Von der Kinwords Redaktion

Gerstenkorn beim Kind: Was hilft und darf es in die Schule?

Gerstenkorn beim Kind: So erkennst du es, grenzt es vom Hagelkorn ab, linderst es mit Wärme und weißt, wann es zum Arzt muss und ob es in die Schule darf.

Kinwords Redaktion 7 Min. Lesezeit

Kurz gesagt: Ein Gerstenkorn beim Kind ist eine eitrige Entzündung einer kleinen Drüse am Lidrand, meist ausgelöst durch Bakterien von der Haut. Es ist rot, geschwollen und tut weh, heilt aber meist innerhalb von etwa einer Woche von selbst ab. Warme Kompressen mehrmals am Tag helfen, ausdrücken solltest du es nie. In die Schule darf dein Kind in der Regel trotzdem gehen, wenn es sich wohlfühlt.

Morgens beim Frühstück fällt es dir auf: Das Augenlid deines Kindes ist geschwollen, an einer Stelle gerötet, und es beschwert sich, dass es drückt. Ein Gerstenkorn beim Kind sieht oft schlimmer aus, als es ist. Trotzdem tauchen sofort Fragen auf: Ist das ansteckend? Muss ich zum Arzt? Kann es heute in die Schule? Dieser Ratgeber beantwortet sie der Reihe nach und zeigt dir, wann ein geschwollenes Lid doch ernster genommen werden muss.

Was ist ein Gerstenkorn?

Ein Gerstenkorn, medizinisch Hordeolum, ist eine akute Entzündung einer der vielen kleinen Drüsen am Augenlid. Fast immer stecken Bakterien dahinter, meist Staphylokokken. Diese Keime leben bei vielen Menschen ganz normal auf der Haut. Gelangen sie etwa über die Finger in eine Drüse am Lidrand, kann sich dort ein kleiner Eiterherd bilden.

Liegt die entzündete Drüse direkt an den Wimpern, spricht man von einem äußeren Gerstenkorn. Es ist gut zu sehen und bildet oft eine gelbe Spitze. Ein inneres Gerstenkorn sitzt an der Innenseite des Lids. Von außen ist dann vor allem eine Schwellung zu sehen, und es kann etwas stärker schmerzen. Der Name kommt übrigens von der Form: Die Schwellung erinnert an ein Gerstenkorn.

Woran erkennst du ein Gerstenkorn beim Kind?

Typisch sind diese Anzeichen, meist nur an einem Auge:

  • eine gerötete, druckempfindliche Schwellung am Ober- oder Unterlid
  • Schmerzen beim Blinzeln oder wenn das Kind das Lid berührt
  • nach ein bis drei Tagen oft ein gelblicher Punkt, unter dem sich Eiter sammelt
  • ein Fremdkörpergefühl, als wäre etwas im Auge
  • manchmal tränt das Auge, oder das Kind ist etwas lichtempfindlich

Das Sehen selbst bleibt normalerweise unverändert. Fieber gehört nicht zum Bild eines einfachen Gerstenkorns. Hat dein Kind Fieber oder wirkt es richtig krank, ist das ein Grund, zügig ärztlich abklären zu lassen.

Gerstenkorn, Hagelkorn oder Bindehautentzündung?

Drei Dinge werden am Auge oft verwechselt. Die Unterscheidung hilft dir einzuschätzen, was zu tun ist.

  • Gerstenkorn: akut, also über Stunden bis wenige Tage entstanden. Rot, warm, schmerzhaft, oft mit Eiterpunkt. Heilt meist in etwa einer Woche.
  • Hagelkorn (Chalazion): ein fester, meist schmerzloser Knubbel im Lid, oft etwas weiter vom Lidrand entfernt. Es entsteht, wenn der Ausgang einer Talgdrüse verstopft, und ist keine akute Infektion. Ein Hagelkorn wächst langsam und kann Wochen bis Monate bleiben. Manchmal entwickelt es sich aus einem Gerstenkorn, das nicht ganz abgeheilt ist. Wärme und sanfte Lidmassage nach Anleitung der Praxis helfen oft. Bleibt es lange bestehen oder drückt es aufs Auge, kann die Augenärztin es in einem kleinen Eingriff entfernen.
  • Bindehautentzündung: Hier ist nicht ein einzelner Punkt am Lid betroffen, sondern das Weiße im Auge ist gerötet. Das Auge juckt oder brennt, tränt stark oder sondert Sekret ab, morgens sind die Lider oft verklebt. Häufig sind beide Augen betroffen. Eine Bindehautentzündung kann deutlich ansteckender sein als ein Gerstenkorn. Was dann für die Schule gilt, liest du im Ratgeber Bindehautentzündung beim Kind: Wann wieder in die Schule?.

Bist du dir unsicher, was dein Kind hat, ist das kein Problem: Ein kurzer Blick in der Kinderarztpraxis klärt es meist sofort.

Was hilft bei einem Gerstenkorn?

Die meisten Gerstenkörner heilen ohne Medikamente. Du kannst den Verlauf aber unterstützen und deinem Kind die Beschwerden erleichtern.

  • Warme Kompressen: Tauche einen frischen, sauberen Waschlappen in warmes, nicht heißes Wasser, wring ihn aus und leg ihn bei geschlossenem Auge für 5 bis 10 Minuten auf das Lid. Drei- bis viermal am Tag ist ein guter Rhythmus. Die Wärme fördert die Durchblutung und hilft dem Gerstenkorn, sich zu öffnen. Prüf die Temperatur vorher an deinem Handgelenk und nimm jedes Mal einen frischen Lappen.
  • Nicht ausdrücken, nicht aufstechen: Auch wenn der gelbe Punkt dazu einlädt. Beim Drücken können Keime tiefer ins Gewebe geraten, und die Entzündung kann sich ausbreiten.
  • Lidrand sauber halten: Öffnet sich das Gerstenkorn, tupf den austretenden Eiter vorsichtig mit einem sauberen Wattepad und abgekochtem, lauwarmem Wasser ab. Für jedes Auge ein eigenes Pad.
  • Keine Hausmittel ins Auge: Kamillentee-Kompressen sind keine gute Idee, weil Kamille das empfindliche Auge reizen und Allergien auslösen kann. Auch Zwiebel- oder Quarkauflagen gehören nicht ans Auge.
  • Kontaktlinsen und Schminke pausieren: Trägt dein älteres Kind Kontaktlinsen, steigt es bis zur Abheilung auf die Brille um. Augen-Make-up bleibt weg, gebrauchte Produkte werden besser entsorgt.

Hat dein Kind Schmerzen, kann ein kindgerechtes Schmerzmittel in der passenden Dosis helfen. Frag im Zweifel in der Apotheke nach. Antibiotische Salben oder Tropfen sind bei einem einfachen Gerstenkorn oft nicht nötig. Ob sie sinnvoll sind, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.

Wann muss ein Kind mit Gerstenkorn zum Arzt?

Lass dein Kind in der Kinderarzt- oder Augenarztpraxis anschauen, wenn

  • sich nach etwa einer Woche mit Wärmebehandlung nichts bessert
  • das Gerstenkorn deutlich größer wird oder sehr stark schmerzt
  • dein Kind jünger als ein Jahr ist
  • immer wieder neue Gerstenkörner auftreten
  • ein harter Knubbel über Wochen bleibt, also vermutlich ein Hagelkorn
  • das Weiße im Auge stark gerötet ist oder dein Kind schlechter sieht

Bei häufigen Gerstenkörnern schaut die Praxis nach Ursachen. Das kann zum Beispiel eine chronische Lidrandentzündung sein, die sich mit regelmäßiger Lidpflege gut in den Griff bekommen lässt. Manchmal reiben sich Kinder auch ständig die Augen, weil sie schlecht sehen und müde werden. Dann lohnt ein Sehtest, mehr dazu im Ratgeber Sehschwäche beim Kind erkennen.

Noch am selben Tag sollte ein Arzt draufschauen, wenn die Schwellung sich über das ganze Lid, um das Auge herum oder auf die Wange ausbreitet, das Lid sich heiß anfühlt, dein Kind Fieber bekommt, das Auge kaum noch öffnen kann, Schmerzen beim Bewegen des Auges hat, Doppelbilder sieht oder das Auge hervorzutreten scheint. Das können Zeichen sein, dass sich die Entzündung auf das Gewebe um das Auge ausgebreitet hat. Das ist selten, muss aber schnell behandelt werden. Außerhalb der Praxiszeiten hilft in Deutschland der Bereitschaftsdienst unter 116 117, in Österreich die Gesundheitshotline 1450. Im Notfall wählst du 112 in Deutschland und 144 in Österreich und der Schweiz.

Ist ein Gerstenkorn ansteckend?

Nur wenig. Die Bakterien, die ein Gerstenkorn auslösen, tragen viele Menschen ohnehin auf der Haut. Eine richtige Ansteckungswelle wie bei einer Bindehautentzündung gibt es deshalb kaum. Trotzdem kann der Eiter Keime enthalten, die über Finger, Handtücher oder Kissen weiterwandern, auch auf das andere Auge deines Kindes.

  • Dein Kind bekommt ein eigenes Handtuch und einen eigenen Waschlappen, die du täglich wechselst und bei mindestens 60 Grad wäschst.
  • Nach dem Auflegen der Kompresse und nach dem Berühren des Auges wascht ihr beide gründlich die Hände.
  • Kopfkissenbezug öfter wechseln, solange das Gerstenkorn offen ist.
  • Keine Augentropfen, Schminke oder Brillenputztücher teilen.

Schule, Sport und Schwimmen: Was ist erlaubt?

Ein Gerstenkorn ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz kein Grund für ein Schulverbot. Fühlt sich dein Kind gut, kann es ganz normal in die Schule oder Kita gehen. Bleib zu Hause, wenn es starke Schmerzen oder Fieber hat oder das geschwollene Lid so tief hängt, dass es die Tafel nicht richtig sieht. Wie du in solchen Fällen grundsätzlich entscheidest, erklärt der Ratgeber Kind krank: Wann darf es in die Schule?.

Für den Schulalltag helfen ein paar kleine Absprachen. Gib deinem Kind ein paar Taschentücher mit und erinnere es daran, nicht am Auge zu reiben und nach der Pause die Hände zu waschen. Hängt das Lid stark oder sieht dein Kind auf dem Auge vorübergehend etwas schlechter, schreib der Lehrkraft eine kurze Nachricht. Ein Platz weiter vorne für ein paar Tage reicht dann oft.

Beim Sport an Land spricht meist nichts dagegen, solange dein Kind fit ist und gut sieht. Bei Ballsportarten mit Kopfballkontakt kann es sinnvoll sein, ein paar Tage auszusetzen, damit kein Schlag aufs entzündete Lid kommt. Mit Schwimmen und Schwimmunterricht wartest du besser, bis das Gerstenkorn abgeheilt ist. Chlorwasser reizt das Auge zusätzlich, und im Becken reiben sich Kinder ständig die Augen. Eine kurze Entschuldigung für die Schwimmstunde ist in dieser Zeit vollkommen in Ordnung.

Wie kannst du einem Gerstenkorn vorbeugen?

Ganz verhindern lässt sich ein Gerstenkorn nicht. Mit ein paar Gewohnheiten wird es aber seltener:

  • Hände waschen: nach der Schule, nach dem Spielen draußen und vor dem Essen. Übt es so lange, bis es zur Routine wird.
  • Nicht in den Augen reiben: Juckt das Auge, lieber mit einem sauberen Taschentuch tupfen. Reibt dein Kind sich oft die Augen, frag dich, warum: Müdigkeit, Allergie oder schlechtes Sehen können dahinterstecken.
  • Eigene Handtücher: Auch Geschwister nutzen nicht dasselbe Handtuch im Bad.
  • Lidpflege bei Neigung: Hat dein Kind öfter Gerstenkörner, kann die Praxis eine tägliche Lidrandpflege mit Wärme empfehlen.
  • Kontaktlinsen sauber halten: Bei älteren Kindern gehört gründliche Linsenhygiene zur Vorbeugung dazu.

Bleibt es bei einem einzelnen Gerstenkorn alle paar Jahre, ist das ganz normal. Wichtig ist vor allem, dass du die Warnzeichen kennst und dein Kind lernt, die Finger vom Auge zu lassen. Schielt dein Kind oder fällt dir sonst etwas an den Augen auf, findest du Hinweise im Ratgeber Kind schielt: Was tun?.

Hinweis: Dieser Ratgeber gibt allgemeine Informationen und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Breitet sich die Schwellung über das Lid hinaus aus, bekommt dein Kind Fieber, starke Augenschmerzen oder Sehstörungen, lass es noch am selben Tag untersuchen, im Notfall unter 112 in Deutschland oder 144 in Österreich und der Schweiz.

Häufige Fragen

Ist ein Gerstenkorn beim Kind ansteckend?

Nur wenig. Ein Gerstenkorn entsteht meist durch Bakterien, die ohnehin auf der Haut leben. Über die Finger, ein gemeinsames Handtuch oder einen Waschlappen können sie aber weitergetragen werden, auch ans andere Auge. Eigene Handtücher, häufiges Händewaschen und nicht am Auge reiben reichen in der Regel aus, um Geschwister und Mitschüler zu schützen.

Darf mein Kind mit einem Gerstenkorn in die Schule oder Kita?

In der Regel ja. Ein Gerstenkorn gehört nicht zu den Erkrankungen, bei denen Kinder zu Hause bleiben müssen. Entscheidend ist, wie es deinem Kind geht. Hat es starke Schmerzen, Fieber oder ist das Lid so geschwollen, dass es kaum sehen kann, bleibt es besser daheim und du lässt es ärztlich anschauen.

Wie lange dauert ein Gerstenkorn beim Kind?

Meist geht ein Gerstenkorn innerhalb von etwa einer Woche von selbst zurück. Oft öffnet es sich nach einigen Tagen, der Eiter fließt ab und die Schmerzen lassen schnell nach. Ist nach rund einer Woche keine Besserung zu sehen oder wird es größer, gehört es in ärztliche Hände.

Was ist der Unterschied zwischen Gerstenkorn und Hagelkorn?

Ein Gerstenkorn ist eine akute Entzündung: rot, warm, geschwollen und schmerzhaft, oft mit gelbem Eiterpunkt. Ein Hagelkorn ist ein verstopfter Talgdrüsenausgang im Lid. Es ist ein fester, meist schmerzloser Knubbel, der langsam wächst und wochen- bis monatelang bleiben kann. Manchmal bleibt nach einem Gerstenkorn ein Hagelkorn zurück.

Darf ich ein Gerstenkorn ausdrücken?

Nein. Beim Ausdrücken können die Bakterien tiefer ins Gewebe gelangen. Dann kann sich die Entzündung auf das ganze Lid oder die Augenhöhle ausbreiten, was gefährlich werden kann. Lass das Gerstenkorn in Ruhe, unterstütze es mit Wärme und warte, bis es sich von selbst öffnet.

Darf mein Kind mit Gerstenkorn schwimmen gehen?

Besser warten, bis das Gerstenkorn abgeheilt ist. Chlorwasser kann das entzündete Lid zusätzlich reizen, und im Wasser reiben sich Kinder oft die Augen. Schulsport an Land ist dagegen meist kein Problem, solange dein Kind sich fit fühlt und gut sieht.

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