Weihnachtsferien mit Schulkind: Erholen, lernen, Rhythmus halten
Weihnachtsferien mit Schulkind: Wie viel Lernen nötig ist, wie Schlaf, Bildschirmzeit und Besuche im Gleichgewicht bleiben und wie der Schulstart gelingt.
Kurz gesagt: Weihnachtsferien sind zum Erholen da. Die meisten Schulkinder müssen in diesen zwei Wochen gar nichts lernen. Steht in der ersten Januarwoche eine Klassenarbeit an oder hat dein Kind in einem Fach echten Nachholbedarf, reichen 20 bis 30 Minuten am Vormittag an einigen Tagen nach Neujahr. Wichtiger als Lernzeit sind ein halbwegs stabiler Schlafrhythmus, Bewegung draußen, eine klare Bildschirmregel und ein ruhiger letzter Ferientag vor dem Schulstart.
Kaum sind die Weihnachtsferien da, geht bei vielen Eltern das Rechnen los: Im Januar steht die Mathearbeit an, Ende Januar kommt das Halbjahreszeugnis, und das Kind hat im Dezember eher Plätzchen als Vokabeln im Kopf gehabt. Gleichzeitig soll die Zeit erholsam sein, mit Besuchen bei Oma, langen Abenden und ohne Weckerklingeln. Lernen in den Weihnachtsferien ist deshalb bei vielen Familien ein Dauerthema, das oft mehr Streit auslöst, als es nützt. Hier liest du, wie viel Lernen wirklich sinnvoll ist, wie ihr Schlaf, Bildschirmzeit und Verwandtschaft im Gleichgewicht haltet und wie der Start im Januar ohne Drama gelingt.
Wie lang sind die Weihnachtsferien in Deutschland, Österreich und der Schweiz?
In allen drei Ländern dauern die Weihnachtsferien rund zwei Wochen, die genauen Tage unterscheiden sich aber. Das ist wichtig, wenn ihr Besuche plant oder abschätzen wollt, wann das Kind wieder in den Schulrhythmus muss.
- Deutschland: Jedes Bundesland legt die Ferien selbst fest. Meist beginnen sie um den 22. oder 23. Dezember und enden um den 6. Januar, in manchen Jahren und Ländern auch ein paar Tage früher oder später. Den genauen Termin findest du auf der Seite der Kultusministerkonferenz oder im Ferienplan der Schule.
- Österreich: Die Weihnachtsferien sind bundesweit einheitlich und dauern vom 24. Dezember bis 6. Jänner. Je nachdem, auf welchen Wochentag der 6. Jänner fällt, ist der erste Schultag der 7. Jänner oder der folgende Montag.
- Schweiz: Die Kantone und teils die Gemeinden regeln die Ferien. Üblich sind anderthalb bis zwei Wochen, meist vom Wochenende vor Weihnachten bis Anfang Januar. Der Ferienplan der Schule ist hier die verlässliche Quelle.
Für die Planung heißt das: Die eigentliche Festzeit vom 24. bis zum 1. Januar ist in allen Ländern frei. Danach bleiben noch drei bis sechs Tage, in denen sich der Rhythmus wieder einpendeln kann und in denen, falls nötig, ein wenig Lernzeit Platz hat.
Muss mein Kind in den Weihnachtsferien lernen?
Nein, im Normalfall nicht. Ferien sind laut Schulrecht in allen drei Ländern unterrichtsfreie Zeit und dienen der Erholung. Zwei Wochen Pause reichen nicht aus, damit Gelerntes verloren geht. Was in der Schulzeit nicht gesessen hat, wird in den Ferien selten besser, nur weil ein Arbeitsblatt am Küchentisch liegt. Ein ausgeschlafenes Kind, das sich erholt hat, lernt im Januar in zwei Schulstunden mehr als ein genervtes Kind in fünf Ferientagen.
Beim Thema Hausaufgaben über die Ferien lohnt ein Blick in die Regeln. In Österreich steht im Schulunterrichtsgesetz, dass für Ferien keine Hausübungen aufgetragen werden dürfen. In Deutschland ist das Ländersache: Einige Bundesländer, etwa Nordrhein-Westfalen, schließen Hausaufgaben über die Ferien per Erlass aus, in anderen ist es nicht ausdrücklich geregelt und hängt von der Schule ab. In der Schweiz entscheiden Kanton und Schule. Wenn dein Kind einen Stapel Aufgaben mitbringt, ist eine freundliche Nachfrage bei der Lehrkraft in Ordnung. Ob Ferienaufgaben überhaupt sinnvoll sind, liest du im Artikel Ferienaufgaben: Sinnvoll oder unnötiger Stress?.
Es gibt drei Situationen, in denen ein bisschen Lernen in den Ferien tatsächlich hilft:
- Eine angekündigte Klassenarbeit in der ersten Schulwoche im Januar. Dann geht es nicht um neuen Stoff, sondern darum, das Gelernte einmal aufzufrischen, damit es im Kopf wieder griffbereit ist.
- Echter Nachholbedarf in einem Fach, zum Beispiel wenn dein Kind im Dezember krank war oder das Einmaleins noch nicht sitzt. Hier zählt Dranbleiben in kleinen Portionen, nicht Nachlernen in einem Rutsch.
- Das Halbjahreszeugnis Ende Januar, in Österreich die Schulnachricht, wenn eine Note auf der Kippe steht und noch eine mündliche Leistung oder ein Test zählt.
Trifft keiner der drei Punkte zu, lass das Thema ganz. Dein Kind braucht die Pause, und du auch. Der Schulranzen darf in dieser Zeit im Flur stehen und einfach nur Ranzen sein.
Wenn Lernen nötig ist: Wie bleibt es klein und wirksam?
Kurz, planbar und erst nach Neujahr. Das ist die ganze Formel. Die Tage vom 24. bis zum 1. Januar sind tabu, Heiligabend und Silvester sowieso. Ab dem 2. Januar reichen 20 bis 30 Minuten am Vormittag, bei Grundschulkindern eher 15 bis 20. Danach ist der Tag frei, ohne Nachschlag und ohne „Nur noch eine Aufgabe“. Die freie Zeit danach ist die Belohnung, keine zusätzliche Süßigkeit oder Bildschirmminute.
Damit es nicht jeden Morgen eine Diskussion gibt, erstellt den Lernplan gemeinsam, am besten schon vor Weihnachten oder am 1. Januar beim Frühstück:
- Was genau? Lass dein Kind sagen, welches Thema wackelt. Schreibt zwei bis drei konkrete Punkte auf, etwa „Bruchrechnen Seite 42 bis 45“ oder „20 Englischvokabeln aus Unit 3“, nicht „Mathe lernen“.
- An welchen Tagen? Drei bis vier Vormittage zwischen dem 2. Januar und dem letzten Ferientag genügen. Trag sie in einen Kalender ein, den das Kind sieht.
- Womit? Karteikarten und selbst geschriebene Lernzettel funktionieren besser als Lesen im Buch, weil das Kind den Stoff dabei einmal in eigene Worte fassen muss. Für Vokabeln reicht ein Stapel Karten, für Mathe eine Handvoll Aufgaben vom Typ der Klassenarbeit.
- Wer ist dabei? Jüngere Kinder brauchen dich in der Nähe, aber nicht als Lehrkraft. Du bist Zeitwächter und Abfrager, mehr nicht. Ältere Kinder lernen allein und zeigen dir am Ende kurz, was sie gemacht haben.
Wenn die Lerneinheit zum Kampf wird, brich ab. Ein Kind, das weint oder blockiert, nimmt in dem Moment nichts auf. Dann lieber am nächsten Tag kürzer starten, mit einer Aufgabe, die sicher gelingt. Und wenn du merkst, dass der Rückstand größer ist als ein paar Seiten, sprich das im Januar mit der Lehrkraft an, statt die Ferien in eine Nachhilfewoche zu verwandeln.
Wie viel darf der Schlafrhythmus in den Ferien verrutschen?
Später ins Bett ist in Ordnung, aber nicht mehr als ein bis zwei Stunden gegenüber der Schulzeit. Wer in den Ferien um Mitternacht einschläft und bis elf schläft, braucht später fast eine Woche, um wieder um sieben aus dem Bett zu kommen. Grundschulkinder brauchen ohnehin neun bis elf Stunden Schlaf, Jugendliche acht bis zehn. Das gilt in den Ferien genauso wie in der Schulzeit, nur das Zeitfenster darf sich verschieben.
Rund um Heiligabend und Silvester darf alles anders sein, das ist der Sinn dieser Abende. Der Trick ist, ab dem 2. Januar den Rhythmus wieder zurückzuholen, nicht erst am letzten Abend. Was dabei hilft:
- Jeden Abend 15 bis 20 Minuten früher ins Bett, bis ihr wieder bei der Schulzeit seid. Das merkt das Kind kaum, ein Sprung um zwei Stunden am letzten Abend dagegen schon.
- Tageslicht am Vormittag. Im Winter ist es wenig, aber selbst eine halbe Stunde draußen vor dem Mittagessen stellt die innere Uhr. Ein Spaziergang zum Bäcker reicht.
- Bewegung draußen an jedem Tag, auch bei Nieselregen. Kinder, die sich bewegt haben, schlafen abends leichter ein. Wenn dein Kind partout nicht raus will, hilft ein festes Ziel: Spielplatz, Schlitten, ein Freund, der mitkommt.
- Feste Mahlzeiten. Frühstück, Mittag, Abendessen zu ähnlichen Zeiten geben dem Tag ein Gerüst, auch wenn dazwischen alles offen ist.
Wenn dein Kind in den Ferien morgens gar nicht in Gang kommt, tagsüber lustlos ist und sich kaum für etwas begeistert, kann das auch am Winter liegen und nicht am Schlaf allein. Wenig Licht und wenig Bewegung drücken bei manchen Kindern spürbar auf die Stimmung. Dann sind Tageslicht und Draußenzeit noch wichtiger als jeder Lernplan.
Bildschirmzeit, Langeweile und Familienbesuche: Wie viel ist gut?
Eine klare Ferienregel vor dem ersten Ferientag erspart dir zwei Wochen tägliche Verhandlungen. Legt gemeinsam fest, wie viel Bildschirmzeit am Tag gilt, wann sie stattfindet und was tabu ist: Mahlzeiten, Besuche und die Stunde vor dem Schlafen. In den Ferien darf die Zeit großzügiger sein als in der Schulzeit, aber sie sollte eine Grenze haben, die das Kind kennt. Wie ihr eine Regel findet, die für alle in der Familie passt, steht im Artikel Bildschirmzeit in den Ferien: Regeln, die für die ganze Familie passen.
Langeweile ist in den Ferien kein Problem, das du lösen musst. Sie ist der Startpunkt für eigenes Spiel. Ein Kind, das sich zwanzig Minuten langweilt, holt irgendwann die Lego-Kiste raus oder fängt an, ein Hörspiel zu erfinden. Das passiert aber nur, wenn kein Bildschirm als einfachster Ausweg bereitliegt. Hilfreich ist eine Ideenliste am Kühlschrank, die ihr vor den Ferien gemeinsam geschrieben habt. Wenn das Quengeln kommt, zeigst du auf die Liste statt ein Programm zu liefern.
Familienbesuche sind für viele Kinder schön und anstrengend zugleich. Drei Verwandtenbesuche in vier Tagen, dazu laute Runden, viele Fragen, ungewohntes Essen und spät ins Bett: Das überreizt auch Kinder, die sonst gut mitgehen. Was hilft:
- Besuche dosieren. Lieber einen freien Tag zwischen zwei großen Treffen als alles an einem Wochenende. Wenn die Verwandtschaft weit verstreut ist, muss nicht jeder Besuch in diese Ferien fallen.
- Pausen erlauben. Dein Kind darf sich bei Oma für eine halbe Stunde mit einem Buch zurückziehen, ohne dass das unhöflich ist. Sag der Familie vorher Bescheid, dann muss sich niemand wundern.
- Einen Rückzugsort kennen. Klärt vor dem Besuch, wohin das Kind gehen kann, wenn es zu viel wird: ein ruhiges Zimmer, der Garten, ein kurzer Gang um den Block mit dir.
- Ein Zeichen vereinbaren. Ein Wort oder eine Geste, mit der dein Kind dir sagt „Ich brauche eine Pause“, ohne das vor allen aussprechen zu müssen.
Wie bereitest du den Schulstart im Januar vor?
Der letzte Ferientag entscheidet, wie der erste Schultag läuft. Plane ihn ruhig, ohne großen Ausflug und ohne spätes Abendessen. Am Nachmittag packt ihr gemeinsam die Schulsachen, dann bleibt am Morgen danach kein Stress. Ein kurzer Ablauf, der sich bewährt hat:
- Ranzen ausmisten. Alte Zettel, zerbröselte Kekse und Dezember-Elternbriefe raus, Stifte prüfen, Hefte durchsehen. Fünf Minuten, die viel Ärger ersparen.
- Stundenplan ansehen. Welcher Tag ist es morgen, was braucht das Kind dafür? Sportzeug, Flöte, Schwimmsachen. Oft hat sich nach dem Halbjahr auch etwas am Plan geändert.
- Kleidung und Frühstück vorbereiten. Was das Kind anziehen soll und was auf dem Tisch stehen wird, ist am Abend vorher geklärt.
- Früh ins Bett. Zur gewohnten Schulzeit, mit der üblichen Abendroutine. Wenn ihr den Rhythmus ab dem 2. Januar zurückgeholt habt, ist das kein Kampf.
Nimm dir am letzten Ferienabend zehn Minuten für ein Gespräch, in dem es nicht um Lernen geht. Frag, worauf sich dein Kind in der Schule freut: die beste Freundin wiedersehen, der Fasching, das Projekt in Sachkunde. Und frag auch, ob es etwas gibt, wovor es sich ein bisschen fürchtet. Oft kommt dann ein Satz über die Mathearbeit oder das Zeugnis, den du sonst nicht gehört hättest.
Die erste Schulwoche sollte nicht überfrachtet sein. Keine drei Nachmittagstermine, kein neuer Kurs, keine große Feier. Das Kind muss sich erst wieder an frühes Aufstehen, Hausaufgaben und sechs Stunden Konzentration gewöhnen. Rechne mit müden Nachmittagen und etwas mehr Gereiztheit in den ersten Tagen. Das ist normal und legt sich meist nach einer Woche. Wenn das Thema Zeugnis in dieser Zeit schwer auf deinem Kind liegt, findest du konkrete Hilfe im Artikel Kind hat Angst vor dem Zeugnis: Was Eltern jetzt tun können.
Wenn dein Kind nach den Ferien nicht zurück in die Schule will: Bauchweh am letzten Ferienabend, Tränen beim Packen des Ranzens oder Sätze wie „Ich will da nie wieder hin“ sind mehr als Ferienblues. Dahinter stecken oft Angst vor dem Zeugnis, Streit mit Mitschülern oder Druck in einem Fach. Nimm das ernst, frag ohne Vorwurf nach und sprich in der ersten Schulwoche mit der Klassenlehrkraft, nicht erst, wenn das Zeugnis da ist. Dein Kind kann sich auch selbst anonym und kostenlos melden: Nummer gegen Kummer 116 111 in Deutschland, Rat auf Draht 147 in Österreich, Pro Juventute 147 in der Schweiz.
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Häufige Fragen
Dürfen Lehrer Hausaufgaben über die Weihnachtsferien aufgeben?
Das hängt vom Land ab. In Österreich sagt das Schulunterrichtsgesetz, dass für Ferien keine Hausübungen aufgetragen werden dürfen. In Deutschland regeln das die Bundesländer, einige untersagen Ferienhausaufgaben ausdrücklich, andere überlassen es der Schule. In der Schweiz entscheiden Kanton und Schule. Freiwillige Übungsangebote oder das Nachholen versäumten Stoffs sind davon meist nicht betroffen.
Wie viel sollte ein Grundschulkind in den Ferien lernen?
Im Normalfall gar nichts. Grundschulkinder lernen in zwei Wochen Pause nicht so viel Stoff zurück, dass sich das lohnen würde. Sinnvoll sind höchstens 15 bis 20 Minuten an einigen Tagen nach Neujahr, wenn eine Lernzielkontrolle angekündigt ist oder dein Kind beim Lesen oder im Einmaleins noch unsicher ist. Vorlesen, Spiele und Gespräche bringen in dem Alter mehr als Arbeitsblätter.
Wann sollte mein Kind wieder früher ins Bett?
Beginne etwa vier bis fünf Tage vor dem ersten Schultag, also meist um den 2. Januar. Verlege die Schlafenszeit jeden Abend um 15 bis 20 Minuten nach vorn, bis ihr wieder bei der Schulzeit seid. Morgens hilft Tageslicht, am besten direkt nach dem Aufstehen kurz raus. Am letzten Ferientag sollte das Kind zur gewohnten Zeit schlafen.
Wie viel Bildschirmzeit in den Ferien ist okay?
Mehr als in der Schulzeit ist in Ordnung, unbegrenzt nicht. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung nennt für 6- bis 10-Jährige als Orientierung etwa 45 bis 60 Minuten am Tag, für Ältere entsprechend mehr. In den Ferien kann es etwas darüber liegen. Wichtiger als die genaue Minutenzahl ist eine feste Regel, die vor den Ferien vereinbart wird, und bildschirmfreie Zeiten wie Mahlzeiten und die Stunde vor dem Schlafen.
Was tun, wenn das Kind in den Ferien ständig Langeweile hat?
Langeweile aushalten lassen. Meist dauert es 20 bis 30 Minuten, bis ein Kind selbst etwas anfängt. Hilfreich ist eine Ideenliste, die ihr vorher gemeinsam schreibt: Hörspiel, Bauen, Backen, Brief an Oma, Verkleiden, Lesen. Wenn dein Kind quengelt, verweis auf die Liste, statt ein Programm zu liefern. Ein kurzer gemeinsamer Start, etwa zehn Minuten mitspielen, reicht oft als Anschub.
Wie bereite ich mein Kind auf das Halbjahreszeugnis vor?
Sprich schon in den Ferien in Ruhe darüber, was dein Kind erwartet, und sag klar, dass eure Beziehung nicht von Noten abhängt. Schau gemeinsam, wo es sich sicher fühlt und wo nicht. Bei einem Fach mit echtem Rückstand lohnt ein kurzes Gespräch mit der Lehrkraft im Januar. Plant für den Zeugnistag etwas Schönes, unabhängig vom Ergebnis.