Gesundheit6 Min. LesezeitKinwords Redaktion

Zeckenstich beim Kind: Was sofort tun, Borreliose erkennen, wann zum Arzt

Kurz gesagt: Zecke so schnell wie möglich mit einer Pinzette oder Zeckenzange entfernen, nicht drehen, nicht quetschen. Einstichstelle mit Datum markieren oder fotografieren. In den nächsten 4 Wochen auf Wanderröte beobachten. Zum Arzt, wenn eine kreisrunde Rötung erscheint, das Kind Fieber bekommt oder sich schlechter fühlt.

Zecke entfernen: Schritt für Schritt

Das Wichtigste zuerst: Je länger eine Zecke saugt, desto größer das Übertragungsrisiko für Krankheitserreger. Entferne die Zecke also sobald du sie bemerkst, auch wenn du gerade kein Spezialwerkzeug zur Hand hast.

  • Greif mit einer Pinzette oder Zeckenzange so nah wie möglich an der Haut an, direkt am Zeckenkopf.
  • Zieh gleichmäßig und gerade nach oben, ohne zu drehen. Die verbreitete Empfehlung, Zecken herauszudrehen, ist veraltet und kann das Mundwerkzeug brechen lassen.
  • Nicht quetschen: Wenn du den Körper der Zecke drückst, können Speichelflüssigkeit oder Mageninhalt in die Wunde gepresst werden.
  • Kein Öl, keine Nagellackentfernerin, keine Haushaltstricks: Alles, was die Zecke erstickt oder reizt, kann dazu führen, dass sie sich erbricht und dabei Erreger überträgt.
  • Nach dem Entfernen: Hände waschen, Einstichstelle mit Desinfektionsmittel oder Wundbenzin reinigen.

Danach: Beobachten statt vergessen

Die häufigste Empfehlung von Ärzten lautet: Datum und Stelle notieren, dann abwarten und beobachten. Ein paar Dinge helfen dabei.

  • Fotografiere die Einstichstelle direkt nach dem Entfernen. So siehst du später, ob und wie sie sich verändert.
  • Schreib das Datum auf: Wanderröte und andere Symptome können bis zu 4 Wochen nach dem Stich auftreten.
  • Wenn die Stelle sofort stark rot und warm wird, kann das auch eine normale Hautirritation sein. Eine normale Reaktion bleibt auf die unmittelbare Umgebung begrenzt und geht innerhalb einiger Tage zurück.

Das ist ein Zeichen, sofort zum Arzt zu gehen

Eine Wanderröte sieht aus wie ein wachsender roter Ring um die Einstichstelle, oft mit heller Mitte. Sie erscheint frühestens 3 Tage nach dem Stich, häufig erst nach 1 bis 4 Wochen. Auch ohne Wanderröte: Wenn dein Kind in den Wochen nach dem Stich Fieber, Gelenkschmerzen, Müdigkeit oder Kopfschmerzen entwickelt, gehört das zum Arzt. Nenn dabei unbedingt den Zeckenstich.

Borreliose: Was Eltern wissen müssen

Borreliose ist die häufigste durch Zecken übertragene Krankheit in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Sie ist durch Antibiotika gut behandelbar, besonders wenn sie früh erkannt wird.

  • Nicht jede Zecke trägt Borrelien. Je nach Region sind 5 bis 35 Prozent der Zecken infiziert, aber selbst ein infizierter Stich führt nicht immer zu einer Erkrankung.
  • Frühzeichen: Wanderröte (ausbreitende Ringröte), Fieber, Abgeschlagenheit, manchmal grippeähnliche Symptome, in manchen Fällen auch Gelenk- oder Muskelschmerzen.
  • Diagnose: Über einen Bluttest. Achtung: In den ersten Wochen nach dem Stich kann der Test noch negativ sein, auch wenn eine Infektion vorliegt. Die Wanderröte allein reicht als Diagnosekriterium aus.
  • Behandlung: Antibiotika, in der Regel gut verträglich für Kinder. Die Behandlungsdauer hängt davon ab, wie früh die Diagnose gestellt wird.

FSME: Wenn ein Impfschutz sinnvoll ist

FSME (Frühsommermeningoenzephalitis) ist eine Hirnhautentzündung, die ebenfalls von Zecken übertragen werden kann, aber nur in bestimmten Risikogebieten. Gegen Borreliose gibt es keinen Impfschutz, gegen FSME schon.

Risikogebiete in Deutschland sind vor allem Bayern und Baden-Württemberg, in Österreich weite Teile des Landes, in der Schweiz ebenfalls bestimmte Kantone. Die aktuellen Karten werden vom Robert Koch-Institut jährlich aktualisiert.

Die FSME-Impfung ist für Kinder ab 1 Jahr zugelassen und wird von der STIKO für Personen in Risikogebieten empfohlen. Sie schützt zuverlässig, wenn der vollständige Impfschutz besteht. Ein Stich allein aktiviert keinen Schutz mehr, deshalb: vor dem Zeckensaison impfen, nicht danach.

Zecken vorbeugen: Was praktisch funktioniert

  • Lange Kleidung im Wald und auf Wiesen, Hosenbeine in Socken stecken. Klingt uncool, funktioniert.
  • Zeckenspray auf freie Hautstellen auftragen. Produkte mit dem Wirkstoff DEET oder Icaridin sind wirksam, Icaridin ist für Kinder besser verträglich.
  • Nach dem Draußensein systematisch absuchen: Kniekehlen, Leiste, Bauch, Achseln, Nacken, hinter den Ohren und im Haar. Zecken sind oft winzig und werden leicht übersehen.
  • Kinder können das Absuchen ab einem bestimmten Alter selbst lernen. Es als feste Routine nach dem Wald etablieren hilft.

Kinwords-Ratgeber für Eltern in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Dieser Text ersetzt keine ärztliche Beratung.

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Häufige Fragen

Wie lange muss die Zecke gesessen haben, damit Borreliose übertragen wird?

Die Borreliose-Übertragung braucht Zeit: In den ersten 12 Stunden ist das Risiko sehr gering, nach 24 Stunden steigt es. Das bedeutet: Je schneller du die Zecke entfernst, desto besser. Die genaue Übertragungszeit variiert aber, deshalb lohnt sich auch bei kürzerer Anheftdauer eine Beobachtung der Einstichstelle in den nächsten Wochen.

Was tue ich, wenn der Zeckenkopf stecken bleibt?

Wenn beim Entfernen der Zeckenkopf oder Teile des Mundwerkzeugs stecken bleiben, nicht in Panik geraten. Der verbleibende Teil überträgt keine weiteren Erreger. Der Körper stößt ihn meistens von selbst ab. Du kannst es mit einer Pinzette versuchen, wie bei einem Splitter. Falls die Stelle sich stark entzündet oder nach ein paar Tagen nicht besser wird, lohnt sich ein Besuch beim Kinderarzt.

Wie erkenne ich eine Wanderröte (Borreliosesignal)?

Die Wanderröte ist eine kreisrunde Rötung, die sich vom Einstich nach außen ausbreitet und in der Mitte oft heller wird, wie eine Zielscheibe. Sie tritt frühestens 3 Tage, oft erst 2 bis 4 Wochen nach dem Stich auf und wächst täglich. Sie juckt normalerweise nicht. Wenn du so eine Rötung siehst, sofort zum Arzt, auch wenn dein Kind sich gut fühlt. Das ist das eindeutigste Frühzeichen einer Borreliose-Infektion.

Muss mein Kind nach einem Zeckenstich zur FSME-Impfung?

Das kommt auf die Region und den Impfstatus an. FSME (Frühsommermeningoenzephalitis, eine Hirnhautentzündung) wird durch Zecken in bestimmten Risikogebieten übertragen, vor allem in Bayern, Baden-Württemberg und Teilen Österreichs. Ist dein Kind nicht geimpft und war in einem Risikogebiet, sprich mit dem Kinderarzt über eine FSME-Impfung. Nach einem Stich kann keine Notfallimpfung mehr gegen FSME schützen, aber der Arzt kann Symptome im Blick behalten.

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