Sommerferien mit Kindern planen: Betreuung, Wochenplan und Erholung
Kurz gesagt: Um die Sommerferien mit Kindern zu planen, rechnest du zuerst die Lücke aus: Ferienwochen minus Urlaubswochen beider Eltern. Diese Lücke füllst du mit Ferienprogrammen, Ferienlager, Großeltern oder Tauschwochen mit anderen Familien, gebucht schon im Frühjahr. Für den Alltag reicht ein Wochenplan mit zwei, drei festen Ankern, klaren Bildschirmregeln und viel freier Zeit.
Im Februar fühlen sich die Sommerferien weit weg an. Dann kommt im Elternchat die erste Nachricht: „Die Anmeldung fürs Ferienprogramm ist offen, die Fußballwoche ist schon fast voll.“ Spätestens jetzt lohnt es sich, die Sommerferien mit Kindern zu planen. Wer früh anfängt, hat mehr Auswahl, weniger Stress im Juli und am Ende Ferien, an die sich dein Kind gern erinnert.
Dieser Ratgeber zeigt dir, wie du die Wochen durchrechnest, die Betreuung zusammenstellst und einen Rhythmus findest, der Erholung möglich macht. Für kürzere Ferien wie zu Pfingsten gibt es einen eigenen Ratgeber: Pfingstferien mit Kindern planen.
Wie lang die Sommerferien in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind
Die Länge der Sommerferien hängt davon ab, wo ihr wohnt. In Deutschland sind es in allen Bundesländern ungefähr sechs Wochen. Die Termine verteilt die Kultusministerkonferenz aber über einen langen Zeitraum, deshalb starten manche Bundesländer schon Ende Juni und andere erst Ende Juli oder Anfang August. In Österreich dauern die Sommerferien rund neun Wochen, die östlichen Bundesländer beginnen dabei eine Woche früher als die westlichen. In der Schweiz entscheidet jeder Kanton selbst, in den meisten Kantonen sind es fünf bis sechs Wochen.
Schau die genauen Daten für das kommende Jahr bei deinem Bundesland, deiner Bildungsdirektion oder auf der Website der Schule nach. Trag sie sofort in den Familienkalender ein, zusammen mit dem ersten Schultag danach. Wohnen Großeltern oder die Familie des anderen Elternteils in einem anderen Bundesland, notiere auch deren Ferien. Das kann bei der Betreuung helfen.
Die Lücke ausrechnen: Urlaub der Eltern gegen Ferienwochen
Die meisten berufstätigen Eltern haben deutlich weniger Urlaub, als ihr Kind Ferien hat. In Deutschland stehen Angestellten bei einer Fünftagewoche mindestens 20 Urlaubstage im Jahr zu, viele haben mehr. In Österreich sind es fünf Wochen, in der Schweiz mindestens vier. Diese Tage müssen aber auch für Herbst, Weihnachten, Ostern und Krankheitstage der Kinder reichen.
Eine einfache Rechnung bringt Klarheit. Sechs Wochen Sommerferien sind 30 Arbeitstage. Nehmen beide Eltern je zwei Wochen Urlaub, und zwar nacheinander statt gleichzeitig, sind 20 Tage abgedeckt. Es bleiben zehn Tage, also zwei Wochen, für die ihr eine Betreuung braucht. In Österreich mit neun Wochen Ferien ist die Lücke entsprechend größer. Ein gemeinsamer Familienurlaub ist trotzdem wichtig, er verkürzt nur die abgedeckte Zeit. Viele Familien planen deshalb eine gemeinsame Woche und versetzen den restlichen Urlaub.
Bist du alleinerziehend, ist die Rechnung strenger, weil nur dein Urlaub zählt. Umso wichtiger ist es, früh mit dem anderen Elternteil, den Großeltern und anderen Familien zu sprechen, wer welche Woche übernehmen kann.
Betreuung früh buchen: diese Bausteine gibt es
Selten reicht eine einzige Lösung für den ganzen Sommer. Meist setzt sich die Betreuung aus mehreren Bausteinen zusammen:
- Ferienprogramm der Gemeinde oder Stadt: Viele Gemeinden bieten Tageskurse, Ausflüge und Ferienwochen an, oft günstig. Die Anmeldung öffnet häufig schon im Frühjahr.
- Hort, Ganztag und Ferienbetreuung der Schule: Manche Horte und Ganztagsschulen sind in einem Teil der Ferien geöffnet. Frag nach, welche Wochen abgedeckt sind und bis wann du dich anmelden musst.
- Ferienlager und Feriencamps: Für ältere Grundschulkinder kann eine Woche mit Übernachtung ein großes Erlebnis sein. Sport- und Musikvereine, Kirchen und Jugendverbände bieten solche Fahrten an.
- Großeltern und Verwandte: Eine Woche bei Oma und Opa entlastet und schafft schöne Erinnerungen. Sprich vorher ab, welche Regeln gelten, und plane auch für die Großeltern Pausen ein.
- Tauschmodell mit anderen Familien: Zwei oder drei Familien wechseln sich ab, jede übernimmt eine Woche alle Kinder. So deckt ihr mit wenig Urlaub mehrere Wochen ab, und die Kinder haben Freunde dabei.
Eine ausführliche Übersicht mit Kosten und Vor- und Nachteilen findest du im Ratgeber Ferienbetreuung für Grundschulkinder: Alle Optionen. Merk dir vor allem eins: Gute Angebote sind oft schon im Frühjahr ausgebucht. Stell dir für Januar oder Februar eine Erinnerung, die Anmeldetermine zu prüfen.
In 6 Schritten die Sommerferien mit Kindern planen
Diese Reihenfolge hat sich in vielen Familien bewährt:
- Ferientermine eintragen: Erster und letzter Ferientag sowie der erste Schultag kommen in den Familienkalender.
- Urlaub abstimmen: Beide Eltern klären mit dem Arbeitgeber, welche Wochen möglich sind, am besten bis Ende Februar.
- Lücke ausrechnen: Welche Wochen sind nicht abgedeckt? Schreib sie einzeln auf.
- Betreuung buchen: Ferienprogramm, Lager, Großeltern oder Tauschwochen für jede offene Woche festmachen.
- Mit dem Kind sprechen: Was wünscht es sich? Welche Freunde sind wann da? Welche Woche soll ganz frei sein?
- Puffer lassen: Plane mindestens eine Woche ohne Programm ein, am besten am Ende der Ferien.
Dein Kind mitplanen zu lassen, lohnt sich schon ab dem Grundschulalter. Häng einen großen Kalender auf und lass es eintragen, worauf es sich freut: das Zeltlager, der Besuch bei der Cousine, der Tag im Freibad. Kinder, die mitreden dürfen, gehen gelassener in Wochen, die nicht ihre erste Wahl waren.
Ein Wochenplan mit festen Ankern statt Dauerprogramm
Viele Eltern haben das Gefühl, sie müssten jeden Ferientag füllen. Das erschöpft alle. Besser funktionieren zwei, drei feste Anker pro Woche, zum Beispiel der Ausflug am Mittwoch, der Bibliothekstag am Freitag und das Treffen mit Freunden am Montag. Dazwischen bleibt Zeit, in der nichts geplant ist.
Auch der Tag braucht ein loses Gerüst. Ein ungefähr gleicher Rhythmus beim Aufstehen, bei den Mahlzeiten und beim Zubettgehen gibt Kindern Halt. Er darf lockerer sein als in der Schulzeit, sollte sich aber nicht komplett auflösen. Das erleichtert später auch den Übergang zurück in die Schule.
Bildschirmregeln vorher klären: In den Ferien wächst die Bildschirmzeit schnell, weil die Schule als Taktgeber fehlt. Legt noch vor dem ersten Ferientag gemeinsam fest, wann und wie lange Tablet, Konsole und Fernseher erlaubt sind, zum Beispiel ein festes Zeitfenster am Nachmittag. Sag die Regel auch den Großeltern und der Betreuung. Ideen für Tage ohne Bildschirm findest du im Ratgeber Kinder in den Ferien beschäftigen ohne Bildschirm.
Langeweile zulassen und Lernen nur leicht dosieren
„Mir ist langweilig“ gehört zu den Sommerferien dazu. Du musst darauf nicht sofort mit einem Angebot antworten. Wenn Kinder eine Weile nichts zu tun haben, entstehen oft die besten Ideen: ein Hörspiel aufnehmen, eine Bude im Garten bauen, einen Kiosk für die Nachbarn eröffnen. Eine Kiste mit Bastelmaterial, Kreide und alten Kartons hilft beim Start. Warum Langeweile gut für Kinder ist und wie du sie aushältst, erklärt der Ratgeber Mein Kind langweilt sich: Was tun?.
Beim Lernen gilt: wenig, leicht und spielerisch. Nach einem langen Schuljahr braucht der Kopf Pause. Lesen und Vorlesen, Gesellschaftsspiele mit Würfeln und Punkten, beim Einkaufen Preise zusammenrechnen oder eine Postkarte an die Großeltern schreiben halten das Wissen frisch, ohne nach Schule zu riechen. Gibt es eine echte Lücke, etwa beim Lesen oder Einmaleins, reichen kurze Übungseinheiten von 15 bis 20 Minuten an einigen Tagen. Leg sie lieber in die zweite Ferienhälfte, damit die ersten Wochen der Erholung gehören.
Die letzte Ferienwoche: sanft zurück in den Schulrhythmus
Die letzte Woche vor dem Schulstart sollte ruhig sein. Kommt ihr am Samstag aus dem Urlaub zurück und am Montag beginnt die Schule, startet dein Kind müde und gereizt. Plane die Rückkehr deshalb so, dass mindestens ein paar Tage zu Hause bleiben.
Verschiebe die Schlafenszeit schrittweise nach vorn, etwa um eine Viertelstunde alle zwei Tage. Kauft gemeinsam die fehlenden Schulsachen, packt den Ranzen, und sprecht darüber, worauf sich dein Kind freut und was ihm Sorgen macht. Viele Kinder sind am Ende der Ferien traurig oder aufgedreht. Das ist normal und legt sich meist in den ersten Schulwochen. Wie der Neustart gut gelingt, liest du im Ratgeber Kind nach Sommerferien in den Schulrhythmus bringen.
Deine Merkliste für den Sommer: Ferientermine bis Januar eintragen. Urlaub bis Ende Februar mit dem Arbeitgeber abstimmen. Ferienprogramme und Lager im Frühjahr buchen, sobald die Anmeldung öffnet. Mit anderen Familien Tauschwochen absprechen. Bildschirmregeln vor dem ersten Ferientag festlegen. Mindestens eine Woche ohne Programm einplanen und die letzte Ferienwoche zu Hause verbringen.
Die Sommerferien müssen nicht perfekt sein. Ein Plan, der die Betreuung sichert und genug Luft lässt, nimmt dir den Druck, und deinem Kind bleibt das, was Ferien ausmacht: Zeit.
Weiterlesen
Häufige Fragen
Wann sollte ich anfangen, die Sommerferien zu planen?
Am besten im Winter oder frühen Frühjahr. Viele Gemeinden, Vereine und Träger öffnen die Anmeldung für Ferienprogramme und Ferienlager bereits zwischen Januar und April, und beliebte Wochen sind oft schnell voll. Auch Urlaubsanträge im Job werden in vielen Betrieben früh im Jahr abgestimmt. Wer bis Juni wartet, hat meist nur noch Restplätze.
Wie lange dauern die Sommerferien in Deutschland, Österreich und der Schweiz?
In Deutschland dauern die Sommerferien in allen Bundesländern ungefähr sechs Wochen, die Termine sind aber je nach Bundesland verschieden und wechseln von Jahr zu Jahr. In Österreich sind es rund neun Wochen, wobei der Osten und der Westen zu unterschiedlichen Zeiten beginnen. In der Schweiz legt jeder Kanton die Ferien selbst fest, in den meisten Kantonen sind es fünf bis sechs Wochen. Die genauen Daten findest du beim Kultusministerium deines Bundeslandes, bei der Bildungsdirektion oder auf der Website deiner Schule.
Wie überbrücke ich die Sommerferien, wenn mein Urlaub nicht reicht?
Rechne zuerst aus, wie viele Ferientage nicht durch Urlaub abgedeckt sind. Dann kombinierst du: Ferienprogramme der Gemeinde oder des Horts, ein Ferienlager, Wochen bei Großeltern oder Verwandten, Tauschwochen mit befreundeten Familien und versetzter Urlaub der Eltern. Viele Familien kommen nur mit zwei oder drei dieser Bausteine über den Sommer.
Wie viel Bildschirmzeit ist in den Sommerferien okay?
Eine feste Zahl gibt es nicht. Hilfreich ist eine Regel, die du vor den Ferien gemeinsam mit deinem Kind festlegst, etwa ein tägliches Zeitfenster am Nachmittag statt freier Nutzung den ganzen Tag. Wichtig ist, dass die Regel für alle Ferienwochen gilt und auch bei Großeltern oder in der Betreuung bekannt ist.
Sollte mein Kind in den Sommerferien lernen?
Ein bisschen, aber nicht viel. Lesen, Vorlesen, Gesellschaftsspiele mit Zahlen oder ein kurzes Übungsheft an zwei, drei Vormittagen pro Woche reichen völlig. Hat dein Kind eine echte Lücke, etwa beim Einmaleins, planst du die Übung lieber in die letzten zwei Ferienwochen. Die ersten Wochen gehören der Erholung.
Wie bereite ich mein Kind in der letzten Ferienwoche auf die Schule vor?
Verschiebe die Schlafenszeit schrittweise wieder nach vorn, etwa um eine Viertelstunde alle zwei Tage. Kauft gemeinsam die Schulsachen ein, packt den Ranzen und schaut den Stundenplan an. Plane in dieser Woche keine großen Reisen mehr, damit dein Kind ausgeruht in den ersten Schultag startet.