt. Ohne Behandlung bleibt ein Kind bis etwa drei Wochen nach Beginn der Hustenanfälle ansteckend, mit einem wirksamen Antibiotikum nur noch etwa fünf Tage. In Deutschland darf es nach den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts in der Regel frühestens fünf Tage nach Beginn der Antibiotika-Behandlung wieder in die Schule. Die Schule musst du informieren. Atemaussetzer oder Blauwerden sind ein Notfall: 112 in Deutschland, 144 in Österreich und der Schweiz.

Seit Tagen hustet dein Kind, nachts wird es schlimmer, und manchmal klingt es, als bekäme es nach einem Anfall kaum Luft. Dann kommt eine Nachricht aus der Klasse: Ein Kind hat Keuchhusten. Viele Eltern sind in diesem Moment verunsichert. Ist das gefährlich? Muss mein Kind zuhause bleiben, und wie lange? Und was ist mit dem kleinen Geschwisterkind? Dieser Ratgeber erklärt dir, woran du Keuchhusten erkennst, wie die Krankheit verläuft, wann dein Kind wieder in die Schule darf und wann du nicht abwarten solltest.

Was ist Keuchhusten?

Keuchhusten, in der Fachsprache Pertussis, ist eine Infektion der Atemwege mit dem Bakterium Bordetella pertussis. Das Bakterium bildet Giftstoffe, die die Schleimhaut der Atemwege reizen und schädigen. Deshalb hält der Husten so lange an, oft viele Wochen. Im Volksmund heißt Keuchhusten auch Hundert-Tage-Husten.

Die Krankheit ist keine reine Kinderkrankheit. Auch Jugendliche und Erwachsene stecken sich an, weil weder die Impfung noch eine überstandene Erkrankung lebenslang schützen. Für Schulkinder ist Keuchhusten meist zwar belastend, aber selten gefährlich. Gefährlich wird er vor allem für Säuglinge, die noch nicht oder nicht vollständig geimpft sind.

Anzeichen und Verlauf: Die drei Stadien

Nach der Ansteckung dauert es meist etwa neun bis zehn Tage, manchmal bis zu drei Wochen, bis die ersten Beschwerden beginnen. Danach verläuft Keuchhusten klassisch in drei Abschnitten:

  • Erkältungsstadium (ein bis zwei Wochen): Schnupfen, leichter Husten, manchmal etwas Fieber. Dein Kind wirkt erkältet, mehr nicht. Genau jetzt ist es am ansteckendsten.
  • Anfallsstadium (etwa vier bis sechs Wochen): Es kommen heftige Hustenanfälle mit vielen kurzen Hustenstößen hintereinander. Danach zieht dein Kind die Luft oft mit einem pfeifenden oder juchzenden Geräusch ein. Viele Kinder würgen Schleim hoch oder erbrechen nach dem Anfall. Die Anfälle sind nachts häufiger. Zwischen den Anfällen wirkt das Kind oft fast gesund.
  • Erholungsstadium (mehrere Wochen): Die Anfälle werden seltener und schwächer. Ein Reizhusten kann aber noch lange bleiben und bei jeder neuen Erkältung wieder aufflackern.

Bei geimpften Schulkindern und Jugendlichen sieht Keuchhusten oft anders aus. Das typische Ziehen beim Einatmen fehlt häufig. Übrig bleibt ein hartnäckiger, trockener Husten, der über Wochen nicht besser wird. Wenn dein Kind länger als zwei Wochen hustet, vor allem in Anfällen und nachts, lass es ärztlich anschauen, auch wenn es geimpft ist.

Wie ansteckend ist Keuchhusten und wie lange?

Keuchhusten ist sehr ansteckend. Die Bakterien verbreiten sich über Tröpfchen beim Husten, Niesen und Sprechen, vor allem im Abstand von bis zu etwa einem Meter. Im Klassenzimmer, im Bus oder beim gemeinsamen Spielen steckt sich ein ungeschütztes Kind deshalb leicht an.

Die Ansteckungsfähigkeit beginnt schon am Ende der Inkubationszeit, also bevor dein Kind richtig krank wirkt. Am höchsten ist sie im Erkältungsstadium. Ohne Behandlung kann ein Kind bis etwa drei Wochen nach Beginn der Hustenanfälle ansteckend bleiben. Mit einem passenden Antibiotikum verkürzt sich diese Zeit auf etwa fünf Tage nach Beginn der Einnahme. Das ist der wichtigste Grund, früh zur Ärztin oder zum Arzt zu gehen.

Diagnose und Behandlung

Die Ärztin oder der Arzt erkennt Keuchhusten oft am typischen Husten und an deiner Beschreibung. Hilfreich ist ein kurzes Video von einem Hustenanfall auf dem Handy, denn in der Praxis hustet dein Kind meist nicht. In den ersten Wochen lässt sich der Erreger mit einem Abstrich aus dem Nasen-Rachen-Raum nachweisen, später eher über eine Blutuntersuchung.

Behandelt wird mit einem Antibiotikum, meist aus der Gruppe der Makrolide. Es tötet die Bakterien ab und beendet die Ansteckung. Den Husten verkürzt es nur, wenn es sehr früh gegeben wird. Ist das Anfallsstadium schon da, dauert der Husten trotzdem noch Wochen, weil die Schleimhaut Zeit zum Heilen braucht. Hustensaft hilft bei Keuchhusten wenig.

Zuhause kannst du deinem Kind die Wochen leichter machen:

  • Ruhe: Aufregung, Toben und kalte Luft lösen Anfälle aus. Ruhige Tage helfen.
  • Kleine Mahlzeiten: Mehrere kleine Portionen statt großer, falls dein Kind nach Anfällen erbricht.
  • Viel trinken: Das hält den Schleim flüssiger.
  • Frische Luft im Zimmer: Regelmäßig lüften, nicht rauchen in der Wohnung.
  • Beistand beim Anfall: Setz dein Kind aufrecht hin, bleib bei ihm und sprich ruhig. Ein Anfall fühlt sich für Kinder beängstigend an.

Keuchhusten und Schule: Wann darf dein Kind wieder hin?

In Deutschland gehört Keuchhusten zu den Krankheiten, bei denen das Infektionsschutzgesetz den Besuch von Schule und Kita verbietet, solange das Kind ansteckend sein könnte. Das gilt schon beim Verdacht. Nach den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts darf ein Kind in der Regel frühestens fünf Tage nach Beginn einer wirksamen Antibiotika-Behandlung wieder in die Schule. Ohne Antibiotikum gilt es etwa drei Wochen nach Beginn der Hustenanfälle als nicht mehr ansteckend. Ob die Schule ein ärztliches Attest verlangt, ist unterschiedlich geregelt. Frag am besten in der Praxis und bei der Schule nach.

In Österreich und der Schweiz gibt es keine identische Regel. Hier legen die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt und die zuständige Gesundheitsbehörde fest, wann dein Kind wieder gehen darf. Auch dort orientiert man sich daran, ob dein Kind noch ansteckend ist, also meist an der Dauer der Antibiotika-Behandlung.

Wichtig: Dein Kind darf zurück, wenn es nicht mehr ansteckend ist und sich fit genug fühlt. Hustet es noch, ist das normal. Gib der Lehrkraft Bescheid, dass der Husten noch Wochen dauern kann und nicht mehr ansteckend ist. Bei starken Anfällen in der Nacht ist ein Kind morgens oft müde. Sprecht ab, ob es im Sport vorerst pausiert.

Meldepflicht: Schule informieren

In Deutschland bist du als Elternteil verpflichtet, die Schule sofort zu informieren, wenn dein Kind Keuchhusten hat oder der Verdacht besteht. Die Schule meldet das dem Gesundheitsamt. Zusätzlich muss die Arztpraxis oder das Labor Keuchhusten an das Gesundheitsamt melden. Andere Eltern werden von der Schule in der Regel anonym informiert, also ohne den Namen deines Kindes.

Auch in Österreich ist Keuchhusten meldepflichtig, die Meldung übernimmt die Ärztin oder der Arzt. In der Schweiz regeln Kanton und Schule, wie Erkrankungen gemeldet werden. Unabhängig vom Land gilt: Sag der Schule Bescheid. So können Familien mit Babys, Schwangeren oder chronisch kranken Kindern sich rechtzeitig schützen. Wie du dein Kind richtig krankmeldest, erklären wir im Ratgeber Kind krankmelden in der Schule: Was Eltern wissen müssen.

Geschwister und Säuglinge schützen

Für Babys ist Keuchhusten die größte Gefahr. Gerade in den ersten Lebensmonaten verläuft er oft schwer. Säuglinge husten manchmal gar nicht richtig, sondern haben Atemaussetzer, werden blass oder blau und trinken schlecht. Viele müssen ins Krankenhaus. Lebt ein Baby in eurem Haushalt, rufe noch am selben Tag in der Kinderarztpraxis an, sobald bei einem älteren Kind Keuchhusten vermutet wird.

Häufig empfiehlt die Ärztin oder der Arzt dann, dass enge Kontaktpersonen im Haushalt vorsorglich ein Antibiotikum nehmen, besonders wenn sie nicht vollständig geimpft sind oder ein Säugling oder eine Schwangere in der Familie ist. Das entscheidet die Praxis im Einzelfall. Gesunde Geschwister ohne Husten dürfen in Deutschland in der Regel weiter in Schule oder Kita gehen. Treten bei ihnen Husten oder Erkältungszeichen auf, bleiben sie zuhause und werden ärztlich untersucht.

  • Abstand: Das kranke Kind kuschelt in der ansteckenden Zeit möglichst nicht mit dem Baby und schläft nicht im selben Zimmer.
  • Hände waschen: Alle in der Familie waschen sich häufig die Hände, besonders vor dem Kontakt mit dem Baby.
  • In die Armbeuge husten: Üb das mit deinem Kind, Taschentücher gleich entsorgen.
  • Impfstatus prüfen: Schau in die Impfpässe aller Erwachsenen und Geschwister im Haushalt.

Impfung und Auffrischung in DE, AT und CH

Die Impfung ist der beste Schutz gegen schwere Verläufe. Sie wird als Kombinationsimpfung gegeben, meist zusammen mit Tetanus und Diphtherie, im Säuglingsalter auch mit weiteren Impfstoffen. Weil der Schutz nach einigen Jahren nachlässt, sind Auffrischungen im Schulalter wichtig.

  • Deutschland: Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt nach der Grundimmunisierung im ersten Lebensjahr Auffrischungen mit 5 bis 6 Jahren und noch einmal zwischen 9 und 16 Jahren. Erwachsene sollen einmal mit der nächsten Tetanus-Diphtherie-Impfung auch gegen Keuchhusten aufgefrischt werden.
  • Österreich: Laut österreichischem Impfplan folgt nach der Grundimmunisierung eine Auffrischung im Volksschulalter, danach regelmäßig im Abstand von etwa zehn Jahren. Im Schulalter wird die Impfung oft im Rahmen der Schulimpfungen angeboten.
  • Schweiz: Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) empfiehlt nach der Grundimpfung Auffrischungen zwischen 4 und 7 Jahren und noch einmal zwischen 11 und 15 Jahren.

In allen drei Ländern wird zudem empfohlen, dass sich Schwangere in jeder Schwangerschaft gegen Keuchhusten impfen lassen. Die Abwehrstoffe gehen auf das Baby über und schützen es in den ersten Monaten, bevor es selbst geimpft werden kann. Auch Eltern, Großeltern und Betreuungspersonen von Säuglingen sollten geschützt sein. Welche Impfung bei deinem Kind als nächstes ansteht, sagt dir die Kinderarztpraxis anhand des Impfpasses. Einen Überblick gibt der Ratgeber Impfungen für Schulkinder: Was Pflicht ist und was empfohlen wird.

Wann sofort zum Arzt oder Notruf?

Die meisten Schulkinder überstehen Keuchhusten zuhause. Es gibt aber Warnzeichen, bei denen du nicht abwarten solltest. Wähle sofort den Notruf, 112 in Deutschland, 144 in Österreich und der Schweiz, wenn:

  • dein Kind während oder nach einem Anfall aufhört zu atmen
  • Lippen oder Gesicht blau oder grau werden und sich nicht schnell erholen
  • dein Kind nach einem Anfall schlaff, kaum ansprechbar oder bewusstlos ist
  • es einen Krampfanfall hat
  • ein Säugling Atempausen macht, auch ohne Husten

Noch am selben Tag in die Praxis gehört dein Kind, wenn es hohes Fieber bekommt, schnell oder angestrengt atmet, kaum noch trinkt, wenig Urin hat oder nach Anfällen völlig erschöpft ist. Hohes Fieber kann auf eine zusätzliche Lungenentzündung hinweisen, eine der häufigsten Komplikationen.

Die lange Hustenzeit gut überstehen

Keuchhusten zieht sich, und das zehrt an der ganzen Familie. Nächte mit Hustenanfällen machen Kinder und Eltern müde. Sag deinem Kind, dass der Husten noch eine Weile bleibt, aber jede Woche ein bisschen besser wird. Ist es wieder in der Schule, helfen eine Wasserflasche am Platz und die Erlaubnis, bei einem Anfall kurz rauszugehen. Und wenn du merkst, dass du selbst erschöpft bist: Das ist bei einem wochenlangen Husten ganz normal. Hol dir Unterstützung, wo es geht.

Hinweis: Dieser Ratgeber gibt allgemeine Informationen und ersetzt keine ärztliche Untersuchung und Beratung. Die Regeln zur Wiederzulassung und zu Impfungen können sich ändern. Maßgeblich sind die Vorgaben deiner Ärztin oder deines Arztes und des zuständigen Gesundheitsamts. Bei Atemaussetzern, Blauwerden, Bewusstlosigkeit oder Krampfanfall wähle sofort den Notruf: 112 in Deutschland, 144 in Österreich und der Schweiz.

Häufige Fragen

Wie lange ist ein Kind mit Keuchhusten ansteckend?

Am ansteckendsten ist Keuchhusten in den ersten ein bis zwei Wochen, wenn er noch wie eine Erkältung aussieht. Ohne Behandlung kann ein Kind bis etwa drei Wochen nach Beginn der typischen Hustenanfälle ansteckend bleiben. Mit einem passenden Antibiotikum verkürzt sich die Zeit auf etwa fünf Tage nach Beginn der Einnahme. Der Husten selbst hält oft viel länger an, ist dann aber nicht mehr ansteckend.

Wann darf mein Kind mit Keuchhusten wieder in die Schule?

Nach den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts in Deutschland in der Regel frühestens fünf Tage nach Beginn einer wirksamen Antibiotika-Behandlung. Ohne Antibiotikum gilt ein Kind etwa drei Wochen nach Beginn der Hustenanfälle nicht mehr als ansteckend. Ob die Schule ein ärztliches Attest verlangt, ist unterschiedlich geregelt. In Österreich und der Schweiz geben Ärztin oder Arzt und die Gesundheitsbehörde den Zeitpunkt vor. Frag im Zweifel in der Praxis nach.

Muss ich der Schule sagen, dass mein Kind Keuchhusten hat?

Ja. In Deutschland verpflichtet das Infektionsschutzgesetz Eltern, die Schule zu informieren, wenn ihr Kind an Keuchhusten erkrankt ist oder der Verdacht besteht. Die Schule meldet das dem Gesundheitsamt und kann andere Eltern anonym warnen. Auch in Österreich und der Schweiz ist es sinnvoll und üblich, die Schule sofort zu informieren, damit gefährdete Familien sich schützen können.

Kann ein geimpftes Kind Keuchhusten bekommen?

Ja. Der Schutz der Keuchhusten-Impfung lässt nach einigen Jahren nach, deshalb gibt es Auffrischungen im Schulalter. Auch wer Keuchhusten schon einmal hatte, ist nicht lebenslang geschützt. Bei geimpften Kindern verläuft die Krankheit meist milder. Oft fehlt das typische Ziehen beim Einatmen, und es bleibt nur ein hartnäckiger Husten über viele Wochen.

Wie schütze ich ein Baby in der Familie vor Keuchhusten?

Sprich sofort mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt, wenn ein älteres Geschwisterkind Keuchhusten hat und ein Säugling im Haushalt lebt. Oft bekommen enge Kontaktpersonen dann vorsorglich ein Antibiotikum. Das Baby sollte so wenig Kontakt wie möglich zum hustenden Kind haben, und alle waschen sich häufig die Hände. Prüft außerdem, ob alle Erwachsenen im Haushalt eine aktuelle Keuchhusten-Impfung haben.

Wann muss ich mit Keuchhusten den Notruf wählen?

Wenn dein Kind während oder nach einem Hustenanfall aufhört zu atmen, blau oder sehr blass im Gesicht wird, kaum noch ansprechbar ist oder einen Krampfanfall hat. Dann wählst du sofort den Notruf: 112 in Deutschland, 144 in Österreich und der Schweiz. Bei Säuglingen ist besondere Vorsicht nötig, denn sie haben statt Husten manchmal nur Atemaussetzer.

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