Nikolaus mit Schulkind: Stiefel, Brauch und passende Geschenke
Nikolaus für Kinder: Was in den Nikolausstiefel gehört, wie viel ein Geschenk kosten darf, was in der Schule üblich ist und wie du mit Krampus-Angst umgehst.
Kurz gesagt: Am Abend des 5. Dezember stellt dein Kind einen geputzten Stiefel vor die Tür, am Morgen des 6. Dezember ist er gefüllt: mit Mandarinen, Nüssen, Lebkuchen, Schokolade und einer Kleinigkeit für 5 bis 15 Euro. Mehr braucht es nicht, denn der Nikolaus ist das kleine Fest vor Weihnachten. Wichtig ist, dass der Brauch Freude macht und nie als Drohung dient. Wie es in Deutschland, Österreich und der Schweiz üblich ist, liest du hier.
Für viele Familien ist der Nikolaus für Kinder der erste richtige Höhepunkt im Advent. Der Stiefel wird geputzt, abends wird ein Teller mit Keksen hingestellt, und am Morgen rennt dein Kind als Erstes zur Tür. Mit dem Schulalter kommen neue Fragen dazu: Was gehört in den Nikolausstiefel eines Neunjährigen? Was macht die Klasse am 6. Dezember? Warum hat mein Kind plötzlich Angst vor dem Krampus, den es letztes Jahr noch lustig fand? Und was sagen wir, wenn es fragt, ob der Nikolaus echt ist? Dieser Artikel beantwortet diese Fragen und zeigt, wie der Brauch in den drei deutschsprachigen Ländern gelebt wird.
Was gehört in den Nikolausstiefel?
In den Stiefel gehört etwas zum Essen und eine Kleinigkeit zum Freuen, mehr nicht. Der Klassiker ist seit Generationen derselbe: Mandarinen oder Clementinen, Walnüsse und Erdnüsse in der Schale, ein Lebkuchen und ein Schokonikolaus. Dazu kommt ein kleines Geschenk, das dein Kind im Alltag braucht oder das zu seinem aktuellen Interesse passt. Als Orientierung reichen 5 bis 15 Euro oder Franken, inklusive Süßigkeiten.
Für Schulkinder zwischen 6 und 12 haben sich diese Kleinigkeiten bewährt:
- Zum Anziehen: bunte Socken, Handschuhe, eine Mütze mit Lieblingsmotiv. Das braucht dein Kind sowieso und freut sich trotzdem.
- Zum Lesen und Malen: ein Taschenbuch, ein Comic, ein Rätselheft, Stifte oder ein Notizbuch. Für Erstleser passt ein Buch mit großer Schrift, für Zwölfjährige der erste Band einer Reihe.
- Zum Spielen: ein Kartenspiel, ein Jojo, ein kleines Puzzle, eine Figur zur Sammlung.
- Zum Erleben: ein selbst gebastelter Gutschein für einen Kinoabend, einen Ausflug ins Schwimmbad oder eine Stunde Spiel mit Mama oder Papa, ohne Handy.
- Zum Selbermachen: eine Tüte Backmischung für Lebkuchen, ein kleines Bastelset oder Kakao mit Marshmallows für den Nachmittag.
Halte den Nikolaus bewusst kleiner als Weihnachten. Wenn am 6. Dezember schon das neue Videospiel oder das Tablet im Stiefel steckt, ist am Heiligen Abend kaum noch eine Steigerung möglich, und die Erwartungen steigen jedes Jahr. Das kleine Fest lebt von der Überraschung, nicht vom Wert. Wie du bei den großen Geschenken ein gutes Maß findest, liest du im Artikel Wie viele Weihnachtsgeschenke für Kinder sind genug?
Nikolaus, Nikolo, Samichlaus: Wie feiern Deutschland, Österreich und die Schweiz?
Der Brauch geht in allen drei Ländern auf dieselbe Person zurück: Nikolaus von Myra, Bischof in der heutigen Türkei im 4. Jahrhundert. Von ihm wird erzählt, dass er heimlich Gold in das Haus einer armen Familie warf, damit die drei Töchter heiraten konnten. Daraus entstand die Idee vom nächtlichen Schenken. Sein Gedenktag ist der 6. Dezember. Wie der Tag heute gefeiert wird, unterscheidet sich aber je nach Land spürbar:
- Deutschland: Die Kinder stellen am Abend des 5. Dezember geputzte Stiefel oder Schuhe vor die Tür. Der Nikolaus kommt in der Nacht, begleitet von Knecht Ruprecht, der in alten Geschichten die Rute trägt. In Bayern taucht statt Ruprecht oft der Krampus auf. Regional gibt es Nikolausbesuche daheim oder im Kindergarten, bei Schulkindern wird das seltener.
- Österreich: Hier heißt er meist Nikolo. Am 5. Dezember ist Krampustag, der 6. Dezember gehört dem Nikolo, der die Kinder lobt und Säckchen mit Nüssen, Mandarinen und Schokolade verteilt. In Salzburg, Tirol, Kärnten und der Steiermark gibt es Krampusläufe und Perchtenläufe mit geschnitzten Holzmasken, Fellen, Glocken und Fackeln. Das ist Brauchtum für Erwachsene und Jugendliche, nicht für Sechsjährige.
- Schweiz: Der Samichlaus kommt am 6. Dezember, oft mit einem Esel und mit dem Schmutzli, einem Gehilfen in braunem Kittel mit rußgeschwärztem Gesicht. In vielen Gemeinden besuchen Samichlaus-Vereine die Familien zu Hause oder laden in den Wald ein. Die Kinder sagen ein Sprüchli oder Värsli auf und bekommen dafür ein Säckli mit Nüssen, Mandarinen, Lebkuchen und Schokolade. Gebacken wird der Grittibänz, in Basel heißt er Grättimaa.
Und wo ist der Weihnachtsmann? Der ist eine andere Figur: eine Kunstfigur mit Zipfelmütze und Rauschebart, die im 19. Jahrhundert vor allem in den USA aus dem niederländischen Sinterklaas, also ebenfalls dem Nikolaus, entstand. Er bringt an Weihnachten Geschenke und hat mit dem 6. Dezember nichts zu tun. In Österreich und der Schweiz kommen die Geschenke am Heiligen Abend ohnehin vom Christkind. Wenn dein Kind die beiden verwechselt, hilft ein Blick auf die Kleidung: Bischofsmütze und Stab gehören zum Nikolaus, Zipfelmütze und Schlitten zum Weihnachtsmann.
Nikolaus in der Schule: Was Eltern beitragen können
In den meisten Grundschulen und vielen fünften und sechsten Klassen wird der 6. Dezember irgendwie begangen, vom Nikolausfrühstück bis zum Besuch eines verkleideten Vaters aus der Elternschaft. Wer das organisiert, ist in der Regel die Elternvertretung, also Elternbeirat, Klassenelternvertretung oder Elternrat, je nach Land. Wenn du mithelfen willst, frag früh, am besten schon im November. Typische Aufgaben sind:
- Säckchen packen: ein kleines Papiersäckchen pro Kind mit Mandarine, ein paar Nüssen, einem Lebkuchen und einem Schokonikolaus. Rechne mit 2 bis 4 Euro pro Kind und sammle das Geld vorher ein.
- Allergien abfragen: Nüsse, Milch, Gluten und Erdnüsse sind die häufigsten Auslöser. Die Lehrkraft weiß meist, welche Kinder betroffen sind. Pack für diese Kinder ein eigenes Säckchen, damit niemand vor der Klasse leer ausgeht.
- Nikolaus-Besuch organisieren: In der 1. und 2. Klasse kommt ein freundlicher Nikolaus mit Buch und ein paar Sätzen zu jedem Kind sehr gut an. Ab der 3. Klasse wissen viele Kinder, wer drunter steckt, dann wird der Besuch eher zur lustigen Nummer. Ab der 5. Klasse ersetzt ein gemeinsames Frühstück den Besuch meist besser.
- Kein Krampus, kein Ruprecht in der Klasse: Besprich mit der Lehrkraft, dass die Begleitfigur nicht auftaucht oder nur harmlos bleibt. Was bei einem Kind Gelächter auslöst, bringt ein anderes zum Weinen, und das vor allen Mitschülern.
Nicht jedes Kind feiert den Nikolaus. In vielen Klassen sitzen Kinder aus muslimischen, jüdischen oder konfessionslosen Familien, für die der Heilige nichts bedeutet. Eine gute Lösung ist, die Feier als Winterfrühstück mit Säckchen für alle zu gestalten, ohne dass ein Kind etwas aufsagen oder beten muss. Wie Eltern solche Situationen mit der Schule klären, steht im Artikel Kind feiert kein Weihnachten: So klappt es in der Schule.
Wenn dein Kind Angst vor Krampus oder Knecht Ruprecht hat
Angst vor dem Krampus ist bei Kindern zwischen 4 und 8 Jahren normal und kein Zeichen, dass dein Kind besonders ängstlich wäre. Eine zwei Meter große Gestalt mit Fell, Hörnern, Kette und Rute ist genau das, was in diesem Alter als bedrohlich wahrgenommen wird, und Kinder können noch nicht sicher zwischen Verkleidung und Wirklichkeit trennen. Wichtig ist, was du daraus machst.
Die wichtigste Regel: Nutze den Nikolaus nie als Druckmittel. Sätze wie „Wenn du nicht aufräumst, kommt der Krampus“ oder „Der Nikolaus sieht alles und bringt dir dann nichts“ wirken kurzfristig, kosten aber Vertrauen. Dein Kind lernt dann, dass Zuwendung an Wohlverhalten gebunden ist und dass du bereit bist, ihm Angst zu machen, um dein Ziel zu erreichen. Das untergräbt genau das, was du im Alltag brauchst: dass dein Kind zu dir kommt, wenn etwas schiefläuft. Der Nikolaus darf loben, er darf Nüsse bringen, er darf lustig sein. Erziehung ist nicht sein Job.
Was im Alltag hilft, wenn die Angst da ist:
- Die Figur entzaubern: Zeig die Maske aus der Nähe oder ein Foto davon. Erklär, dass darunter ein Mensch steckt, oft ein Nachbar oder ein Jugendlicher aus dem Verein, der sich eine Stunde lang verkleidet.
- Krampusläufe meiden: Für Kinder unter etwa 8 Jahren sind Krampusläufe mit Dunkelheit, Fackeln, Lärm und Gedränge zu viel. Ihr verpasst nichts, wenn ihr erst in ein paar Jahren hingeht.
- Das Kind darf gehen: Beim Nikolausbesuch zu Hause, im Verein oder in der Schule gilt: Will dein Kind raus, geht es raus, ohne Diskussion. Sag das der Lehrkraft oder dem Nikolaus vorher.
- Vorher ansagen, wer kommt: Bei Samichlaus-Vereinen in der Schweiz kannst du oft bestellen, ob der Schmutzli mitkommt und ob er still bleibt. Nutze das.
- Die Angst ernst nehmen: „Du musst keine Angst haben“ hilft nicht. „Ich bleibe bei dir, und wenn du willst, gehen wir“ hilft.
Ab wann glaubt dein Kind nicht mehr an den Nikolaus?
Die meisten Kinder kommen zwischen 7 und 9 Jahren von selbst dahinter, oft ausgelöst durch ein älteres Kind auf dem Schulhof oder durch eine entdeckte Tüte Mandarinen im Schrank. Manche fragen direkt, andere beobachten erst lange und tun so, als wüssten sie nichts, weil sie den Zauber behalten wollen oder weil sie dich nicht enttäuschen möchten. Beides ist in Ordnung.
Wenn dein Kind ernsthaft fragt, antworte ehrlich. Eine gute Antwort hat zwei Teile. Erstens: Den Nikolaus gab es wirklich, ein Bischof, der vor sehr langer Zeit heimlich Menschen beschenkt hat. Zweitens: Heute führen die Eltern seinen Brauch weiter, weil es schön ist, andere zu überraschen. Jetzt gehört dein Kind zu denen, die das Geheimnis kennen. So verliert es keine Figur, sondern bekommt eine Rolle.
Weih dein Kind dann ein, wenn jüngere Geschwister da sind. Die meisten Acht- oder Neunjährigen sind stolz, wenn sie den Stiefel der kleinen Schwester mitfüllen dürfen, und halten dicht. Der Brauch selbst läuft weiter: Auch Zwölfjährige stellen gern den Stiefel raus, wenn klar ist, dass es dabei um Zuwendung geht und nicht um Glauben. Mehr dazu, wie du diese Gespräche führst, liest du im Artikel Kind glaubt nicht mehr ans Christkind: Was Eltern jetzt tun können.
Nikolaus ohne Religion feiern: Geht das?
Ja, und viele Familien tun das längst, ohne es so zu nennen. Der Nikolaus ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz mehr Familienbrauch als Kirchenfest. Du brauchst dafür weder einen Gottesdienst noch den Glauben an einen Heiligen. Was bleibt, ist die Idee, die hinter der Figur steht: Jemand gibt etwas, ohne dass er dafür gesehen werden will.
So kann ein Nikolaus ohne religiösen Bezug aussehen:
- Stiefel trotzdem: Das Ritual mit dem geputzten Stiefel vor der Tür funktioniert unabhängig vom Glauben. Es ist das Warten, das Kinder lieben.
- Die Geschichte vom Teilen erzählen: Die Legende vom Bischof, der heimlich Gold in ein Haus wirft, ist eine Geschichte über Großzügigkeit. Du kannst sie als Geschichte erzählen, so wie andere Sagen auch.
- Selbst heimlich schenken: Füllt zusammen ein Säckchen für die Nachbarin, die Oma oder ein Kind aus der Klasse und stellt es unbemerkt vor die Tür. Das ist der Kern des Brauchs, und Kinder lieben den Nervenkitzel.
- Lichterabend: Am 5. Dezember Kerzen anzünden, Grittibänz oder Lebkuchen backen, vorlesen. Der dunkle Dezember gibt dem Brauch seinen Rahmen, nicht der Kalender der Kirche.
Wenn dein Kind in der Schule gefragt wird, warum ihr nicht in die Kirche geht, reicht ein Satz: „Wir feiern den Nikolaus zu Hause mit Stiefel und Mandarinen, in die Kirche gehen wir nicht.“ Mehr muss es nicht erklären. Und damit der ganze Dezember nicht zu einem Marathon aus Terminen wird, findest du im Artikel Adventszeit ohne Stress: Tipps für Familien mit Schulkindern Ideen, wie ihr die Wochen vor Weihnachten entspannt plant.
Wenn du Nikolaussäckchen für die ganze Klasse packst: Frag die Lehrkraft vorher nach Allergien, vor allem gegen Nüsse, Erdnüsse, Milch und Gluten, und pack für betroffene Kinder ein eigenes Säckchen mit sicherem Inhalt. Für Kinder unter 6 Jahren, etwa Geschwister, die beim Fest dabei sind, verzichte auf ganze Nüsse, harte Bonbons und Spielzeug mit Kleinteilen, daran kann man sich verschlucken. Und bitte den Nikolaus, keine Namen zu nennen, wenn es um Verhalten geht: Lob für alle, Tadel für niemanden.
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Häufige Fragen
Was kommt in den Nikolausstiefel?
Klassisch sind Mandarinen, Nüsse, Lebkuchen und ein Schokonikolaus. Dazu passt eine Kleinigkeit, die dein Kind im Alltag braucht oder mag: bunte Socken, ein Buch, Stifte, ein Kartenspiel oder eine Haarspange. Bei Schulkindern funktionieren auch Gutscheine für gemeinsame Zeit gut, etwa ein Abend mit Lieblingsfilm. Der Stiefel soll gefüllt aussehen, nicht überquellen.
Wie viel darf das Nikolausgeschenk kosten?
Als Orientierung reichen 5 bis 15 Euro oder Franken pro Kind, inklusive Süßigkeiten und Obst. Der Nikolaus ist das kleine Fest vor Weihnachten. Wenn schon am 6. Dezember ein großes Geschenk kommt, verliert der Heilige Abend an Zauber und die Erwartungen steigen jedes Jahr. Bei Geschwistern lohnt es sich, ungefähr gleich viel auszugeben, damit kein Vergleich entsteht.
Was ist der Unterschied zwischen Nikolaus und Weihnachtsmann?
Der Nikolaus geht auf Bischof Nikolaus von Myra zurück, der im 4. Jahrhundert in der heutigen Türkei lebte. Er trägt Bischofsmütze, Stab und rotes Gewand und kommt am 6. Dezember. Der Weihnachtsmann ist eine jüngere Kunstfigur mit Zipfelmütze und Rauschebart, die im 19. Jahrhundert vor allem in den USA aus dem Nikolaus entstand und an Weihnachten Geschenke bringt.
Darf ich mein Kind vom Krampuslauf fernhalten?
Ja, und bei Kindern unter etwa 8 Jahren ist das meist die bessere Entscheidung. Krampusläufe sind laut, dunkel, mit Fackeln, Ketten und Masken, und die Figuren gehen oft nah ans Publikum. Viele Kinder finden das erst ab dem Grundschulalter spannend statt furchteinflößend. Wenn ihr hingeht, bleibt am Rand, haltet die Hand und geht sofort, wenn dein Kind das möchte.
Ab wann sagen wir, dass es den Nikolaus nicht gibt?
Du musst es nicht von dir aus ansprechen. Die meisten Kinder kommen zwischen 7 und 9 Jahren von selbst dahinter und fragen dann direkt. Antworte dann ehrlich: Den heiligen Nikolaus gab es wirklich, heute führen die Eltern seinen Brauch weiter. Die meisten Kinder sind stolz, eingeweiht zu sein, und füllen den Stiefel für jüngere Geschwister gern mit.
Was ist ein Grittibänz?
Ein Grittibänz ist ein Männchen aus Hefeteig mit Rosinenaugen, das in der Deutschschweiz zum Samichlaus-Tag am 6. Dezember gebacken wird. In Basel heißt es Grättimaa, in Deutschland Weckmann oder Stutenkerl. Der Name kommt vom Mundartwort für breitbeinig stehen. Backen kann man ihn mit Kindern gut selbst, der Teig ist ein einfacher süßer Hefeteig.