Von der Kinwords Redaktion

Mandelentzündung beim Kind: Wann wieder in die Schule?

Mandelentzündung beim Kind: Woran du Angina erkennst, was der Strep-Test zeigt, was zu Hause hilft und ab wann dein Kind wieder in die Schule gehen kann.

Kinwords Redaktion 8 Min. Lesezeit

Kurz gesagt: Eine Mandelentzündung beim Kind zeigt sich durch starke Halsschmerzen, Schluckbeschwerden, gerötete und geschwollene Mandeln und oft Fieber. Meist stecken Viren dahinter, dann helfen Ruhe, viel Trinken und bei Bedarf ein Schmerzmittel. Weist ein Schnelltest Streptokokken nach, bekommt dein Kind ein Antibiotikum. Zurück in die Schule kann es, wenn es fieberfrei ist und sich wieder fit fühlt. Bei Streptokokken mit Antibiotikum ist das in der Regel frühestens etwa 24 Stunden nach Behandlungsbeginn der Fall.

Am Abend war noch alles gut, am Morgen sitzt dein Kind blass am Frühstückstisch, schiebt das Brot weg und sagt, dass es kaum schlucken kann. Du schaust in den Hals und siehst dicke, rote Mandeln, vielleicht mit weißen Pünktchen. Eine Mandelentzündung, auch Angina oder Tonsillitis genannt, gehört zu den häufigsten Gründen, warum Schulkinder ein paar Tage zuhause bleiben. Dieser Ratgeber erklärt dir, woran du sie erkennst, wann ein Antibiotikum nötig ist, was zu Hause hilft und ab wann dein Kind wieder in die Schule gehen kann.

Was ist eine Mandelentzündung?

Die Gaumenmandeln sitzen links und rechts hinten im Rachen. Sie gehören zum Abwehrsystem und fangen Erreger ab, die über Mund und Nase eindringen. Bei einer Mandelentzündung schwellen sie an, röten sich und tun weh. Das ist besonders bei Kindern zwischen etwa fünf und fünfzehn Jahren häufig, weil ihre Mandeln sehr aktiv arbeiten und sie in Schule und Freizeit ständig neuen Keimen begegnen.

Die meisten Mandelentzündungen werden von Viren ausgelöst, oft im Rahmen einer Erkältung. Ein Teil geht auf Bakterien zurück, vor allem auf Streptokokken der Gruppe A. Bei Schulkindern trifft das ungefähr auf jede vierte bis fünfte Mandelentzündung zu, bei Kleinkindern deutlich seltener. Ansteckend sind beide Formen, die Erreger werden über Tröpfchen beim Husten und Sprechen oder über gemeinsam benutzte Becher und Besteck weitergegeben.

Woran erkennst du eine Mandelentzündung beim Kind?

Typisch ist, dass die Beschwerden innerhalb von Stunden beginnen. Diese Zeichen sind häufig:

  • starke Halsschmerzen, die beim Schlucken schlimmer werden
  • gerötete, geschwollene Mandeln, manchmal mit weißlich-gelben Belägen oder Stippchen
  • Fieber, oft plötzlich und hoch
  • geschwollene, druckempfindliche Lymphknoten am Hals unter dem Kiefer
  • kloßige Stimme, Mundgeruch, wenig Appetit
  • bei jüngeren Schulkindern auch Bauchschmerzen, Übelkeit oder Kopfschmerzen

Nicht jedes Kind kann gut beschreiben, wo es wehtut. Manche sagen nur, dass sie keinen Hunger haben, oder trinken auffällig wenig. Wenn dein Kind gleichzeitig Schnupfen, Husten und eine heisere Stimme hat, spricht das eher für Viren. Fehlt der Husten und kommen hohes Fieber und geschwollene Halslymphknoten dazu, denkt die Ärztin eher an Streptokokken.

Viral oder bakteriell: Was der Strep-Schnelltest zeigt

Allein durch Hinschauen lässt sich nicht sicher sagen, ob Viren oder Bakterien die Mandeln entzündet haben. Weiße Beläge gibt es bei beidem. Deshalb macht die Kinderarztpraxis bei Verdacht auf Streptokokken oft einen Schnelltest. Dafür streicht die Ärztin mit einem Wattestäbchen über die Mandeln. Das ist kurz unangenehm, tut aber nicht weh. Das Ergebnis liegt meist nach wenigen Minuten vor.

  • Test positiv: Es sind Streptokokken nachgewiesen. Dein Kind bekommt in der Regel ein Antibiotikum, meist Penicillin. Wichtig ist, es so lange zu geben, wie verordnet, auch wenn es deinem Kind schnell besser geht.
  • Test negativ: Wahrscheinlich sind Viren die Ursache. Ein Antibiotikum hilft dann nicht und kann Nebenwirkungen wie Durchfall verursachen. Bei unklarem Bild schickt die Praxis manchmal zusätzlich einen Abstrich ins Labor.

Eine Sonderform ist das Pfeiffersche Drüsenfieber, ausgelöst durch das Epstein-Barr-Virus. Es kann aussehen wie eine heftige Mandelentzündung, dauert aber oft länger, macht sehr müde und geht mit stark geschwollenen Lymphknoten einher. Wenn eine Angina nach einigen Tagen nicht besser wird, denkt die Ärztin auch daran.

Mandelentzündung oder Scharlach?

Scharlach und Streptokokken-Angina haben denselben Auslöser. Bei Scharlach bilden die Bakterien zusätzlich ein Gift, das einen feinen, rauen Ausschlag verursacht. Er beginnt oft in der Leiste und unter den Achseln und fühlt sich an wie Sandpapier. Dazu kommen häufig eine himbeerrote Zunge und eine auffällige Blässe rund um den Mund. Ohne Ausschlag spricht man von einer Streptokokken-Angina.

Behandelt werden beide gleich, und auch für die Rückkehr in die Schule gelten ähnliche Regeln. Wenn du bei deinem Kind zusätzlich einen Ausschlag entdeckst, lies den Ratgeber Scharlach beim Kind: Wann darf es wieder in die Schule?.

Was hilft deinem Kind zu Hause?

Ob Viren oder Bakterien: Dein Kind braucht vor allem Ruhe und Flüssigkeit. Diese Dinge machen die Tage leichter:

  • Viel trinken: Lauwarmer Tee, Wasser oder verdünnter Saft. Saure Säfte brennen oft im Hals. Biete lieber oft kleine Mengen an als selten ein großes Glas.
  • Weiche, kühle Kost: Joghurt, Pudding, Suppe, Kartoffelbrei oder ein Eis werden oft besser vertragen als Brot. Es ist kein Problem, wenn dein Kind zwei Tage wenig isst, solange es genug trinkt.
  • Schmerzmittel bei Bedarf: Ibuprofen oder Paracetamol lindern Schmerzen und Fieber. Dosiere genau nach Gewicht und Alter laut Packungsbeilage oder nach Rat der Praxis oder Apotheke. Gib Kindern keine Acetylsalicylsäure, also kein Aspirin.
  • Lutschtabletten und Halswickel: Ältere Schulkinder empfinden Lutschpastillen aus der Apotheke oft als angenehm. Ein kühler oder warmer Halswickel ist ein altes Hausmittel. Wissenschaftlich belegt ist der Nutzen nicht, aber wenn es deinem Kind guttut, spricht nichts dagegen.
  • Schonen statt schuften: Bettruhe muss nicht sein, aber Toben, Sport und Hausaufgaben-Marathon können warten.
  • Ansteckung bremsen: Eigenes Glas, eigenes Handtuch, Hände waschen. Nach zwei Tagen Antibiotikum lohnt sich bei Streptokokken eine neue Zahnbürste.

Wann solltest du mit deinem Kind zum Arzt?

Bei leichten Halsschmerzen mit Schnupfen kannst du oft ein, zwei Tage abwarten. Geh mit deinem Kind in die Kinderarztpraxis, wenn:

  • es hohes Fieber hat oder das Fieber länger als drei Tage anhält
  • es kaum noch trinkt, deutlich weniger Pipi macht oder sehr schlapp ist
  • die Halsschmerzen stark sind und kein Husten oder Schnupfen dabei ist
  • ein Ausschlag dazukommt
  • es nach einigen Tagen nicht besser, sondern schlechter wird
  • die Schmerzen deutlich auf einer Seite sitzen, die Stimme sehr kloßig wird oder dein Kind den Mund kaum öffnen kann. Das kann auf einen Abszess neben der Mandel hinweisen, der rasch behandelt werden muss.

Außerhalb der Praxiszeiten erreichst du in Deutschland den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117, in Österreich die Gesundheitshotline 1450. In der Schweiz hilft die Hausarzt- oder Kinderarztpraxis, außerhalb der Zeiten die Notfallnummer deines Kantons.

Sofort den Notruf wählst du, also 112 in Deutschland oder 144 in Österreich und der Schweiz, wenn dein Kind schwer Luft bekommt, seinen Speichel nicht mehr schlucken kann und stark sabbert, kaum noch ansprechbar ist oder sehr krank wirkt.

Mandelentzündung: Wann darf dein Kind wieder in die Schule?

Das hängt davon ab, was die Mandelentzündung ausgelöst hat und wie es deinem Kind geht. Als Orientierung:

  • Virale Mandelentzündung: Dein Kind kann wieder gehen, wenn es fieberfrei ist und sich fit genug für einen Schultag fühlt. Viele Kinderärztinnen und Kinderärzte raten, dafür etwa einen Tag ohne Fieber und ohne fiebersenkende Mittel abzuwarten.
  • Streptokokken mit Antibiotikum: Nach Empfehlung des Robert Koch-Instituts ist dein Kind in der Regel etwa 24 Stunden nach Beginn der Behandlung nicht mehr ansteckend. Ist es dann fieberfrei und munter, kann es meist wieder in die Schule. Bekommt dein Kind die erste Tablette am Montagnachmittag, ist bei gutem Verlauf also oft der Mittwoch ein realistischer Schultag.
  • Streptokokken ohne Antibiotikum: Dann bleibt dein Kind deutlich länger ansteckend, unter Umständen über Wochen. Sprich in diesem Fall mit der Praxis, wann es wieder gehen kann.

Wichtig ist auch, wie fit dein Kind ist. Wer noch kaum schlucken kann, nichts isst und nach einer Stunde Lesen erschöpft ist, profitiert von einem weiteren Tag zuhause, auch wenn es formal wieder dürfte. Mehr Orientierung gibt dir der Ratgeber Kind mit Fieber in die Schule schicken: Ab wann zu Hause bleiben?.

In Deutschland zählen Infektionen mit Streptokokken der Gruppe A, also auch Scharlach und Streptokokken-Angina, zu den Erkrankungen, die du der Schule nach dem Infektionsschutzgesetz mitteilen musst. Ob ein ärztliches Attest für die Rückkehr nötig ist, regelt die Schule bzw. das Bundesland. In Österreich und der Schweiz regeln das Schule bzw. Bundesland oder Kanton, frag im Zweifel im Sekretariat nach. Wie die Krankmeldung abläuft, liest du im Ratgeber Kind krank: Wann zuhause bleiben, wann in die Schule?.

Häufige Mandelentzündungen: Wann ist eine Mandel-OP ein Thema?

Manche Kinder haben gefühlt jeden Winter mehrmals Angina. Das ist anstrengend, aber meist kein Grund für eine Operation. Bei vielen Kindern werden die Entzündungen mit zunehmendem Alter von selbst seltener. Fachleute raten deshalb in der Regel, bei drei bis fünf Mandelentzündungen im Jahr erst einige Monate abzuwarten und zu beobachten.

Über eine Operation wird gesprochen, wenn dein Kind sehr häufig ärztlich festgestellte Mandelentzündungen hat, etwa sechs oder mehr innerhalb eines Jahres, wenn sich ein Abszess gebildet hat oder wenn große Mandeln nachts zu Schnarchen mit Atemaussetzern führen. Heute wird bei Kindern oft nur ein Teil der Mandeln entfernt, das nennt man Tonsillotomie. Die Erholung ist dabei meist kürzer als bei der vollständigen Entfernung. Welche Form passt, besprichst du mit der Kinderarztpraxis und einer HNO-Ärztin. Wenn dein Kind auch sonst sehr oft krank ist, findest du Hintergründe im Ratgeber Kind ist ständig krank.

Für dich als Elternteil gilt: Wenn dein Kind zuhause bleiben muss und du arbeitest, hast du in Deutschland Anspruch auf Kinderkrankentage, in Österreich auf Pflegefreistellung. In der Schweiz kannst du für die Betreuung eines kranken Kindes in der Regel bis zu drei Tage pro Krankheitsfall der Arbeit fernbleiben.

Hinweis: Dieser Ratgeber gibt allgemeine Informationen und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Wenn dein Kind schwer Luft bekommt, seinen Speichel nicht mehr schlucken kann oder sehr krank wirkt, wähle sofort den Notruf: 112 in Deutschland, 144 in Österreich und der Schweiz. Außerhalb der Praxiszeiten hilft in Deutschland der Bereitschaftsdienst unter 116 117, in Österreich die Gesundheitshotline 1450, in der Schweiz die Notfallnummer deines Kantons.

Häufige Fragen

Ist eine Mandelentzündung ansteckend?

Ja. Egal ob Viren oder Bakterien dahinterstecken, die Erreger werden beim Husten, Niesen, Sprechen und über gemeinsam benutzte Becher weitergegeben. Bei einer viralen Mandelentzündung ist dein Kind ansteckend, solange es deutliche Beschwerden hat. Bei Streptokokken endet die Ansteckung in der Regel etwa 24 Stunden nach Beginn der Antibiotika-Behandlung.

Braucht mein Kind bei Mandelentzündung immer ein Antibiotikum?

Nein. Bei Schulkindern stecken meist Viren hinter einer Mandelentzündung, und gegen Viren wirken Antibiotika nicht. Ein Antibiotikum ist sinnvoll, wenn ein Schnelltest oder Abstrich Streptokokken nachweist oder die Ärztin aus anderen Gründen eine bakterielle Infektion annimmt. Dann sollte dein Kind es so lange nehmen, wie verordnet, auch wenn es ihm schon nach zwei Tagen besser geht.

Was ist der Unterschied zwischen Mandelentzündung und Scharlach?

Scharlach wird von denselben Streptokokken ausgelöst wie die bakterielle Mandelentzündung. Zusätzlich bilden die Bakterien bei Scharlach ein Gift, das einen feinen, rauen Hautausschlag und oft eine himbeerrote Zunge verursacht. Ohne Ausschlag spricht man von einer Streptokokken-Angina. Behandelt werden beide gleich, und auch die Regeln für die Rückkehr in die Schule sind ähnlich.

Ab wann darf mein Kind nach einer Mandelentzündung wieder in die Schule?

Bei einer viralen Mandelentzündung, sobald es fieberfrei ist und sich wieder fit fühlt. Viele Kinderärzte raten, dafür etwa einen Tag ohne Fieber und ohne fiebersenkende Mittel abzuwarten. Bei Streptokokken mit Antibiotikum ist dein Kind in der Regel etwa 24 Stunden nach Behandlungsbeginn nicht mehr ansteckend. Ist es dann fieberfrei und munter, kann es meist wieder gehen.

Wie lange dauert eine Mandelentzündung beim Kind?

Die meisten Mandelentzündungen klingen innerhalb von etwa einer Woche ab. Das Fieber ist oft nach zwei bis drei Tagen vorbei, die Halsschmerzen lassen danach allmählich nach. Mit Antibiotikum geht es Kindern mit Streptokokken häufig schon nach ein bis zwei Tagen spürbar besser. Dauert das Fieber länger als drei Tage, lass dein Kind noch einmal ärztlich anschauen.

Ab wann wird über eine Mandel-OP gesprochen?

Erst wenn Mandelentzündungen sehr häufig auftreten, etwa sechs oder mehr ärztlich festgestellte Entzündungen innerhalb eines Jahres, oder wenn große Mandeln das Atmen im Schlaf behindern. Bei weniger häufigen Entzündungen raten Fachleute meist, erst einige Monate abzuwarten, weil es bei vielen Kindern von selbst seltener wird. Die Entscheidung triffst du gemeinsam mit Kinderarztpraxis und HNO-Ärztin.

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