Bindehautentzündung beim Kind: Wann darf es wieder in die Schule?
Kurz gesagt: Eine Bindehautentzündung durch Viren oder Bakterien ist ansteckend, eine allergische nicht. Für die gewöhnliche Bindehautentzündung gibt es in Deutschland keine feste gesetzliche Frist. Viele Schulen und Kitas lassen Kinder aber erst wieder kommen, wenn das Auge nicht mehr eitert oder die Behandlung begonnen hat. Für die besonders ansteckende Form durch Adenoviren gelten strengere Vorgaben. Lass vom Kinderarzt klären, welche Form dein Kind hat, und frag in der Schule nach den Regeln vor Ort. Das gilt genauso in Österreich und der Schweiz.
Morgens kommt deine Tochter ins Bad und kriegt ein Auge kaum auf. Die Wimpern kleben zusammen, das Weiße im Auge ist rosarot, und sie sagt, es fühle sich an, als hätte sie Sand drin. Um halb acht fängt die Schule an. Darf sie so hin?
Die Bindehautentzündung beim Kind ist häufig und meist harmlos. Die Frage, wann sie wieder in die Schule darf, ist trotzdem nicht ganz einfach zu beantworten, weil es auf die Ursache ankommt und Schulen unterschiedlich damit umgehen. Hier liest du, woran du die Formen grob unterscheidest, wie du Ansteckung in der Familie vermeidest und wann ein Auge schnell ärztlich angeschaut werden muss. Die Diagnose selbst stellt der Kinderarzt.
Woran du eine Bindehautentzündung erkennst
Die Bindehaut ist die dünne, durchsichtige Schicht, die das Weiße im Auge und die Innenseite der Lider überzieht. Ist sie entzündet, sieht man das meist sofort:
- Rotes Auge: Das Weiße im Auge ist gerötet, manchmal nur leicht rosa, manchmal kräftig rot.
- Tränen oder Ausfluss: Das Auge tränt, oder es bildet sich gelblicher, zäher Schleim.
- Verklebte Lider am Morgen: Über Nacht trocknet der Ausfluss an, die Wimpern kleben zusammen.
- Fremdkörpergefühl: Kinder beschreiben es oft als Sand oder Kratzen im Auge. Viele reiben deshalb ständig daran.
Das Sehen selbst ist bei einer einfachen Bindehautentzündung normalerweise nicht beeinträchtigt. Sieht dein Kind plötzlich verschwommen oder tut das Auge richtig weh, steckt womöglich mehr dahinter. Mehr dazu weiter unten.
Viral, bakteriell oder allergisch: die groben Unterschiede
Sicher unterscheiden kann man die Formen oft nur in der Praxis. Ein paar Hinweise helfen dir aber, die Lage einzuschätzen.
Durch Viren entsteht ein großer Teil der Bindehautentzündungen bei Kindern, häufig zusammen mit einer Erkältung. Das Auge tränt eher wässrig, oft fängt es an einem Auge an und springt nach ein paar Tagen auf das andere über. Antibiotika helfen hier nicht. Die Entzündung heilt meist von selbst ab, kann sich aber einige Tage hinziehen.
Durch Bakterien ausgelöste Entzündungen zeigen sich typischerweise mit gelblichem oder grünlichem, eitrigem Ausfluss und stark verklebten Lidern am Morgen. Hier kann der Kinderarzt antibiotische Augentropfen oder Augensalbe verschreiben.
Allergisch ist die Bindehautentzündung, wenn das Immunsystem auf Pollen, Tierhaare oder Hausstaub reagiert. Dann sind meist beide Augen gleichzeitig betroffen, sie jucken stark und tränen klar. Oft niest das Kind dazu und hat eine laufende Nase, gerade in der Pollenzeit. Die gute Nachricht: Eine allergische Bindehautentzündung ist nicht ansteckend, dein Kind darf damit in die Schule. Wie ihr mit Heuschnupfen im Schulalltag umgeht, steht im Ratgeber Heuschnupfen beim Kind in der Schule.
Eine Sonderform ist die Keratoconjunctivitis epidemica, eine Entzündung durch bestimmte Adenoviren. Sie ist sehr ansteckend und kann sich in Kitas, Schulen und auch in Arztpraxen schnell ausbreiten. Die Augen sind dabei oft stark gerötet und geschwollen, und es kann Wochen dauern, bis alles abgeheilt ist. Für diese Form gelten strengere Vorgaben für Gemeinschaftseinrichtungen.
Ansteckung vermeiden: Hygiene zuhause
Viren und Bakterien wandern bei der Bindehautentzündung vor allem über die Hände. Das Kind reibt sich das Auge, fasst danach die Türklinke an, und der Bruder greift später dieselbe Klinke. Ein paar Gewohnheiten unterbrechen diesen Weg:
- Eigenes Handtuch und eigener Waschlappen für das kranke Kind, täglich frisch. Kissenbezüge wechselst du am besten auch öfter.
- Hände waschen mit Seife, und zwar das Kind und du, besonders nach dem Tropfen oder Auswischen.
- Nicht reiben: Leichter gesagt als getan. Ein sauberes Taschentuch zum vorsichtigen Abtupfen hilft mehr als ein Verbot.
- Taschentücher nur einmal benutzen und direkt wegwerfen.
Bei jüngeren Kindern funktioniert ein Satz besser als eine Regel. Zum Beispiel:
„Dein Auge ist gerade ein bisschen krank. Wenn es juckt, sag mir Bescheid, dann tupfen wir es zusammen sauber. Reiben macht es nur schlimmer, und dann bekommt Paul es vielleicht auch.“
Bindehautentzündung beim Kind: Wann wieder in Schule oder Kita?
In Deutschland regelt Paragraf 34 des Infektionsschutzgesetzes, bei welchen Krankheiten Kinder nicht in Schule oder Kita dürfen. Die gewöhnliche Bindehautentzündung durch Viren oder Bakterien gehört nicht generell zu diesen Krankheiten. Bei der hochansteckenden Keratoconjunctivitis epidemica durch Adenoviren sieht das anders aus: Hier empfehlen die Gesundheitsbehörden, dass Kinder zuhause bleiben, bis die Krankheitszeichen abgeklungen sind, und das Gesundheitsamt kann Vorgaben machen.
In der Praxis sind die Hausregeln der Einrichtung oft wichtiger als das Gesetz. Viele Kitas und Schulen verlangen, dass ein Kind mit eitrigem Auge zuhause bleibt, bis es nicht mehr eitert oder bis bei einer bakteriellen Entzündung die Behandlung begonnen hat. Manche wollen eine kurze Bestätigung vom Arzt. Schau in den Betreuungsvertrag oder die Schulordnung, oder ruf einfach im Sekretariat an.
Bei der Krankmeldung hilft es, konkret zu sein:
„Guten Morgen, ich melde Mia aus der 1b heute krank. Sie hat eine Bindehautentzündung, wir gehen heute Vormittag zum Kinderarzt. Gibt es bei Ihnen eine Regel, ab wann sie wiederkommen darf?“
So weiß die Schule Bescheid und du bekommst gleich eine Antwort zur Rückkehr. Wie Krankmeldungen allgemein ablaufen, erklärt der Ratgeber Kind krankmelden in der Schule.
In Österreich und der Schweiz gibt es keine einheitliche Regel, die du hier nachschlagen könntest. Frag bei der Schule oder Kita nach, was dort gilt, und lass dir vom Kinderarzt sagen, ob dein Kind noch ansteckend ist.
Ein Schulkind ab etwa der dritten Klasse, das sich fit fühlt, nicht mehr eitert und sich an Händewaschen und Nicht-Reiben hält, kommt mit einem leicht geröteten Auge im Unterricht meist gut zurecht. Bei Kita-Kindern sieht es anders aus. Sie fassen sich ständig ins Gesicht und spielen dicht mit anderen, deshalb sind Kitas oft strenger. Ob dein Kind sich insgesamt fit genug für einen Schultag fühlt, kannst du mit dem Ratgeber Kind krank: Wann zuhause bleiben, wann in die Schule? einschätzen.
Behandlung: Auswischen, Tropfen, Geduld
Geh mit einem roten, eitrigen Auge zum Kinderarzt. Dort wird geklärt, welche Form es ist und ob dein Kind Tropfen oder Salbe braucht. Bei einer bakteriellen Entzündung verschreibt der Arzt oft antibiotische Augentropfen. Gib sie so lange, wie er es sagt, auch wenn das Auge schon nach zwei Tagen besser aussieht. Bei allergischen Beschwerden gibt es spezielle Augentropfen, zu denen dich Arzt oder Apotheke beraten. Die Dosierung besprichst du immer mit Praxis oder Apotheke.
Verklebte Lider reinigst du am besten mit einem sauberen Tuch oder Wattepad, angefeuchtet mit abgekochtem, lauwarmem Wasser. Wisch vom inneren Augenwinkel an der Nase nach außen, und nimm für jedes Auge ein neues Tuch. So verteilst du keine Erreger vom einen ins andere Auge. Hausmittel wie Kamillentee gehören nicht ans Auge, sie können es zusätzlich reizen.
Augentropfen bei Kindern sind oft ein Kampf. Diese Kniffe machen es leichter:
- Dein Kind legt sich hin und schließt die Augen. Du gibst den Tropfen in den inneren Augenwinkel. Öffnet es die Augen, läuft er von allein hinein.
- Kleine Kinder tropfst du am besten im Liegen auf deinem Schoß, eine zweite Person kann sanft den Kopf halten.
- Sag vorher ehrlich, was kommt: „Das ist kurz kalt und fühlt sich komisch an, aber es tut nicht weh.“
- Die Flasche berührt weder Auge noch Wimpern. Geöffnete Tropfen halten nur begrenzt, das Datum steht auf dem Beipackzettel.
Schulkinder, die schon etwas größer sind, wollen manchmal selbst tropfen. Lass sie üben, solange du daneben stehst. Das nimmt oft den ganzen Widerstand raus.
Wann du sofort zum Arzt oder Augenarzt solltest
Ein rotes Auge ist nicht immer eine einfache Bindehautentzündung. Lass dein Kind am selben Tag ärztlich anschauen, beim Kinderarzt, beim Augenarzt oder im Notdienst, wenn dir eines davon auffällt:
- Dein Kind ist sehr lichtscheu und kneift die Augen bei normalem Licht zusammen.
- Es hat starke Schmerzen im Auge, nicht nur ein Kratzen.
- Es sieht plötzlich schlechter oder verschwommen.
- Das Lid ist stark geschwollen, rot und heiß, und dein Kind hat Fieber.
- Es ist etwas ins Auge geflogen, oder es könnte eine Verletzung geben.
- Dein Kind trägt Kontaktlinsen. Dann die Linsen sofort herausnehmen und nicht wieder einsetzen, bis ein Arzt draufgeschaut hat.
Ist ein Neugeborenes in den ersten Lebenswochen betroffen, geh ebenfalls rasch zum Kinderarzt. Und auch ohne Warnzeichen gilt: Wird das Auge nach einigen Tagen nicht besser oder schlechter, melde dich noch einmal in der Praxis.
Notfall am Auge: Ist Putzmittel, Kalk oder eine andere Chemikalie ins Auge gekommen, spül es sofort mehrere Minuten mit viel klarem Wasser aus und ruf den Notruf: in Deutschland 112, in Österreich und der Schweiz 144. Bei einer Verletzung mit einem spitzen Gegenstand reibst du nicht und drückst nicht auf das Auge, sondern fährst direkt in die Augenklinik oder rufst den Notruf. Außerhalb der Sprechzeiten erreichst du in Deutschland den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117, in Österreich die Gesundheitsberatung unter 1450.
Bei Scharlach ist die Rückkehr in die Schule übrigens gesetzlich klarer geregelt. Was dort gilt, liest du im Ratgeber Scharlach beim Kind: Wann darf es wieder in die Schule?.
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Häufige Fragen
Wann darf mein Kind mit Bindehautentzündung wieder in die Schule?
Eine feste gesetzliche Frist gibt es für die gewöhnliche Bindehautentzündung in Deutschland nicht. Viele Schulen und Kitas haben aber eigene Regeln, oft: erst wieder kommen, wenn das Auge nicht mehr eitert oder wenn bei einer bakteriellen Entzündung die Behandlung begonnen hat. Bei der besonders ansteckenden Form durch Adenoviren sind die Vorgaben strenger. Frag deshalb bei der Schule nach und lass den Kinderarzt einschätzen, um welche Form es sich handelt. In Österreich und der Schweiz gilt dasselbe: Schule und Arzt wissen, was dort verlangt wird.
Ist eine Bindehautentzündung ansteckend?
Das hängt von der Ursache ab. Bindehautentzündungen durch Viren oder Bakterien sind ansteckend und werden vor allem über die Hände, Handtücher oder Kissen weitergegeben. Eine allergische Bindehautentzündung, zum Beispiel bei Heuschnupfen, ist dagegen nicht ansteckend.
Braucht mein Kind bei einer Bindehautentzündung Antibiotika?
Nicht immer. Antibiotische Augentropfen oder Augensalbe helfen nur, wenn Bakterien die Ursache sind. Gegen Viren wirken sie nicht, und bei einer allergischen Entzündung braucht es eine ganz andere Behandlung. Ob dein Kind Antibiotika braucht, entscheidet der Kinderarzt nach dem Blick ins Auge.
Woran erkenne ich, ob die Bindehautentzündung allergisch ist?
Typisch für eine allergische Bindehautentzündung ist, dass beide Augen gleichzeitig betroffen sind und stark jucken. Die Augen tränen eher klar, statt gelblich zu eitern. Oft kommen Niesen und eine laufende Nase dazu, und die Beschwerden tauchen in der Pollenzeit oder nach Kontakt mit Tieren auf. Sicher klären kann das der Kinderarzt.
Wie bekomme ich Augentropfen in ein Kind, das sich wehrt?
Lass dein Kind sich hinlegen und die Augen schließen. Gib den Tropfen in den inneren Augenwinkel und bitte es dann, die Augen zu öffnen. Der Tropfen läuft so von selbst hinein. Bei Salbe ziehst du das Unterlid sanft herunter und gibst einen kleinen Strang hinein. Die Tropfenflasche sollte dabei weder Auge noch Wimpern berühren.
Wann muss ich mit dem Auge sofort zum Arzt?
Sofort zum Kinderarzt oder Augenarzt solltest du, wenn dein Kind starke Augenschmerzen hat, sehr lichtempfindlich ist, plötzlich schlechter sieht, das Lid stark geschwollen und gerötet ist und Fieber dazukommt, wenn etwas ins Auge gekommen ist oder eine Verletzung möglich ist, oder wenn dein Kind Kontaktlinsen trägt. Bei einer Verätzung, etwa durch Putzmittel, spülst du das Auge sofort mit viel Wasser und rufst den Notruf 112, in Österreich 144.