Fieberkrampf beim Kind: Was tun im Ernstfall?
Fieberkrampf beim Kind: Was du in den ersten Minuten tust, wann du 112 oder 144 wählst, ob er wiederkommt und wann dein Kind zurück in Kita oder Schule kann.
Kurz gesagt: Bei einem Fieberkrampf beim Kind gilt: ruhig bleiben, auf die Uhr schauen, dein Kind auf eine weiche Unterlage legen und Gegenstände wegräumen, an denen es sich stoßen kann. Halte es nicht fest und steck ihm nichts in den Mund. Sobald die Zuckungen aufhören, bringst du es in die stabile Seitenlage. Beim ersten Fieberkrampf, bei einem Krampf über fünf Minuten, bei Atemproblemen oder wenn dein Kind danach nicht richtig wach wird, wählst du 112 in Deutschland oder 144 in Österreich und der Schweiz.
Eben hatte dein Kind noch Fieber und lag müde auf dem Sofa. Plötzlich verdreht es die Augen, wird steif, zuckt mit Armen und Beinen und reagiert nicht mehr. Viele Eltern beschreiben diesen Moment später als den schlimmsten ihres Lebens, manche dachten, ihr Kind stirbt. Die gute Nachricht vorweg: Ein Fieberkrampf sieht dramatisch aus, verläuft aber fast immer harmlos und hört nach wenigen Minuten von selbst auf. Dieser Ratgeber erklärt dir, was du im Moment tust, wann du den Notruf wählst, was danach passiert und wie es mit Kita und Schule weitergeht.
Was ist ein Fieberkrampf?
Ein Fieberkrampf ist ein Krampfanfall, der bei Fieber auftritt, ohne dass eine Entzündung des Gehirns oder eine andere Ursache im Gehirn dahintersteckt. Das noch unreife Gehirn kleiner Kinder reagiert empfindlich auf einen schnellen Temperaturanstieg. Oft kommt der Krampf ganz am Anfang eines Infekts, manchmal bevor du überhaupt gemerkt hast, dass dein Kind Fieber hat.
Fieberkrämpfe sind häufig. Etwa zwei bis fünf von hundert Kindern haben mindestens einen. Betroffen sind meist Kinder zwischen sechs Monaten und fünf Jahren, am häufigsten im zweiten Lebensjahr. Nach dem sechsten Geburtstag sind Fieberkrämpfe selten. Auslöser sind meist ganz gewöhnliche Infekte wie Erkältung, Mittelohrentzündung, Magen-Darm-Infekt oder das Drei-Tage-Fieber.
Ärztinnen und Ärzte unterscheiden zwei Formen. Der einfache Fieberkrampf dauert weniger als 15 Minuten, betrifft den ganzen Körper und kommt innerhalb von 24 Stunden nur einmal vor. So verlaufen die allermeisten. Beim komplizierten Fieberkrampf dauert der Anfall länger, betrifft nur eine Körperseite oder wiederholt sich am selben Tag. Dann schaut die Ärztin oder der Arzt genauer hin.
Woran erkennst du einen Fieberkrampf?
Ein Fieberkrampf kann unterschiedlich aussehen. Typische Zeichen sind:
- dein Kind reagiert plötzlich nicht mehr, wenn du es ansprichst oder berührst
- die Augen sind verdreht oder starren ins Leere
- der Körper wird steif, danach zucken Arme und Beine rhythmisch
- manchmal wird das Kind auch ganz schlaff
- Lippen und Gesicht können kurz bläulich oder grau werden
- Speichel läuft aus dem Mund, manchmal geht Urin ab
Nicht jedes Zittern bei Fieber ist ein Krampf. Schüttelfrost bei steigendem Fieber sieht ähnlich aus, dabei bleibt dein Kind aber ansprechbar und schaut dich an. Bei einem Fieberkrampf ist es nicht erreichbar.
Fieberkrampf beim Kind: Was tun im Moment?
Du kannst einen Fieberkrampf nicht stoppen. Deine Aufgabe ist, dein Kind vor Verletzungen zu schützen und die Zeit im Blick zu behalten. So gehst du vor:
- Ruhig bleiben: Atme tief durch. Dein Kind spürt während des Krampfes keine Schmerzen und bekommt meist nichts davon mit.
- Zeit stoppen: Schau auf die Uhr oder starte die Stoppuhr am Handy. Ohne Uhr wirken zwei Minuten wie zwanzig, und die Dauer ist für die Ärztin oder den Arzt wichtig.
- Sicher hinlegen: Leg dein Kind auf den Boden oder eine weiche, flache Unterlage. Räum harte und spitze Gegenstände weg und leg etwas Weiches unter den Kopf.
- Nicht festhalten: Halte Arme und Beine nicht fest und schüttel dein Kind nicht. Das kann Verletzungen verursachen und verkürzt den Krampf nicht.
- Nichts in den Mund: Keine Finger, keinen Löffel, keinen Beißkeil, kein Getränk und keine Tablette. Dein Kind kann seine Zunge nicht verschlucken.
- Kleidung lockern: Öffne enge Kleidung am Hals.
- Wenn möglich filmen: Ist eine zweite Person da, kann sie ein kurzes Video machen. Das hilft der Ärztin oder dem Arzt bei der Einschätzung sehr.
- Notfallmedikament: Hat deine Kinderarztpraxis dir nach einem früheren Anfall ein Notfallmedikament verschrieben, gib es genau so, wie es dir erklärt wurde.
Kein kaltes Bad, keine kalten Wickel während des Krampfes. Fieber senken kannst du später, wenn dein Kind wieder wach ist und schlucken kann.
Wann wählst du 112 oder 144?
Wähle den Notruf, also 112 in Deutschland oder 144 in Österreich und der Schweiz, wenn:
- es der erste Fieberkrampf deines Kindes ist
- der Krampf länger als fünf Minuten dauert
- dein Kind nach dem Krampf schlecht atmet oder blau bleibt
- es nach dem Anfall nicht wieder richtig wach und ansprechbar wird
- ein neuer Krampf kommt, bevor es sich erholt hat
- nur eine Körperseite zuckt
- dein Kind jünger als sechs Monate ist
- es einen steifen Nacken hat, sehr krank wirkt, ständig erbricht oder punktförmige Flecken auf der Haut hat, die beim Draufdrücken nicht verschwinden
Hatte dein Kind schon früher Fieberkrämpfe, ist der Krampf kurz und erholt es sich gut, kann auch ein Anruf in der Kinderarztpraxis reichen. Außerhalb der Praxiszeiten erreichst du in Deutschland den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117 und in Österreich die Gesundheitshotline 1450. In der Schweiz hilfst du dir über deine Hausarztpraxis, die kantonale Notfallnummer oder die Kinder-Notfallstation. Im Zweifel gilt: lieber einmal zu oft den Notruf wählen.
Nach dem Krampf: Was passiert dann?
Wenn die Zuckungen aufhören, legst du dein Kind in die stabile Seitenlage. So kann Speichel oder Erbrochenes aus dem Mund laufen. Kontrolliere, ob es gleichmäßig atmet. Danach sind die meisten Kinder sehr müde, verwirrt oder weinerlich und schlafen ein. Dieser Nachschlaf ist normal. Bleib bei deinem Kind und schau, ob es sich wecken lässt.
Nach dem ersten Fieberkrampf untersucht die Ärztin oder der Arzt dein Kind gründlich. Vor allem geht es darum, die Ursache des Fiebers zu finden und eine Hirnhautentzündung auszuschließen. Manchmal bleibt ein Kind eine Nacht zur Beobachtung im Krankenhaus, besonders kleine Kinder oder nach einem komplizierten Anfall. Bei einem einfachen Fieberkrampf sind Untersuchungen wie ein EEG, also eine Messung der Hirnströme, meist nicht nötig. Wie du dein Kind auf einen Klinikaufenthalt vorbereitest, liest du im Ratgeber Kind auf das Krankenhaus vorbereiten.
Kommt ein Fieberkrampf wieder?
Bei etwa zwei von drei Kindern bleibt es bei einem einzigen Fieberkrampf. Etwa ein Drittel hat später noch einen, meist im ersten Jahr nach dem ersten Anfall. Das Risiko ist höher, wenn dein Kind beim ersten Krampf jünger als etwa anderthalb Jahre war, wenn Eltern oder Geschwister ebenfalls Fieberkrämpfe hatten oder wenn der Krampf schon bei mäßigem Fieber kam.
Viele Eltern hoffen, mit Fiebersaft oder Zäpfchen beim kleinsten Temperaturanstieg einen neuen Krampf zu verhindern. Leider funktioniert das nach heutigem Wissen nicht. Fiebersenkende Mittel helfen deinem Kind, sich besser zu fühlen, einen Krampf verhindern sie nicht zuverlässig. Du musst also nachts nicht ständig Fieber messen. Wann dein Kind mit Fieber zuhause bleibt, erklärt der Ratgeber Kind mit Fieber in die Schule schicken: Ab wann zu Hause bleiben?.
Mit dem Schulalter hören Fieberkrämpfe fast immer auf. Ein Fieberkrampf ist keine Epilepsie, und das Risiko für eine spätere Epilepsie ist nach einfachen Fieberkrämpfen nur leicht erhöht. Krampft ein Kind über sechs Jahren bei Fieber, oder krampft es ohne Fieber, lass das in der Kinderarztpraxis abklären.
Ältere Geschwister und Schulkinder
Oft ist ein älteres Geschwisterkind dabei, wenn das Kleine krampft. Für ein Schulkind ist das ein großer Schreck. Erklär ihm hinterher in einfachen Worten, was passiert ist: Das Gehirn des kleinen Bruders hat auf das Fieber reagiert, das sieht schlimm aus, tut aber nicht weh und geht vorbei. Sag deinem Kind auch, dass es alles richtig gemacht hat, egal ob es geweint, geholfen oder sich versteckt hat.
Grundschulkinder können lernen, im Notfall zu helfen: einen Erwachsenen holen, den Notruf wählen, die Adresse sagen. Das gibt ihnen Sicherheit statt Hilflosigkeit. Wie du das kindgerecht übst, zeigt der Ratgeber Erste Hilfe für Kinder erklärt. Hatte das ältere Kind selbst als Kleinkind Fieberkrämpfe, kannst du ihm erzählen, dass es heute längst darüber hinausgewachsen ist.
Kita und Schule nach einem Fieberkrampf
Der Fieberkrampf selbst ist kein Grund, länger zuhause zu bleiben. Dein Kind geht wieder in Kita oder Schule, wenn der Infekt überstanden ist. Viele Einrichtungen wünschen, dass ein Kind mindestens einen Tag fieberfrei ist. Ob ein Attest nötig ist, regelt die Einrichtung bzw. das Bundesland oder der Kanton.
- Informieren: Erzähl den Erzieherinnen oder der Lehrkraft vom Anfall. Dann reagieren sie ruhiger, falls es dort passiert.
- Notfallplan: Schreib auf einen Zettel, wie ein Anfall aussieht, was zu tun ist und unter welcher Nummer du erreichbar bist.
- Notfallmedikament: Hat dein Kind eines verschrieben bekommen, kläre, ob und wie das Personal es geben darf. Das regelt die Einrichtung bzw. das Bundesland oder der Kanton, oft braucht es eine schriftliche ärztliche Anweisung.
- Fieber melden lassen: Bitte darum, dass man dich sofort anruft, wenn dein Kind tagsüber warm oder auffällig müde wirkt.
Weitere Tipps zur Rückkehr nach einer Krankheit findest du im Ratgeber Kind krank: Wann zuhause bleiben, wann in die Schule?.
Die Angst danach
Viele Eltern schlafen nach einem Fieberkrampf wochenlang schlecht, horchen nachts ins Kinderzimmer und erschrecken bei jedem warmen Kinderkopf. Das ist eine ganz normale Reaktion auf ein beängstigendes Erlebnis. Es hilft, das Erlebte mit deiner Kinderärztin oder deinem Kinderarzt zu besprechen und konkrete Fragen zu stellen: Wie hoch ist das Risiko bei meinem Kind? Brauchen wir ein Notfallmedikament? Wann soll ich anrufen?
Ein Erste-Hilfe-Kurs am Kind, wie ihn Rettungsorganisationen anbieten, gibt vielen Eltern ihr Vertrauen zurück. Sprich auch mit deinem Partner, deiner Partnerin oder Freunden darüber. Lässt die Angst nach einigen Wochen nicht nach oder bestimmt sie deinen Alltag, hol dir Unterstützung, etwa in der Kinderarztpraxis oder bei einer Familienberatungsstelle. Dein Kind braucht keine Eltern ohne Angst, sondern Eltern, die wissen, was zu tun ist. Und das weißt du jetzt.
Hinweis: Dieser Ratgeber gibt allgemeine Informationen und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Beim ersten Fieberkrampf, bei einem Krampf über fünf Minuten, bei Atemproblemen oder wenn dein Kind danach nicht richtig wach wird, wähle sofort den Notruf: 112 in Deutschland, 144 in Österreich und der Schweiz. Außerhalb der Praxiszeiten hilft in Deutschland der Bereitschaftsdienst unter 116 117, in Österreich die Gesundheitshotline 1450, in der Schweiz deine Hausarztpraxis oder die kantonale Notfallnummer.
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Häufige Fragen
Wie lange dauert ein Fieberkrampf?
Die meisten Fieberkrämpfe dauern nur ein bis drei Minuten und hören von selbst auf. Für Eltern fühlt sich diese Zeit oft viel länger an, deshalb hilft es, auf die Uhr zu schauen. Dauert der Krampf länger als fünf Minuten, wählst du sofort den Notruf: 112 in Deutschland, 144 in Österreich und der Schweiz.
Kann ein Fieberkrampf das Gehirn schädigen?
Ein einfacher Fieberkrampf, der kürzer als 15 Minuten dauert, schädigt nach heutigem Wissen weder das Gehirn noch die Entwicklung oder die Intelligenz. Kinder nach einem Fieberkrampf lernen, spielen und entwickeln sich genauso wie andere Kinder. Sehr lange Krampfanfälle sind anders zu bewerten, deshalb wird ein Krampf über fünf Minuten ärztlich unterbrochen.
Kann ich einen Fieberkrampf mit Fiebersaft verhindern?
Leider nein. Studien zeigen, dass fiebersenkende Mittel einen erneuten Fieberkrampf nicht zuverlässig verhindern. Du kannst sie trotzdem geben, wenn dein Kind sich mit Fieber elend fühlt, damit es ihm besser geht. Wie und wann, besprichst du mit deiner Kinderarztpraxis. Mach dir keine Vorwürfe, wenn ein Krampf trotz Fiebermittel auftritt.
Wie hoch ist das Risiko, dass ein Fieberkrampf wiederkommt?
Etwa ein Drittel der Kinder hat irgendwann einen weiteren Fieberkrampf. Das Risiko ist höher, wenn dein Kind beim ersten Krampf jünger als etwa anderthalb Jahre war, wenn Eltern oder Geschwister ebenfalls Fieberkrämpfe hatten oder wenn der Krampf schon bei leichtem Fieber kam. Mit dem Schulalter hören Fieberkrämpfe fast immer auf.
Bekommt mein Kind nach einem Fieberkrampf Epilepsie?
Sehr wahrscheinlich nicht. Ein Fieberkrampf ist keine Epilepsie. Das Risiko, später eine Epilepsie zu entwickeln, ist nach einfachen Fieberkrämpfen nur leicht erhöht, die allermeisten Kinder bekommen nie wieder einen Krampfanfall ohne Fieber. Bei langen, einseitigen oder gehäuften Anfällen klärt die Kinderärztin oder der Kinderarzt genauer ab.
Darf mein Kind nach einem Fieberkrampf in Kita oder Schule?
Ja, sobald es wieder gesund ist. Der Fieberkrampf selbst ist kein Grund, länger zuhause zu bleiben. Es gelten die üblichen Regeln bei Fieber, viele Einrichtungen wünschen etwa einen fieberfreien Tag. Informiere Kita oder Schule über den Anfall. Ob das Personal ein Notfallmedikament geben darf, regelt die Einrichtung bzw. das Bundesland oder der Kanton.