Von der Kinwords Redaktion

Spenden mit Kindern im Advent: So lernt dein Kind, etwas abzugeben

Ab wann Kinder Spenden verstehen, welche Aktionen in Deutschland, Österreich und der Schweiz im Advent laufen, ob dein Kind vom Taschengeld geben soll und wie du Armut erklärst, ohne Angst oder Schuldgefühle zu wecken.

Kinwords Redaktion 8 Min. Lesezeit

Kurz gesagt: Der Advent ist die beste Zeit im Jahr, um Kindern das Geben beizubringen, weil sie gerade so viel bekommen. Ab etwa 4 Jahren verstehen Kinder konkretes Teilen, ab 7 oder 8 auch Spenden an Menschen, die sie nie sehen. Wähle Aktionen mit sichtbarem Ergebnis, lass dein Kind selbst entscheiden, was und wie viel, und zwing es nie. Vom Taschengeld darf ein kleiner Teil kommen, muss aber nicht. Und erkläre Armut sachlich, ohne Schuldgefühle, mit dem Satz, dass eure Familie sicher ist.

Wunschzettel, Adventskalender, Nikolausstiefel, Bescherung: Im Dezember dreht sich für Schulkinder fast alles ums Bekommen. Genau deshalb ist der Advent der beste Moment, das Gegenteil zu üben. Spenden mit Kindern heißt nicht, Geld in einen Topf zu werfen, das Kind steht daneben. Es heißt, dass dein Kind etwas Eigenes abgibt, an jemanden, den es sich vorstellen kann, und erlebt, dass das ein gutes Gefühl ist. Dieser Artikel richtet sich an Eltern von Kindern zwischen 6 und 14 und zeigt, was in welchem Alter funktioniert, welche Aktionen es in Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt und wie ihr das Thema ohne Moralpredigt angeht.

Warum sollten Kinder überhaupt spenden lernen?

Weil Geben lernbar ist und weil es Kindern nachweislich gut tut. Die kanadische Psychologin Lara Aknin zeigte mit ihrem Team schon bei Kleinkindern unter zwei Jahren, dass sie beim Verschenken von Leckerlis mehr Freude zeigen als beim Bekommen. Bei älteren Kindern und Erwachsenen bestätigen Studien denselben Effekt: Wer für andere Geld ausgibt, ist danach zufriedener als wer es für sich selbst ausgibt. Das ist kein pädagogischer Trick, sondern eine Erfahrung, die Kinder nur machen können, wenn sie wirklich etwas Eigenes geben.

Dazu kommt, was Kinder über die Welt lernen. Ein Grundschulkind, das für den Wunschbaum ein Geschenk für ein gleichaltriges Kind aussucht, versteht ohne lange Erklärung, dass nicht alle Familien gleich viel haben. Ein Zwölfjähriger, der bei der Tafel Kisten packt, sieht, wer dort ansteht, und das sind oft Nachbarn, keine Fremden aus den Nachrichten. Dankbarkeit entsteht aus solchen Erfahrungen, nicht aus Ermahnungen. Wie das im Alltag gelingt, beschreibt der Artikel Kind Dankbarkeit beibringen: Was wirklich hilft.

Ab wann versteht ein Kind, was Spenden bedeutet?

Teilen ab etwa 4, Spenden ab etwa 7 oder 8. Vorschulkinder verstehen, dass sie etwas hergeben und jemand anderer sich freut, solange der andere greifbar ist: das Geschwisterkind, das Nachbarskind, der Opa. Dass Geld an eine Organisation Menschen hilft, die sie nie sehen werden, braucht abstraktes Denken, und das kommt im Grundschulalter. Davor ist eine Spende für das Kind einfach weg.

  • 6 bis 8 Jahre: Konkret und sichtbar. Ein Päckchen für ein bestimmtes Kind, ein Wunschzettel vom Wunschbaum, zwei Packungen Nudeln für die Tafel-Box im Supermarkt. Das Kind soll sehen, was es gibt und an wen.
  • 9 bis 11 Jahre: Jetzt darf Geld dazukommen. Ein Teil vom Taschengeld, ein selbst gewähltes Projekt, erste Fragen nach dem Warum. Gute Zeit für den Besuch bei einer Tafel, einer Kleiderkammer oder einem Tierheim.
  • Ab 12: Zeit statt Geld. Mithelfen beim Weihnachtsbasar, beim Sponsorenlauf, in der Pfarre, beim Verein. Teenager spenden ungern Geld, das sie selbst kaum haben, helfen aber gern, wenn Freunde dabei sind.

Welche Spendenaktionen gibt es im Advent für Familien?

Mehr, als in einen Dezember passen. Wähle eine, höchstens zwei, und mach sie zum festen Teil eures Advents, so wie den Adventskranz. Aktionen mit Ergebnis, das dein Kind sehen kann, schlagen anonyme Überweisungen.

  • Wunschbaum: In vielen Einkaufszentren, Rathäusern und Pfarren in Deutschland und Österreich hängen ab Ende November Wunschzettel von Kindern aus bedürftigen Familien oder Heimen am Baum. Dein Kind sucht einen aus, ihr kauft und packt das Geschenk gemeinsam. Die Caritas nennt es in Österreich Wunschzettelbaum. Perfekt für 6- bis 10-Jährige.
  • Tafel und Lebensmittelausgabe: Viele Supermärkte haben im Advent Spendenboxen oder Aktionen, bei denen man beim Einkauf eine Tüte dazukauft. Das Kind packt sie selbst. In Österreich gibt es die Tafeln ebenso, in der Schweiz Tischlein deck dich und die Schweizer Tafel.
  • Licht ins Dunkel (Österreich): Die Spendenaktion des ORF läuft den ganzen Advent und endet am 24. Dezember mit der Fernsehsendung. Viele Schulen beteiligen sich mit Basaren oder Sammlungen. Das Geld geht an Projekte für Kinder und Menschen mit Behinderung in Österreich.
  • Jeder Rappen zählt (Schweiz): Die Aktion von SRF im Dezember, bei der Kinder und Familien mit eigenen kleinen Aktionen Geld sammeln, vom Kuchenverkauf bis zum Sponsorenlauf. Gut für Schulklassen und Geschwister.
  • Weihnachten im Schuhkarton: Die bekannteste Päckchenaktion in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Haken: Die Abgabe endet meist Mitte November. Für dieses Jahr zu spät, aber ein Termin für den Kalender im Herbst.
  • Sternsinger und Dreikönigsaktion: Anfang Januar ziehen Kinder in Deutschland, Österreich und der Schweiz von Haus zu Haus und sammeln für Kinderprojekte weltweit. Mitgehen ist für Grundschulkinder die direkteste Form des Spendens: Sie geben Zeit, Stimme und kalte Füße.
  • Kleiderkammer, Wärmestube, Tierheim vor Ort: Oft am konkretesten. Anrufen, fragen, was gebraucht wird, hinbringen. Das Kind trägt die Tüte selbst hinein.

Viele Schulen laufen im Advent eigene Sammlungen, vom Weihnachtsbasar bis zum Päckchen für Partnerschulen. Wenn eure Schule dabei ist, hängt euch dran, das spart Organisation und das Kind erlebt die Aktion mit seinen Freunden. Wie Eltern beim Basar helfen, ohne sich zu verheben, liest du im Artikel Weihnachtsbasar an der Schule: So helfen Eltern ohne Stress.

Taschengeld, Spielzeug oder Zeit: Was soll mein Kind geben?

Etwas, das ihm gehört und das es selbst aussucht. Das ist der ganze Unterschied zwischen Spenden lernen und Spenden zuschauen. Bei Geld hat sich das Drei-Dosen-Prinzip bewährt: Das Taschengeld wird aufgeteilt in Ausgeben, Sparen und Geben, und die Geben-Dose, meist der kleinste Teil, gehört ganz dem Kind. Es entscheidet, wann und wohin. Eltern können den Betrag verdoppeln, dann wird aus drei Euro ein sichtbarer Beitrag. Zwing dein Kind nie, einen festen Anteil zu spenden. Ein Euro, der freiwillig kommt, lehrt mehr als zehn, die abgezogen werden. Was beim Taschengeld sonst noch zählt, steht im Artikel Taschengeld ab wann und wie viel: Was wirklich funktioniert.

Bei Spielzeug gilt: Erst anrufen, dann ausmisten. Viele Einrichtungen nehmen nur vollständiges, sauberes Spielzeug und keine Plüschtiere, manche gar nichts Gebrauchtes mehr. Lass das Kind aussuchen, was es gibt, und akzeptiere, wenn es das Lieblingskuscheltier behält. Ausmisten unter dem Etikett Spenden ist eine Erziehungsmaßnahme, kein Geben, und Kinder merken den Unterschied sofort. Besser: Gemeinsam ein neues Geschenk für den Wunschbaum kaufen, dann erlebt das Kind das Aussuchen und Einpacken als eigenen Beitrag.

Zeit ist für Kinder ab etwa 10 die Form des Gebens, die am längsten nachwirkt. Zwei Stunden Kisten packen bei der Tafel, Kekse backen für die Wärmestube, mit dem Verein Weihnachtslieder im Pflegeheim singen, als Sternsinger mitgehen. Teenager, die mit Freunden helfen, bleiben oft dabei, auch nach dem Advent.

Wie sprichst du über Armut, ohne Angst oder Schuld zu erzeugen?

Sachlich und mit einem Sicherheitsnetz. Kinder, die hören, dass andere Familien im Winter nicht heizen können, fragen als Erstes, ob das auch ihnen passieren kann. Beantworte diese Frage, bevor sie gestellt wird: „Wir haben genug, uns geht es gut. Manche Familien haben gerade weniger, und da können wir helfen.“ Vermeide drastische Bilder und Vergleiche wie „Du hast so viel und die haben nichts“. Das erzeugt Schuld, und Schuld ist ein schlechter Grund zu geben.

Erklär auch, dass Armut in Deutschland, Österreich und der Schweiz meist unsichtbar ist. Kinder stellen sich Armut als Zelt oder zerrissene Kleidung vor; tatsächlich betrifft sie laut Statistischem Bundesamt in Deutschland etwa jedes fünfte Kind, in Österreich laut Statistik Austria rund jedes fünfte, und diese Kinder sitzen in derselben Klasse, tragen normale Jacken und fahren nur nicht in den Skiurlaub. Das hilft deinem Kind, respektvoll zu bleiben, auch in der Schule, wenn bei Sammelaktionen klar wird, wer mehr und wer weniger mitbringt.

  • Vorbild statt Vortrag: Lass dein Kind sehen, wenn du spendest, und sag, wofür. Kinder geben, weil ihre Eltern geben, nicht weil sie es gesagt bekommen.
  • Kein Wettbewerb: Weder zwischen Geschwistern noch in der Klasse. Wer mehr gibt, ist nicht besser. Das ist wichtig bei Schulaktionen, bei denen manche Familien selbst wenig haben.
  • Seriosität prüfen, gemeinsam: Zeig ab etwa 10 Jahren das DZI-Spendensiegel in Deutschland, das Österreichische Spendengütesiegel und das Zewo-Gütesiegel in der Schweiz. Kinder lernen so, dass man vor dem Geben hinschaut.
  • Nein akzeptieren: Will dein Kind in diesem Jahr nicht, lass es. Frag nach dem Grund, mach es nächstes Jahr kleiner, und gib selbst weiter. Oft kommt das Kind von allein wieder.

Und wenn dein Kind an Heiligabend trotzdem enttäuscht ist, weil das große Geschenk fehlt? Dann war die Spende nicht umsonst. Geben und Wünschen schließen sich nicht aus, und ein Kind, das beides erlebt, lernt mehr als eines, das nur das eine kennt. Wie du auf Enttäuschung unter dem Baum reagierst, liest du im Artikel Kind enttäuscht vom Geschenk: Was du jetzt sagst.

Drei Fragen, bevor ihr spendet: Erstens: Kann mein Kind sich vorstellen, wer das bekommt? Je konkreter, desto besser, vor allem unter 10 Jahren. Zweitens: Hat mein Kind selbst entschieden, was und wie viel? Wenn nein, ist es keine Spende des Kindes, sondern deine. Drittens: Ist die Organisation seriös? In Deutschland hilft das DZI-Spendensiegel, in Österreich das Spendengütesiegel, in der Schweiz das Zewo-Gütesiegel. Vereine vor Ort, Pfarren und Tafeln brauchen kein Siegel, aber einen Anruf vorher, damit die Spende auch gebraucht wird.

Häufige Fragen

Ab wann verstehen Kinder, was Spenden bedeutet?

Konkretes Teilen verstehen Kinder ab etwa 4 Jahren: Ich gebe etwas her, jemand anderer freut sich. Dass Geld an eine Organisation Menschen hilft, die man nie sieht, begreifen die meisten ab 7 oder 8, wenn das abstrakte Denken dazukommt. Für Grundschulkinder funktionieren deshalb Aktionen mit sichtbarem Ergebnis am besten: ein Päckchen für ein bestimmtes Kind, Lebensmittel für die Tafel, ein Wunschzettel vom Wunschbaum.

Soll mein Kind vom eigenen Taschengeld spenden?

Es darf, es muss nicht. Ein Kind, das freiwillig einen Euro von fünf gibt, lernt mehr als eines, das zehn Euro abgeben muss. Bewährt hat sich das Drei-Dosen-Prinzip: ein Teil zum Ausgeben, ein Teil zum Sparen, ein kleiner Teil zum Geben, und das Kind entscheidet selbst, wohin der Geben-Teil geht. Eltern können den Betrag verdoppeln, dann sieht das Kind, dass sein Beitrag etwas bewirkt.

Welche Spendenaktionen gibt es im Advent für Familien?

In Deutschland der Wunschbaum in vielen Einkaufszentren und Rathäusern, Spenden an die Tafel, Sternsinger-Aktion im Januar und Weihnachten im Schuhkarton, bei dem die Abgabe meist Mitte November endet. In Österreich Licht ins Dunkel des ORF, der Wunschzettelbaum der Caritas und Kinder helfen Kindern. In der Schweiz Jeder Rappen zählt von SRF im Dezember und die Aktion 2 x Weihnachten. Fast überall gibt es dazu lokale Kleiderkammern, Wärmestuben und Pfarren, die konkrete Dinge brauchen.

Kann mein Kind gebrauchtes Spielzeug spenden?

Ja, aber vorher anrufen. Viele Kinderheime, Flüchtlingsunterkünfte und Sozialkaufhäuser nehmen nur vollständiges, sauberes Spielzeug und keine Kuscheltiere oder Puzzles mit fehlenden Teilen. Manche nehmen gar nichts Gebrauchtes mehr an, weil sie überfüllt sind. Lass dein Kind aussuchen, was es gibt, und besteh nicht auf dem Lieblingsstück. Ausmisten unter Zwang ist kein Spenden.

Mein Kind will nicht spenden. Soll ich es zwingen?

Nein. Erzwungenes Geben erzeugt Widerstand, kein Mitgefühl. Frag nach, was dahintersteckt: Oft ist es Angst, selbst zu wenig zu haben, oder das Gefühl, dass etwas weggenommen wird. Fang kleiner an, etwa mit einer Tafel-Spende aus dem Supermarkt, die das Kind selbst aussucht, oder mit Zeit statt Geld. Und sei selbst Vorbild: Kinder geben, wenn sie sehen, dass ihre Eltern geben, nicht weil sie es gesagt bekommen.

Wie erkläre ich meinem Kind Armut, ohne Angst zu machen?

Konkret, ruhig und mit dem Hinweis, dass eure Familie sicher ist. Sag, dass manche Familien im Winter sparen müssen, bei Heizung, Essen oder Geschenken, und dass Spenden dabei helfen. Vermeide Bilder von Elend und Schuldzuweisungen wie „Du hast so viel und die nichts“. Kinder, die sich schuldig fühlen, geben aus Druck. Kinder, die verstehen, dass sie helfen können, geben gern.

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