Von der Kinwords Redaktion
Familie8 Min. LesezeitKinwords Redaktion

St. Martin mit Kindern: Laternenumzug, Laterne und die Geschichte vom Teilen

Kurz gesagt: Am 11. November erinnern viele Familien an Martin, der seinen Mantel mit einem frierenden Bettler geteilt hat. Für Kinder reicht diese eine Szene als Geschichte. Zum Laternenumzug nimmst du einen LED-Stab statt einer Kerze, warme Kleidung, Reflektoren und Ersatzbatterien mit. Die Laterne muss nicht schön sein, sie muss leuchten. Hat dein Kind Angst vor Dunkelheit, Pferd oder Gedränge, sucht euch einen Platz am Rand. Und für Familien, die nicht christlich sind, ist das Mitfeiern ein Angebot, keine Pflicht.

Anfang November hängt im Kita-Flur ein Zettel: „Unser Laternenfest findet am Dienstag um 17 Uhr statt. Bitte bringt eine Laterne mit.“ Darunter steht, dass die Laternen in der Gruppe gebastelt werden, oder eben nicht. Und plötzlich hast du eine Liste im Kopf: Laternenstab besorgen, Lieder üben, warme Sachen raussuchen, vielleicht noch Kekse backen. Dabei ist St. Martin eines der schönsten Feste im Kinderjahr, gerade weil es so einfach ist: Licht, Lieder, eine Geschichte über das Teilen und ein Spaziergang im Dunkeln.

Dieser Ratgeber hilft dir, den Abend entspannt vorzubereiten, ohne Bastelstress und ohne Tränen um halb sieben.

Die Geschichte von St. Martin kindgerecht erzählen

Martin lebte vor rund 1.700 Jahren und war zuerst Soldat im römischen Heer, später Bischof von Tours in Frankreich. Die bekannteste Erzählung über ihn spielt an einem eisigen Winterabend vor einem Stadttor: Martin reitet vorbei, sieht einen Bettler, der kaum etwas anhat, nimmt sein Schwert, teilt seinen Mantel in zwei Hälften und gibt dem Mann eine davon.

Mehr als diese Szene brauchen kleine Kinder nicht. Du kannst sie in deinen eigenen Worten erzählen, etwa so:

„Es war kalt, so kalt wie heute Abend. Martin ritt auf seinem Pferd nach Hause und hatte einen dicken, warmen Mantel an. Am Tor saß ein Mann, der hatte fast nichts zum Anziehen und fror ganz schrecklich. Martin hatte kein Geld dabei. Aber er hatte seinen Mantel. Also hat er ihn in zwei Teile geschnitten und dem Mann eine Hälfte geschenkt.“

Danach lohnt sich eine Frage, statt einer Moral: „Was meinst du, wie hat sich der Mann gefühlt?“ oder „Was könnten wir teilen, wenn jemand friert?“ Kinder ab etwa vier Jahren haben dazu oft erstaunlich konkrete Ideen, von der eigenen Mütze bis zum halben Butterbrot. Schulkinder interessiert manchmal eher, warum Martin nicht einfach den ganzen Mantel verschenkt hat. Eine ehrliche Antwort: Er hat geteilt, was er geben konnte, und hätte ohne Mantel selbst gefroren.

Wenn dein Kind sich beim Teilen im Alltag noch schwertut, ist das übrigens kein Widerspruch zur Geschichte. Teilen ist etwas, das Kinder über Jahre lernen. Warum das so ist, erklärt der Ratgeber Kind will nicht teilen.

Eine zweite Legende kennen viele Kinder aus der Kita: Martin soll sich in einem Gänsestall versteckt haben, weil er nicht Bischof werden wollte. Die schnatternden Gänse verrieten ihn. Daher kommt der Brauch der Martinsgans. Kinder finden diese Geschichte meist lustiger als die vom Mantel, und sie darf ruhig auch erzählt werden.

Laterne basteln, auch wenn Basteln nicht dein Ding ist

In vielen Kitas basteln die Kinder ihre Laternen in der Gruppe. Wenn ihr zu Hause basteln sollt, gilt eine einfache Regel: Die Laterne gehört deinem Kind, nicht dir. Sie darf schief sein, kleben und Fingerabdrücke haben. Kein Kind vergleicht auf dem Umzug, wessen Laterne die perfekte Faltung hat. Es sucht nur sein eigenes Licht in der Reihe.

Ein paar Ideen, die auch ohne Bastelerfahrung gelingen:

  • Käseschachtel-Laterne: Zwei runde Deckel aus Pappe oben und unten, dazwischen ein Streifen Transparentpapier, den dein Kind vorher mit Wachsmalstiften bemalt oder mit Schnipseln beklebt. Das ist der Klassiker, und dein Kind kann fast alles selbst machen.
  • Papiertüten-Laterne: Eine stabile helle Papiertüte, Fenster ausschneiden, Butterbrotpapier dahinter kleben. Fertig in einer halben Stunde.
  • Gekaufter Rohling: Im Bastelgeschäft gibt es Laternen zum Selbstgestalten. Dein Kind bemalt oder beklebt sie, die Statik ist schon erledigt.
  • Gekaufte Laterne: Auch völlig in Ordnung. Wenn dein Kind will, klebt es einen Sticker drauf, dann ist es seine.

Wenn ihr gern noch mehr zusammen werkelt, findest du altersgerechte Ideen im Ratgeber Basteln und Werken mit Kindern.

Was du zum Laternenumzug mitbringst

Ein Umzug dauert meist zwischen einer halben und einer Stunde, dazu kommen Warten, Singen und manchmal ein Feuer oder ein kleines Fest danach. Diese Dinge machen den Abend leichter:

  • LED-Laternenstab statt Kerze: Eine Papierlaterne mit echter Flamme fängt schnell Feuer, wenn ein Kind stolpert oder die Laterne schaukelt. Viele Kitas erlauben deshalb nur noch elektrische Stäbe.
  • Ersatzbatterien: Ein Licht, das mitten im Lied ausgeht, ist für ein Dreijähriges eine echte Katastrophe. Zwei Batterien in der Jackentasche verhindern das.
  • Warme Kleidung: Mütze, Handschuhe mit Fingern und eine Schicht mehr als tagsüber. Kinder stehen beim Singen lange still und kühlen dabei aus.
  • Reflektoren: Ein Reflektorband an Jacke oder Arm, vor allem wenn der Weg über Straßen führt.
  • Etwas zu trinken und ein kleiner Snack: Viele Umzüge finden zur Abendbrotzeit statt. Ein hungriges Kind hält das Warten schlechter aus.
  • Trage oder Tragegestell für die Kleinsten: Ein Kinderwagen ist im Gedränge oft unpraktisch.

Übt die Martinslieder ruhig vorher beim Abendessen oder im Auto. Dein Kind singt dann auf dem Umzug lieber mit, statt nur stumm zu laufen.

Sicherheit im Dunkeln und in der Menge

Bei einem Umzug laufen oft Dutzende Kinder mit Laternen, dazu Eltern, Geschwister und Großeltern. Im Dunkeln verliert man sich schneller, als man denkt. Besprich deshalb vorher mit deinem Kind einen festen Treffpunkt und eine einfache Regel: „Wenn du mich nicht mehr siehst, bleib stehen und ruf laut nach mir. Oder geh zu deiner Erzieherin.“ Schulkinder können sich deine Handynummer merken oder sie auf einem Zettel in der Jackentasche tragen.

Kleine Kinder auf den Schultern sind ein beliebter Ausweg, wenn das Kind müde wird oder nichts sieht. Das geht, wenn du dabei aufpasst: Halte dein Kind an beiden Beinen oder Händen fest, achte auf Äste und Schilder über dir und lass es die Laterne in dieser Zeit nicht mehr selbst halten. Ein schwankender Laternenstab über den Köpfen anderer Kinder ist auch mit LED keine gute Idee.

Wenn dein Kind Angst hat

Für viele Kinder ist der Laternenumzug das erste Mal, dass sie bewusst im Dunkeln draußen unterwegs sind. Das ist aufregend und kann auch beängstigend sein. Häufige Auslöser sind:

  • Die Dunkelheit selbst: Hier hilft es, vorher einmal zusammen in der Dämmerung mit der Laterne durch die Straße oder den Garten zu gehen. Dann ist das eigene Licht schon vertraut.
  • Das Pferd: Manche Umzüge werden von einem Reiter als St. Martin angeführt. Aus Kinderhöhe ist ein Pferd riesig. Stellt euch weiter hinten auf, und lass dein Kind selbst bestimmen, ob es näher herangehen möchte.
  • Viele Menschen und Lärm: Ein Platz am Rand des Zugs ist ruhiger als die Mitte. Kinder, die sich bei Lärm schnell überfordert fühlen, dürfen auch ein Stück an der Seite laufen oder zuschauen.

Nimm die Angst ernst, ohne sie größer zu machen. Ein Satz wie „Ich bin die ganze Zeit neben dir, und wenn es dir zu viel wird, gehen wir ein Stück weg“ hilft mehr als „Da brauchst du doch keine Angst zu haben“. Wenn dein Kind auch zu Hause abends viel Angst im Dunkeln hat, findest du weitere Ideen im Ratgeber Kind hat Angst im Dunkeln.

Müde Kinder und der Abend danach

Ein Laternenumzug fällt fast immer auf einen normalen Werktag, und er liegt genau in der Zeit, in der kleine Kinder sonst zu Abend essen und langsam herunterfahren. Rechne damit, dass dein Kind irgendwann quengelt, sich auf den Boden setzt oder nur noch getragen werden will. Das ist kein schlechtes Benehmen, sondern ein normaler Kinderabend.

Hilfreich ist es, den Nachmittag vorher ruhig zu halten und keinen weiteren Termin einzuplanen. Esst früh eine Kleinigkeit. Und erlaube dir, früher zu gehen, wenn es nicht mehr geht. Ein Umzug, den dein Kind fröhlich bis zur Hälfte mitläuft, ist schöner als einer, den es weinend beendet. Zu Hause reicht dann ein schnelles Abendbrot, Zähneputzen und ins Bett. Die Laterne darf noch einmal im Kinderzimmer leuchten, bevor das Licht ausgeht.

Martinsgans, Weckmann und Martinigansl: wie in D, AT und CH gefeiert wird

In Deutschland gehören Laternenumzüge in Kitas, Grundschulen und Kirchengemeinden fest zum November. Im Westen, vor allem im Rheinland, bekommen Kinder nach dem Umzug oft einen Weckmann, ein Hefegebäck in Menschengestalt, das je nach Region auch Stutenkerl heißt. In manchen Gegenden gibt es stattdessen Martinshörnchen oder Martinsbrezeln. Vielerorts zieht man nach dem Umzug auch von Haus zu Haus und singt für Süßigkeiten, das sogenannte Martinssingen. Die Martinsgans essen viele Familien rund um den 11. November, oft eher am Wochenende als am Festtag selbst.

In Österreich heißt der Tag Martini, und das Martinigansl ist für viele Familien ein fester Termin, besonders im Osten des Landes. Kindergärten feiern meist ein Laternenfest mit Umzug und Liedern. Im Burgenland ist St. Martin Landespatron, der 11. November ist dort Landesfeiertag.

In der Schweiz ist St. Martin in vielen Regionen kaum ein Thema. Dort ziehen Kinder im November eher beim Räbeliechtli-Umzug mit ausgehöhlten, beleuchteten Rüben durch die Straßen. Wo Martinsbräuche gepflegt werden, ist das eher lokal. Wenn du mit deiner Familie aus Deutschland in die Schweiz gezogen bist, kann es also sein, dass der Laternenumzug in der Kita einfach anders heißt oder ganz fehlt.

Wenn deine Familie einer anderen Religion angehört

St. Martin ist ein christliches Fest. In vielen Kitas und Schulen wird es aber vor allem als Lichterfest über das Teilen und Helfen gefeiert, ohne Gottesdienst, und Kinder aus muslimischen, jüdischen oder konfessionslosen Familien laufen selbstverständlich mit. Andere Einrichtungen, vor allem in kirchlicher Trägerschaft, beginnen den Abend in der Kirche.

Die Teilnahme ist in jedem Fall freiwillig. Wenn du unsicher bist, frag bei der Kita oder Lehrkraft nach, wie der Abend abläuft. Dann kannst du entscheiden, ob dein Kind ganz, teilweise oder gar nicht mitmacht. Viele Familien merken, dass die Geschichte vom Teilen gut zu ihren eigenen Werten passt. Fragt dein Kind danach, warum andere Familien andere Feste feiern, hilft der Ratgeber Kind fragt nach Gott und Religion.

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Häufige Fragen

Wie erkläre ich einem Kleinkind die Geschichte von St. Martin?

Mit wenigen Sätzen und einem Bild, das es kennt: Ein Mann reitet an einem kalten Abend vorbei, sieht einen frierenden Bettler, schneidet seinen warmen Mantel in zwei Hälften und schenkt ihm eine. Mehr braucht ein Kind mit drei oder vier Jahren nicht. Frag danach: „Wie hat sich der Bettler wohl gefühlt?“ So bleibt die Geschichte beim Teilen und beim Mitgefühl hängen.

Kerze oder LED-Stab in der Laterne?

Für kleine Kinder ist ein batteriebetriebener LED-Laternenstab die sichere Wahl. Papierlaternen fangen bei einer echten Kerze schnell Feuer, wenn das Kind stolpert, die Laterne schwenkt oder sie gegen ein anderes Kind stößt. Viele Kitas schreiben LED-Stäbe deshalb vor. Prüf die Batterien vorher und nimm Ersatz mit, damit das Licht nicht mitten im Umzug ausgeht.

Was ziehe ich meinem Kind zum Laternenumzug an?

Warm und gut sichtbar: Mütze, Handschuhe, eine Schicht mehr als tagsüber und feste Schuhe. Reflektoren an Jacke oder Schuhen helfen, wenn der Weg über Straßen führt. Handschuhe mit Fingern sind praktischer als Fäustlinge, weil dein Kind den Laternenstab damit besser halten kann.

Mein Kind hat Angst vor dem Pferd. Was kann ich tun?

Halte Abstand und lass dein Kind entscheiden, wie nah es herangehen will. Stellt euch an den Rand statt in die erste Reihe. Erklär vorher, dass das Pferd ruhig ist und von jemandem geführt wird, der es gut kennt. Wenn dein Kind trotzdem weinen will, darf es das. Ein Laternenumzug ist keine Mutprobe, auch ein Zuschauen von weiter hinten ist ein schöner Abend.

Müssen Kinder anderer Religionen beim Martinsfest mitmachen?

Nein, die Teilnahme ist freiwillig. Viele Kitas und Schulen gestalten das Fest bewusst als Lichterfest über das Teilen, an dem Familien jeder Herkunft teilnehmen. Wenn du unsicher bist, frag bei der Kita nach, was genau geplant ist, zum Beispiel ob ein Gottesdienst dazugehört. Dann kannst du in Ruhe entscheiden, ob dein Kind den ganzen Abend, nur den Umzug oder gar nicht mitmacht.

Was ist ein Weckmann und wo gibt es ihn?

Ein Weckmann ist ein süßes Hefegebäck in Form eines Männchens, oft mit Rosinenaugen und einer kleinen Tonpfeife. Je nach Region heißt er auch Stutenkerl oder Stutenmann. Verbreitet ist er vor allem im Westen Deutschlands, wo er nach dem Umzug häufig an die Kinder verteilt wird, in anderen Gegenden kennt man ihn eher zu Nikolaus.

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