Wie viele Weihnachtsgeschenke für Kinder sind genug?
Kurz gesagt: Eine richtige Zahl gibt es nicht, aber weniger ist an Heiligabend meist mehr. Viele Familien fahren gut mit drei bis fünf Geschenken von den Eltern, etwa nach der 4-Geschenke-Regel: etwas zum Wünschen, zum Brauchen, zum Anziehen und zum Lesen. Wichtiger als die Zahl ist, dass du dich vorher mit Großeltern und Paten absprichst, damit aus der Bescherung kein Auspacken im Akkord wird.
Wie viele Weihnachtsgeschenke für Kinder angemessen sind, fragen sich viele Eltern spätestens dann, wenn der Wunschzettel zwei Seiten lang ist und Oma schon im Oktober anruft, was sie besorgen soll. Dazu kommen Paten, Tanten, vielleicht ein zweiter Haushalt nach einer Trennung. Am Ende sitzt ein Kind unter dem Baum, um das sich die Päckchen stapeln.
Hier geht es nicht darum, Weihnachten kleinzureden oder dir ein schlechtes Gewissen zu machen. Geschenke sind schön, und Kinder dürfen sich auf sie freuen. Es geht darum, wie die Bescherung für dein Kind wieder zu etwas wird, das es genießen kann.
Warum zu viele Geschenke Kinder eher überfordern
Vielleicht kennst du die Szene: Dein Kind reißt ein Päckchen auf, schaut kurz hin, legt es weg und greift zum nächsten. Nach zwanzig Minuten liegt ein Berg Papier im Wohnzimmer, und auf die Frage, was ihm am besten gefallen hat, kommt ein Schulterzucken. Das ist keine Undankbarkeit. Es ist schlicht zu viel auf einmal.
Kinder verarbeiten Eindrücke langsamer als Erwachsene. Heiligabend ist ohnehin ein langer, aufregender Tag mit Warten, Besuch, ungewohntem Essen und später Schlafenszeit. Wenn dann noch fünfzehn Geschenke dazukommen, kippt die Freude oft in Überdrehtheit, Streit oder Tränen. Mit weniger Päckchen hat jedes einzelne die Chance, wirklich anzukommen. Dein Kind spielt damit, fragt nach, freut sich am nächsten Morgen noch einmal.
Wie viele Weihnachtsgeschenke für Kinder? Faustregeln zur Orientierung
Die bekannteste ist die 4-Geschenke-Regel. Jedes Kind bekommt von den Eltern:
- etwas, das es sich wünscht
- etwas, das es braucht
- etwas zum Anziehen
- etwas zum Lesen
Das Schöne an dieser Regel ist die Mischung. Der große Wunsch ist dabei, aber eben auch die neuen Hausschuhe und ein Buch, das zum Kind passt. Nimm die Regel als Orientierung, nicht als Gesetz. Wenn dein Sohn mit Büchern nichts anfangen kann, wird daraus vielleicht ein Hörspiel. Wenn deine Tochter gerade alles hat, was sie anziehen mag, ersetzt du die Kleidung durch etwas, das ihr gemeinsam unternehmt.
Manche Familien halten es noch einfacher: ein großes Geschenk von den Eltern, ein paar kleine Kleinigkeiten im Strumpf oder im Nikolaussackerl, fertig. Auch das funktioniert. Welche Regel du wählst, ist weniger wichtig, als dass du dir überhaupt vorher eine Grenze setzt. Sonst wächst der Stapel einfach mit jedem Einkauf.
Wie sprichst du Geschenke mit Großeltern und Paten ab?
Die meisten Geschenkeberge entstehen nicht bei den Eltern, sondern dadurch, dass jeder für sich einkauft. Großeltern schenken gern und oft aus Liebe. Ein Verbot kommt deshalb selten gut an. Besser funktioniert ein konkreter Vorschlag, und zwar früh, am besten im Oktober oder Anfang November.
Sätze, die du so oder ähnlich sagen kannst:
- „Mia wünscht sich so sehr ein Puppenhaus. Hättet ihr Lust, das zu schenken? Dann ist das euer großes Geschenk.“
- „Wir versuchen heuer, dass jeder ein Geschenk macht statt mehrerer. Sonst geht das einzelne unter, und das wäre schade um eure Mühe.“
- „Was Paul sich wirklich wünschen würde: einen Nachmittag mit dir im Tiergarten. Magst du ihm dafür einen Gutschein basteln?“
Wenn die Großeltern trotzdem einen ganzen Kofferraum mitbringen, musst du nicht am Heiligabend diskutieren. Eine Möglichkeit: Ein Teil der Päckchen wird am ersten oder zweiten Weihnachtstag ausgepackt, wenn mehr Ruhe ist. Mehr dazu, wie du solche Gespräche ohne Kränkung führst, liest du im Artikel Wenn Oma und Opa das Kind zu sehr verwöhnen.
Und wenn die Eltern getrennt leben?
Nach einer Trennung entsteht schnell ein stiller Wettbewerb: Wer schenkt mehr, wer schenkt das Tollere? Für das Kind ist das anstrengend, auch wenn es sich über die Geschenke freut. Wenn es irgendwie geht, sprecht euch ab. Eine kurze Nachricht reicht: „Ich würde ihm die Skihose und ein Buch schenken. Willst du das Lego-Set übernehmen, das er sich wünscht?“ So bekommt euer Kind nichts doppelt, und keiner muss den anderen übertrumpfen. Tipps für die Organisation der Feiertage in zwei Haushalten findest du unter Feiertage nach der Trennung organisieren.
Was tun mit einem endlosen Wunschzettel?
Ein langer Wunschzettel ist kein Zeichen von Gier. Kinder sehen Werbung, Spielwarenkataloge und die Sachen der Freunde, und sie schreiben einfach alles auf, was ihnen gefällt. Das Aufschreiben selbst macht ihnen Spaß. Du musst den Zettel nicht abarbeiten.
Hilfreich ist, wenn dein Kind selbst sortiert. Bitte es, die drei Wünsche mit einem Stern zu markieren, die ihm am meisten bedeuten. Du kannst auch sagen: „Das Christkind kann nicht alles bringen. Was davon ist dir am allerwichtigsten?“ Bei älteren Schulkindern geht das ganz offen: „Wir schenken dir zwei Sachen von der Liste. Welche sollen es sein?“ Kinder sind oft erstaunlich klar, wenn man sie fragt. Und was übrig bleibt, landet vielleicht auf der Geburtstagsliste.
Sind Erlebnisgeschenke eine gute Alternative?
Für viele Kinder ja, besonders ab dem Volksschul- oder Grundschulalter. Ein Ausflug in die Therme, Kinokarten mit Mama allein, ein Kletterkurs oder ein Tag beim Lieblingsonkel bleiben oft länger in Erinnerung als das zehnte Spielzeugauto. Erlebnisgeschenke haben auch den Vorteil, dass sie den Heiligabend selbst entlasten: Auspacken dauert zehn Sekunden, die Vorfreude hält Wochen.
Kleine Kinder unter etwa vier Jahren können mit einem Gutschein allerdings wenig anfangen. Für sie braucht es etwas zum Anfassen. Leg dem Gutschein dann zum Beispiel eine kleine Badeente bei, wenn es ins Schwimmbad geht.
Wie bleibt es zwischen Geschwistern fair?
Fair heißt nicht gleich. Ein Zwölfjähriger, der sich ein Fahrrad wünscht, und eine Fünfjährige, die sich ein Kuscheltier wünscht, bekommen nicht dasselbe, und das ist in Ordnung. Viele Kinder zählen trotzdem Päckchen. Dagegen hilft, wenn die Anzahl der Geschenke von den Eltern ungefähr gleich ist, auch wenn der Wert sich unterscheidet. Ein großes Geschenk lässt sich notfalls auch in zwei Päckchen aufteilen, etwa Fahrrad und Helm.
Wenn ein Kind sich trotzdem benachteiligt fühlt, hilft kein Rechnen. Hilfreicher ist ein Satz wie: „Du hast das Gefühl, dass deine Schwester mehr bekommen hat. Was hättest du dir gewünscht?“ Oft steckt dahinter nicht der Wunsch nach mehr Zeug, sondern nach Aufmerksamkeit.
Was tun, wenn dein Kind nach der Bescherung enttäuscht ist?
Es passiert in vielen Familien: Alles ist ausgepackt, und dein Kind weint oder mault, weil der eine große Wunsch nicht dabei war. Das tut weh, gerade wenn du dir viel Mühe gegeben hast. Versuch trotzdem, nicht mit „Sei doch dankbar“ zu reagieren. Das Kind fühlt sich dann nur missverstanden.
Sag lieber: „Du hattest dir die Konsole so sehr gewünscht. Das ist richtig enttäuschend.“ Mehr braucht es im ersten Moment oft nicht. Bedenke auch, dass an Heiligabend viel Müdigkeit im Spiel ist. Ein Kind, das um 21 Uhr nach einem langen Tag in Tränen ausbricht, ist meist erschöpft und nicht undankbar. Am nächsten Morgen sieht die Welt oft anders aus, und das neue Buch liegt plötzlich doch auf dem Kopfkissen.
Dankbarkeit wächst nicht durch Ermahnungen am Gabentisch, sondern über das ganze Jahr. Wenn dich das Thema beschäftigt, lies weiter unter Kindern Dankbarkeit beibringen.
Weiterlesen
Häufige Fragen
Wie viele Weihnachtsgeschenke sind für ein Kind normal?
Eine feste Zahl gibt es nicht. Viele Familien kommen mit drei bis fünf Geschenken von den Eltern gut aus, dazu kommen Geschenke von Großeltern und Paten. Entscheidend ist, ob dein Kind jedes Geschenk noch wahrnehmen und sich darüber freuen kann.
Was ist die 4-Geschenke-Regel?
Jedes Kind bekommt vier Geschenke: etwas, das es sich wünscht, etwas, das es braucht, etwas zum Anziehen und etwas zum Lesen. Die Regel ist eine Orientierung, kein Gesetz. Du kannst sie anpassen, etwa mit „etwas zum Erleben“ statt Kleidung.
Wie spreche ich mit den Großeltern über zu viele Geschenke?
Früh, im Oktober oder November, und mit einem konkreten Vorschlag statt eines Verbots. Zum Beispiel: „Lea wünscht sich so sehr Schlittschuhe. Magst du ihr die schenken? Dann wäre das das große Geschenk von euch.“
Was tun, wenn das Kind nach der Bescherung enttäuscht ist?
Die Enttäuschung ernst nehmen und nicht sofort wegreden. Sag zum Beispiel: „Du hattest dir etwas anderes erhofft. Das ist blöd.“ Ein müdes, überreiztes Kind ist am Heiligabend oft einfach erschöpft, nicht undankbar.
Müssen Geschwister gleich viele Geschenke bekommen?
Nein. Fair heißt, dass jedes Kind sich gesehen fühlt, nicht dass alle Päckchen gleich groß sind. Ein Fahrrad und ein Buch kosten unterschiedlich viel, können aber beide genau das Richtige sein.