Grippeimpfung beim Kind: Sinnvoll oder nicht?
Grippeimpfung beim Schulkind: Wem sie in DE, AT und CH empfohlen wird, Nasenspray oder Spritze, bester Zeitpunkt, Nebenwirkungen und Tipps bei Spritzenangst.
Kurz gesagt: Die Grippeimpfung beim Kind ist sinnvoll, wenn dein Kind eine chronische Erkrankung wie Asthma, Diabetes oder einen Herzfehler hat, denn dann kann eine Grippe schwer verlaufen. In Deutschland empfiehlt die STIKO die Impfung vor allem diesen Kindern, die Schweiz zusätzlich ihrem engen Umfeld. Österreich empfiehlt sie allgemein für Kinder und bietet sie im öffentlichen Kinderimpfprogramm an. Für gesunde Schulkinder ist sie eine Entscheidung, die du gut mit deiner Kinderarztpraxis besprechen kannst. Der beste Zeitpunkt ist Oktober oder November.
Jeden Herbst dasselbe Bild: In der Klasse fehlen plötzlich fünf Kinder, im Elternchat jagt eine Krankmeldung die nächste, und in der Kinderarztpraxis hängt ein Plakat zur Grippeimpfung. Viele Eltern fragen sich dann, ob das für ihr Kind überhaupt nötig ist. Es ist doch gesund, und eine Grippe hatte es bisher auch nicht. Dieser Ratgeber hilft dir, die Frage für dein Kind zu beantworten: Was eine echte Grippe von einer Erkältung unterscheidet, wem die Impfung in Deutschland, Österreich und der Schweiz empfohlen wird, wie sie abläuft und was du tun kannst, wenn dein Kind Angst vor der Spritze hat.
Grippe oder Erkältung: Wo ist der Unterschied?
Im Alltag sagen viele Grippe, wenn sie eine kräftige Erkältung meinen. Medizinisch sind das zwei verschiedene Dinge. Eine Erkältung wird von vielen unterschiedlichen Viren ausgelöst, beginnt meist langsam mit Halskratzen und Schnupfen und ist nach einer Woche oft vorbei. Die echte Grippe, die Influenza, wird von Influenzaviren verursacht und trifft dein Kind meist wie aus dem Nichts.
Typisch für eine Grippe sind:
- plötzliches, oft hohes Fieber, manchmal mit Schüttelfrost
- starke Kopf-, Glieder- und Muskelschmerzen
- trockener, quälender Husten
- große Erschöpfung, dein Kind will nur noch liegen
- bei jüngeren Kindern manchmal Bauchschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen
Die meisten Kinder überstehen eine Grippe gut, brauchen aber oft ein bis zwei Wochen, bis sie wieder richtig fit sind. Gefährlich wird es, wenn Komplikationen dazukommen, etwa eine Lungenentzündung, eine Mittelohrentzündung oder seltener eine Entzündung des Herzmuskels. Dieses Risiko ist bei Kindern mit Vorerkrankungen deutlich höher. Schulkinder spielen außerdem eine große Rolle bei der Verbreitung der Grippe: Sie sitzen eng beieinander und tragen die Viren nach Hause zu Geschwistern, Eltern und Großeltern.
Grippeimpfung beim Kind: Wem wird sie empfohlen?
Hier unterscheiden sich Deutschland, Österreich und die Schweiz. Die Empfehlungen werden jedes Jahr überprüft und können sich ändern. Schau deshalb jeden Herbst nach, was für die aktuelle Saison gilt, oder frag in deiner Kinderarztpraxis nach.
- Deutschland: Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die jährliche Grippeimpfung für Kinder ab sechs Monaten, die wegen einer Grunderkrankung ein erhöhtes Risiko haben. Dazu zählen zum Beispiel Asthma und andere chronische Lungenerkrankungen, angeborene Herzfehler, Diabetes und andere Stoffwechselerkrankungen, chronische Nieren- oder Lebererkrankungen, neurologische Erkrankungen und ein geschwächtes Immunsystem. Für gesunde Kinder gibt es keine allgemeine Empfehlung, eine Impfung ist aber möglich.
- Österreich: Der österreichische Impfplan empfiehlt die Grippeimpfung allgemein, ausdrücklich auch für Kinder. Für Kinder wird sie im Rahmen des öffentlichen Kinderimpfprogramms kostenfrei angeboten. Wo und bis zu welchem Alter das in deinem Bundesland gilt, erfährst du bei deiner Kinderarztpraxis oder deiner Landessanitätsdirektion.
- Schweiz: Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) und die Eidgenössische Kommission für Impffragen (EKIF) empfehlen die Grippeimpfung Menschen mit erhöhtem Komplikationsrisiko, also auch Kindern mit chronischen Erkrankungen. Zusätzlich empfohlen wird sie Personen, die mit Risikopersonen eng zusammenleben, zum Beispiel Geschwistern eines Säuglings unter sechs Monaten.
Für dich heißt das: Hat dein Kind eine chronische Erkrankung, ist die Impfung in allen drei Ländern klar empfohlen. Bei einem gesunden Schulkind hängt die Antwort davon ab, wo du wohnst und wie eure Familie aufgestellt ist. Lebt ein Baby, eine schwangere Mutter, ein Großelternteil oder jemand mit geschwächtem Immunsystem im Haushalt, kann die Impfung des Schulkindes diese Menschen mitschützen.
Nasenspray oder Spritze?
Für Kinder gibt es zwei Arten von Grippeimpfstoff. Die klassische Spritze enthält abgetötete Virusbestandteile und wird in den Oberarm gegeben. Sie ist ab sechs Monaten zugelassen und für alle Kinder geeignet, auch für Kinder mit geschwächtem Immunsystem.
Der Nasenspray-Impfstoff ist ein Lebendimpfstoff mit abgeschwächten Viren. Er wird in jedes Nasenloch gesprüht, ganz ohne Nadel, und ist für Kinder ab zwei Jahren zugelassen. Für Kinder mit Angst vor Spritzen ist das oft eine große Erleichterung. Nicht geeignet ist das Nasenspray unter anderem für Kinder mit schwerem oder gerade schlecht eingestelltem Asthma, mit einem geschwächten Immunsystem oder wenn jemand im Haushalt stark immungeschwächt ist. Außerdem ist es nicht in jedem Land und nicht in jeder Saison verfügbar. Ob es für dein Kind infrage kommt, entscheidet die Kinderärztin oder der Kinderarzt.
Wie läuft die Impfung ab und wann ist der beste Zeitpunkt?
Die Grippesaison beginnt in Mitteleuropa meist nach dem Jahreswechsel und dauert oft bis in den Frühling. Da sich der Schutz in etwa zwei Wochen nach der Impfung aufbaut, sind Oktober und November ein guter Zeitpunkt. Eine spätere Impfung im Dezember oder Januar ist aber meist auch noch sinnvoll, solange die Grippewelle nicht vorbei ist.
Wird dein Kind zum ersten Mal gegen Grippe geimpft und ist es jünger als neun Jahre, bekommt es in der Regel zwei Dosen im Abstand von mindestens vier Wochen. Plane dann etwas früher, damit die zweite Dosis noch vor der Grippewelle gegeben werden kann. Ab dem zweiten Jahr reicht meist eine Dosis pro Saison. Weil sich die Grippeviren ständig verändern, wird der Impfstoff jedes Jahr angepasst. Die Impfung muss deshalb jeden Herbst wiederholt werden.
Der Termin selbst dauert nur wenige Minuten. Bring den Impfpass mit und erzähl der Praxis, wenn dein Kind gerade krank ist, Allergien hat oder Medikamente nimmt. Bei Fieber oder einem richtigen Infekt wird die Impfung meist um ein bis zwei Wochen verschoben.
Welche Nebenwirkungen kann die Grippeimpfung haben?
Die Grippeimpfung ist gut untersucht und wird von den meisten Kindern gut vertragen. Häufig sind kurzfristige Impfreaktionen, die zeigen, dass das Immunsystem arbeitet:
- bei der Spritze: Rötung, Schwellung oder Schmerzen an der Einstichstelle
- beim Nasenspray: verstopfte oder laufende Nase
- Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Gliederschmerzen
- leichtes Fieber für ein bis zwei Tage
Diese Beschwerden gehen meist nach ein bis drei Tagen von selbst vorbei. Gönn deinem Kind am Impftag einen ruhigen Nachmittag, Sport kann es am nächsten Tag wieder machen, wenn es sich gut fühlt. Schwere allergische Reaktionen sind sehr selten und treten fast immer in den ersten Minuten nach der Impfung auf, deshalb bittet die Praxis oft, kurz im Wartezimmer zu bleiben. Wirkt dein Kind nach der Impfung sehr krank, hat es hohes Fieber oder Atemnot, ruf die Kinderarztpraxis an. Bei Atemnot oder Kreislaufproblemen wählst du sofort den Notruf: 112 in Deutschland, 144 in Österreich und der Schweiz.
Wenn dein Kind Angst vor der Spritze hat
Viele Schulkinder haben Angst vor Spritzen, und das ist völlig normal. Ehrlichkeit hilft mehr als Überraschung: Sag deinem Kind ein bis zwei Tage vorher, dass eine Impfung ansteht, und erkläre in einfachen Worten, wozu sie gut ist. Versprich nicht, dass es gar nicht weh tut, sondern sag, dass es kurz piekst und schnell vorbei ist.
Was im Moment hilft: Ablenkung durch ein Lieblingsbuch, ein Spiel am Handy oder gemeinsames Zählen, ruhiges Atmen und deine Nähe, etwa wenn dein Kind auf deinem Schoß sitzt. Frag in der Praxis, ob ein Nasenspray-Impfstoff möglich ist oder ob ein betäubendes Pflaster infrage kommt. Lob danach den Mut, nicht das Nicht-Weinen. Weitere Ideen findest du in unserem Ratgeber Kind hat Angst vor der Impfung: Was wirklich hilft.
Mit Grippe: Wann darf dein Kind wieder in die Schule?
Hat dein Kind trotzdem eine Grippe erwischt, braucht es vor allem Ruhe, viel zu trinken und Zeit. Zurück in die Schule sollte es erst, wenn es mindestens einen Tag fieberfrei ist, ohne fiebersenkende Mittel, und sich wieder fit genug für einen ganzen Schultag fühlt. Das dauert bei einer Grippe oft länger als bei einer Erkältung. Wichtig zu wissen: Kinder können die Viren über mehrere Tage weitergeben, oft auch noch nach dem Fieber.
Ein Arztbesuch ist nötig, wenn dein Kind schwer atmet, das Fieber nach drei Tagen nicht sinkt oder nach einer Besserung wieder ansteigt, es kaum trinkt, sehr schläfrig oder verwirrt wirkt oder eine Vorerkrankung hat. Mehr dazu liest du in Kind hat Grippe: Wann wieder in die Schule und was Eltern wissen müssen.
Unser Fazit: So findest du deine Antwort
Ob die Grippeimpfung für dein Kind sinnvoll ist, hängt von drei Fragen ab. Hat dein Kind eine chronische Erkrankung? Dann ist die Impfung klar empfohlen. Lebt jemand in eurem Haushalt, für den eine Grippe gefährlich wäre? Dann schützt die Impfung des Schulkindes auch diese Person. Und was empfiehlt dein Land in dieser Saison? In Österreich wird die Impfung allgemein für Kinder empfohlen, in Deutschland und der Schweiz vor allem für Risikogruppen.
Du musst diese Entscheidung nicht allein treffen. Sprich beim nächsten Termin in der Kinderarztpraxis offen an, was dich beschäftigt, ob es die Spritze, die Nebenwirkungen oder der Nutzen ist. Eine gute Ärztin oder ein guter Arzt nimmt sich Zeit für deine Fragen und gibt dir eine Empfehlung, die zu deinem Kind und zur aktuellen Saison passt.
Hinweis: Dieser Ratgeber gibt allgemeine Informationen und ersetzt keine ärztliche Beratung. Impfempfehlungen werden jedes Jahr neu bewertet. Was für dein Kind in der aktuellen Saison gilt, erfährst du in deiner Kinderarztpraxis sowie bei der STIKO (Deutschland), im österreichischen Impfplan oder beim BAG (Schweiz). Bei Atemnot oder wenn dein Kind kaum noch ansprechbar ist, wähle sofort den Notruf: 112 in Deutschland, 144 in Österreich und der Schweiz. Außerhalb der Praxiszeiten hilft in Deutschland der Bereitschaftsdienst unter 116 117, in Österreich die Gesundheitshotline 1450, in der Schweiz deine Hausarztpraxis oder die kantonale Notfallnummer.
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Häufige Fragen
Ab welchem Alter kann ein Kind gegen Grippe geimpft werden?
Die Grippeimpfung als Spritze ist für Kinder ab einem Alter von sechs Monaten zugelassen. Der Nasenspray-Impfstoff kommt ab dem zweiten Geburtstag infrage. Welcher Impfstoff für dein Kind passt und in dieser Saison verfügbar ist, klärst du am besten mit deiner Kinderarztpraxis.
Warum braucht mein Kind manchmal zwei Impfungen?
Kinder unter neun Jahren, die noch nie gegen Grippe geimpft wurden, bekommen bei der ersten Impfung in der Regel zwei Dosen im Abstand von mindestens vier Wochen. Das Immunsystem kennt die Grippeviren dann noch nicht und baut mit der zweiten Dosis einen besseren Schutz auf. In den Folgejahren reicht meist eine Dosis pro Saison.
Kann die Grippeimpfung eine Grippe auslösen?
Die Spritze enthält keine vermehrungsfähigen Viren und kann deshalb keine Grippe auslösen. Der Nasenspray-Impfstoff enthält abgeschwächte Viren, die eine leicht verstopfte oder laufende Nase verursachen können, aber keine echte Grippe. Wird dein Kind kurz nach der Impfung krank, steckt meist ein Erkältungsvirus dahinter, das zur selben Jahreszeit unterwegs ist.
Muss die Grippeimpfung jedes Jahr wiederholt werden?
Ja. Grippeviren verändern sich ständig, deshalb wird der Impfstoff jedes Jahr an die erwarteten Virustypen angepasst. Außerdem lässt der Schutz nach einigen Monaten nach. Wer geschützt bleiben möchte, lässt sich deshalb jeden Herbst neu impfen.
Darf mein Kind mit Schnupfen geimpft werden?
Bei einem leichten Schnupfen ohne Fieber spricht meist nichts gegen die Spritze. Hat dein Kind Fieber oder ist es richtig krank, wird die Impfung in der Regel verschoben. Beim Nasenspray kann eine stark verstopfte Nase die Wirkung beeinträchtigen. Die Kinderärztin oder der Kinderarzt entscheidet am Impftag, ob es passt.
Wie gut schützt die Grippeimpfung?
Die Grippeimpfung schützt nicht vollständig, und wie gut sie wirkt, hängt davon ab, wie gut der Impfstoff zu den Viren der Saison passt. Geimpfte Kinder erkranken aber seltener, und wenn sie doch krank werden, verläuft die Grippe oft milder. Der Schutz baut sich in etwa zwei Wochen nach der Impfung auf.