Bildschirmzeit in den Ferien: Regeln, die für die ganze Familie passen
Kurz gesagt: Etwas mehr Bildschirmzeit in den Ferien ist für Schulkinder in Ordnung, solange Schlaf, Bewegung und Freunde nicht zu kurz kommen. Stellt vor Ferienbeginn gemeinsam einen Ferien-Medienplan auf. Ältere Kinder kommen oft gut mit einem Wochenbudget statt eines Tageslimits zurecht. Kündigt Ausnahmen für Autofahrten vorher an und kehrt etwa eine Woche vor Schulbeginn schrittweise zur Schulzeit-Regel zurück.
Dritter Ferientag, halb elf am Vormittag. Dein Sohn liegt noch im Schlafanzug auf dem Sofa, das Tablet auf dem Bauch, und auf deine Frage, ob er nicht rausgehen will, kommt ein „gleich“. Du weißt, dass das „gleich“ noch eine Stunde dauern kann. Gleichzeitig denkst du: Es sind Ferien. Soll er doch mal ausspannen.
Genau zwischen diesen beiden Gedanken stecken viele Eltern, wenn es um Bildschirmzeit in den Ferien geht. In der Schulzeit gibt der Alltag einen Rahmen vor, in den Ferien fällt er weg. Dieser Ratgeber zeigt dir, wie ihr als Familie Regeln findet, die sich nach Ferien anfühlen und trotzdem halten, und wie der Weg zurück in den Schulalltag ohne großen Streit gelingt.
Ist mehr Bildschirmzeit in den Ferien okay?
Ja, in einem vernünftigen Rahmen. Ferien sind dafür da, sich zu erholen, und für viele Kinder gehört ein Spiel mit Freunden oder eine Serie am Nachmittag einfach dazu. Wenn du die Regeln aus der Schulzeit eins zu eins weiterführst, fühlt sich das für dein Kind schnell nach Strafe an. Wenn du sie ganz aufhebst, verschiebt sich der Tag oft nach hinten: später ins Bett, später aufstehen, kaum noch draußen.
Eine verbreitete Orientierung für Schulkinder ist etwa eine Stunde pro Lebensjahr in der Woche. Für eine Neunjährige wären das rund neun Stunden pro Woche. In den Ferien darf es etwas mehr sein. Viel aussagekräftiger als jede Zahl sind aber diese Fragen:
- Schläft dein Kind genug, oder wird es abends immer später?
- Ist es jeden Tag eine Weile draußen oder in Bewegung?
- Trifft es Freunde auch ohne Bildschirm?
- Ist es nach dem Spielen ausgeglichen, oder eher gereizt und unruhig?
- Gibt es noch Dinge, auf die es ohne Gerät Lust hat?
Wenn du die meisten Fragen mit Ja beantworten kannst, ist das Maß wahrscheinlich in Ordnung, auch wenn es mehr ist als im Schuljahr. Wie ihr im Alltag allgemein gute Grenzen setzt, erklärt der Ratgeber Bildschirmzeit begrenzen: Was bei Kindern funktioniert.
Den Ferien-Medienplan gemeinsam aufstellen
Regeln, an denen dein Kind mitgearbeitet hat, hält es eher ein. Setzt euch am letzten Schultag oder am ersten Ferienwochenende zusammen und schreibt einen Ferien-Medienplan auf ein Blatt, das danach am Kühlschrank hängt. Diese Punkte gehören hinein:
- Wie viel: Ein Tagesrahmen oder ein Wochenbudget, dazu wie viel davon für Spiele, Videos oder soziale Medien gedacht ist.
- Wann nicht: Zum Beispiel beim Essen, in der ersten Stunde nach dem Aufstehen und eine Stunde vor dem Schlafengehen.
- Wo: Geräte über Nacht nicht im Kinderzimmer, sondern an einem festen Ladeplatz.
- Was gilt immer: Etwa einmal am Tag rausgehen oder eine kleine Aufgabe im Haushalt, bevor das Gerät angeht.
- Ausnahmen: Was gilt auf Autofahrten, bei Besuch, an Regentagen?
- Ende: Ab welchem Tag gilt wieder die Schulzeit-Regel?
Lass dein Kind Vorschläge machen und nimm sie ernst. Wenn es selbst sagt, dass es gern jeden Abend mit Freunden online spielen möchte, könnt ihr genau dafür ein festes Zeitfenster einplanen. Wer Lust auf eine ausführlichere Vereinbarung hat, findet eine Vorlage im Ratgeber Mediennutzungsvertrag für die Familie. Die Ferienregeln lassen sich gut als eigener Abschnitt ergänzen.
Langeweile: der häufigste Auslöser fürs Zocken
Viele Kinder greifen in den Ferien nicht zum Handy, weil das Spiel so spannend ist, sondern weil gerade nichts anderes da ist. Der Bildschirm ist die schnellste Antwort auf Langeweile. Das Problem: Er nimmt ihr auch die Chance, etwas Eigenes entstehen zu lassen.
Hilfreich ist eine Ideenliste, die ihr gemeinsam am Anfang der Ferien schreibt. Darauf kommt alles, was dein Kind ohne Bildschirm gern macht oder ausprobieren möchte: Höhle aus Decken bauen, Fahrrad putzen, Comic zeichnen, Freundin anrufen und zum Baden verabreden, Kuchen backen. Wenn das „Mir ist langweilig“ kommt, zeigst du auf die Liste, statt sofort ein Programm anzubieten.
Und manchmal darfst du die Langeweile einfach aushalten. Nach zehn zähen Minuten fällt vielen Kindern selbst etwas ein. Mehr dazu, warum Langeweile Kindern guttut und wie du damit umgehst, steht im Ratgeber Mein Kind langweilt sich: Was tun?. Konkrete Beschäftigungsideen für die freien Wochen findest du unter Kinder in den Ferien beschäftigen ohne Bildschirm.
Wochenbudget statt Tageslimit: Was besser funktioniert
In der Schulzeit ist ein fester Tagesrahmen meist sinnvoll, weil jeder Tag ähnlich abläuft. In den Ferien ist das anders. An einem Tag seid ihr im Freibad, am nächsten regnet es ohne Pause. Ein Wochenbudget passt sich daran an: Dein Kind hat zum Beispiel zehn Stunden für die ganze Woche und teilt sie selbst ein.
Das hat einen schönen Nebeneffekt. Dein Kind lernt, mit einer begrenzten Menge zu planen, und muss sich nicht jeden Tag mit dir über ein paar Minuten streiten. Damit das klappt, braucht es eine einfache Übersicht, etwa eine Strichliste am Kühlschrank oder die Zeitanzeige im Gerät, die ihr gemeinsam anschaut.
Für jüngere Grundschulkinder ist ein Wochenbudget oft noch zu abstrakt. Sie verbrauchen die Zeit in den ersten zwei Tagen und sind dann enttäuscht. Hier hilft ein lockerer Tagesrahmen mit der Absprache, dass an Regentagen etwas mehr drin ist. Ein Mittelweg für Kinder um die neun, zehn Jahre: das Budget auf zwei Hälften pro Woche aufteilen. Wie lange Spielzeit bei Konsolen- und Handyspielen sinnvoll ist, beschreibt der Ratgeber Gaming-Regeln für Kinder.
Ausnahmen für Urlaub und lange Autofahrten
Acht Stunden im Auto Richtung Meer sind für Kinder eine Geduldsprobe. Viele Familien erlauben auf langen Fahrten, im Flugzeug oder am Flughafen deutlich mehr Bildschirmzeit, und das ist eine vernünftige Entscheidung. Wichtig ist nur, dass dein Kind die Ausnahme als Ausnahme erkennt.
- Vorher ankündigen: „Während der Fahrt darfst du so viel schauen, wie du magst. Wenn wir ankommen, gilt wieder unser Ferienplan.“
- Abwechseln: Plant Pausen ohne Gerät ein, zum Beispiel mit Hörspiel, Ratespielen oder Kennzeichen raten.
- Inhalte vorab laden: Filme und Hörbücher vorher herunterladen spart unterwegs Datenvolumen und Diskussionen.
- Am Urlaubsort: Viele Familien halten es dort mit weniger Bildschirm als zu Hause, weil es genug zu entdecken gibt. Ein kurzer Abend-Slot zum Nachrichtenschreiben an Freunde reicht älteren Kindern oft.
Wenn beide Eltern in den Ferien arbeiten
Sechs Wochen Sommerferien und deutlich weniger Urlaubstage: In vielen Familien sind die Kinder zumindest einen Teil der Ferien tagsüber allein zu Hause oder bei Großeltern. Dann ist die Versuchung groß, dass der Bildschirm zum Babysitter wird. Das ist verständlich, und ein paar Tage mit mehr Medienzeit schaden nicht. Über Wochen hinweg lohnt sich aber ein Plan.
- Feste Zeitfenster: Zum Beispiel Bildschirm erst nach dem Mittagessen, vorher stehen Aufgaben und Draußensein an.
- Technische Hilfe: Zeitlimits und Ruhezeiten in den Geräte-Einstellungen nehmen dir das Kontrollieren ab, wenn du nicht da bist. Wie du sie einrichtest, erklärt der Ratgeber Kindersicherung auf Handy und Tablet einrichten.
- Absprache mit Betreuungspersonen: Großeltern, Babysitter oder befreundete Familien sollten den Ferienplan kennen, damit dein Kind nicht überall andere Regeln hat.
- Ferienprogramm nutzen: Ferienbetreuung, Feriencamps oder Angebote der Gemeinde füllen einige Tage mit echten Erlebnissen. Einen Überblick gibt der Ratgeber Sommerferien mit Kindern planen.
Ein kurzer Anruf in der Mittagspause, bei dem ihr über den Vormittag sprecht, zeigt deinem Kind, dass du dich auch aus der Ferne für seinen Tag interessierst.
Zurück zur Schulzeit-Regel: der Übergang
Der härteste Moment kommt oft nicht in den Ferien, sondern am Ende. Von heute auf morgen wieder deutlich weniger Bildschirm, früher ins Bett, morgens raus: Das klappt selten ohne Tränen. Leichter wird es, wenn du den Übergang in kleinen Schritten gestaltest.
- Etwa eine Woche vorher ankündigen: Erinnere dein Kind an den Termin, den ihr im Ferienplan festgelegt habt.
- Abends zuerst: Verlegt das Bildschirm-Ende jeden Tag ein Stück nach vorne. Das hilft gleichzeitig dem Schlafrhythmus.
- Budget schrittweise senken: In der letzten Ferienwoche schon etwas weniger, in der ersten Schulwoche dann die normale Regel.
- Etwas Schönes dagegensetzen: Ein Ausflug am letzten Ferienwochenende oder ein gemeinsamer Einkauf für die Schulsachen lenkt die Aufmerksamkeit auf den Neustart.
Wie du den Schlaf- und Tagesrhythmus vor dem ersten Schultag wieder einpendelst, beschreibt der Ratgeber Kind nach Sommerferien in den Schulrhythmus bringen.
Wann du genauer hinschauen solltest: Wenn dein Kind über Wochen kaum noch etwas anderes machen möchte, Freunde und Hobbys aufgibt, sehr gereizt oder aggressiv reagiert, sobald das Gerät aus ist, oder nachts heimlich spielt, kann mehr dahinterstecken als Ferienlaune. Sprich dann mit deiner Kinderärztin oder deinem Kinderarzt oder wende dich an eine Erziehungsberatungsstelle in deiner Nähe. In Deutschland erreichst du die Nummer gegen Kummer für Eltern unter 0800 111 0 550, in Österreich Rat auf Draht unter 147 und in der Schweiz die Elternberatung von Pro Juventute unter 058 261 61 61.
Weiterlesen
Häufige Fragen
Darf mein Kind in den Ferien mehr Bildschirmzeit haben als in der Schulzeit?
Ja, ein wenig mehr ist in den Ferien für die meisten Familien völlig in Ordnung. Es fallen Schulweg, Unterricht und Hausaufgaben weg, also gibt es mehr freie Zeit. Entscheidend ist, dass Schlaf, Bewegung, Treffen mit Freunden und gemeinsame Familienzeit nicht unter dem Bildschirm leiden. Vereinbart vor Ferienbeginn gemeinsam, was mehr konkret bedeutet.
Ist ein Wochenbudget in den Ferien besser als ein Tageslimit?
Für viele Schulkinder ab etwa neun oder zehn Jahren funktioniert ein Wochenbudget in den Ferien gut. Dein Kind kann an einem Regentag mehr spielen und an einem Badetag gar nicht. Jüngere Kinder kommen mit einem festen Tagesrahmen oft besser zurecht, weil sie Zeit über mehrere Tage noch schwer einteilen können.
Wie viel Bildschirmzeit ist für Schulkinder in den Ferien angemessen?
Eine feste Zahl, die für jedes Kind passt, gibt es nicht. Eine verbreitete Orientierung für Schulkinder ist etwa eine Stunde pro Lebensjahr in der Woche, in den Ferien darf es etwas mehr sein. Wichtiger als die Minuten ist, was dein Kind macht, ob es danach ausgeglichen ist und ob genug Zeit für Schlaf, Bewegung und Freunde bleibt.
Was tun, wenn mein Kind aus Langeweile ständig zum Handy greift?
Langeweile ist der häufigste Auslöser fürs Zocken in den Ferien. Hilfreich ist eine gemeinsam erstellte Ideenliste mit Dingen, die dein Kind ohne Bildschirm machen kann, und ein Zeitpunkt am Tag, an dem das Gerät ohnehin Pause hat. Halte die erste Langeweile aus, statt sofort etwas anzubieten. Oft entsteht nach einigen Minuten eine eigene Idee.
Gelten auf langen Autofahrten und im Urlaub andere Medienregeln?
Viele Familien machen für lange Autofahrten, Flüge oder Wartezeiten bewusst Ausnahmen, und das ist in Ordnung. Wichtig ist, die Ausnahme vorher anzukündigen und klar zu begrenzen, zum Beispiel nur während der Fahrt. Dann weiß dein Kind, dass am Urlaubsort wieder die normalen Ferienregeln gelten.
Wie gelingt nach den Ferien der Wechsel zurück zur Schulzeit-Regel?
Fang etwa eine Woche vor Schulbeginn an, die Bildschirmzeit Schritt für Schritt zu reduzieren und die Abendzeiten wieder vorzuziehen. Sprich vorher mit deinem Kind darüber, damit der Wechsel keine Überraschung ist. Am besten legt ihr schon beim Aufstellen des Ferienplans fest, ab wann die Schulzeit-Regel wieder gilt.