Von der Kinwords Redaktion
Familie8 Min. LesezeitKinwords Redaktion

Schulfotos: Musst du sie kaufen? Kosten, Einwilligung und Datenschutz

Kurz gesagt: Du musst Schulfotos nicht kaufen. Der Fototag ist ein freiwilliges Angebot eines privaten Fotostudios, auch wenn die Schule ihn organisiert. Bevor dein Kind fotografiert wird, braucht die Schule in der Regel deine schriftliche Einwilligung, und die kannst du verweigern oder später widerrufen. Frag nach, wo die Bilder gespeichert werden und wann sie gelöscht werden. Und wenn das Geld knapp ist: Weglassen ist völlig in Ordnung.

Irgendwann im Herbst steckt ein Zettel im Mitteilungsheft: „Am Dienstag kommt der Schulfotograf. Bitte unterschreiben Sie die Einwilligung bis Freitag.“ Zwei Wochen später bringt dein Kind ein Kuvert mit nach Hause. Darin liegen Porträts, ein Klassenfoto, vielleicht ein Kalender und ein Schlüsselanhänger, dazu ein Überweisungsträger über 30 oder 40 Euro. Dein Kind hält das Bild hoch und sagt: „Das will ich behalten!“

Spätestens jetzt fragen sich viele Eltern, ob sie das kaufen müssen, wer die Fotos eigentlich sehen kann und was passiert, wenn sie Nein sagen. Hier findest du die Antworten, ohne Juristendeutsch.

Gibt es eine Kaufpflicht? Nein.

Der Schulfotograf ist kein Teil des Unterrichts, sondern ein privates Unternehmen. Die Schule stellt nur den Raum und die Zeit zur Verfügung. Was du danach bestellst, ist deine freie Entscheidung. Niemand darf dich oder dein Kind unter Druck setzen, ein Paket zu nehmen.

Viele Anbieter arbeiten mit Ansichtsexemplaren: Du bekommst die Fotos mit nach Hause und zahlst nur, was du behalten willst. Den Rest gibst du innerhalb der Frist über die Schule zurück. Andere Studios schicken gar keine Abzüge mehr, sondern nur einen Zugangscode zur Online-Galerie. Dann bestellst du dort oder eben nicht. In beiden Fällen gilt im Alltag: Was du nicht bestellt hast, musst du nicht bezahlen. Trotzdem ist es fair, nicht gewünschte Abzüge pünktlich zurückzugeben, damit die Klassenlehrerin nicht hinterherlaufen muss.

Ein Detail, das wenige Eltern kennen: Manche Schulen oder Fördervereine bekommen einen kleinen Anteil vom Umsatz. Das ist nicht verboten, erklärt aber, warum die Schule den Fototag gern anbietet. An deiner Entscheidungsfreiheit ändert es nichts.

Ohne deine Einwilligung kein Foto

Ein Foto, auf dem dein Kind erkennbar ist, gilt nach der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) als personenbezogenes Datum. Damit ein Fotograf in der Schule Porträts und Klassenfotos machen und weiterverarbeiten darf, braucht es grundsätzlich eine Einwilligung. Bei Kindern geben die Eltern sie ab. Genau deshalb kommt vor dem Fototag der Zettel zum Unterschreiben.

Lies diesen Zettel in Ruhe, bevor du unterschreibst. Achte darauf, wofür genau du zustimmst:

  • Nur Fotografieren und Verkauf an euch Eltern oder auch Veröffentlichung, zum Beispiel auf der Schulhomepage oder im Jahresbericht?
  • Einzelfoto und Klassenfoto oder nur eines davon? Gute Formulare lassen dich ankreuzen.
  • Online-Galerie: Wird ein Zugang angelegt, und wer bekommt den Code?
  • Löschung: Steht drin, wann die Bilder beim Anbieter wieder gelöscht werden?

Du darfst auch nur einen Teil ankreuzen, etwa das Klassenfoto, aber keine Porträts. Und du kannst die Einwilligung jederzeit widerrufen, formlos per Mail an die Schule. Für die Zukunft muss die Nutzung dann aufhören. Ein Bild, das schon im gedruckten Jahrbuch steht, holt man so allerdings nicht mehr zurück.

Österreich: Auch hier gilt die DSGVO, ergänzt durch das österreichische Datenschutzgesetz (DSG). Für den Fototag bedeutet das im Ergebnis dasselbe: Ohne Zustimmung der Eltern wird nicht fotografiert. Schweiz: Hier gilt seit 2023 das revidierte Datenschutzgesetz. Auch dort holen Schulen vor dem Fototag üblicherweise das Einverständnis der Eltern ein. Die Details regeln Kantone und Schulen unterschiedlich, frag im Zweifel bei der Schulleitung nach.

Bei älteren Kindern und Jugendlichen kommt deren eigene Meinung dazu. Eine Zwölfjährige, die ausdrücklich nicht fotografiert werden will, solltest du nicht einfach überstimmen, nur weil du die Unterschrift leisten darfst.

Das Klassenfoto: Was, wenn du nicht zustimmst?

Beim Gruppenfoto wird es heikel. Viele Eltern wollen zwar kein Einzelporträt, aber ihr Kind auch nicht als einziges vom Klassenfoto ausschließen. Wie Schulen damit umgehen, ist unterschiedlich. Manche fotografieren das Kind ohne Einwilligung gar nicht mit, manche stellen es an den Rand, sodass es nicht im Bild ist. Ein nachträgliches Unkenntlichmachen ist eher die Ausnahme.

Wenn du beim Klassenfoto unsicher bist, sprich vorher mit der Klassenlehrerin. Zum Beispiel so: „Für Einzelfotos haben wir uns dagegen entschieden. Beim Klassenfoto ist mir wichtig, dass Lena nicht als Einzige danebensteht. Wie lösen Sie das sonst?“ So gibt es keine peinliche Situation am Fototag selbst. Wie du solche Nachrichten kurz und freundlich formulierst, steht im Ratgeber E-Mail an den Lehrer formulieren.

Und noch eine Bitte an alle, die das Klassenfoto kaufen: Stell es nicht ungefragt in die Eltern-WhatsApp-Gruppe oder auf Instagram. Darauf sind 20 andere Kinder zu sehen, und nicht alle Familien sind damit einverstanden.

Was mit den Bildern beim Anbieter passiert

Nach dem Fototag liegen die Bilder beim Fotostudio. Die meisten Anbieter laden sie in eine Online-Galerie, die mit einem Code oder Passwort geschützt ist. Dort kannst du bestellen, manchmal auch digitale Dateien herunterladen. Ein paar Fragen lohnen sich:

  • Wie lange bleiben die Fotos gespeichert, und wann werden sie gelöscht, auch wenn du nichts bestellt hast?
  • Bekommt nur ihr den Code für das Porträt deines Kindes, oder sehen andere Eltern alle Bilder der Klasse?
  • Nutzt der Anbieter die Bilder für eigene Werbung? Das darf er nur mit einer eigenen, ausdrücklichen Zustimmung.

Die Antworten stehen in den Datenschutzhinweisen des Anbieters, die meist auf dem Einwilligungszettel oder auf der Website verlinkt sind. Findest du nichts, schreib dem Studio direkt. Du hast das Recht zu erfahren, welche Daten über dein Kind gespeichert sind, und kannst die Löschung verlangen, wenn du deine Einwilligung zurückziehst.

Gib den Zugangscode zur Galerie nicht weiter, auch nicht an Großeltern per Mail-Weiterleitung, wenn darüber die ganze Klasse sichtbar ist. Bestell lieber selbst und schick Oma einen Abzug.

Wenn das Geld knapp ist

Schulfotos kommen oft genau dann, wenn sich die Kosten im Schuljahr stapeln: Material, Ausflüge, Klassenkassa, Wandertag. Für manche Familien sind 35 Euro für ein Fotopaket schlicht nicht drin. Das ist kein Versagen, sondern eine ganz normale Entscheidung über das Familienbudget.

Schwieriger ist der soziale Teil. Kinder vergleichen. „Alle haben das Foto gekauft, nur ich nicht“, ist ein Satz, der wehtut. Ein paar Wege, damit umzugehen:

  • Nur das Klassenfoto nehmen: Es ist meist das günstigste Bild und für Kinder oft das wichtigste, weil die Freundinnen drauf sind.
  • Diskret nachfragen: Viele Schulen, Elternvereine und Fördervereine übernehmen Kosten für Familien, die es brauchen, ohne dass die Klasse etwas mitbekommt. Ein kurzer Satz an die Klassenlehrerin reicht.
  • Ehrlich mit dem Kind reden: „Wir haben diesen Monat schon viel ausgegeben. Dafür machen wir am Wochenende selbst Fotos, und du darfst das schönste aussuchen.“

Kinder verkraften ein Nein meist gut, wenn sie den Grund verstehen und spüren, dass es nicht um sie geht. Wie du über Geld sprichst, ohne dein Kind zu belasten, beschreibt der Ratgeber Kind macht sich Sorgen um Geld. Tipps für die Ausgaben rund um den Schulstart findest du unter Schulstart-Kosten: So sparst du bei Schulsachen.

So bereitest du dein Kind auf den Fototag vor

Ein gutes Schulfoto braucht kein Shooting-Outfit. Am schönsten sind Bilder, auf denen dein Kind aussieht wie es selbst.

  • Kleidung: Lass dein Kind mitentscheiden. Ein Lieblingspulli ohne großes Logo funktioniert besser als ein steifes Hemd, in dem es sich nicht wohlfühlt. Sehr feine Streifen flimmern auf Fotos manchmal.
  • Haare: Kein neuer Haarschnitt am Vortag. Eine Haarbürste im Rucksack reicht.
  • Lächeln: Zwing dein Kind nicht dazu. Ein „Jetzt lach doch mal schön!“ am Morgen erzeugt eher ein verkrampftes Grinsen. Sag lieber: „Du musst gar nichts Besonderes machen.“
  • Zahnlücke, Pflaster, Brille: Gehören dazu. In zehn Jahren sind genau das die Details, über die ihr gemeinsam lacht.

Erzähl deinem Kind auch, wie der Fototag abläuft. Es wird kurz aus dem Unterricht geholt, sitzt auf einem Hocker, der Fotograf sagt ein paar Sätze und drückt ein paarmal ab. Nach zwei Minuten ist es vorbei. Für schüchterne Kinder ist dieses Wissen schon eine große Erleichterung.

Wenn dein Kind nicht fotografiert werden will

Manche Kinder verstecken sich hinter dem Vordermann, ziehen die Kapuze ins Gesicht oder weinen schon beim Gedanken an den Fototag. Dahinter steckt oft Schüchternheit, Unzufriedenheit mit dem eigenen Aussehen oder eine schlechte Erfahrung mit einem Foto, über das gelacht wurde. Frag nach, statt zu überreden: „Was ist daran unangenehm für dich?“

Ein Schulfoto ist es nicht wert, ein Kind zu zwingen. Du kannst die Einwilligung für das Einzelporträt zurückziehen und vielleicht nur das Klassenfoto lassen, wo es in der Gruppe untergeht. Oder ihr lasst den Fototag dieses Jahr ganz aus. Wie du dein Kind behutsam begleitest, wenn die Abneigung gegen Fotos auch im Alltag auftaucht, liest du im Ratgeber Kind will nicht fotografiert werden.

Die Botschaft, die dabei ankommt, ist wichtiger als jedes Foto: Über deinen Körper und dein Bild bestimmst du mit. Das ist eine Lektion, die dein Kind in einer Welt voller Handykameras und sozialer Netzwerke gut gebrauchen kann.

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Häufige Fragen

Muss ich die Schulfotos kaufen?

Nein. Schulfotos sind ein freiwilliges Angebot eines privaten Fotografen, auch wenn die Schule den Termin organisiert. Du entscheidest, ob du gar nichts, nur das Klassenfoto oder ein ganzes Paket nimmst. Bekommst du Ansichtsfotos mit nach Hause, gibst du sie innerhalb der genannten Frist zurück oder folgst der Anleitung auf dem Zettel. Ein schlechtes Gewissen musst du dabei nicht haben.

Darf mein Kind ohne meine Einwilligung fotografiert werden?

Für Schulfotos durch einen Fotografen braucht die Schule in Deutschland und Österreich grundsätzlich die Einwilligung der Eltern, denn ein Foto ist ein personenbezogenes Datum im Sinne der DSGVO. Deshalb verteilen Schulen vorher meist einen Einwilligungszettel. Ohne deine Zustimmung sollte dein Kind weder einzeln noch auf dem Klassenfoto abgelichtet werden. Bei älteren Kindern und Jugendlichen zählt zusätzlich deren eigene Meinung.

Kann ich meine Einwilligung später zurückziehen?

Ja. Eine Einwilligung nach der DSGVO kannst du jederzeit widerrufen, formlos und ohne Begründung. Schreib dafür an die Schule und, wenn bekannt, direkt an das Fotostudio. Für die Zukunft muss dann Schluss sein, etwa mit der Online-Galerie oder weiterer Nutzung. Bereits verschickte Abzüge oder ein gedrucktes Jahrbuch lassen sich allerdings meist nicht mehr zurückholen.

Was passiert mit den Fotos nach dem Fototag?

Die Bilder landen beim Fotostudio, meist in einer passwortgeschützten Online-Galerie, in der du bestellen kannst. Wie lange sie dort liegen und wann sie gelöscht werden, steht in den Datenschutzhinweisen des Anbieters. Fehlt diese Angabe, frag nach. Seriöse Anbieter nennen eine Löschfrist und geben die Fotos nicht für Werbung weiter, ohne vorher eigens zu fragen.

Darf ich das Klassenfoto in die WhatsApp-Gruppe stellen?

Besser nicht ungefragt. Auf dem Klassenfoto sind 20 oder mehr andere Kinder zu sehen, und nicht alle Eltern wollen, dass ihr Kind in Chatgruppen oder sozialen Netzwerken landet. Gedacht ist das Bild für euer privates Fotoalbum. Willst du es teilen, sprich dich vorher in der Elternrunde ab.

Was tun, wenn wir uns die Fotos gerade nicht leisten können?

Dann lässt du sie weg oder nimmst nur das günstigste Bild, meist das Klassenfoto. Viele Schulen und Fördervereine haben für solche Fälle eine stille Lösung und übernehmen die Kosten, ohne dass die Klasse davon erfährt. Frag diskret bei der Klassenlehrerin nach. Und ein Handyfoto deines Kindes vor der Haustür am ersten Schultag ist genauso viel wert.

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