Von der Kinwords Redaktion

Pseudokrupp beim Kind: Was tun bei bellendem Husten?

Pseudokrupp beim Kind: So erkennst du den bellenden Husten in der Nacht, was sofort hilft, wann du den Notruf wählst und ob dein Kind morgen zur Schule kann.

Kinwords Redaktion 8 Min. Lesezeit

Kurz gesagt: Pseudokrupp beim Kind zeigt sich durch einen plötzlichen, bellenden Husten, Heiserkeit und ein pfeifendes Geräusch beim Einatmen, meist nachts und in der Herbst- und Winterzeit. Bleib ruhig, nimm dein Kind auf den Arm oder setz es aufrecht hin und geh mit ihm an die frische Luft oder ans offene Fenster. Bessert sich die Atmung nicht innerhalb von etwa 15 bis 20 Minuten, ruf ärztliche Hilfe. Bei Atemnot in Ruhe, bläulichen Lippen oder starkem Speicheln wählst du sofort 112 in Deutschland oder 144 in Österreich und der Schweiz.

Es ist zwei Uhr nachts, und aus dem Kinderzimmer kommt ein Geräusch wie das Bellen eines Seehunds. Dein Kind sitzt im Bett, ringt nach Luft und hat Angst. Wer Pseudokrupp zum ersten Mal erlebt, ist meist genauso erschrocken wie das Kind. In den allermeisten Fällen geht ein Anfall gut vorbei, wenn du weißt, was zu tun ist. Dieser Ratgeber erklärt dir, wie du Pseudokrupp erkennst, was in den ersten Minuten hilft, wann du sofort Hilfe holst und wie es am nächsten Tag mit Kita oder Schule weitergeht. Einen allgemeinen Überblick über nächtlichen Husten findest du im Ratgeber Kind hustet nachts: Was hilft wirklich?.

Was ist Pseudokrupp?

Pseudokrupp, medizinisch auch Krupp-Syndrom oder Laryngitis subglottica genannt, ist eine Entzündung im Bereich des Kehlkopfs und direkt darunter. Die Schleimhaut schwillt an, dadurch wird die Atemröhre an ihrer engsten Stelle noch schmaler. Die Luft muss durch einen Engpass, und das erzeugt den typischen Husten und das Geräusch beim Einatmen.

Ausgelöst wird Pseudokrupp fast immer durch gewöhnliche Erkältungsviren. Am häufigsten trifft es Kinder zwischen etwa sechs Monaten und drei Jahren, weil ihr Kehlkopf noch sehr eng ist. Aber auch Kindergartenkinder und jüngere Schulkinder können noch Anfälle bekommen, ab etwa acht bis zehn Jahren wird es selten. Die meisten Fälle gibt es im Herbst und Winter, wenn Erkältungen umgehen.

Woran erkennst du Pseudokrupp beim Kind?

Typisch ist, dass dein Kind tagsüber nur leicht erkältet wirkt, vielleicht mit Schnupfen und etwas Heiserkeit. Nachts beginnt der Anfall dann plötzlich, oft aus dem Schlaf heraus. Diese Zeichen sind charakteristisch:

  • ein trockener, rauer, bellender Husten, der an einen Seehund erinnert
  • eine heisere, belegte Stimme
  • ein ziehendes oder pfeifendes Geräusch beim Einatmen, der Fachbegriff dafür ist Stridor
  • Unruhe und Angst, weil das Atmen schwerfällt
  • oft leichtes Fieber, manchmal auch gar keins

Ärztinnen und Ärzte unterscheiden leichte und schwere Verläufe. Hört man den Stridor nur bei Aufregung oder beim Weinen, ist der Anfall meist leicht. Hört man ihn auch, wenn dein Kind ruhig sitzt, oder sinkt die Haut zwischen den Rippen, über dem Brustbein oder an der Halsgrube beim Einatmen ein, ist die Atemnot ernster. Dann braucht dein Kind ärztliche Hilfe.

Was tun bei einem Pseudokrupp-Anfall? Die ersten Minuten

Angst und Weinen verengen die Atemwege zusätzlich. Deine Ruhe ist deshalb die wichtigste Maßnahme. Auch wenn du innerlich zitterst: Sprich leise, bewege dich langsam und bleib bei deinem Kind.

  • Aufrecht halten: Nimm dein Kind auf den Arm oder setz es aufrecht auf deinen Schoß. Im Liegen fällt das Atmen schwerer.
  • Frische, kühle Luft: Zieh dein Kind warm an und setz dich mit ihm ans offene Fenster oder auf den Balkon. Viele Kinder beruhigen sich dort spürbar. Ob die kühle Luft selbst die Schwellung lindert, ist wissenschaftlich nicht eindeutig belegt, schaden tut sie aber nicht.
  • Kein heißer Dampf: Früher wurde oft die heiße Dusche empfohlen. Davon raten Fachleute ab, weil heißes Wasser und Dampf zu Verbrühungen führen können und ein Nutzen nicht belegt ist.
  • Ablenken und trösten: Ein Lieblingslied, ein Kuscheltier, eine leise Geschichte. Alles, was dein Kind beruhigt, hilft auch beim Atmen.
  • Notfallmedikament geben: Hatte dein Kind schon einmal Pseudokrupp und hat die Kinderarztpraxis dir ein Kortison-Zäpfchen mitgegeben, gib es genau so, wie es verordnet wurde.
  • Nichts in den Mund stecken: Schau nicht mit einem Löffel in den Rachen und gib keine Hustenstiller ohne ärztlichen Rat.

Bei einem leichten Anfall wird die Atmung oft innerhalb von 15 bis 20 Minuten ruhiger. Bleibt das Geräusch auch in Ruhe bestehen oder wird es schlimmer, ruf ärztliche Hilfe. Außerhalb der Praxiszeiten erreichst du in Deutschland den Bereitschaftsdienst unter 116 117, in Österreich die Gesundheitshotline 1450. In der Schweiz hilft die kantonale Notfallnummer oder die Kinder-Notfallstation.

Wann musst du den Notruf wählen?

Wähle sofort 112 in Deutschland oder 144 in Österreich und der Schweiz, wenn eines dieser Zeichen auftritt:

  • dein Kind ringt auch in Ruhe deutlich nach Luft
  • die Haut zwischen den Rippen, am Hals oder unter dem Brustbein zieht sich beim Einatmen stark ein
  • Lippen, Zunge oder Gesicht werden blass, grau oder bläulich
  • dein Kind wird sehr unruhig oder plötzlich auffällig schläfrig und matt
  • es speichelt stark, kann nicht mehr schlucken oder kaum sprechen
  • es hat hohes Fieber und wirkt schwer krank

Bis der Rettungsdienst da ist: Halte dein Kind aufrecht, bleib ruhig bei ihm und leg es nicht hin. Lass die Haustür offen oder schick jemanden nach unten, damit die Helfer schnell bei euch sind.

Wie wird Pseudokrupp ärztlich behandelt?

Die wichtigste Behandlung ist Kortison. In Deutschland, Österreich und der Schweiz bekommen Kinder es meist als Zäpfchen, manchmal als Saft. Kortison lässt die Schwellung im Kehlkopf abklingen. Die Wirkung setzt nach etwa einer halben bis einer Stunde ein und hält viele Stunden an. Eine einzelne Gabe ist bei Kindern gut verträglich, du musst dir wegen der Nebenwirkungen einer Langzeittherapie keine Sorgen machen.

Bei schwerer Atemnot bekommt dein Kind in der Klinik oder vom Notarzt zusätzlich eine Inhalation mit Adrenalin. Sie wirkt innerhalb weniger Minuten, hält aber nur kurz an. Deshalb bleiben Kinder danach meist einige Stunden zur Beobachtung, manchmal auch über Nacht. Antibiotika helfen bei Pseudokrupp nicht, weil fast immer Viren dahinterstecken.

Nach dem ersten Anfall verschreiben viele Kinderärztinnen und Kinderärzte ein Notfall-Zäpfchen für zuhause. Frag nach, wann genau du es geben sollst, und bewahre es so auf, dass du es nachts schnell findest.

Pseudokrupp, echter Krupp und Epiglottitis: Was ist der Unterschied?

Der Name Pseudokrupp, also falscher Krupp, grenzt ihn vom echten Krupp ab. Echter Krupp ist eine Kehlkopfentzündung bei Diphtherie, einer schweren bakteriellen Erkrankung. Dank der Impfung ist Diphtherie in Deutschland, Österreich und der Schweiz sehr selten geworden. Deshalb ist die Impfung so wichtig, sie ist Teil der empfohlenen Grundimmunisierung im Säuglingsalter.

Wichtiger für den Alltag ist die Abgrenzung zur Epiglottitis, einer bakteriellen Entzündung des Kehldeckels. Sie ist seit Einführung der Hib-Impfung selten, aber lebensgefährlich. Diese Unterschiede helfen bei der Einschätzung:

  • Pseudokrupp: bellender Husten, Heiserkeit, meist nur leichtes Fieber, beginnt oft aus einer Erkältung heraus.
  • Epiglottitis: kaum Husten, dafür hohes Fieber, starke Halsschmerzen, kloßige Stimme, starker Speichelfluss, weil Schlucken wehtut. Das Kind sitzt oft vornübergebeugt und wirkt schwer krank.

Bei Verdacht auf Epiglottitis wählst du sofort den Notruf. Schau deinem Kind auf keinen Fall in den Hals, leg es nicht hin und lass es in der Haltung, in der es am besten atmen kann. Im Zweifel gilt: lieber einmal zu oft anrufen.

Kommt Pseudokrupp wieder?

Bei vielen Kindern bleibt es bei ein oder zwei Anfällen. Manche bekommen aber über mehrere Herbst- und Wintermonate immer wieder Pseudokrupp, oft in der zweiten oder dritten Nacht einer Erkältung. Häufig wiederholt sich das auch in derselben Woche. Rechne also damit, dass auch die nächste Nacht unruhig werden kann, und leg dir Notfall-Zäpfchen, warme Jacke und Telefon bereit.

Mit dem Schulalter wird Pseudokrupp seltener, weil der Kehlkopf wächst. Tritt er sehr häufig auf, ohne Erkältung oder bei einem älteren Schulkind, lass das in der Kinderarztpraxis abklären. Manchmal steckt eine Allergie oder eine Neigung zu Asthma dahinter. Mehr dazu findest du im Ratgeber Kind mit Asthma in der Schule. Zigarettenrauch in der Wohnung reizt die Atemwege zusätzlich, ein rauchfreies Zuhause senkt das Risiko für Atemwegsprobleme.

Kita und Schule am nächsten Tag

Nach einer Pseudokrupp-Nacht stellt sich morgens die Frage: zuhause lassen oder hinschicken? Eine Pflicht zum Fernbleiben gibt es nicht. Entscheidend ist, wie es deinem Kind geht.

  • Zuhause bleiben: wenn dein Kind Fieber hat, nach der Nacht völlig erschöpft ist, noch stark hustet oder das Atemgeräusch tagsüber zu hören ist.
  • Hingehen kann es: wenn es fieberfrei ist, ruhig atmet, gegessen hat und munter wirkt.
  • Lehrkraft oder Erzieherin informieren: Sag kurz, was in der Nacht los war. Dann kann sie dein Kind im Blick behalten, es in der Pause drinnen lassen und dich anrufen, wenn der Husten wiederkommt.
  • Sport und Anstrengung: Am ersten Tag nach einem Anfall ist Schonung sinnvoll. Ein kurzer Zettel an die Sportlehrkraft reicht meist.

Ansteckend ist nicht der Pseudokrupp selbst, sondern der Erkältungsvirus dahinter. Andere Kinder bekommen davon meist nur Schnupfen. Gründliches Händewaschen und Husten in die Armbeuge helfen trotzdem. Wie du dein Kind richtig krankmeldest und wann es wieder gehen kann, liest du im Ratgeber Kind krank: Wann zuhause bleiben, wann in die Schule?.

Für dich selbst gilt: Nach so einer Nacht bist auch du erschöpft. Wenn du arbeiten musst und dein Kind zuhause bleibt, hast du in Deutschland Anspruch auf Kinderkrankentage, in Österreich auf Pflegefreistellung. Plane den Tag so ruhig wie möglich.

Hinweis: Dieser Ratgeber gibt allgemeine Informationen und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Bei Atemnot in Ruhe, bläulichen Lippen, starkem Speicheln oder wenn dein Kind schwer krank wirkt, wähle sofort den Notruf: 112 in Deutschland, 144 in Österreich und der Schweiz. Außerhalb der Praxiszeiten hilft in Deutschland der Bereitschaftsdienst unter 116 117, in Österreich die Gesundheitshotline 1450.

Häufige Fragen

Ist Pseudokrupp ansteckend?

Pseudokrupp selbst ist eine Reaktion des Kehlkopfs, ausgelöst wird er aber meist durch einen Erkältungsvirus. Dieser Virus ist ansteckend wie jede Erkältung. Andere Kinder bekommen davon meist nur Schnupfen oder Husten, nur manche reagieren mit Pseudokrupp. Händewaschen und in die Armbeuge husten helfen, die Ansteckung zu bremsen.

Hilft kühle Luft wirklich gegen Pseudokrupp?

Viele Eltern erleben, dass es ihrem Kind am offenen Fenster oder auf dem Balkon besser geht. Studien konnten einen klaren Effekt kühler oder feuchter Luft allerdings nicht belegen. Schaden tut sie nicht, und das ruhige Sitzen an der frischen Luft beruhigt oft. Heißen Wasserdampf solltest du dagegen meiden, weil er zu Verbrühungen führen kann.

Wann muss ich bei Pseudokrupp den Notruf wählen?

Wähle 112 in Deutschland oder 144 in Österreich und der Schweiz, wenn dein Kind auch in Ruhe deutlich nach Luft ringt, die Haut zwischen den Rippen oder am Hals beim Einatmen einsinkt, Lippen oder Gesicht blass bis bläulich werden, es sehr unruhig oder auffällig schläfrig wird, stark speichelt oder nicht mehr schlucken kann.

Was gibt der Arzt bei Pseudokrupp?

Meist ein Kortison-Zäpfchen oder einen Kortison-Saft. Das Medikament lässt die Schwellung im Kehlkopf abklingen, die Wirkung setzt nach etwa einer halben bis einer Stunde ein. Bei schwerer Atemnot bekommt das Kind in der Klinik zusätzlich eine Inhalation mit Adrenalin. Antibiotika helfen nicht, weil fast immer Viren die Ursache sind.

Kann Pseudokrupp wiederkommen?

Ja. Manche Kinder haben über mehrere Herbst- und Wintermonate wiederholt Anfälle, oft in der zweiten oder dritten Nacht einer Erkältung. Bei den meisten wird es mit dem Schulalter seltener, weil der Kehlkopf wächst. Kommt Pseudokrupp sehr häufig oder ohne Infekt, lass abklären, ob eine Allergie oder eine Neigung zu Asthma dahintersteckt.

Darf mein Kind nach einer Pseudokrupp-Nacht in die Schule?

Es gibt keine Regel, die das verbietet. Entscheidend ist, wie es deinem Kind geht. Hat es Fieber, ist es nach der Nacht völlig erschöpft oder hustet es noch stark, bleibt es besser einen Tag zuhause. Ist es fieberfrei, munter und atmet ruhig, kann es gehen. Sag der Lehrkraft kurz Bescheid, was in der Nacht los war.

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