Erziehung5 Min. LesezeitKinwords Redaktion

Kind teilt nicht: Wie Teilen wirklich gelingt

Kurz gesagt: Kinder teilen nicht, weil ihr Gehirn noch nicht fertig entwickelt ist, nicht weil sie schlecht erzogen wurden. Teilen erzwingen hilft wenig. Was hilft: Situationen moderieren, Alternativen anbieten und als Vorbild vorleben, was Großzügigkeit bedeutet.

Warum Kinder nicht teilen wollen

Teilen ist für kleine Kinder kognitiv schwierig. Es erfordert, dass das Kind die Perspektive eines anderen einnimmt, die eigenen Bedürfnisse zurückstellt und versteht, dass es das Spielzeug nach dem Teilen zurückbekommt. Das sind drei anspruchsvolle Schritte für ein 3-jähriges Gehirn.

Dazu kommt: Besitzdenken ist bei kleinen Kindern sehr stark. "Das ist meins" ist für ein Kind von 2 bis 4 Jahren ein emotionaler Aussageumfang, nicht nur eine Beschreibung. Das Spielzeug ist ein Teil des Kindes, nicht einfach ein Gegenstand.

Was in der Situation hilft

Wenn zwei Kinder um ein Spielzeug streiten, kann ein Elternteil moderieren, ohne zu erzwingen:

  • "Du spielst gerade damit. Wie lange möchtest du noch?" Das gibt dem Kind Kontrolle und zeigt dem anderen Kind, dass es nicht für immer warten muss.
  • "Wenn du fertig bist, darf Leon damit spielen. Und dann bekommst du es wieder." Das macht den Tauschprozess greifbar.
  • Für sehr kleine Kinder: Ein Zweites kaufen oder herausfinden, welches Spielzeug das andere Kind auch mag. Doppelt vorhanden löst viele Teilen-Konflikte.

Wie Teilen langfristig gelernt wird

Teilen ist etwas, das Kinder über Jahre lernen, nicht über eine Konversation. Folgendes beschleunigt den Prozess:

  • Selbst teilen und es benennen. "Ich teile meinen Kuchen mit dir, weil ich möchte, dass du auch etwas hast." Kinder ahmen nach, was sie sehen.
  • Großzügige Momente des Kindes anerkennen. "Das war sehr nett von dir, dass du Leon dein Auto gegeben hast. Ich glaube, das hat ihn sehr gefreut."
  • Nicht alle Dinge zum Teilen machen. Wenn das Kind weiß, dass bestimmte Sachen wirklich nur ihm gehören, fällt es leichter, andere Dinge loszulassen.

Ab wann sollten Kinder teilen können?

Mit 6 bis 7 Jahren können die meisten Kinder teilen, wenn sie die Situation verstehen und keine besonderen Stressfaktoren hinzukommen. Mit 3 bis 4 Jahren ist es noch eine Fähigkeit im Aufbau, keine Erwartung.

Wenn ein Kind mit 6 oder 7 Jahren noch in fast jeder Situation absolut nicht teilen will und das zu ernsthaften Konflikten führt, ist ein Gespräch mit dem Kinderarzt oder einer pädagogischen Fachkraft sinnvoll.

Kinwords-Ratgeber für Eltern in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Dieser Text ersetzt keine pädagogische Fachberatung.

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Häufige Fragen

Ist es normal, dass Kinder nicht teilen wollen?

Ja, vollkommen normal, besonders bis etwa 4 Jahre. Teilen ist keine angeborene Fähigkeit, sondern eine erlernte. Kleinkinder haben noch kein entwickeltes Konzept von 'meins' und 'deins' und können die Perspektive eines anderen Kindes noch nicht gut einnehmen. Das ist keine Frage der Erziehung, sondern der Hirnreife. Kinder, die nicht teilen wollen, sind nicht egoistisch, sie sind entwicklungsgemäß.

Soll ich mein Kind zwingen zu teilen?

Besser nicht. Erzwungenes Teilen lehrt Kindern nicht Großzügigkeit, sondern dass ihre Gefühle übergangen werden. Das Gegenteil kann eintreten: Kinder, die oft gezwungen werden, ihr Spielzeug abzugeben, klammern manchmal noch stärker daran. Hilfreicher ist, die Situation zu moderieren: 'Du spielst gerade damit. Wenn du fertig bist, darf Lena dann damit spielen.' Das respektiert das Kind und führt trotzdem zur Lösung.

Wie erkläre ich meinem Kind, warum Teilen wichtig ist?

Nicht durch abstrakte Erklärungen, sondern durch konkrete Situationen. 'Schau, Leon freut sich so, weil du ihm das gegeben hast.' oder 'Erinnerst du dich, als Paul dir seinen Ball geliehen hat? Wie war das schön.' Kinder unter 5 Jahren lernen nicht durch Prinzipien, sondern durch Erfahrungen und Emotionen.

Mein Kind hat ein Lieblingsding, das es unter keinen Umständen teilt. Was soll ich tun?

Das ist legitim. Erwachsene teilen auch nicht alles. Es ist in Ordnung, dem Kind zu erlauben, bestimmte Dinge als 'nicht zum Teilen' zu markieren, besonders wenn es sich um besonders bedeutsame Gegenstände handelt. Wenn Freunde kommen, kann das Kind diese Sachen vorher wegräumen. Das schafft Klarheit und verhindert Konflikte, statt sie zu erzwingen.

Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel wurde von der Kinwords-Redaktion verfasst und befindet sich derzeit in pädagogischer Review. Für konkrete rechtliche oder schulpsychologische Einschätzungen wende dich an die Schule, das Schulamt oder eine Fachkraft.

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