Ringelröteln beim Kind: Wie lange ansteckend, wann in die Schule?
Kurz gesagt: Ringelröteln sind ansteckend, aber vor allem in den Tagen bevor der Ausschlag kommt. Hat dein Kind die typischen roten Wangen und den Ausschlag an Armen und Beinen, steckt es in der Regel niemanden mehr an. Ein gesetzliches Schulverbot gibt es in Deutschland nicht, und auch in Österreich und der Schweiz bleiben Kinder meist nicht deswegen zuhause. Fühlt sich dein Kind fit, darf es normalerweise wieder hin. Wichtig ist etwas anderes: Sag Schwangeren in eurem Umfeld Bescheid, denn für ungeborene Babys kann das Virus gefährlich werden.
Dein Sohn war die letzten Tage etwas matt, hatte leichtes Fieber und Kopfweh. Nichts Besonderes im Februar. Dann sitzt er am Frühstückstisch mit knallroten Wangen, als hätte ihm jemand links und rechts eine gescheuert. Um den Mund herum ist die Haut auffällig blass. Zwei Tage später zieht sich ein rosa Netz über seine Oberarme und Oberschenkel.
So sieht das typische Bild von Ringelröteln aus. Die Krankheit ist bei Kindern meist harmlos, und viele Eltern sind überrascht, wie wenig krank das Kind dabei wirkt. Trotzdem tauchen sofort Fragen auf: Darf er so in die Schule? Muss ich jemanden warnen? Und was ist mit der schwangeren Kollegin, die gestern noch zu Besuch war? Hier findest du Antworten. Die Diagnose stellt der Kinderarzt, dieser Text ersetzt sie nicht.
Was Ringelröteln sind
Ringelröteln werden vom Parvovirus B19 ausgelöst. Mit den echten Röteln haben sie trotz des ähnlichen Namens nichts zu tun, es sind zwei verschiedene Viren. Ringelröteln treffen vor allem Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter. Gehäuft treten sie im späten Winter und im Frühjahr auf, und alle paar Jahre gibt es größere Wellen, bei denen in einer Klasse mehrere Kinder nacheinander rote Wangen bekommen.
Das Virus wird vor allem über Tröpfchen weitergegeben, also beim Husten, Niesen, Sprechen und über Hände, die danach Spielzeug oder Türklinken anfassen. Zwischen Ansteckung und ersten Beschwerden vergehen meist ein bis zwei Wochen, manchmal etwas länger. Wer Ringelröteln einmal hatte, ist danach in der Regel ein Leben lang geschützt. Ein Teil der Kinder macht die Infektion übrigens ganz ohne Beschwerden durch und ist trotzdem danach immun.
Die Symptome: vom Schnupfen zum „Ohrfeigengesicht“
Ringelröteln verlaufen oft in zwei Abschnitten. Am Anfang steht etwas, das wie eine leichte Grippe aussieht: etwas Fieber, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Schnupfen, manchmal Bauchweh. Das dauert ein paar Tage und fällt kaum auf.
Einige Tage später kommt der Ausschlag, und zwar in einer recht typischen Reihenfolge:
- Rote Wangen: Beide Wangen werden kräftig rot und fühlen sich manchmal warm an. Nase und Mundpartie bleiben blass. Daher kommt der Name „Ohrfeigengesicht“.
- Ausschlag an Armen und Beinen: Ein bis vier Tage später breiten sich rosarote Flecken an den Außenseiten von Armen und Beinen aus, oft auch am Po und am Rumpf. In der Mitte blassen sie ab, so entstehen girlanden- oder netzartige Muster.
- Juckreiz: Manche Kinder spüren gar nichts, andere kratzen sich.
Typisch ist, dass der Ausschlag kommt und geht. Er kann nach einer Woche fast weg sein und dann über mehrere Wochen immer wieder aufblühen: nach einem warmen Bad, beim Sport, in der Sonne oder wenn dein Kind sich aufregt. Das sieht beunruhigend aus, bedeutet aber nicht, dass die Krankheit zurückkommt oder dein Kind wieder ansteckend ist. Jugendliche bekommen manchmal zusätzlich Gelenkschmerzen, etwa in Händen, Knien oder Fußgelenken. Auch das klingt in der Regel von selbst ab.
Ansteckend ist dein Kind vor dem Ausschlag
Das ist der Punkt, der die meisten Eltern überrascht. Bei vielen Kinderkrankheiten gilt: Ausschlag heißt ansteckend. Bei Ringelröteln ist es umgekehrt. Die meisten Viren gibt ein Kind in der Phase ab, in der es nur leicht erkältet wirkt. Sobald die roten Wangen und der Ausschlag da sind, ist ein sonst gesundes Kind meist nicht mehr ansteckend.
Für den Alltag heißt das zweierlei. Erstens bringt es wenig, ein Kind mit Ausschlag zuhause zu lassen, um andere zu schützen. Die Ansteckung ist längst passiert, oft unbemerkt in der Woche davor. Zweitens kann dein Kind selbst schon jemanden angesteckt haben, bevor ihr überhaupt wusstet, was es hat. Deshalb lohnt sich ein Blick darauf, wer in den letzten Tagen engen Kontakt hatte.
Eine Ausnahme gibt es: Kinder mit geschwächtem Immunsystem oder bestimmten Blutkrankheiten können das Virus deutlich länger ausscheiden. Für sie gelten die Faustregeln aus diesem Abschnitt nicht, hier entscheidet der behandelnde Arzt.
Darf das Kind mit Ringelröteln in die Schule?
In Deutschland legt Paragraf 34 des Infektionsschutzgesetzes fest, bei welchen Krankheiten Kinder Schule oder Kita nicht besuchen dürfen. Ringelröteln stehen nicht auf dieser Liste. Fachstellen wie das Robert Koch-Institut sehen keinen Grund, Kinder mit Ausschlag auszuschließen, gerade weil sie dann meist nicht mehr ansteckend sind.
Ob dein Kind geht, entscheidest du also wie bei jeder anderen leichten Erkrankung: Hat es Fieber oder ist es schlapp, bleibt es zuhause. Hat es nur rote Wangen und ein Muster auf den Armen und ist sonst munter, kann es in der Regel wieder in die Schule. Wenn du unsicher bist, hilft dir der Ratgeber Kind krank: Wann zuhause bleiben, wann in die Schule?.
Einzelne Kitas und Schulen haben trotzdem eigene Hausregeln, die strenger sind. Frag im Zweifel kurz nach, bevor du dein Kind schickst. In Österreich und in der Schweiz sind Ringelröteln ebenfalls kein Grund für ein allgemeines Schulverbot. Die genauen Abläufe regeln dort Schule, Kanton oder schulärztlicher Dienst, deshalb gilt auch hier: im Sekretariat nachfragen.
Sag der Schule oder Kita trotzdem Bescheid, auch wenn dein Kind wieder kommt. Die Einrichtung kann dann andere Eltern und schwangere Mitarbeiterinnen informieren. Ein Satz reicht:
„Guten Morgen, Jonas aus der 2a hat laut Kinderarzt Ringelröteln. Er ist fit und kommt morgen wieder, der Ausschlag ist nicht mehr ansteckend. Ich sage es Ihnen, falls schwangere Kolleginnen oder Mütter in der Klasse Bescheid wissen sollten.“
Bleibt dein Kind ein, zwei Tage mit Fieber zuhause, läuft die Krankmeldung wie gewohnt. Wie das geht und welche Fristen es gibt, steht im Ratgeber Kind krankmelden in der Schule.
Schwangere im Umfeld: Warum du Bescheid sagen solltest
Für dein Kind sind Ringelröteln meist eine Kleinigkeit. Für ein ungeborenes Baby können sie ernst werden. Steckt sich eine Schwangere zum ersten Mal an, kann das Virus über die Plazenta zum Baby gelangen. Dort greift es die Zellen an, aus denen rote Blutkörperchen entstehen. Die Folge kann eine schwere Blutarmut beim Ungeborenen sein, im schlimmsten Fall mit Wassereinlagerungen im ganzen Körper (Hydrops fetalis) oder einer Fehlgeburt. Besonders gefährdet ist die erste Hälfte der Schwangerschaft.
Das klingt beängstigend, deshalb zur Einordnung: Viele Erwachsene hatten Ringelröteln schon als Kind, oft ohne es zu wissen, und sind geschützt. Und auch bei einer Ansteckung in der Schwangerschaft geht es dem Baby in den meisten Fällen gut. Weil man es aber nicht vorher weiß, sollte jede Schwangere, die Kontakt hatte, Bescheid bekommen.
Denk dabei an alle, die dein Kind in den letzten etwa zehn Tagen eng gesehen hat: eine schwangere Tante, die Nachbarin, die Mutter eines Spielfreundes, die Erzieherin. Bist du selbst schwanger, gilt das genauso für dich. Die Frauenärztin kann mit einem Bluttest prüfen, ob schon Schutz besteht. Ist das nicht der Fall, wird die Schwangerschaft in den folgenden Wochen enger mit Ultraschall begleitet. Bei einer schweren Blutarmut des Babys gibt es Behandlungsmöglichkeiten in spezialisierten Zentren.
Ein Anruf ist leichter, wenn du weißt, was du sagen willst:
„Hey, ich wollte dir kurz Bescheid geben: Emma hat Ringelröteln. Ansteckend war sie wohl letzte Woche, als ihr bei uns wart. Für Kinder ist das harmlos, aber in der Schwangerschaft soll man es abklären lassen. Ruf am besten deine Frauenärztin an, die kann testen, ob du schon immun bist.“
Kinder mit Blutkrankheiten oder Immunschwäche
Bei Kindern mit bestimmten Blutkrankheiten kann Parvovirus B19 die Blutbildung für kurze Zeit fast ganz stoppen. Bei gesunden Kindern merkt man das nicht. Bei einem Kind mit Sichelzellanämie, Kugelzellanämie (Sphärozytose) oder Thalassämie kann dadurch aber eine gefährliche Blutarmut entstehen. Auch Kinder mit geschwächtem Immunsystem, etwa während einer Chemotherapie oder nach einer Transplantation, können schwerer und länger erkranken.
Gehört dein Kind zu dieser Gruppe, ruf bei Verdacht auf Ringelröteln oder wenn in der Klasse Fälle bekannt werden direkt beim behandelnden Arzt an. Gleiches gilt, wenn ein Geschwisterkind so eine Erkrankung hat und das andere Kind Ringelröteln bekommt. Wie ihr eine chronische Erkrankung mit dem Schulalltag verbindet, beschreibt der Ratgeber Chronische Erkrankung und Schule.
Behandlung: Es gibt keine Impfung, aber Linderung
Gegen Ringelröteln gibt es keine Impfung und kein Medikament, das das Virus bekämpft. Die Röteln-Impfung im MMR-Impfstoff schützt nicht davor. Behandelt werden die Beschwerden, und meist reicht das völlig:
- Fieber und Gliederschmerzen: Ruhe und viel trinken. Ob und welches Fiebermittel in welcher Dosis passt, klärst du mit Kinderarzt oder Apotheke. Acetylsalicylsäure (Aspirin) bekommen Kinder nicht.
- Juckreiz: Lockere Baumwollkleidung, lauwarm statt heiß duschen, Fingernägel kurz halten. Hilft das nicht, frag in der Apotheke nach einer kühlenden Lotion.
- Wiederkehrender Ausschlag: Pralle Sonne und sehr warme Bäder lassen ihn öfter aufflammen. Vermeiden musst du das nicht, es ist nur gut zu wissen, damit du nicht erschrickst.
Händewaschen und in die Armbeuge niesen bremsen die Ausbreitung in der Familie. Ehrlicherweise kommt das bei Ringelröteln oft zu spät, weil die ansteckende Phase meist vorbei ist, bevor man die Krankheit erkennt.
Warnzeichen: Wann du zum Arzt solltest
Meistens heilen Ringelröteln ohne Folgen aus. Lass dein Kind aber am selben Tag ärztlich anschauen, wenn dir eines davon auffällt:
- Dein Kind ist auffallend blass, sehr müde, atmet schnell oder hat Herzklopfen schon in Ruhe.
- Das Fieber ist hoch und hält länger als drei Tage an.
- Es zeigen sich kleine rote oder violette Pünktchen, die beim Draufdrücken mit einem Glas nicht verblassen.
- Gelenke sind stark geschwollen und dein Kind kann kaum laufen.
- Dein Kind hat eine Blutkrankheit oder ein geschwächtes Immunsystem.
- Du bist dir nicht sicher, ob es wirklich Ringelröteln sind. Ein Ausschlag mit Fieber kann auch andere Ursachen haben, etwa Scharlach oder Windpocken.
Sofort Hilfe holen: Wirkt dein Kind plötzlich sehr krank, ist kaum ansprechbar, atmet schwer oder zeigt nicht wegdrückbare rote Pünktchen zusammen mit Fieber, ruf den Notruf: in Deutschland 112, in Österreich und der Schweiz 144. Außerhalb der Sprechzeiten erreichst du in Deutschland den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117, in Österreich die Gesundheitsberatung unter 1450. In der Schweiz hilft der kantonale ärztliche Notfalldienst weiter. Schwangere mit Kontakt zu Ringelröteln rufen bei der Frauenärztin an, in dringenden Fällen in der Geburtsklinik.
Bei Scharlach und Windpocken sind die Regeln für die Rückkehr in die Schule deutlich strenger. Was dort gilt, liest du in Scharlach beim Kind: Wann darf es wieder in die Schule? und Windpocken beim Kind: Wann wieder in die Schule?.
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Häufige Fragen
Darf mein Kind mit Ringelröteln in die Schule oder Kita?
In aller Regel ja, sobald es sich fit fühlt. Wenn der typische Ausschlag auftaucht, ist ein sonst gesundes Kind meist nicht mehr ansteckend. Ringelröteln stehen in Deutschland nicht im Katalog von Paragraf 34 des Infektionsschutzgesetzes, ein gesetzliches Besuchsverbot gibt es deshalb nicht. Einzelne Kitas und Schulen haben trotzdem eigene Hausregeln, frag kurz nach. In Österreich und der Schweiz ist die Lage ähnlich, die Schule oder Kita sagt dir, was dort gilt.
Wie lange sind Ringelröteln ansteckend?
Ansteckend ist ein Kind vor allem in den Tagen, bevor der Ausschlag kommt. In dieser Zeit wirkt es oft nur leicht erkältet, und niemand denkt an Ringelröteln. Mit dem Auftreten des Ausschlags ist die Ansteckungsfähigkeit bei sonst gesunden Kindern meist vorbei. Anders kann es bei Kindern mit Immunschwäche oder bestimmten Blutkrankheiten sein, sie können das Virus länger ausscheiden.
Warum sind Ringelröteln für Schwangere gefährlich?
Steckt sich eine Schwangere zum ersten Mal an, kann das Virus auf das ungeborene Kind übergehen. Es kann dort die Blutbildung stören und eine schwere Blutarmut auslösen, im schlimmsten Fall mit Wassereinlagerungen im ganzen Körper des Babys (Hydrops fetalis) oder einer Fehlgeburt. Viele Erwachsene sind durch eine frühere Infektion geschützt, aber nicht alle. Eine Schwangere mit Kontakt sollte deshalb zeitnah ihre Frauenärztin anrufen. Ein Bluttest zeigt, ob sie schon immun ist.
Kann der Ausschlag nach Wochen wiederkommen?
Ja. Der girlandenförmige Ausschlag an Armen und Beinen kann über mehrere Wochen immer wieder aufblühen, etwa nach einem warmen Bad, beim Toben, in der Sonne oder bei Aufregung. Das heißt nicht, dass dein Kind neu krank oder wieder ansteckend ist. Der Ausschlag verschwindet ohne Spuren.
Gibt es eine Impfung gegen Ringelröteln?
Nein. Gegen Ringelröteln gibt es keine Impfung. Die Röteln-Impfung im MMR-Kombinationsimpfstoff schützt nicht davor, weil Ringelröteln von einem ganz anderen Virus kommen, dem Parvovirus B19. Wer die Krankheit einmal hatte, ist in der Regel lebenslang geschützt.
Wann muss ich mit Ringelröteln zum Kinderarzt?
Ruf in der Praxis an, wenn du dir mit dem Ausschlag nicht sicher bist, wenn dein Kind eine Blutkrankheit wie Sichelzellanämie oder Kugelzellanämie hat oder sein Immunsystem geschwächt ist. Am selben Tag sollte ein Arzt draufschauen, wenn dein Kind sehr blass, schlapp und kurzatmig wirkt, hohes Fieber über mehrere Tage hat oder sich rote Pünktchen zeigen, die beim Draufdrücken nicht verblassen. Geht es deinem Kind schnell schlechter, ruf den Notruf: 112 in Deutschland, 144 in Österreich und der Schweiz.