Mein Kind nervt mich: Ist das normal?
Du liebst dein Kind. Du wuerdest alles fuer es tun. Und gerade in diesem Moment nervt es dich so sehr, dass du am liebsten kurz in ein anderes Zimmer gaenge und die Tuer hinter dir schloessest.
Das sagen die wenigsten Eltern laut. Aber es kennen fast alle.
Warum das so selten ausgesprochen wird
Elternschaft ist mit einem bestimmten Bild verbunden: bedingungslose Liebe, unendliche Geduld, Freude auch in schwierigen Momenten. Wer das Bild nicht erfuellt, schoent lieber. Es ist gesellschaftlich kaum akzeptiert zu sagen: 'Mein Kind nervt mich gerade unglaublich.'
Das Schweigen darueber macht es schwerer, nicht leichter. Wer denkt, dass nur bei ihm dieses Gefuehl auftaucht, fuehlt sich als Ausnahme. Das ist kein gutes Gefuehl, wenn man schon genervt und erschoepft ist.
Was hinter dem Genervtsein steckt
Genervt sein ist meistens ein Zeichen, dass der eigene Tank leer ist. Kinder stellen hohe Anforderungen an Aufmerksamkeit, Geduld und emotionale Verfuegbarkeit. Wer selbst muede, gestresst oder ueberlastet ist, hat weniger von diesen Ressourcen. Dann wird genau das zum Problem, was zu anderen Zeiten kein Problem ist.
Das bedeutet: Wenn du von deinem Kind genervt bist, lohnt sich die Frage, wie es dir gerade geht. Nicht als Vorwurf, sondern als ehrliche Einschaetzung. Schlaefst du genug? Hast du Unterstuetzung? Hast du irgendwann Zeit fuer dich?
Was im Moment hilft
Wenn du merkst, dass du gerade von deinem Kind genervt bist und kurz davor bist, ungerecht zu reagieren: Lass kurz los, wenn es moeglich ist. Kueche, Balkon, eine Minute Abstand. Das ist keine Schwaeche. Das ist vernuenftig.
Kinder brauchen keine Eltern, die immer geduldig sind. Sie brauchen Eltern, die wissen, wann sie eine Pause brauchen und diese Pause nehmen.
Liebe und Moegen sind nicht dasselbe
Ein hilfreicher Gedanke: Liebe und Moegen sind zwei verschiedene Dinge. Liebe ist bestaendig. Moegen ist stimmungsabhaengig. Man kann jemanden sehr lieben und in einem bestimmten Moment nicht ausstehen koennen. Das gilt fuer Paarbeziehungen, fuer Freundschaften, und es gilt fuer Eltern und Kinder.
Das Gefuehl 'Ich mag meinen Kind gerade nicht' ist nicht dasselbe wie 'Ich liebe mein Kind nicht'. Und es ist kein Zeichen, schlechter Elternteil zu sein. Es ist ein Zeichen, dass du menschlich bist.
Wann es ein Zeichen fuer mehr sein kann
Wenn das Gefuehl, vom Kind genervt zu sein, ueberwiegt, also wenn es schwerer wird als die guten Momente, dann ist das ein Hinweis, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist. Das kann Erschoepfung sein, eine schwierige Phase in der Paarbeziehung, oder ein Signal, dass professionelle Unterstuetzung hilfreich waere.
Eine Familienberatung ist kein letzter Ausweg. Sie ist ein Gespraech mit jemandem, der Elternthemen kennt und hilft, Moeglichkeiten zu sehen, die man selbst gerade nicht sieht.
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Haeufige Fragen
Ist es normal, dass mich mein Kind manchmal nervt?
Ja. Vollkommen. Elternsein ist intensiv, und Kinder tun Dinge, die anstrengend sind: Sie wiederholen Fragen, sie quengeln, sie testen Grenzen, sie brauchen Aufmerksamkeit in Momenten, in denen man selbst gerade keine Kapazitaet hat. Wer sagt, dass sie nie genervt sind, hat entweder sehr ruhige Kinder oder gibt das nicht zu.
Was soll ich tun, wenn ich merke, dass ich gerade von meinem Kind genervt bin?
Erstmal nichts drastisches. Wenn moeglich kurz Abstand nehmen: Kueche, Balkon, eine Minute raus. Das ist keine Schwaeche, das ist ein Selbstschutz, der auch dem Kind nuetzt. Wer merkt, dass man kurz davor ist, ungerecht zu reagieren, tut niemandem einen Gefallen damit, im Zimmer zu bleiben.
Was, wenn ich mein Kind haeufig nicht leiden kann?
Wenn das Gefuehl des Genervtseins ueberwiegt und du Momente schwer findest, in denen du deinem Kind nahe bist, ist das ein Hinweis, dass etwas nicht stimmt, entweder mit dem eigenen Erholungsstand oder mit der Beziehung zum Kind. Hier ist eine ehrliche Selbsteinschaetzung wichtig: Wie muede bin ich? Habe ich gerade zu wenig Unterstuetzung? Eine Familienberatung oder ein Gespraech mit dem Hausarzt kann helfen, das zu sortieren.
Mein Kind macht immer genau das, was mich nervt. Steckt da Absicht dahinter?
Sehr selten bei kleinen Kindern. Bis etwa 7 bis 8 Jahren haben Kinder noch keine ausgereiften Strategie-Faehigkeiten, um systematisch zu nerven. Was aussieht wie gezielte Provokation, ist meistens Aufmerksamkeitssuche: Das Kind merkt, dass eine bestimmte Verhaltensweise eine starke Reaktion ausloest, und wiederholt es, ohne den Zusammenhang strategisch zu planen. Teenager koennen schon eher bewusst testen, aber auch da ist es selten boesartige Absicht.
Ich liebe mein Kind, aber in manchen Momenten mag ich es nicht. Bin ich eine schlechte Mutter?
Nein. Liebe und Moegen sind nicht dasselbe. Liebe ist tief und dauerhaft. Moegen ist stimmungsabhaengig und situationsgebunden. Wer sein Kind in einem quengeligen Moment nicht mag, liebt es trotzdem. Diese Unterscheidung ist keine Ausrede. Sie ist ehrlich und hilft, nicht in eine Schuldspiral zu geraten, die niemandem nuetzt.
Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel wurde von der Kinwords-Redaktion verfasst und befindet sich derzeit in kinderpsychologischer Review. Fuer konkrete psychotherapeutische Einschaetzungen wende dich an eine Fachkraft.
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