Von der Kinwords Redaktion
Gesundheit8 Min. LesezeitKinwords Redaktion

FSME-Impfung beim Kind: Ab wann, wie oft und wann starten?

Kurz gesagt: Kinder können ab dem 1. Geburtstag gegen FSME geimpft werden. Für den vollen Schutz braucht es drei Impfungen, nach der zweiten ist dein Kind für die laufende Saison schon gut geschützt. Starte deshalb im Winter oder frühen Frühjahr, bevor die Zecken aktiv werden. In Deutschland wird die Impfung vor allem in Risikogebieten empfohlen, etwa in Bayern und Baden-Württemberg. In Österreich ist praktisch das ganze Land betroffen, in der Schweiz fast das ganze Land. Gegen Borreliose schützt die Impfung nicht, das Absuchen nach Zecken bleibt also Pflicht. Ob und ab wann die Impfung für dein Kind sinnvoll ist, besprichst du am besten mit dem Kinderarzt.

Beim Kinderarzt hängt im Januar ein Plakat mit einer vergrößerten Zecke. Dein Sohn ist vier, ihr wohnt am Rand von Freiburg, und im Sommer verbringt er halbe Tage im Garten und im Wald hinter der Kita. Die Ärztin fragt: „Sollen wir mit FSME anfangen?“ Und du merkst, dass du gar nicht genau weißt, was diese Impfung eigentlich abdeckt, wie oft gespritzt wird und ob das in seinem Alter schon nötig ist.

Hier findest du die Antworten, die du für diese Entscheidung brauchst. Die Empfehlung im Einzelfall gibt dir der Kinderarzt, denn sie hängt vom Wohnort, vom Alltag deines Kindes und von euren Urlaubsplänen ab.

Was ist FSME, und wie gefährlich ist sie für Kinder?

FSME steht für Frühsommer-Meningoenzephalitis. Das ist eine Virusinfektion, die Zecken beim Stich übertragen können. Nur ein kleiner Teil der Zecken trägt das Virus, und nicht jeder Stich einer infizierten Zecke führt zur Erkrankung. Viele Infektionen verlaufen unbemerkt oder wie eine leichte Grippe.

Bei einem Teil der Erkrankten kommt aber nach ein paar beschwerdefreien Tagen eine zweite Phase: hohes Fieber, starke Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, manchmal Lähmungen oder Krampfanfälle. Dann sind Hirnhaut oder Gehirn entzündet. Bei Kindern verläuft FSME im Schnitt milder als bei Erwachsenen. Schwere Verläufe mit bleibenden Folgen kommen aber auch bei ihnen vor. Ein Medikament gegen das Virus selbst gibt es nicht, behandelt werden nur die Beschwerden. Genau deshalb setzt man auf Vorbeugung.

Ab welchem Alter dein Kind geimpft werden kann

Für Kinder gibt es eigene FSME-Impfstoffe mit geringerer Dosis. Sie sind ab dem vollendeten 1. Lebensjahr zugelassen. Ab etwa 12 bis 16 Jahren, je nach Präparat, wechselt man auf den Erwachsenenimpfstoff.

Zugelassen heißt aber nicht, dass jedes Kleinkind sofort geimpft werden muss. Die Empfehlungen unterscheiden sich je nach Land:

  • Deutschland: Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Impfung für Menschen, die in FSME-Risikogebieten wohnen oder sich dort aufhalten und Kontakt zu Zecken haben könnten. Das schließt Kinder ein. Wann ihr mit einem Kleinkind startet, entscheidet ihr zusammen mit dem Kinderarzt.
  • Österreich: Hier ist die Impfung Teil des Impfplans und wird für alle ab dem 1. Geburtstag empfohlen. Die Impfrate ist im europäischen Vergleich sehr hoch.
  • Schweiz: Das Bundesamt für Gesundheit empfiehlt die Impfung allen, die in Risikogebieten wohnen oder sich dort aufhalten, für Kinder in der Regel ab etwa 6 Jahren. Bei jüngeren Kindern sind schwere Verläufe selten, deshalb wird dort im Einzelfall entschieden. Frag deinen Kinderarzt, was er für dein Kind und euren Kanton rät.

Das Impfschema: drei Dosen, dann Auffrischen

Die Grundimmunisierung besteht aus drei Impfungen. Beim normalen Schema sieht das so aus:

  • 1. Impfung: am besten im Winter.
  • 2. Impfung: ein bis drei Monate später. Etwa zwei Wochen danach ist dein Kind für diese Saison schon gut geschützt.
  • 3. Impfung: je nach Impfstoff fünf bis zwölf Monate nach der zweiten. Sie sorgt dafür, dass der Schutz für mehrere Jahre hält.

Die erste Auffrischung ist in Deutschland und Österreich nach drei Jahren fällig, danach bei Kindern meist alle fünf Jahre. In der Schweiz empfiehlt das Bundesamt für Gesundheit längere Abstände von etwa zehn Jahren. Am einfachsten ist es, wenn du dir die Termine direkt im Impfpass notierst oder im Handy eine Erinnerung setzt, denn drei Jahre vergehen schnell.

Ist eine Auffrischung überfällig, muss nicht von vorn begonnen werden. In der Regel reicht eine einzelne Impfung, um den Schutz wieder aufzubauen. Das klärt der Kinderarzt mit einem Blick in den Impfpass.

Spät dran? Das Schnellschema

Wenn euch im Mai einfällt, dass im Juli ein Zelturlaub in Kärnten ansteht, gibt es Schnellschemata. Je nach Impfstoff wird die zweite Dosis schon nach 14 Tagen gegeben, oder es gibt drei Impfungen innerhalb von drei Wochen. Ein ausreichender Schutz baut sich so innerhalb weniger Wochen auf. Welches Schema für welchen Impfstoff gilt, weiß die Praxis. Die Grundimmunisierung muss danach trotzdem vollständig abgeschlossen werden.

Wann starten? Winter ist ideal

Zecken werden aktiv, sobald es mehrere Tage über etwa 7 bis 8 Grad hat. In milden Jahren ist das schon im März der Fall, die Saison reicht oft bis in den Oktober oder November. Wenn die ersten beiden Impfungen im Januar und Februar gegeben werden, ist dein Kind beim ersten Ausflug in den Frühlingswald schon geschützt.

Ein praktischer Tipp: Viele Eltern verbinden die erste FSME-Impfung mit einem Vorsorgetermin, der ohnehin ansteht. Frag bei der Terminvereinbarung, ob die Praxis den Impfstoff vorrätig hat oder ob du ihn vorher in der Apotheke holen sollst, das ist je nach Land und Praxis unterschiedlich.

Wo das Risiko besonders hoch ist

In Deutschland liegen die meisten Risikogebiete in Bayern und Baden-Württemberg. Dazu kommen Teile von Sachsen, Thüringen und Südhessen sowie einzelne Landkreise in anderen Bundesländern. Das Robert Koch-Institut veröffentlicht jedes Frühjahr eine aktualisierte Karte, auf der du nachsehen kannst, ob euer Landkreis dazugehört. Die Liste wächst seit Jahren, es lohnt sich also, jedes Jahr kurz draufzuschauen.

In Österreich gilt praktisch das ganze Bundesgebiet als Risikogebiet. Deshalb ist die Impfung dort für alle Kinder ab einem Jahr empfohlen.

In der Schweiz zählt fast das ganze Land zum Risikogebiet, mit Ausnahme der Kantone Genf und Tessin. Auch hier hilft ein Blick auf die aktuelle Karte des Bundesamts für Gesundheit, denn die Einteilung kann sich ändern.

Denk auch an Urlaube: Wohnt ihr in Hamburg, fahrt aber jeden Sommer in den Bayerischen Wald oder nach Tirol, kann die Impfung für dein Kind trotzdem sinnvoll sein.

Nebenwirkungen: was nach der Impfung normal ist

Die FSME-Impfung wird in der Regel gut vertragen. Typisch sind eine gerötete, leicht geschwollene oder schmerzende Einstichstelle sowie Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Quengeligkeit am Impftag.

Bei Kleinkindern zwischen einem und drei Jahren kommt nach der ersten Dosis relativ häufig Fieber dazu, meist innerhalb von ein bis zwei Tagen. Bei der zweiten und dritten Impfung ist das deutlich seltener. Plane deshalb für den Impftag und den Tag danach nichts Großes ein und halte ein fiebersenkendes Mittel in der richtigen Dosierung bereit, das dir der Kinderarzt empfiehlt. Melde dich in der Praxis, wenn das Fieber sehr hoch ist, länger als zwei Tage anhält oder dein Kind dir ungewöhnlich krank vorkommt.

Hat dein Kind Angst vor der Spritze, hilft es, ehrlich zu bleiben. Ein Satz wie „Es piekst kurz, dann ist es vorbei, und ich halte dich dabei fest“ ist besser als „Das tut gar nicht weh“. Mehr Ideen findest du im Ratgeber Kind hat Angst vor der Impfung: Was wirklich hilft.

Was die Impfung kostet

In Deutschland zahlen die gesetzlichen Krankenkassen die FSME-Impfung, wenn ihr in einem Risikogebiet wohnt. Für Reisen in Risikogebiete übernehmen viele Kassen die Kosten freiwillig, das ist aber keine Pflichtleistung. Ruf am besten vorher an oder schau auf der Website deiner Kasse nach.

In Österreich gibt es jedes Jahr von etwa Jänner bis August eine FSME-Impfaktion, bei der der Impfstoff in der Apotheke vergünstigt verkauft wird. Viele Krankenkassen geben zusätzlich einen Zuschuss, die Höhe hängt von der Kasse ab. Zur Impfung selbst kommt eventuell noch das Honorar beim Arzt.

In der Schweiz übernimmt die Grundversicherung die Kosten der empfohlenen Impfung. Franchise und Selbstbehalt gelten wie bei anderen Leistungen auch.

FSME und Borreliose: der wichtige Unterschied

Viele Eltern gehen davon aus, ihr Kind sei nach der „Zeckenimpfung“ vor allem geschützt, was Zecken übertragen. Das stimmt nicht. Die FSME-Impfung schützt nur vor dem FSME-Virus. Die Borreliose wird von Bakterien ausgelöst, kommt in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz vor und ist deutlich häufiger als FSME. Gegen Borreliose gibt es keine Impfung.

Die gute Nachricht: Borreliose lässt sich mit Antibiotika behandeln, wenn sie früh erkannt wird. Und die Bakterien wandern erst einige Stunden nach dem Stich aus der Zecke ins Blut. Wer sein Kind jeden Abend nach dem Draußenspielen absucht und Zecken schnell entfernt, senkt das Risiko deutlich. Achte besonders auf Kniekehlen, Leisten, Achseln, hinter den Ohren und am Haaransatz. Was du nach einem Stich tun solltest und woran du eine Wanderröte erkennst, steht im Ratgeber Zeckenstich beim Kind: Was sofort tun, Borreliose erkennen, wann zum Arzt.

Wann du nach einem Zeckenstich zum Arzt solltest: Bekommt dein Kind in den Wochen nach einem Stich Fieber, starke Kopfschmerzen, einen steifen Nacken, ist es auffällig schläfrig oder verwirrt, geh sofort zum Kinderarzt oder in die Notaufnahme. Das gilt auch für geimpfte Kinder, denn andere Erreger sind möglich. Breitet sich um die Einstichstelle ein roter Ring oder Fleck aus, lass das zeitnah in der Praxis anschauen. Außerhalb der Sprechzeiten erreichst du in Deutschland den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117, in Österreich die Gesundheitsberatung unter 1450. Im Notfall wählst du 112, in Österreich und der Schweiz 144.

Häufige Fragen

Ab welchem Alter kann mein Kind gegen FSME geimpft werden?

Die Kinderimpfstoffe gegen FSME sind ab dem vollendeten 1. Lebensjahr zugelassen. Ob eine Impfung so früh sinnvoll ist, hängt davon ab, wo ihr wohnt und wie viel dein Kind draußen unterwegs ist. In der Schweiz empfiehlt das Bundesamt für Gesundheit die Impfung in der Regel ab etwa 6 Jahren, für jüngere Kinder wird im Einzelfall entschieden. Besprich den passenden Zeitpunkt mit dem Kinderarzt.

Wie viele Spritzen braucht mein Kind für den FSME-Schutz?

Für die Grundimmunisierung sind drei Impfungen nötig. Die zweite folgt meist ein bis drei Monate nach der ersten, die dritte je nach Impfstoff fünf bis zwölf Monate nach der zweiten. Nach der zweiten Dosis besteht für die laufende Saison schon ein guter Schutz. Danach wird in Abständen aufgefrischt.

Wann ist der beste Zeitpunkt für die FSME-Impfung?

Am besten im Winter oder frühen Frühjahr, damit die ersten beiden Dosen vor der Zeckensaison gegeben sind. Zecken werden ab etwa 7 bis 8 Grad aktiv, in milden Jahren also schon im März. Wer spät dran ist, kann mit einem Schnellschema nachziehen.

Bekommt mein Kind nach der FSME-Impfung Fieber?

Das kann passieren, vor allem bei Kleinkindern nach der ersten Dosis. Das Fieber tritt meist innerhalb von ein bis zwei Tagen auf und geht dann wieder weg. Bei den weiteren Impfungen ist es deutlich seltener. Häufig sind auch eine gerötete, etwas schmerzhafte Einstichstelle und ein müdes, quengeliges Kind am Impftag.

Schützt die FSME-Impfung auch vor Borreliose?

Nein. Die FSME-Impfung schützt nur vor der FSME, einer Virusinfektion. Gegen Borreliose, die durch Bakterien ausgelöst wird und häufiger vorkommt, gibt es keine Impfung. Deshalb bleibt das abendliche Absuchen nach Zecken auch bei geimpften Kindern wichtig.

Wer zahlt die FSME-Impfung für Kinder?

In Deutschland übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten, wenn ihr in einem Risikogebiet wohnt. Viele Kassen zahlen auch für Urlaub in Risikogebieten, frag dafür vorher bei deiner Kasse nach. In Österreich gibt es jedes Jahr eine Impfaktion mit vergünstigtem Impfstoff in der Apotheke, manche Krankenkassen geben zusätzlich einen Zuschuss. In der Schweiz zahlt die Grundversicherung bei empfohlener Impfung, abzüglich Franchise und Selbstbehalt.

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