Von der Kinwords Redaktion
Pubertät8 Min. LesezeitKinwords Redaktion3. Mai 2027

Kind will nicht zur Konfirmation oder Firmung: Was jetzt?

Kurz gesagt: Konfirmation und Firmung sind freiwillig, und ein Ja dazu ergibt nur Sinn, wenn dein Kind es selbst sagen kann. Frag zuerst nach dem Grund: Zweifel am Glauben, langweiliger Unterricht, Gruppendruck oder schlicht keine Lust sind sehr verschiedene Dinge. In Deutschland und Österreich entscheidet dein Kind ab 14 Jahren selbst über sein Bekenntnis, in der Schweiz ab 16. Wenn dein Kind ablehnt, bleibt es trotzdem Mitglied seiner Kirche und kann später jederzeit nachholen. Als Alternativen gibt es einen späteren Termin, eine Jugendweihe oder humanistische Jugendfeier oder ein eigenes Familienfest.

„Ich geh da nicht hin. Ich glaub das alles eh nicht.“ Der Satz fällt beim Abendessen, drei Tage bevor die Anmeldung zum Konfi-Kurs oder zur Firmvorbereitung im Pfarramt liegen soll. Die Oma hat schon nach dem Termin gefragt, die Cousine wurde letztes Jahr konfirmiert, und du weißt selbst nicht genau, was du davon halten sollst.

Vielleicht bist du selbst gläubig und bist enttäuscht. Vielleicht ist dir Kirche eher fremd, und du fragst dich, warum dich das trotzdem trifft. Beides ist normal. In diesem Ratgeber erfährst du, warum Jugendliche zwischen 12 und 15 Konfirmation oder Firmung ablehnen, wie du darüber sprichst, ohne dass es in einem Streit endet, was rechtlich gilt und welche Wege es neben dem klassischen Fest gibt.

Warum will dein Kind nicht zur Konfirmation oder Firmung?

Hinter dem Nein stecken selten nur Trotz oder Faulheit. Diese Gründe hören Eltern und Gemeinden besonders oft:

  • Echte Zweifel am Glauben. Mit 13 fangen viele an, Dinge kritisch zu prüfen, auch Gott, Kirche und das, was sie im Kindergottesdienst gehört haben. Das ist ein Zeichen von Nachdenken, kein Fehler in eurer Erziehung.
  • Kritik an der Kirche. Missbrauchsskandale, Kirchenaustritte in der Familie oder Haltungen zu Frauen und queeren Menschen beschäftigen Jugendliche. Manche wollen mit dieser Institution nichts zu tun haben, auch wenn sie an etwas glauben.
  • Der Unterricht ist langweilig. Ein Jahr lang jeden Dienstag um 17 Uhr in den Gemeinderaum, Pflichtgottesdienste am Sonntag, Texte auswendig lernen: Für viele klingt das nach einem zweiten Schultag.
  • Gruppendruck. In manchen Klassen ist Konfirmation selbstverständlich, in anderen gilt sie als peinlich. Wer als Einziger hingeht oder als Einziger fehlt, spürt das.
  • Die falschen Leute in der Gruppe. Der beste Freund ist in einer anderen Gemeinde, dafür sitzt der Junge mit, der dein Kind seit der Grundschule ärgert.
  • Keine Zeit. Fußballtraining, Musikschule und Hausaufgaben füllen die Woche schon jetzt.

Umgekehrt gibt es Kinder, die nur wegen der Geschenke hinwollen. Auch das ist ein Thema, zu dem wir weiter unten kommen. Wichtig ist: Erst wenn du den Grund kennst, weißt du, worüber ihr eigentlich redet.

Wie führst du ein offenes Gespräch über Glauben und Konfirmation?

Das Gespräch klappt selten zwischen Tür und Angel und noch seltener, wenn die Anmeldefrist morgen abläuft. Such dir einen ruhigen Moment, etwa beim Autofahren oder Spazierengehen. Viele Teenager reden leichter, wenn sie dich nicht direkt anschauen müssen.

  • Frag nach, statt zu überzeugen. „Was genau stört dich daran?“ bringt mehr als „Das gehört sich so“.
  • Halte Zweifel aus. Wenn dein Kind sagt, dass es nicht an Gott glaubt, musst du das nicht sofort widerlegen. Du kannst erzählen, was dir selbst der Glaube bedeutet oder wo du zweifelst.
  • Trenne Glaube und Fest. Manche Jugendliche lehnen nicht den Glauben ab, sondern den Unterricht, die Gemeinde oder den Zeitpunkt. Frag nach, was davon zutrifft.
  • Sag ehrlich, was dir wichtig ist. „Ich würde mich freuen, weil es in unserer Familie Tradition ist“ ist fair. „Sonst ist die Oma traurig“ legt deinem Kind eine Last auf, die nicht seine ist.
  • Lass Zeit. Die Entscheidung muss nicht beim ersten Gespräch fallen. Vereinbart, in einer Woche noch einmal darüber zu reden.

Hilfreich ist auch ein Gespräch mit der Pfarrerin, dem Pfarrer oder der Jugendreferentin. Die meisten kennen Zweifel bei Jugendlichen sehr gut und drängen niemanden. Viele Gemeinden sagen ausdrücklich, dass im Konfi- oder Firmkurs Fragen und Zweifel erwünscht sind. Für dein Kind kann das entlastend sein: Es muss nicht schon glauben, um mitzumachen. Mehr dazu, wie du mit Teenagern über schwierige Themen sprichst, findest du in Gespräche in der Pubertät führen.

Darfst du dein Kind zur Konfirmation oder Firmung zwingen?

Rein praktisch nicht. Konfirmation und Firmung sind Momente, in denen ein junger Mensch selbst Ja zu seinem Glauben sagt. Bei der Konfirmation bestätigt dein Kind die eigene Taufe, bei der Firmung empfängt es ein Sakrament, für das die katholische Kirche die eigene Bereitschaft voraussetzt. Ein Ja unter Druck widerspricht dem Sinn beider Feiern. Viele Pfarrerinnen und Pfarrer sprechen das in der Vorbereitung offen an.

Dazu kommt das Recht. Es setzt klare Altersgrenzen, ab denen dein Kind selbst über seine Religion bestimmt:

  • Deutschland: Nach dem Gesetz über die religiöse Kindererziehung darf dein Kind ab 12 Jahren nicht gegen seinen Willen in einem anderen Bekenntnis als bisher erzogen werden. Ab 14 Jahren ist es religionsmündig und entscheidet selbst, welcher Religion es angehört, auch über einen Kirchenaustritt.
  • Österreich: Das Bundesgesetz über die religiöse Kindererziehung kennt dieselben Grenzen von 12 und 14 Jahren.
  • Schweiz: Laut Zivilgesetzbuch entscheidet ein Kind ab 16 Jahren selbstständig über sein religiöses Bekenntnis. Bis dahin bestimmen die Eltern, sollen aber die Meinung des Kindes einbeziehen.

Die Konfirmation findet in Deutschland meist mit 14 statt, also genau im Alter der Religionsmündigkeit. Die Firmung liegt je nach Bistum oft zwischen 12 und 17 Jahren, in Österreich häufig um 13, in vielen Schweizer Bistümern später. Spätestens ab 14 kannst du in Deutschland und Österreich also gar nicht mehr über den Kopf deines Kindes hinweg entscheiden. Und auch davor gilt: Ein Fest, auf dem dein Kind mit verschränkten Armen in der Kirchenbank sitzt, wird keine schöne Erinnerung, weder für dein Kind noch für dich.

Wenn dein Kind auch den Religionsunterricht in der Schule abwählen will, hilft dir Religionsunterricht abmelden: Was gilt? weiter.

Was tun, wenn dein Kind nur wegen der Geschenke zur Konfirmation will?

Bei Konfirmationen und Firmungen kommen in manchen Familien schnell mehrere hundert Euro zusammen. Dass 13-Jährige das spannend finden, ist wenig überraschend. Viele geben es sogar offen zu. Das muss nicht heißen, dass sonst nichts dahinter ist. Oft sind Geld, Familienfest, Freunde in der Gruppe und ein vages Gefühl von Zugehörigkeit gemischt.

Statt zu schimpfen, kannst du nachfragen: „Wenn es keine Geschenke gäbe, würdest du trotzdem hingehen?“ Und du kannst ehrlich sagen, dass die Feier für dich mehr bedeutet als einen Geldsegen. Manche Familien vereinbaren, dass ein Teil des Geldes gespart oder gespendet wird. Andere lassen das Kind den Kurs erst einmal anfangen und schauen, was nach den ersten Monaten übrig ist. Ein Teil der Jugendlichen merkt dabei, dass die Fahrten, die Gruppenabende und die Gespräche über große Fragen doch mehr hergeben als gedacht.

Welche Alternativen gibt es zur Konfirmation oder Firmung?

Ein Nein zur Konfirmation muss kein Nein zu einem Fest sein. Diese Wege stehen offen:

  • Später konfirmieren oder firmen. Viele evangelische Gemeinden konfirmieren auch Ältere, und katholische Gemeinden haben eigene Kurse für Jugendliche ab 16 und für Erwachsene. Wer heute nicht bereit ist, kann es mit 17 oder mit 30 sein.
  • Eine andere Gruppe oder Gemeinde. Wenn der Ablauf oder die Leute das Problem sind, frag in der Nachbargemeinde nach. Manche bieten kompakte Formate mit Wochenendfahrten statt wöchentlicher Termine.
  • Jugendweihe oder humanistische Jugendfeier. Diese nichtreligiösen Feiern markieren den Übergang ins Jugendalter. Die Jugendweihe ist vor allem in Ostdeutschland verbreitet, humanistische Verbände bieten Jugendfeiern auch anderswo an, oft mit Vorbereitungstreffen zu Themen wie Freundschaft, Verantwortung und Zukunft.
  • Ein eigenes Familienfest. Ihr feiert den 14. Geburtstag größer als sonst, mit Großeltern, Paten und einem Wunsch deines Kindes. Manche Familien verbinden das mit einem besonderen Erlebnis, etwa einer Wanderung oder einem Wochenende in einer Stadt, die dein Kind sehen will.
  • Gar nichts Besonderes. Auch das ist in Ordnung. Nicht jeder Übergang braucht eine Zeremonie.

Rechtlich und praktisch ändert sich durch den Verzicht wenig. Dein Kind bleibt getauft und Mitglied seiner Kirche. In vielen Kirchen ist die Konfirmation oder Firmung Voraussetzung, um später Patin oder Pate zu werden. Wer das irgendwann möchte, kann sie dann nachholen.

Wie gehst du mit den Erwartungen der Großeltern um?

Oft ist es nicht der eigene Wunsch, sondern der Blick der Oma, der Eltern unter Druck setzt. Für viele Großeltern war die Konfirmation oder Firmung selbstverständlich, und sie haben vielleicht schon ein Geschenk oder sogar das Kreuz für die Kette gekauft.

  • Sprich zuerst mit den Großeltern, nicht vor dem Kind. So kann dein Kind nicht zwischen die Fronten geraten.
  • Erklär die Entscheidung als ernsthafte. „Sie hat sich lange Gedanken gemacht und will nichts versprechen, was sie nicht meint“ wird eher akzeptiert als „Er hat halt keine Lust“.
  • Bitte um Zurückhaltung. Ein Großvater, der beim Sonntagsessen jedes Mal nachbohrt, schiebt dein Kind eher weiter weg vom Glauben.
  • Gib den Großeltern eine Rolle. Beim Familienfest zum 14. Geburtstag können sie eine Rede halten oder ein Foto-Album gestalten. Oma kann ihrem Enkel auch erzählen, was ihr der Glaube bedeutet, ohne Druck und ohne Ziel.

Wenn Großeltern sich generell stark in eure Erziehung einmischen, lies auch Wenn Großeltern sich einmischen.

Was, wenn dein Kind wegen der anderen nicht zur Firmung oder Konfirmation will?

Manchmal ist das Nein gar keine Glaubensfrage. Dein Kind hat Angst, als einziges in der Klasse zur Konfirmation zu gehen und dafür ausgelacht zu werden. Oder es will mit, weil alle anderen gehen, obwohl es innerlich zweifelt. Beides ist Gruppendruck, nur in verschiedene Richtungen.

Frag nach, wie die anderen in der Klasse darüber reden, und hilf deinem Kind, die eigene Meinung von der Meinung der Gruppe zu trennen. Ein Satz wie „Stell dir vor, niemand aus deiner Klasse würde es mitkriegen. Wie würdest du dich dann entscheiden?“ hilft oft weiter. Mehr dazu liest du in Gruppendruck in der Schule.

Und wenn die Entscheidung dir schwerfällt, erinnere dich: Ein Kind, das mit 13 ehrlich Nein sagt, hat oft ein ernsthafteres Verhältnis zum Glauben als eines, das ohne Nachdenken mitläuft. Die Tür bleibt offen. Wie du kleineren Geschwistern Fragen zu Gott beantwortest, findest du in Kind fragt nach Gott und Religion.

Wichtiger Hinweis: Dieser Ratgeber gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung. Die Regeln zur Religionsmündigkeit unterscheiden sich in Deutschland, Österreich und der Schweiz, Abläufe von Konfirmation und Firmung auch von Gemeinde zu Gemeinde. Für Fragen zur Vorbereitung wende dich an dein Pfarramt. Streiten getrennte Eltern über die religiöse Erziehung, helfen Familienberatungsstellen oder das Jugendamt weiter. Wenn dein Kind in der Auseinandersetzung sehr belastet wirkt, findet es in Deutschland bei der Nummer gegen Kummer unter 116 111 ein offenes Ohr, in Österreich bei Rat auf Draht unter 147 und in der Schweiz bei der Beratung von Pro Juventute unter 147.

Häufige Fragen

Muss mein Kind zur Konfirmation oder Firmung gehen?

Nein. Konfirmation und Firmung sind freiwillig. Weder die Kirche noch die Schule kann dein Kind dazu verpflichten. Wer nicht konfirmiert oder gefirmt wird, bleibt getauftes Mitglied seiner Kirche. Beide Feiern lassen sich später nachholen, auch als Erwachsener.

Ab wann darf mein Kind selbst über seine Religion entscheiden?

In Deutschland regelt das das Gesetz über die religiöse Kindererziehung: Ab 14 Jahren entscheidet dein Kind selbst über sein Bekenntnis, ab 12 darf es nicht gegen seinen Willen in einem anderen Bekenntnis als bisher erzogen werden. In Österreich gibt es eine sehr ähnliche Regelung mit denselben Altersgrenzen. In der Schweiz liegt die Grenze laut Zivilgesetzbuch bei 16 Jahren. Bei konkreten Streitfällen hilft eine Beratungsstelle oder eine Anwältin für Familienrecht.

Kann man sich später noch konfirmieren oder firmen lassen?

Ja. Viele evangelische Gemeinden bieten eine Konfirmation für Jugendliche und Erwachsene an, katholische Gemeinden eine Firmvorbereitung für Erwachsene. Wer mit 13 keine Lust hat, kann mit 17 oder 30 einen eigenen Weg finden. Frag im Pfarramt nach, wie das bei euch vor Ort läuft.

Was verliert mein Kind, wenn es nicht konfirmiert oder gefirmt wird?

Im Alltag ändert sich nichts. Kirchlich gibt es einzelne Folgen: In vielen Kirchen setzt das Patenamt die Konfirmation oder Firmung voraus. Wer später Pate oder Patin werden möchte, kann sie dann nachholen. Die genauen Regeln unterscheiden sich je nach Landeskirche und Bistum.

Mein Kind will nur wegen der Geschenke zur Konfirmation. Ist das schlimm?

Es ist ehrlich und bei 13-Jährigen nicht selten. Geld und Geschenke sind für viele ein Teil der Motivation, selten der einzige. Sprich offen darüber, ohne zu moralisieren. Oft zeigt sich im Konfi- oder Firmunterricht, dass auch Gemeinschaft, Fahrten und Gespräche zählen. Wenn es wirklich nur ums Geld geht, darfst du sagen, dass dir das für ein Versprechen vor der Gemeinde zu wenig ist.

Was ist eine Jugendweihe oder Jugendfeier?

Die Jugendweihe ist eine nichtreligiöse Feier zum Übergang ins Jugendalter, vor allem in Ostdeutschland verbreitet. Humanistische Verbände bieten ähnliche Jugendfeiern an, mit Vorbereitungstreffen zu Themen wie Freundschaft, Verantwortung und Zukunft. Sie ist eine Option für Kinder, die feiern möchten, aber kein Glaubensbekenntnis ablegen wollen.

Wie gehe ich mit enttäuschten Großeltern um?

Erklär den Großeltern, dass es eine Entscheidung eures Kindes ist und dass ihr sie respektiert. Bitte sie, keinen Druck zu machen, und gib ihnen einen anderen Platz: zum Beispiel beim Familienfest zum 14. Geburtstag. Viele Großeltern können eher loslassen, wenn sie merken, dass das Kind ernsthaft nachgedacht hat und nicht einfach bequem ist.

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