Kind hustet nachts: Was hilft wirklich?
Kurz gesagt: Nachts wird Husten schlimmer, weil im Liegen Schleim in den Rachen läuft und die Heizungsluft die Schleimhäute austrocknet. Was hilft: den Oberkörper mit einem zusätzlichen Kissen etwas höher lagern, vor dem Schlafen gut lüften, viel trinken und bei Kindern ab einem Jahr ein Teelöffel Honig. Hustenstiller nur nach Rücksprache mit dem Kinderarzt, Balsame mit Menthol oder Kampfer nicht bei kleinen Kindern. Zum Kinderarzt bei Atemnot, pfeifender Atmung, bellendem Husten, Fieber über mehrere Tage oder Husten, der länger als drei Wochen dauert.
Notfall: Ringt dein Kind nach Luft, zieht sich beim Einatmen die Haut zwischen den Rippen oder unter dem Brustbein ein, werden Lippen bläulich, kann es vor Atemnot kaum sprechen oder wirkt es sehr schläfrig und schwer weckbar, ruf sofort den Notruf: 112 (Deutschland, Österreich, Schweiz und EU-weit), in Österreich und der Schweiz auch direkt die Rettung unter 144.
Es ist kurz nach Mitternacht. Aus dem Kinderzimmer kommt wieder dieses Husten, zum dritten Mal in einer Stunde. Du stehst auf, bringst ein Glas Wasser, streichst deinem Sohn über den Rücken. Kaum liegst du wieder, geht es von vorne los. Am Morgen sitzt ihr beide mit dunklen Ringen am Frühstückstisch, und du fragst dich, ob er so überhaupt in die Schule soll.
In der Erkältungszeit kennen das fast alle Familien. Meistens steckt ein harmloser Infekt dahinter, der von selbst wieder abklingt. Trotzdem gibt es einiges, womit du die Nächte erträglicher machst, und ein paar Warnzeichen, bei denen du nicht abwarten solltest.
Warum Husten nachts schlimmer wird
Tagsüber ist dein Kind aufrecht und in Bewegung. Schleim aus Nase und Bronchien wird nebenbei geschluckt oder abgehustet, ohne dass es groß auffällt. Im Liegen sieht das anders aus. Der Schleim aus der Nase läuft hinten den Rachen hinunter und kitzelt dort genau an der Stelle, die den Hustenreflex auslöst. Im Schlaf schluckt dein Kind außerdem seltener, sodass sich mehr ansammelt.
Dazu kommt die Luft im Schlafzimmer. Geheizte Räume sind im Winter oft trocken, und trockene Schleimhäute reagieren empfindlicher. Viele Kinder atmen mit verstopfter Nase außerdem durch den Mund, was den Hals zusätzlich austrocknet. Gerade in den ersten Stunden nach dem Einschlafen und in den frühen Morgenstunden ist der Husten deshalb oft am stärksten.
Ein nächtlicher Husten bei einer Erkältung bedeutet also nicht automatisch, dass es schlimmer geworden ist. Er ist eher ein Zeichen dafür, dass der Körper die Atemwege freiräumt.
Was in der Nacht hilft
Wunder bewirkt keine dieser Maßnahmen. Zusammen machen sie die Nacht aber oft spürbar ruhiger.
- Oberkörper leicht hochlagern: Ein zusätzliches Kissen oder ein zusammengerolltes Handtuch unter der Matratze am Kopfende reicht. Der Schleim läuft dann weniger in den Rachen. Das gilt für Schulkinder, bei Babys bleibt es beim flachen Liegen ohne Kissen.
- Lüften und nicht überheizen: Vor dem Schlafengehen das Fenster für ein paar Minuten weit öffnen. Ein kühles Schlafzimmer ist angenehmer als ein warmes. Eine Schale Wasser auf der Heizung oder ein feuchtes Handtuch über dem Wäscheständer erhöht die Luftfeuchtigkeit etwas. Wenn du einen Luftbefeuchter nutzt, reinige ihn regelmäßig, damit sich darin keine Keime vermehren.
- Viel trinken: Wasser oder ungesüßter, warmer Tee verflüssigen den Schleim. Stell ein Glas oder eine Flasche ans Bett, damit dein Kind nachts selbst einen Schluck nehmen kann.
- Honig ab einem Jahr: Ein Teelöffel Honig vor dem Schlafengehen kann den Hustenreiz lindern. Für Babys unter einem Jahr ist Honig tabu. Danach Zähne putzen oder wenigstens Wasser trinken.
- Nase frei machen: Kochsalz-Nasenspray oder -tropfen sind auch über längere Zeit unbedenklich und lösen festsitzenden Schleim. Abschwellende Nasensprays nur in der passenden Kinderdosierung und nicht länger als ein paar Tage, so wie es auf der Packung steht.
- Rauchfreie Luft: Zigarettenrauch reizt die Atemwege stark, auch wenn auf dem Balkon geraucht wird und der Geruch an Kleidung und Haaren hängt.
Wacht dein Kind mit einem Hustenanfall auf, hilft es oft, wenn es sich kurz aufsetzt, ein paar Schlucke trinkt und ruhig durch die Nase atmet. Du kannst dabei leise sagen:
„Setz dich mal kurz auf. Trink einen Schluck. Ich bin da, das geht gleich vorbei.“
Was du besser lässt
Hustenstiller nicht ohne ärztlichen Rat. Die Versuchung ist nachts um drei groß. Bei verschleimtem Husten ist das Abhusten aber erwünscht, ein Hustenstiller hält den Schleim eher in den Atemwegen. Einige Wirkstoffe sind für Kinder nicht oder erst ab einem bestimmten Alter zugelassen. Hustenlöser und Hustenstiller gleichzeitig zu geben, ergibt ebenfalls wenig Sinn: Der eine lockert den Schleim, der andere verhindert, dass er herauskommt. Hält trockener Reizhusten dein Kind mehrere Nächte wach, sprich mit dem Kinderarzt.
Ätherische Öle mit Menthol, Kampfer oder Eukalyptus nicht bei kleinen Kindern. Bei Säuglingen und Kleinkindern können sie einen gefährlichen Krampf der Atemwege auslösen. Hast du jüngere Geschwister im Haus, achte darauf, dass auch Duftlampen und Erkältungsbäder für Erwachsene nicht in deren Nähe kommen. Für Schulkinder gibt es Präparate, die ab einem bestimmten Alter zugelassen sind. Lies die Altersangabe auf der Packung genau und trag Balsame nie im Gesicht oder an der Nase auf.
Antibiotika „auf Vorrat“ aus dem Medikamentenschrank. Die meisten Erkältungen werden von Viren ausgelöst, gegen die Antibiotika nicht wirken. Ob ein Antibiotikum nötig ist, entscheidet der Kinderarzt nach der Untersuchung.
Wann du mit deinem Kind zum Kinderarzt solltest
Bei einem gewöhnlichen Erkältungshusten musst du nicht sofort in die Praxis. Stell dein Kind aber vor, wenn eines dieser Zeichen dazukommt:
- Atemnot oder schnelle Atmung: Dein Kind atmet sichtbar angestrengt, die Nasenflügel bewegen sich mit, oder es muss beim Sprechen Pausen zum Luftholen machen.
- Pfeifen oder Brummen beim Ausatmen: Das kann auf verengte Bronchien hindeuten, etwa bei einer obstruktiven Bronchitis oder Asthma.
- Bellender Husten, oft mit pfeifendem Geräusch beim Einatmen: Das ist typisch für Pseudokrupp. Er betrifft vor allem Kleinkinder, kommt bei jüngeren Schulkindern aber auch noch vor.
- Fieber über mehrere Tage: Hält es länger als drei Tage an oder kommt es nach ein paar fieberfreien Tagen zurück, sollte der Kinderarzt abhören.
- Husten, der länger als drei Wochen dauert oder nach einer Besserung plötzlich wieder schlimmer wird.
- Anfallsartige Hustenattacken, nach denen dein Kind keucht, würgt oder erbricht.
- Schmerzen in der Brust beim Atmen oder Husten mit blutigem Auswurf.
- Dein Kind trinkt kaum noch, wirkt ungewöhnlich schlapp, oder du hast einfach ein ungutes Gefühl. Das ist Grund genug.
Nachts und am Wochenende erreichst du in Deutschland den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117. In Österreich hilft die Gesundheitsberatung unter 1450 weiter. In der Schweiz ist die Nummer je nach Kanton verschieden, oft gibt die Kinderarztpraxis auf ihrem Anrufbeantworter die zuständige Notfallnummer an.
Bellender Husten in der Nacht: Was bei Pseudokrupp hilft
Pseudokrupp beginnt oft plötzlich mitten in der Nacht. Das Kind wacht mit einem rauen, bellenden Husten auf, die Stimme ist heiser, beim Einatmen ist ein ziehendes oder pfeifendes Geräusch zu hören. Das macht Kindern und Eltern Angst. Angst verschlimmert die Atemnot aber, deshalb ist deine Ruhe jetzt das Wichtigste.
- Nimm dein Kind auf den Arm oder setz es aufrecht hin.
- Geht mit warmer Jacke ans offene Fenster oder auf den Balkon. Kühle Nachtluft lässt die Schwellung im Hals oft etwas abklingen.
- Ruf den Bereitschaftsdienst oder deinen Kinderarzt an, auch wenn es besser wird. Hat dein Kind schon einmal Pseudokrupp gehabt, hast du vielleicht ein Notfallmedikament zuhause. Gib es so, wie es dir verordnet wurde.
- Bei deutlicher Atemnot, bläulichen Lippen oder wenn dein Kind kaum noch sprechen kann: sofort 112 wählen, in Österreich und der Schweiz auch 144.
Schule am nächsten Morgen: hingehen oder nicht?
Ein leichter Husten allein ist meistens kein Grund, zuhause zu bleiben. Viele Kinder husten nach einer Erkältung noch zwei bis drei Wochen, das kann nicht die ganze Zeit Fehltage bedeuten. Entscheidend ist, wie dein Kind sich am Morgen fühlt.
Eher zuhause bleiben sollte es, wenn es Fieber hat oder in der Nacht hatte, deutlich krank und schlapp wirkt, ständig husten muss und im Unterricht kaum mitkäme oder nach einer fast schlaflosen Nacht völlig erschöpft ist. Ein Kind, das mit Fieber in die Schule geht, steckt außerdem andere an und erholt sich selbst langsamer. Mehr dazu liest du im Ratgeber Kind mit Fieber in die Schule schicken?.
Ein einfacher Test für den Morgen: Isst dein Kind ein bisschen, spielt es, redet es ganz normal? Dann geht der Schultag meistens gut. Gib ihm eine Trinkflasche und Taschentücher mit und erklär ihm, in die Armbeuge zu husten. Du kannst ihm auch sagen:
„Wenn es dir in der Schule schlechter geht, sag deiner Lehrerin Bescheid. Dann holen wir dich ab.“
Welche Regeln für Krankheit und Rückkehr in die Schule gelten, ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz nicht einheitlich und hängt teils vom Bundesland oder Kanton ab. Eine allgemeine Entscheidungshilfe findest du im Ratgeber Kind krank: Wann zuhause bleiben, wann in die Schule?.
Wenn die ganze Familie nicht mehr schläft
Nach drei, vier Hustennächten sind oft alle gereizt. Das hustende Kind ist müde, die Geschwister sind wach geworden, und du sollst morgens trotzdem funktionieren. Ein paar Dinge können entlasten:
- Nachtschichten aufteilen: Wenn ihr zu zweit seid, übernimmt eine Person die erste Nachthälfte, die andere die zweite. Wer frei hat, schläft mit Ohrstöpseln in einem anderen Raum.
- Geschwister trennen: Teilen sich zwei Kinder ein Zimmer, kann das gesunde Kind für ein paar Nächte im Wohnzimmer oder bei dir schlafen.
- Alles bereitstellen: Wasser, Taschentücher und eine kleine Lampe neben dem Bett sparen nachts Wege.
- Erwartungen senken: In einer Hustenwoche dürfen Hausaufgaben kürzer ausfallen und das Abendessen einfacher sein. Ein früheres Zubettgehen hilft mehr als ein voller Nachmittag.
Wenn du selbst arbeiten musst und dein Kind krank zuhause bleibt, hast du in Deutschland unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf Kinderkrankentage. Hält der Husten wochenlang an oder ist dein Kind gefühlt jeden Monat erkältet, lohnt sich ein Blick in den Ratgeber Kind ist ständig krank. Und wie viel Schlafmangel ein Schulkind wegsteckt, liest du unter Schlafmangel beim Schulkind.
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Häufige Fragen
Warum hustet mein Kind nur nachts und tagsüber kaum?
Im Liegen läuft Schleim aus der Nase hinten den Rachen hinunter und reizt dort. Außerdem schluckt und räuspert dein Kind im Schlaf seltener, sodass sich Schleim sammelt. Dazu kommt trockene Heizungsluft im Schlafzimmer. Tagsüber, aufrecht und in Bewegung, fällt der Husten deshalb oft viel weniger auf. Das ist bei einer Erkältung ganz typisch.
Ab welchem Alter darf mein Kind Honig gegen Husten bekommen?
Honig ist erst ab dem ersten Geburtstag erlaubt, vorher wegen des Risikos von Säuglingsbotulismus nicht. Für Schulkinder ist ein Teelöffel Honig vor dem Schlafengehen ein bewährtes Hausmittel, pur oder in warmem, nicht heißem Tee. Danach Zähne putzen oder zumindest Wasser trinken.
Darf ich meinem Kind einen Hustenstiller geben, damit es schlafen kann?
Nicht auf eigene Faust. Bei verschleimtem Husten soll dein Kind den Schleim abhusten können, ein Hustenstiller hält ihn eher in den Atemwegen. Manche Wirkstoffe sind für Kinder gar nicht oder erst ab einem bestimmten Alter zugelassen. Wenn trockener Reizhusten dein Kind Nacht für Nacht wach hält, frag den Kinderarzt. Er entscheidet, ob ein Hustenstiller für ein paar Nächte sinnvoll ist.
Wie lange darf ein Husten nach einer Erkältung dauern?
Husten ist oft das Letzte, was von einer Erkältung übrig bleibt. Zwei bis drei Wochen sind nicht ungewöhnlich, auch wenn dein Kind sonst längst wieder fit ist. Dauert der Husten länger als drei Wochen oder wird er wieder schlimmer, lass ihn beim Kinderarzt abklären.
Kann mein Kind mit Husten in die Schule?
Ein leichter Husten ohne Fieber ist bei einem fitten Kind meistens kein Grund, zuhause zu bleiben. Hat dein Kind Fieber, wirkt es deutlich krank oder hat es kaum geschlafen und ist völlig erschöpft, ist ein Tag zuhause sinnvoll. Die genauen Regeln der Schulen unterscheiden sich in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Im Zweifel frag in der Schule oder beim Kinderarzt nach.
Helfen Erkältungsbalsame mit Menthol oder Kampfer?
Bei kleinen Kindern solltest du sie nicht verwenden. Menthol und Kampfer können bei Säuglingen und Kleinkindern einen Atemstillstand oder Krämpfe der Atemwege auslösen. Auch bei Schulkindern gilt: nur Produkte, die ausdrücklich für das Alter deines Kindes zugelassen sind, und nie im Gesicht oder an der Nase auftragen. Lies den Beipackzettel oder frag in der Apotheke.