Hand-Fuß-Mund-Krankheit beim Kind: Wann darf es wieder in die Schule?
Kurz gesagt: Die Hand-Fuß-Mund-Krankheit ist eine meist harmlose Virusinfektion mit Fieber und Bläschen im Mund, an Händen und Füßen. In Deutschland gibt es dafür kein gesetzliches Schulverbot und kein vorgeschriebenes Attest, denn sie steht nicht in § 34 Infektionsschutzgesetz. Dein Kind kann in der Regel wieder in die Schule, wenn es fieberfrei ist, normal isst und trinkt, sich fit fühlt und die Bläschen eingetrocknet sind, oft nach etwa einer Woche. Weil Schulen und Horte das teils unterschiedlich handhaben, frag kurz nach. Die Viren stecken noch Wochen im Stuhl, Händewaschen bleibt also wichtig.
Am Sonntagabend sagt deine Tochter, dass ihr der Hals wehtut. In der Nacht hat sie 38,8 Grad. Am Montagmorgen entdeckst du kleine rote Punkte an den Handflächen, ein paar davon mit winzigen Bläschen, und beim Frühstück schiebt sie das Brot weg, weil es im Mund brennt. Die Kinderärztin sagt am Telefon: „Klingt nach Hand-Fuß-Mund.“ Und deine erste Frage ist: Wie lange fällt jetzt die Schule aus?
Die Hand-Fuß-Mund-Krankheit trifft vor allem Kita-Kinder, aber auch Schulkinder bis in die Grundschule und darüber hinaus. Sie verläuft meist mild, ist aber ziemlich ansteckend und für ein paar Tage richtig unangenehm. Hier liest du, woran du sie erkennst, wie sie sich verbreitet, wann dein Kind zurück in die Schule kann und wann du lieber zum Arzt gehst. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Im Einzelfall entscheidet eure Kinderarztpraxis.
Was die Hand-Fuß-Mund-Krankheit ist
Ausgelöst wird die Krankheit von Enteroviren, meist aus der Gruppe der Coxsackie-Viren. Es gibt mehrere Virustypen, deshalb kann ein Kind die Krankheit auch mehr als einmal bekommen. Mit der Maul- und Klauenseuche bei Tieren hat sie trotz des ähnlichen Namens nichts zu tun. Eine Impfung gibt es im deutschsprachigen Raum nicht, und ein Medikament gegen das Virus selbst auch nicht. Behandelt werden die Beschwerden, den Rest erledigt das Immunsystem meist innerhalb von sieben bis zehn Tagen.
Zwischen Ansteckung und ersten Beschwerden vergehen nach Angaben des Robert Koch-Instituts meist drei bis zehn Tage. Häufungen gibt es vor allem im Spätsommer und Herbst, einzelne Fälle aber das ganze Jahr über.
Symptome: Fieber, Bläschen im Mund, an Händen und Füßen
Typisch ist ein Verlauf in zwei Schritten. Zuerst fühlt sich dein Kind krank, ohne dass man etwas sieht. Ein bis zwei Tage später kommen die Bläschen.
- Am Anfang: Fieber, oft um 38 bis 39 Grad, Halsschmerzen, wenig Appetit, Müdigkeit.
- Im Mund: kleine rote Flecken, die zu Bläschen und dann zu schmerzhaften, flachen Wunden werden, vor allem an Zunge, Zahnfleisch und Wangeninnenseiten.
- An Händen und Füßen: rote Flecken und kleine Bläschen, besonders an Handflächen und Fußsohlen. Sie jucken meist weniger als Windpocken.
- Manchmal zusätzlich: Ausschlag am Po, an den Knien oder Ellbogen.
Nicht jedes Kind hat alles davon. Manche haben nur ein paar Bläschen im Mund, andere fast keine Beschwerden. Gerade ältere Schulkinder erkranken oft so leicht, dass niemand an Hand-Fuß-Mund denkt. Bläschen am ganzen Körper, auch am Kopf und unter den Haaren, die stark jucken, passen eher zu Windpocken. Wie die sich unterscheiden und was dann gilt, steht im Ratgeber Windpocken beim Kind: Wann darf es wieder in die Schule?. Die genaue Diagnose stellt die Kinderarztpraxis, meist reicht dafür ein Blick.
Wie sich die Krankheit verbreitet
Die Viren stecken im Speichel, im Nasen- und Rachensekret, in der Flüssigkeit der Bläschen und im Stuhl. Angesteckt wird man auf zwei Wegen:
- Tröpfchen: beim Husten, Niesen, Sprechen aus der Nähe.
- Schmierinfektion: über Hände, Türklinken, Spielzeug, Trinkflaschen und vor allem über die Toilette, wenn nach dem Klogang nicht gründlich Hände gewaschen werden.
Am ansteckendsten ist dein Kind in der ersten Krankheitswoche. Ein Punkt überrascht viele Eltern: Im Stuhl werden die Viren noch mehrere Wochen lang ausgeschieden, auch wenn das Kind längst gesund ist. Das ist einer der Gründe, warum es kein starres Schulverbot gibt. Ein Kind wochenlang zuhause zu lassen, würde die Ausbreitung kaum aufhalten. Was hilft, ist Hygiene, die zur Gewohnheit wird.
Zuhause heißt das: Jedes Familienmitglied bekommt ein eigenes Handtuch, Trinkbecher und Besteck werden nicht geteilt, und nach jedem Klogang und vor dem Essen werden die Hände mit Seife gewaschen, mindestens 20 Sekunden lang. Übliche Händedesinfektionsmittel wirken gegen diese Viren nicht immer zuverlässig, Seife und Wasser sind daher die bessere Wahl. Für Geschwister gibt es in Deutschland keine Pflicht, zuhause zu bleiben, solange sie selbst gesund sind.
Wann dein Kind wieder in die Schule darf
In Deutschland regelt § 34 des Infektionsschutzgesetzes, bei welchen Krankheiten Kinder Schule und Kita nicht besuchen dürfen und die Einrichtung informiert werden muss. Die Hand-Fuß-Mund-Krankheit steht nicht auf dieser Liste. Es gibt also kein gesetzliches Besuchsverbot, keine Meldepflicht der Eltern nach § 34 und kein vorgeschriebenes Attest für die Rückkehr.
Das heißt aber nicht, dass dein Kind mit Fieber und offenen Bläschen in die Schule soll. Als Orientierung, an der sich auch viele Kinderärzte halten, kann dein Kind zurück, wenn:
- es seit mindestens einem Tag ohne fiebersenkende Mittel fieberfrei ist,
- es wieder normal trinkt und isst,
- es sich fit genug für einen ganzen Schultag fühlt,
- die Bläschen an Händen und Füßen eingetrocknet sind und nicht mehr nässen.
Bei den meisten Kindern ist das nach etwa einer Woche erreicht, manchmal früher. Rote Flecken, die noch zu sehen sind, aber nicht mehr nässen, sind meist kein Grund, länger zuhause zu bleiben. Ob dein Kind an Fieber-Tagen wirklich daheim bleiben sollte, erklärt der Ratgeber Kind mit Fieber in die Schule schicken?.
Schulen, Horte und Ganztagsangebote handhaben das unterschiedlich. Manche wollen informiert werden, um andere Eltern zu warnen, einzelne verlangen eine ärztliche Bestätigung, obwohl sie gesetzlich nicht nötig ist. Ein kurzer Anruf im Sekretariat erspart dir Ärger am ersten Schultag. Und auch ohne Pflicht ist es fair, der Klassenlehrkraft Bescheid zu geben. Dann können andere Eltern bei Fieber und Bläschen schneller einordnen, was los ist. Wie du dein Kind korrekt entschuldigst, liest du im Ratgeber Kind krankmelden in der Schule.
In Österreich und der Schweiz gibt es nach unserem Kenntnisstand ebenfalls kein allgemeines Schulverbot wegen Hand-Fuß-Mund-Krankheit. Die Details können je nach Bundesland, Kanton oder Schule abweichen. Frag dort direkt bei der Schule oder in der Kinderarztpraxis nach, was gilt.
Wenn Essen und Trinken wehtun
Das Anstrengendste an der Krankheit sind für viele Familien die Bläschen im Mund. Kinder, die sonst alles essen, verweigern plötzlich jede Mahlzeit, manche wollen sogar nichts mehr trinken. Essen ist für ein paar Tage zweitrangig. Trinken ist es nicht.
- Kühl und weich: Joghurt, Pudding, Kartoffelbrei, Grießbrei, Bananen, Apfelmus, lauwarme Suppen. Wassereis oder kalter Tee lindern den Schmerz kurzzeitig.
- Nichts, was brennt: Orangensaft, Apfelsaft, Tomaten, Salziges wie Chips oder Brezeln und scharfe Gewürze reizen die Wunden.
- Strohhalm anbieten: So läuft das Getränk an den wunden Stellen im vorderen Mund vorbei.
- Kleine Mengen, oft: Alle 15 bis 20 Minuten ein paar Schlucke schaffen viele Kinder leichter als ein ganzes Glas.
- Schmerzmittel abklären: Fiebersenkende Schmerzmittel in kindgerechter Dosierung können das Essen erleichtern. Frag in der Kinderarztpraxis oder Apotheke, was für dein Kind passt. Acetylsalicylsäure, bekannt als Aspirin, ist für Kinder nicht geeignet.
Achte darauf, ob dein Kind genug Flüssigkeit bekommt. Warnzeichen sind deutlich seltener Pipi, sehr dunkler Urin, ein trockener Mund, Weinen ohne Tränen oder auffällige Schlappheit. Mehr dazu, wie viel Kinder im Schulalter trinken sollten, steht im Ratgeber Kind trinkt zu wenig in der Schule.
Nicht erschrecken: Nägel, die sich Wochen später lösen
Drei bis acht Wochen nach der Erkrankung erleben manche Eltern eine Überraschung: Ein oder mehrere Finger- oder Fußnägel lösen sich vom Nagelbett, bekommen eine Querrille oder fallen ganz ab. Manchmal schält sich auch die Haut an Händen und Füßen. Viele bringen das gar nicht mehr mit der Krankheit von damals in Verbindung.
Diese Nagelablösung gilt als bekannte und in aller Regel harmlose Spätfolge. Sie tut normalerweise nicht weh und ist nicht mehr ansteckend, die Schule muss deshalb nicht pausiert werden. Unter dem alten Nagel wächst bereits ein neuer nach, bis er vollständig da ist, dauert es einige Monate. Schneid lose Teile vorsichtig kurz und kleb bei Bedarf ein Pflaster darüber, damit dein Kind nicht an Pullis oder im Sportunterricht hängen bleibt. Rötet sich das Nagelbett, wird es warm, eitrig oder schmerzhaft, lass es in der Kinderarztpraxis anschauen.
Wann du mit deinem Kind zum Arzt solltest
Die meisten Kinder überstehen die Hand-Fuß-Mund-Krankheit ohne Probleme. Selten kann das Virus aber auch Nervensystem oder Hirnhäute betreffen. Ruf deshalb in der Kinderarztpraxis an oder geh hin, wenn:
- dein Kind kaum oder gar nicht mehr trinkt oder Zeichen von Flüssigkeitsmangel zeigt,
- das Fieber sehr hoch ist, länger als drei Tage anhält oder nach einer Besserung wiederkommt,
- dein Kind über starke Kopfschmerzen oder einen steifen Nacken klagt,
- es ungewöhnlich schläfrig, verwirrt oder kaum ansprechbar wirkt,
- es zittert, unsicher läuft oder ungewöhnliche Muskelzuckungen hat,
- Bläschen sich stark röten, eitern oder heiß werden,
- dein Kind eine Vorerkrankung hat oder sein Immunsystem geschwächt ist.
Das sind keine Gründe zur Panik, sondern Zeichen, die ärztlich angeschaut werden sollten. Bei einem Krampfanfall, Atemnot oder wenn dein Kind nicht mehr richtig wach wird, wähl den Notruf: 112 in Deutschland und Österreich, 144 in der Schweiz.
Wenn du selbst schwanger bist und dein Kind erkrankt, sprich deine Frauenarztpraxis oder Hebamme an. Für Erwachsene verläuft die Infektion meist mild oder unbemerkt, kurz vor der Geburt sollte das Ärzteteam aber Bescheid wissen.
Fällt dein Kind eine Woche aus und du bist berufstätig, kannst du in Deutschland Kinderkrankentage nehmen. Wie das funktioniert, steht im Ratgeber Kinderkrankengeld beantragen.
Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel gibt dir eine Orientierung, er ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Ob dein Kind Hand-Fuß-Mund-Krankheit hat und wann es wieder in die Schule kann, klärst du am besten mit eurer Kinderarztpraxis. Außerhalb der Sprechzeiten erreichst du in Deutschland den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117, in Österreich die Gesundheitshotline 1450. In der Schweiz hilft die Hausarztpraxis oder die kantonale Notfallnummer weiter. Im Notfall wähl 112, in der Schweiz 144.
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Häufige Fragen
Wann darf mein Kind mit Hand-Fuß-Mund-Krankheit wieder in die Schule?
In Deutschland gibt es kein gesetzliches Besuchsverbot, denn die Hand-Fuß-Mund-Krankheit steht nicht in der Liste von § 34 Infektionsschutzgesetz. Meist kann dein Kind zurück, wenn es fieberfrei ist, wieder normal isst und trinkt, sich fit fühlt und die Bläschen eingetrocknet sind. Das ist oft nach etwa einer Woche der Fall. Manche Schulen und Horte haben eigene Regeln, frag im Zweifel kurz im Sekretariat nach.
Braucht mein Kind ein Attest für die Rückkehr in die Schule?
Vorgeschrieben ist in Deutschland kein ärztliches Attest, weil die Krankheit nicht unter § 34 Infektionsschutzgesetz fällt. Einzelne Schulen, Horte oder Ganztagsangebote verlangen trotzdem eine Bestätigung. Ruf am besten vorher an, bevor du extra einen Termin in der Kinderarztpraxis ausmachst. In Österreich und der Schweiz regeln das Schule, Bundesland oder Kanton, auch dort lohnt sich eine kurze Nachfrage.
Wie lange ist Hand-Fuß-Mund-Krankheit ansteckend?
Am stärksten ansteckend ist dein Kind in der ersten Krankheitswoche, solange es Fieber und offene Bläschen hat. Die Viren werden aber noch mehrere Wochen mit dem Stuhl ausgeschieden, auch wenn das Kind längst wieder gesund wirkt. Deshalb bleibt gründliches Händewaschen nach dem Klogang auch nach der Rückkehr in die Schule wichtig.
Mein Kind will wegen der Bläschen im Mund nichts essen. Was hilft?
Weiche, kühle und milde Kost tut meist am wenigsten weh: Joghurt, Pudding, Kartoffelbrei, lauwarme Suppe, Bananen, Wassereis. Saures, Salziges und Scharfes brennt in den Bläschen, also lieber keinen Orangensaft und keine Chips. Wichtiger als Essen ist Trinken. Ein Strohhalm kann helfen, weil die Flüssigkeit dann an den wunden Stellen vorbeiläuft. Ob ein Schmerzmittel sinnvoll ist, besprichst du mit der Kinderarztpraxis oder Apotheke.
Warum lösen sich Wochen nach der Hand-Fuß-Mund-Krankheit die Fingernägel?
Bei manchen Kindern lösen sich einige Wochen nach der Erkrankung einzelne Finger- oder Fußnägel oder sie bekommen Querrillen. Das sieht erschreckend aus, ist aber in aller Regel harmlos und nicht mehr ansteckend. Die Nägel wachsen innerhalb einiger Monate normal nach. Schneid lose Nagelteile vorsichtig kurz, damit dein Kind nicht hängen bleibt, und zeig es bei Unsicherheit in der Kinderarztpraxis.
Kann man Hand-Fuß-Mund-Krankheit mehrmals bekommen?
Ja. Die Krankheit wird von verschiedenen Enteroviren ausgelöst, und nach einer Erkrankung ist dein Kind nur gegen den jeweiligen Virustyp geschützt. Eine zweite Erkrankung mit einem anderen Typ ist deshalb möglich. Eine Impfung gibt es in Deutschland, Österreich und der Schweiz nicht. Gute Händehygiene ist der wichtigste Schutz.