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LRS beim Kind: Anzeichen, Diagnose und was jetzt hilft

LRS steht für Lese-Rechtschreib-Schwäche. Dein Kind tut sich mit Lesen und Schreiben dauerhaft schwer, obwohl es sonst gut lernt. Legasthenie ist die ausgeprägte, fachlich diagnostizierte Form. Die Abklärung läuft über Kinder- und Jugendpsychiatrie, Sozialpädiatrisches Zentrum oder Schulpsychologie. In der Schule kannst du einen Nachteilsausgleich beantragen.

Dein Kind liest stockend, rät beim Vorlesen Wörter und schreibt dasselbe Wort im Diktat auf drei Arten. Es übt, und es wird nicht besser. Dann liegt die Frage nahe, ob es an LRS liegt. Dieser Ratgeber erklärt, woran du es erkennst, wie die Abklärung läuft und welche Hilfe es in der Schule und zu Hause gibt.

LRS und Legasthenie: der Unterschied

LRS ist der gängige Sammelbegriff für anhaltende Schwierigkeiten beim Lesen und Rechtschreiben. Legasthenie meint die ausgeprägte Lese-Rechtschreib-Störung, die ärztlich oder psychologisch festgestellt wird. In der Schule und im Alltag benutzen viele beide Wörter für dasselbe. Für die Hilfe zählt am Ende, was dein Kind braucht, und weniger, wie das Etikett lautet.

Mit Intelligenz hat das nichts zu tun. Viele Kinder mit LRS sind in anderen Fächern stark. Das macht es für sie oft schwerer, weil sie merken, dass sie es eigentlich besser können.

Woran du LRS erkennst

  • Erste und zweite Klasse. Dein Kind lernt Buchstaben und ihre Laute nur mühsam, verwechselt ähnliche Buchstaben wie b und d, liest Wort für Wort und erkennt Wörter nicht wieder, die es gestern gelesen hat.
  • Dritte und vierte Klasse. Es liest langsam und mit vielen Fehlern, vermeidet Vorlesen und schreibt Wörter jedes Mal anders. Buchstaben fehlen, werden vertauscht oder dazugedichtet.
  • Weiterführende Schule. Lesen kostet viel Kraft, Texte werden überflogen, Aufsätze fallen kurz aus, die Rechtschreibung bleibt auffällig, auch in anderen Fächern.
  • Im Gefühl. Dein Kind klagt über Bauchweh vor dem Diktat, sagt „Ich bin dumm“ oder will nicht mehr in die Schule. Das sind oft die ersten Signale, die Eltern bemerken.

Einzelne Fehler im Diktat sind in den ersten Schuljahren normal. Auffällig wird es, wenn die Schwierigkeiten über Monate bleiben und trotz Üben kaum besser werden.

Wie die Diagnose abläuft

Der erste Schritt ist das Gespräch mit der Klassenlehrerin. Viele Schulen testen selbst, etwa mit einem Rechtschreibtest oder einer Beobachtung über mehrere Wochen. Für eine feste Diagnose gibt es mehrere Wege:

  • Eine Kinder- und Jugendpsychiaterin oder ein Kinder- und Jugendpsychiater. Dort wird auch geprüft, ob eine weitere Störung vorliegt, etwa ADHS oder Ängste.
  • Ein Sozialpädiatrisches Zentrum (SPZ), das Kinder fächerübergreifend untersucht.
  • Der Schulpsychologische Dienst, der oft kostenlos testet und Gutachten für die Schule schreibt.
  • Eine Praxis für Psychologie oder Lerntherapie. Hier zahlst du die Testung in der Regel selbst.

Die Diagnostik bei Kinder- und Jugendpsychiatrie oder im SPZ übernimmt in der Regel die Krankenkasse. Eine zusätzliche Bescheinigung oder ein Gutachten nur für die Schule kann Kosten verursachen, die die Kasse nicht trägt. Frag bei der Terminvergabe, was gezahlt wird. Die Wartezeit auf einen Termin ist oft lang, also melde dein Kind früh an.

Was die Schule tun kann

Eine Diagnose ist Voraussetzung für die meisten Schutzmaßnahmen. Die wichtigste ist der Nachteilsausgleich: mehr Zeit im Diktat, ein Laptop für Aufsätze oder eine Aufgabe in größerer Schrift. Wie du ihn beantragst und was im Antrag stehen sollte, steht im Ratgeber zum Nachteilsausgleich. Daneben gibt es je nach Land Förderunterricht, Lese- und Rechtschreibkurse oder, unter engeren Voraussetzungen, Notenschutz, bei dem die Rechtschreibung nicht in die Note eingeht.

Antrag auf Nachteilsausgleich mit dem Schreib-Helfer entwerfen

Beschreib kurz, wo dein Kind beim Lesen und Schreiben Nachteile hat. Der Schreib-Helfer macht daraus den Entwurf für deinen Antrag an die Schule. Du prüfst und änderst ihn und schickst ihn selbst ab.

Antrag an die Schule schreiben

Wenn die Schule nicht reicht: Lerntherapie

Wenn der Förderunterricht nicht ausreicht, kann eine Lerntherapie helfen. Sie arbeitet gezielt an den Grundlagen von Lesen und Schreiben. Wer sie bezahlt und wie du beim Jugendamt eine Kostenübernahme beantragst, steht im Ratgeber zur Lerntherapie. Die Eingliederungshilfe nach § 35a SGB VIII kommt allerdings nur in Frage, wenn zur LRS eine seelische Störung kommt, die die Teilhabe beeinträchtigt, zum Beispiel Schulangst oder Rückzug.

Was zu Hause hilft

  • Täglich zehn bis fünfzehn Minuten gemeinsames Lesen, in einem Buch, das dein Kind selbst ausgesucht hat. Länger zu üben bringt wenig, wenn es danach den Spaß verliert.
  • Abwechselnd vorlesen: Du liest eine Seite, dein Kind die nächste. Das nimmt den Druck.
  • Hörbücher zusätzlich zum Lesen, damit Wissen und Wortschatz nicht an der Lesehürde hängen bleiben.
  • Diktate lieber kurz üben und mit dem Fehler arbeiten, nicht mit dem Rotstift. Konkrete Tipps findest du im Ratgeber zum Üben mit dem Kind.
  • Anstrengung loben. Der Satz „Du hast heute drei Seiten gelesen“ trägt mehr als „Das wird schon“.

Und mach klar, dass die Schwierigkeit nichts über die Fähigkeiten deines Kindes sagt. Das ist für viele Kinder die wichtigste Hilfe.

Wenn dein Kind unter Druck leidet, Bauchweh bekommt oder die Schule verweigert, sprich mit der Kinderärztin oder einer Beratungsstelle. Kostenlose Beratung gibt das Elterntelefon der Nummer gegen Kummer unter 0800 111 0 550.

Kinwords-Ratgeber für Eltern. Der Text beschreibt die Lage in Deutschland, Stand Oktober 2026, und ersetzt keine ärztliche oder rechtliche Beratung.

Quellen

Weiterlesen

Häufige Fragen

Ist LRS dasselbe wie Legasthenie?

Im Alltag werden beide Wörter oft gleich benutzt. Fachlich ist LRS der Sammelbegriff für anhaltende Schwierigkeiten beim Lesen und Rechtschreiben, Legasthenie die ausgeprägte, diagnostizierte Form. Für die Hilfe in der Schule macht der Unterschied meist wenig aus.

Ab welchem Alter lässt sich LRS feststellen?

Erste Hinweise zeigen sich oft Ende der ersten Klasse. Eine feste Diagnose wird meist ab der zweiten Klasse gestellt, wenn das Kind genug Schulerfahrung im Lesen und Schreiben hat. Lass auffällige Probleme früh abklären, statt bis zur dritten Klasse zu warten.

Verwächst sich LRS?

Nein. Mit guter Förderung lernen Kinder, mit der Schwierigkeit umzugehen, und ihre Leistungen werden besser. Die Veranlagung bleibt aber bestehen. Deshalb sind Nachteilsausgleich und passende Hilfsmittel auch später wichtig.

Wer zahlt die Diagnose?

Die Diagnostik bei Kinder- und Jugendpsychiatrie oder im Sozialpädiatrischen Zentrum zahlt in der Regel die Krankenkasse. Der Schulpsychologische Dienst testet meist kostenlos. Private Testungen bezahlst du in der Regel selbst.

Muss die Schule einen Nachteilsausgleich gewähren?

Ob und wie, regelt das jeweilige Bundesland. Die meisten Länder sehen ihn bei nachgewiesener LRS vor. Frag die Schulleitung nach der Regelung in deinem Land und stell den Antrag schriftlich.

Gilt das auch in Österreich und der Schweiz?

Der Ratgeber beschreibt Deutschland. In Österreich und der Schweiz gelten andere Zuständigkeiten, Wege und Namen. Frag bei der Schulleitung oder der Schulbehörde nach.

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