Von der Kinwords Redaktion
Familie8 Min. LesezeitKinwords Redaktion19. April 2027

Lesepate werden in der Grundschule: So startest du als Lesepatin oder Lesepate

Kurz gesagt: Als Lesepatin oder Lesepate liest du regelmäßig mit einzelnen Grundschulkindern oder kleinen Gruppen, meist einmal pro Woche für 20 bis 45 Minuten pro Kind. Du brauchst keine pädagogische Ausbildung, sondern Geduld, Freude an Büchern und Verlässlichkeit. Der einfachste Weg führt über die Klassenlehrkraft oder das Sekretariat einer Grundschule, alternativ über regionale Lesepaten-Netzwerke oder Freiwilligenagenturen. Ein erweitertes Führungszeugnis wird oft verlangt.

Ein Junge aus der zweiten Klasse sitzt neben dir auf einem kleinen Stuhl im Flur. Er fährt mit dem Finger unter den Zeilen entlang, stockt bei „Schmetterling“, setzt neu an, schafft es. Dann schaut er hoch und grinst. Genau für solche Momente werden Menschen Lesepaten. Vielleicht hat dich die Lehrkraft deines Kindes beim Elternabend gefragt, vielleicht hast du als Oma oder Opa mehr Zeit als früher und suchst etwas Sinnvolles.

Dieser Ratgeber erklärt, wie du Lesepate in der Grundschule wirst, was dich in einer typischen Lesestunde erwartet, wie viel Zeit du einplanen solltest und wie du gerade Kindern hilfst, denen Lesen schwerfällt. Jede Schule organisiert das etwas anders, in Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es zudem Unterschiede bei den Formalitäten. Nimm das hier als Orientierung und frag bei deiner Schule konkret nach.

Was macht eine Lesepatin oder ein Lesepate?

Lesepaten sind Ehrenamtliche, die regelmäßig in die Schule kommen und mit Kindern lesen. Mal liest du vor, mal liest das Kind dir vor, mal lest ihr abwechselnd. Danach sprecht ihr über die Geschichte: Was ist passiert? Was hätte das Kind an Stelle der Hauptfigur gemacht? Welches Wort war neu?

Du bist dabei keine Ersatzlehrkraft. Du bringst keinen Stoff bei, gibst keine Noten und musst keine Fehler korrigieren wie im Diktat. Deine Stärke ist etwas anderes: Zeit und Aufmerksamkeit für ein einzelnes Kind. In einer Klasse mit über zwanzig Kindern kommt ein Kind beim lauten Lesen vielleicht ein paar Sätze pro Woche dran. Bei dir liest es eine halbe Stunde, ohne dass jemand zuschaut oder kichert.

Viele Schulen setzen Lesepaten gezielt für Kinder ein, die noch unsicher lesen, die Deutsch als zweite Sprache lernen oder zuhause wenig vorgelesen bekommen. Andere bieten Lesezeiten für alle Kinder an, etwa in der Schulbücherei.

Wie fängst du als Lesepate an?

Der Weg ist meist kürzer, als viele denken:

  • Frag direkt an der Schule. Sprich die Klassenlehrkraft an, die Schulleitung oder das Sekretariat. Auch Schulen ohne festes Lesepaten-Programm sagen oft gern Ja, wenn jemand verlässlich Zeit anbietet.
  • Nutze regionale Netzwerke. In vielen Städten und Gemeinden gibt es Lesepaten-Initiativen, Vereine, Bürgerstiftungen, Bibliotheken oder Freiwilligenagenturen, die Ehrenamtliche an Schulen vermitteln. Eine Suche nach „Lesepaten“ plus deinem Ort führt meist schnell zu Ansprechpartnern.
  • Mach eine Einführung mit, wenn es eine gibt. Viele Netzwerke bieten kurze Schulungen an, etwa zu Lesestrategien, Buchauswahl und Umgang mit schwierigen Situationen. Das ist kein Muss, aber hilfreich.
  • Kläre die Formalitäten. Dazu gehören oft ein Führungszeugnis, eine Verschwiegenheitserklärung und die Frage, ob du über die Schule oder einen Verein versichert bist.
  • Vereinbare einen festen Termin. Ein gleicher Wochentag und eine gleiche Uhrzeit machen es für Schule und Kinder planbar.

Wenn du ohnehin im Schulleben aktiv bist, etwa im Elternbeirat, kennst du die richtigen Ansprechpersonen wahrscheinlich schon.

Führungszeugnis und andere Formalitäten

Weil du regelmäßig mit Kindern arbeitest, wird oft ein Nachweis verlangt, dass nichts gegen diesen Kontakt spricht. In Deutschland ist das meist das erweiterte Führungszeugnis, das du bei deiner Gemeinde oder online beantragst. Für Ehrenamtliche ist es häufig gebührenfrei, wenn du eine Bestätigung der Schule oder des Vereins vorlegst. In Österreich gibt es dafür eine spezielle Strafregisterbescheinigung für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, in der Schweiz den Sonderprivatauszug. Was eure Schule genau braucht, erfährst du im Sekretariat.

Manche Schulen bitten außerdem um eine schriftliche Verschwiegenheitserklärung. Das ist sinnvoll: Du erfährst manches über Kinder und Familien, das nicht in den Elternchat gehört. In Deutschland fragen Schulen teils auch nach einem Nachweis über den Masernschutz. Lass dir zu Beginn am besten eine kurze Liste geben, dann ist das schnell erledigt.

Wie viel Zeit kostet das Ehrenamt?

Die meisten Lesepaten kommen einmal pro Woche. Eine einzelne Lesezeit mit einem Kind dauert meist zwischen 20 und 45 Minuten, für Erstklässler eher kürzer. Liest du nacheinander mit zwei oder drei Kindern, bist du mit Weg schnell bei ein bis zwei Stunden pro Woche. Viele Lesezeiten liegen vormittags während des Unterrichts, manche im Nachmittagsangebot oder in der Betreuung.

Entscheidend ist nicht die Menge, sondern die Verlässlichkeit. Für ein Kind, das sich auf „seine“ Lesepatin freut, ist ein ausgefallener Termin ohne Vorwarnung eine echte Enttäuschung. Plane deshalb mindestens ein Schulhalbjahr ein, besser ein ganzes Schuljahr, und sag rechtzeitig ab, wenn du verhindert bist. Ferien und Urlaube kannst du vorher ankündigen, das verstehen Kinder gut.

So läuft eine Lesestunde typischerweise ab

Ein fester Ablauf gibt Kindern Sicherheit. So oder ähnlich kann eine Lesezeit von etwa 30 Minuten aussehen:

  • Ankommen (2 bis 3 Minuten): Kurz plaudern. Wie war das Wochenende? Was ist in der Geschichte vom letzten Mal passiert?
  • Vorlesen (5 bis 10 Minuten): Du liest einen Abschnitt vor. Das Kind hört zu, schaut die Bilder an und bekommt ein Gefühl für Betonung und Tempo.
  • Selbst lesen (10 bis 15 Minuten): Das Kind liest dir vor, im Wechsel mit dir oder allein, je nach Lesestand.
  • Darüber sprechen (5 Minuten): Was war lustig, spannend, traurig? Was passiert wohl als Nächstes?
  • Abschluss (2 Minuten): Ein ehrliches Lob für etwas Konkretes und ein kurzer Blick auf das nächste Mal.

Ihr sitzt meist nicht im Klassenzimmer, sondern in einer ruhigen Ecke, im Flur, in der Bücherei oder in einem freien Raum. Sprich mit der Lehrkraft ab, welche Bücher passen. Oft gibt es Klassensätze oder eine Schulbücherei. Du kannst auch eigene Bücher mitbringen, solange sie dem Lesealter entsprechen. Kurze Kapitel, große Schrift und viele Bilder sind für Leseanfänger ideal. Ein Ratespiel oder ein kleines Wörterquiz zum Schluss lockert auf.

Vorlesen: So wird es lebendig

Du musst kein Hörbuchsprecher sein. Ein paar einfache Dinge machen aber einen großen Unterschied:

  • Lies langsamer, als du denkst. Kinder brauchen Zeit, um Bilder im Kopf entstehen zu lassen.
  • Verändere deine Stimme. Ein tiefer Bär, eine piepsige Maus: Schon kleine Unterschiede machen Figuren unterscheidbar.
  • Mach Pausen. Vor einer spannenden Stelle kurz innehalten und fragen: „Was glaubst du, was jetzt passiert?“
  • Zeig die Bilder. Halte das Buch so, dass das Kind mitschauen und mitlesen kann.

Weitere Ideen findest du im Ratgeber mit Tipps zum Vorlesen.

Mitlesen mit schwachen Lesern: Geduld schlägt Korrektur

Die meisten Kinder, die zu Lesepaten kommen, lesen nicht gern, weil sie es noch nicht gut können. Viele haben schon oft erlebt, dass sie beim lauten Lesen stocken und andere lachen. Bei dir sollen sie eine andere Erfahrung machen. Diese Grundsätze helfen:

  • Warte, bevor du hilfst. Zähl innerlich bis fünf, wenn das Kind an einem Wort hängt. Oft schafft es das allein, und das fühlt sich viel besser an.
  • Hilf mit Strategien statt mit der Lösung. „Lies mal nur den Anfang.“ „Welcher Buchstabe ist das?“ „Was würde hier passen?“
  • Korrigiere nicht jeden Fehler. Wenn der Sinn stimmt, lass kleine Fehler stehen. Sonst verliert das Kind den Faden und die Lust.
  • Lest abwechselnd. Du liest einen Satz, das Kind den nächsten. Oder ihr lest gleichzeitig halblaut, das nimmt Druck.
  • Wähle leichte Texte. Ein Buch, das sich fast flüssig lesen lässt, bringt mehr als eines, bei dem jedes dritte Wort hakt.
  • Lob konkret. „Das lange Wort hast du ganz allein geschafft“ wirkt stärker als „Super gemacht“.

Fällt dir auf, dass ein Kind auch nach Wochen ständig Buchstaben verwechselt, sehr langsam liest oder kaum versteht, was es gelesen hat, sprich die Lehrkraft darauf an. Eine Diagnose ist nicht deine Aufgabe, aber deine Beobachtung kann wertvoll sein. Mehr dazu findest du in den Ratgebern Wenn ein Kind langsam lesen lernt und Wenn ein Kind nicht laut vorlesen will.

Lesepate in der Klasse des eigenen Kindes?

Viele Eltern werden Lesepaten, weil ihr Kind in die Schule geht. Das ist ein guter Anlass, bringt aber eine besondere Rolle mit. Manche Kinder sind begeistert, wenn Mama oder Papa in die Klasse kommt. Andere finden es unangenehm, fühlen sich beobachtet oder wollen ihre Eltern nicht mit anderen Kindern teilen. Das kann sich auch mit der Zeit ändern.

  • Frag dein Kind vorher. „Wäre es okay für dich, wenn ich in deiner Klasse mit Kindern lese?“ Nimm ein Nein ernst.
  • Erwäge eine andere Klasse. Viele Eltern lesen lieber in einer Parallelklasse. So bleibt die Schule der Ort deines Kindes.
  • Bevorzuge niemanden. In der Lesezeit bist du für die anderen Kinder da, nicht für dein eigenes.
  • Behalte Beobachtungen für dich. Was du über andere Kinder erfährst, wie sie lesen oder was sie erzählen, gehört nicht ins Gespräch mit anderen Eltern und auch nicht an den Abendbrottisch.

Für Großeltern ist die Rolle oft entspannter: Viele lesen ganz bewusst nicht an der Schule ihrer Enkel, sondern in der Nachbarschaft. Das ist ebenso wertvoll.

Was dir das Ehrenamt bringt

Lesepaten erzählen oft, dass sie selbst am meisten profitieren. Du erlebst, wie ein Kind über Wochen sicherer wird und plötzlich nach dem nächsten Buch fragt. Du bekommst Einblick in den Schulalltag, den du als Elternteil sonst nur aus Erzählungen kennst. Und du lernst Kinderbücher kennen, die es zu deiner Schulzeit noch nicht gab. Wenn dich das Thema Lesemotivation interessiert, lohnt sich ein Blick in den Ratgeber Lesemotivation bei Kindern steigern. Vieles davon funktioniert in der Lesestunde genauso wie zuhause.

Wichtiger Hinweis: Wie Lesepaten an einer Schule eingesetzt werden, welche Nachweise nötig sind und wie Ehrenamtliche versichert sind, regelt jede Schule oder der vermittelnde Verein im Rahmen der Vorgaben in Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Frag vor dem Start im Sekretariat oder bei der Schulleitung nach. Vertraut dir ein Kind etwas an, das dich beunruhigt, behalte es nicht für dich, sondern sprich zeitnah mit der Klassenlehrkraft oder der Schulleitung.

Häufige Fragen

Was macht ein Lesepate in der Grundschule?

Lesepatinnen und Lesepaten lesen regelmäßig mit einzelnen Kindern oder kleinen Gruppen. Sie lesen vor, lassen die Kinder selbst lesen, sprechen über die Geschichte und machen Mut. Sie unterrichten nicht und geben keine Noten. Ihr wichtigster Beitrag ist ungeteilte Aufmerksamkeit für ein Kind, das im vollen Klassenzimmer oft zu kurz kommt.

Wie werde ich Lesepatin oder Lesepate?

Am einfachsten fragst du direkt bei der Grundschule nach, bei der Klassenlehrkraft oder im Sekretariat. Viele Schulen freuen sich über Unterstützung, auch wenn sie bisher kein festes Programm haben. Daneben gibt es in vielen Regionen Lesepaten-Netzwerke, Vereine, Bürgerstiftungen oder Freiwilligenagenturen, die Ehrenamtliche an Schulen vermitteln und oft eine kurze Einführung anbieten.

Wie viel Zeit muss ich als Lesepate einplanen?

Üblich ist eine feste Zeit pro Woche, häufig etwa eine bis zwei Stunden inklusive Weg. Eine einzelne Lesezeit mit einem Kind dauert meist zwischen 20 und 45 Minuten. Wichtiger als viele Stunden ist Verlässlichkeit: Die Kinder rechnen mit dir. Plane deshalb mindestens ein Schulhalbjahr ein und sag rechtzeitig Bescheid, wenn du ausfällst.

Brauche ich ein Führungszeugnis, um Lesepate zu werden?

Das wird oft verlangt, weil du regelmäßig mit Kindern arbeitest. In Deutschland ist das meist das erweiterte Führungszeugnis, in Österreich gibt es eine Strafregisterbescheinigung für die Arbeit mit Kindern, in der Schweiz den Sonderprivatauszug. Für Ehrenamtliche ist es in Deutschland häufig gebührenfrei, wenn die Schule oder der Verein eine Bestätigung ausstellt. Frag vorher nach, was genau eure Schule braucht.

Kann ich Lesepate in der Klasse meines eigenen Kindes sein?

Das geht, ist aber nicht immer die beste Lösung. Manche Kinder sind stolz, andere fühlen sich beobachtet oder wollen ihre Eltern in der Schule nicht teilen. Sprich vorher mit deinem Kind und mit der Lehrkraft. Viele Eltern lesen lieber in einer Parallelklasse oder mit anderen Kindern, damit ihr eigenes Kind seinen Schulraum für sich behält.

Dürfen auch Großeltern Lesepaten werden?

Ja, Großeltern und Seniorinnen und Senioren gehören zu den treuesten Lesepaten. Sie bringen oft Ruhe und Zeit mit, die im Schulalltag selten ist. Es braucht keine pädagogische Ausbildung, nur Freude am Lesen, Geduld und die Bereitschaft, regelmäßig zu kommen. Für Großeltern gilt dasselbe wie für Eltern: Schule fragen, eventuell Führungszeugnis besorgen, und los geht es.

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