VERA-Vergleichsarbeiten: Was Eltern wissen müssen und wie du dein Kind vorbereitest
Kurz gesagt: VERA-3 und VERA-8 sind Vergleichsarbeiten, die Kinder in Deutschland im Frühjahr der 3. und der 8. Klasse schreiben. Sie messen, wie gut eine Klasse die bundesweiten Bildungsstandards erreicht, und ordnen die Ergebnisse in fünf Kompetenzstufen ein. In den meisten Bundesländern gibt es dafür keine Note, und das Ergebnis steht nicht im Zeugnis. Üben ist deshalb unnötig. Am meisten hilft deinem Kind, wenn du ruhig erklärst, wozu der Test da ist. In Österreich heißt das Gegenstück iKMPLUS, in der Schweiz hat jeder Kanton eigene Tests.
Im Elternbrief steht ein Satz, den du beim ersten Lesen fast überliest: „Am 12. März schreibt die Klasse 3b die Vergleichsarbeit VERA-3 in Mathematik.“ Abends am Küchentisch fragt dein Sohn dann, ob das eine große Arbeit sei und ob er dafür lernen müsse. Seine Freundin aus der Parallelklasse habe gesagt, man könne dabei durchfallen.
Kann man nicht. Trotzdem ist die Verunsicherung verständlich, denn VERA sieht aus wie eine Klassenarbeit, wird aber ganz anders verwendet. Hier liest du, was hinter den Vergleichsarbeiten steckt, wie du die Rückmeldung einordnest und welche Sätze deinem Kind vor dem Testtag helfen.
Was VERA ist und wann sie geschrieben wird
VERA steht für Vergleichsarbeiten. Sie werden in allen Bundesländern geschrieben, die Aufgaben entwickelt das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) gemeinsam mit den Ländern. Manche Länder nutzen eigene Namen oder eigene Varianten, das Prinzip bleibt gleich.
- VERA-3 schreiben Kinder in der 3. Klasse der Grundschule, in Deutsch und Mathematik.
- VERA-8 schreiben Jugendliche in der 8. Klasse, in Deutsch, Mathematik und der ersten Fremdsprache, meist Englisch, manchmal Französisch.
Die Tests laufen im Frühjahr, in der Regel zwischen Februar und Mai. Den genauen Termin legt jedes Bundesland fest. Welche Fächer und Teilbereiche in einem Jahr drankommen, kann ebenfalls wechseln. Die Schule kündigt das rechtzeitig an.
Was VERA misst: Bildungsstandards und Kompetenzstufen
Die Kultusministerkonferenz hat für bestimmte Klassenstufen Bildungsstandards festgelegt. Das sind Beschreibungen dessen, was Kinder an einem bestimmten Punkt ihrer Schulzeit können sollen. VERA prüft, wie nah eine Klasse an diesen Standards ist. Dabei geht es um einzelne Bereiche, etwa Lesen, Zuhören, Rechtschreibung, Zahlen und Operationen oder Raum und Form.
Die Ergebnisse werden in fünf Kompetenzstufen eingeordnet:
- Stufe I: unter dem Mindeststandard. Hier braucht ein Kind in diesem Bereich gezielte Unterstützung.
- Stufe II: Mindeststandard erreicht. Die Grundlagen sitzen, es fehlt aber noch Sicherheit.
- Stufe III: Regelstandard. Das ist das, was die meisten Kinder in diesem Alter können sollen.
- Stufe IV und V: über dem Regelstandard bis zum Optimalstandard.
Wichtig ist der Zweck dahinter. VERA soll der Lehrkraft zeigen, wo ihre Klasse steht und wo sie im Unterricht nachsteuern sollte. Es ist ein Werkzeug für die Schule, kein Urteil über dein Kind.
Zählt VERA für die Note?
In den meisten Bundesländern nicht. VERA ist ausdrücklich als Lernstandserhebung gedacht, nicht als Leistungsnachweis. Das Ergebnis taucht in der Regel weder als Note noch im Zeugnis auf. Wie streng das gehandhabt wird und ob eine Lehrkraft die Ergebnisse in ihre Einschätzung einfließen lassen darf, regelt aber jedes Bundesland selbst. Eine einheitliche Antwort für ganz Deutschland gibt es deshalb nicht.
Für Eltern in der 3. Klasse ist das wichtig, weil im Jahr danach die Übertrittsempfehlung ansteht. Auch dafür spielt VERA in aller Regel keine Rolle, entscheidend sind die Noten und die Einschätzung der Lehrkräfte. Wie die Empfehlung zustande kommt, erklärt der Ratgeber Gymnasialempfehlung in Klasse 4. Wenn du sichergehen willst, frag einfach nach:
„Kurze Frage zur VERA-Arbeit nächste Woche: Fließt das Ergebnis bei Ihnen in irgendeiner Form in die Note ein, oder ist es nur zur Orientierung?“
Warum Üben und Drill unnötig sind
Im Buchhandel findest du Übungshefte mit Titeln wie „Fit für VERA“. Du brauchst sie nicht. VERA soll abbilden, was dein Kind im ganz normalen Unterricht gelernt hat. Paukt es vorher drei Wochen lang Testaufgaben, sieht die Lehrkraft ein geschöntes Bild, und Lücken, bei denen sie helfen könnte, bleiben unsichtbar.
Dazu kommt ein zweiter Effekt. Wenn zuhause plötzlich jeden Abend für einen Test geübt wird, merkt dein Kind: Das hier ist offenbar wichtig, und ich muss gut sein. Genau dieser Druck macht aus einer harmlosen Erhebung eine Prüfung, vor der es Angst hat. Wie sich Leistungsdruck in der Grundschule aufbaut und wie du ihn rausnimmst, steht im Ratgeber Leistungsdruck in der Grundschule.
Was du stattdessen tun kannst: Zeig deinem Kind, wenn es neugierig ist, eine Beispielaufgabe, damit das Format nicht fremd wirkt. Viele Lehrkräfte machen das ohnehin im Unterricht. Mehr braucht es nicht. Am Testtag selbst zählen die üblichen Dinge: genug Schlaf, ein Frühstück, eine Trinkflasche im Ranzen.
Aufregung abfangen: Sätze, die deinem Kind helfen
Viele Kinder sind vor VERA nervöser als vor einer normalen Klassenarbeit, gerade weil der Test einen fremden Namen hat und anders abläuft. Manchmal liegen die Aufgabenblätter in einem Umschlag, manchmal schreibt die Klasse am Computer, manchmal ist die Zeit streng begrenzt. Das wirkt auf ein Kind offiziell und ernst. Erklär ihm deshalb, was VERA wirklich ist, in seinen Worten:
„Bei VERA schaut deine Lehrerin, was eure ganze Klasse schon gut kann und was ihr noch üben solltet. Du bekommst keine Note dafür. Es ist eher so, als würde sie nachschauen, wo sie euch noch helfen kann.“
Viele Kinder beunruhigt, dass es Aufgaben gibt, die sie nicht lösen können. Das ist bei VERA so gewollt, denn die Aufgaben reichen bis zur höchsten Kompetenzstufe. Sag das vorher:
„Da sind auch Aufgaben drin, die für ältere Kinder gedacht sind. Wenn du eine nicht weißt, ist das ganz normal. Dann lässt du sie aus und machst bei der nächsten weiter.“
Am Morgen des Testtags reicht ein kurzer Satz. Ein langes Gespräch über den Test würde ihm mehr Gewicht geben, als er hat:
„Heute ist VERA. Mach einfach, was du kannst. Ich freu mich auf heute Nachmittag, dann erzählst du mir, wie es war.“
Für Jugendliche vor VERA-8 klingt das anders. Mit 14 will dein Kind nicht beruhigt werden wie ein Grundschüler. Sachlich hilft hier mehr: „Das zählt nicht für die Note. Die Schule will wissen, wo die Klasse steht. Ich erwarte nichts Bestimmtes.“
Hat dein Kind schon Tage vorher Bauchweh oder schläft schlecht, kann echte Prüfungsangst dahinterstecken, die über VERA hinausgeht. Was dann hilft, liest du im Ratgeber Kind hat Prüfungsangst.
Die Rückmeldung lesen: Was das Ergebnis bedeutet
Wie und ob du als Elternteil eine Rückmeldung bekommst, ist je nach Bundesland und Schule unterschiedlich. Manche Schulen geben eine schriftliche Rückmeldung für jedes Kind mit, andere besprechen die Ergebnisse am Elternabend oder im Elterngespräch, wieder andere nennen nur Klassenergebnisse. Wenn du nichts hörst, darfst du nachfragen.
Bekommst du ein Blatt mit Kompetenzstufen, lies es mit diesen Fragen im Kopf:
- In welchem Bereich liegt mein Kind wo? Ein Kind kann beim Lesen auf Stufe IV stehen und in Rechtschreibung auf Stufe II. Das sagt mehr als ein Gesamteindruck.
- Passt das zu dem, was ich kenne? Wenn deine Tochter im Alltag gern und flüssig liest und bei VERA auf Stufe I landet, war es vielleicht ein schlechter Tag oder ein ungewohntes Aufgabenformat.
- Wie steht die Klasse insgesamt? Liegt die halbe Klasse in einem Bereich niedrig, wurde das Thema wahrscheinlich noch nicht ausführlich im Unterricht behandelt.
Bestätigt das Ergebnis eine Sorge, die du schon hattest, ist es ein guter Anlass für ein Gespräch mit der Lehrkraft. Zum Beispiel so:
„Bei VERA lag Jonas in Rechtschreibung auf Stufe I. Das deckt sich mit dem, was ich bei den Hausaufgaben sehe. Was würden Sie uns empfehlen, und wie unterstützt die Schule ihn da?“
Und deinem Kind gegenüber? Erzähl ihm das Ergebnis nicht als Zeugnis, sondern als Information. „Beim Lesen bist du richtig stark, bei der Rechtschreibung üben wir in nächster Zeit ein bisschen mehr zusammen“ ist für ein Kind gut zu verkraften. Ein Satz wie „Stufe II, da müssen wir ran“ dagegen nicht. Wie du mit Noten und Ergebnissen umgehst, ohne Druck aufzubauen, erklärt der Ratgeber Noten-Druck zwischen Eltern und Kind.
Österreich und Schweiz: iKMPLUS und kantonale Tests
VERA gibt es nur in Deutschland. In Österreich heißt das Gegenstück iKMPLUS, die individuelle Kompetenzmessung. Sie findet in der 3. und 4. Schulstufe in Deutsch und Mathematik statt, in der 7. und 8. Schulstufe zusätzlich in Englisch. Auch iKMPLUS wird nicht benotet. Kinder und Eltern bekommen eine individuelle Rückmeldung, die Lehrkräfte nutzen die Ergebnisse für den Unterricht. Für die Aufregung beim Kind gilt alles, was oben steht.
In der Schweiz gibt es keinen landesweiten Test, jeder Kanton regelt das selbst. In der Nordwestschweiz, also in den Kantonen Aargau, Basel-Landschaft, Basel-Stadt und Solothurn, schreiben Kinder die sogenannten Checks zu mehreren Zeitpunkten in der Primar- und Sekundarschule. Andere Kantone setzen eigene Tests ein oder verzichten darauf. Ob und wie ein Ergebnis bei Übertritten oder Bewerbungen eine Rolle spielt, ist ebenfalls kantonal verschieden. Die Schule deines Kindes kann dir sagen, was bei euch gilt.
Wenn die Angst größer ist als der Test: Hat dein Kind vor Tests regelmäßig Bauchschmerzen, Übelkeit, Schlafprobleme oder will morgens nicht mehr in die Schule, sprich mit der Lehrkraft und lass körperliche Ursachen beim Kinderarzt abklären. Auch die Schulpsychologie oder die Schulsozialarbeit kann helfen, in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist das Angebot für Familien kostenlos. Die Nummer gegen Kummer erreichen Kinder und Jugendliche in Deutschland kostenlos unter 116 111, in Österreich hilft Rat auf Draht unter 147, in der Schweiz Pro Juventute unter 147.
Steht nach VERA eine richtige Klassenarbeit an und dein Kind ist davor ähnlich nervös, findest du konkrete Hilfen im Ratgeber Kind hat Angst vor der Klassenarbeit.
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Häufige Fragen
Wird VERA benotet?
In den meisten Bundesländern nicht. VERA ist eine Lernstandserhebung, keine Klassenarbeit. Die Ergebnisse zeigen der Lehrkraft und der Schule, wo eine Klasse steht, und gehen in der Regel nicht ins Zeugnis ein. Ob eine Lehrkraft die Ergebnisse irgendwie berücksichtigen darf, regelt jedes Bundesland selbst. Wenn du unsicher bist, frag die Klassenlehrerin direkt.
Wann werden VERA-3 und VERA-8 geschrieben?
VERA-3 schreiben Kinder in der 3. Klasse, VERA-8 in der 8. Klasse. Die Tests finden in Deutschland im Frühjahr statt, meist zwischen Februar und Mai. Den genauen Termin legt jedes Bundesland fest, die Schule informiert vorher darüber.
Soll mein Kind für VERA üben?
Nein, gezieltes Üben ist nicht nötig und nicht vorgesehen. VERA soll zeigen, was Kinder im normalen Unterricht gelernt haben. Wer vorher wochenlang Testaufgaben paukt, verfälscht genau das Bild, das der Lehrkraft helfen soll. Ausgeschlafen und mit Frühstück in die Schule zu gehen, bringt mehr als jedes Arbeitsheft.
Was bedeuten die Kompetenzstufen in der VERA-Rückmeldung?
Die Ergebnisse werden in fünf Kompetenzstufen eingeordnet. Stufe I liegt unter dem Mindeststandard, Stufe II erreicht ihn, Stufe III entspricht dem Regelstandard, also dem, was die meisten Kinder in diesem Alter können sollen. Stufe IV und V liegen darüber. Eine Stufe ist kein Urteil über dein Kind, sondern eine Momentaufnahme in einem einzelnen Bereich, zum Beispiel Lesen oder Zahlen und Operationen.
Mein Kind hat bei VERA schlecht abgeschnitten. Muss ich mir Sorgen machen?
Ein einzelnes schwaches Ergebnis ist kein Grund zur Panik. Kinder haben schlechte Tage, und manche Aufgabenformate sind ungewohnt. Vergleiche das Ergebnis mit dem, was du aus Hausaufgaben und Klassenarbeiten kennst. Passt es nicht zusammen, oder bestätigt es eine Sorge, die du schon hattest, bitte die Lehrkraft um ein kurzes Gespräch.
Gibt es VERA auch in Österreich und der Schweiz?
Nein, VERA gibt es nur in Deutschland. In Österreich gibt es stattdessen iKMPLUS, die Kompetenzmessung in der 3. und 4. sowie in der 7. und 8. Schulstufe. In der Schweiz regeln die Kantone das selbst. In der Nordwestschweiz, also Aargau, Basel-Landschaft, Basel-Stadt und Solothurn, schreiben Kinder zum Beispiel die Check-Tests. Andere Kantone setzen eigene Tests ein.