August 2026
Grundschulkind kommt nicht mit dem Stoff mit: Was Eltern tun können
Kurz gesagt: Wenn ein Grundschulkind dauerhaft hinterherhinkt, steckt meistens eine konkrete Ursache dahinter, die sich eingrenzen lässt. Frühzeitig das Gespräch mit der Lehrkraft suchen und bei Bedarf eine Fachkraft hinzuziehen ist wirksamer als alleine mehr zu üben.
Hausaufgaben werden zur täglichen Zitterpartie, Klassenarbeiten kommen mit schlechten Noten zurück, und das Kind wirkt zunehmend frustriert. Viele Eltern fragen sich, ob sie zu wenig üben oder ob etwas anderes dahintersteckt. Meistens ist es beides, und das lässt sich auseinandernehmen.
Mögliche Ursachen: Tempo, Lücken oder mehr
Der häufigste Grund ist schlicht, dass der Unterricht in einem Tempo vorangeht, das für manche Kinder zu schnell ist. Das bedeutet nicht, dass das Kind weniger intelligent ist. Manche Kinder brauchen mehr Wiederholungen, bis sich etwas setzt. Wenn die Klasse weiterzieht, bevor das passiert ist, entstehen Lücken, und auf Lücken baut sich nichts Stabiles auf.
Dahinter können auch spezifische Schwierigkeiten stecken. Legasthenie (eine Lese-Rechtschreib-Schwäche) und Dyskalkulie (Rechenschwäche) sind häufiger als viele denken. Kinder mit Legasthenie verwechseln Buchstaben, lesen sehr langsam und machen trotz vielen Übens immer wieder dieselben Fehler. Kinder mit Dyskalkulie verstehen das Mengenprinzip nicht intuitiv und zählen noch an den Fingern, wenn Gleichaltrige bereits sicher rechnen. Beide Schwierigkeiten sind neurologisch bedingt, keine Faulheit.
Nicht zuletzt spielen auch Stress zuhause und die Beziehung zur Lehrkraft eine Rolle. Ein Kind, das sich in der Klasse unwohl fühlt oder zuhause angespannt ist, hat weniger freie Kapazität zum Lernen, selbst wenn es prinzipiell den Stoff versteht.
Das Gespräch mit der Lehrkraft suchen
Der erste Schritt ist fast immer ein Gespräch mit der Klassenlehrerin oder dem Klassenlehrer. Eltern, die konkret beschreiben, was sie zuhause beobachten, bekommen bessere Antworten als solche, die nur sagen, das Kind komme nicht mit. Sag zum Beispiel: "Beim Lesen stockt er bei jedem dritten Wort, auch bei Wörtern, die er gestern schon kannte" oder: "Sie braucht für zehn einfache Rechenaufgaben 40 Minuten und weint dabei."
Frag die Lehrkraft, ob sie eine schulpsychologische Abklärung empfiehlt oder ob es an der Schule Förderangebote gibt. Schulpsychologische Beratungsstellen sind in Deutschland kostenlos und für genau solche Fragen zuständig. Eine Einschätzung dort einzuholen ist kein Drama, sondern Vorsorge.
Kostenlose, anonyme Beratung - rund um die Uhr
- Elterntelefon "Nummer gegen Kummer": 0800-111 0 550
- Kinder- und Jugendtelefon: 116 111
Wann Nachhilfe hilft und wann nicht
Nachhilfe ist sinnvoll, wenn das Kind den Stoff grundsätzlich versteht, aber Lücken schließen muss. Sie ist wenig wirksam, wenn eine Teilleistungsschwäche wie Legasthenie oder Dyskalkulie dahintersteckt. In dem Fall braucht das Kind eine speziell ausgebildete Lerntherapeutin, die mit anderen Methoden arbeitet als normale Nachhilfekräfte. Der Unterschied ist nicht Fleißsache, sondern Methode.
Wenn ihr zuhause übt, haltet die Einheiten kurz: 15 bis 20 Minuten konzentriertes Arbeiten bringen mehr als eine Stunde, in der das Kind innerlich schon längst weg ist. Und hört auf, wenn es für heute reicht, auch wenn die Hausaufgaben noch nicht fertig sind. Ein erschöpftes Kind lernt nichts.
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Haufige Fragen
Ab wann sollte ich professionelle Hilfe suchen?
Wenn dein Kind trotz Nachhilfe über mehrere Monate nicht mitkommt, auffällig langsam liest oder Zahlen und Buchstaben regelmäßig verwechselt, ist eine Abklärung beim Kinderpsychologen oder einer Lerntherapeutin sinnvoll. Viele Schulen haben auch schulpsychologische Beratungsstellen, die kostenlos sind.
Wie spreche ich die Lehrerin an, ohne als schwierige Elternteil zu gelten?
Am besten konkret und sachlich: Beschreib, was du zuhause beobachtest, zum Beispiel 'Sie braucht für eine Seite Lesen dreimal so lang wie ihr Bruder in dem Alter'. Vermeide Vorwürfe und frag aktiv nach Einschätzung und Ideen. Lehrer reagieren besser auf Eltern, die mitdenken wollen, als auf solche, die Fehler zuweisen.
Ist Nachhilfe die Lösung oder pflastert das nur das Problem zu?
Nachhilfe hilft, wenn das Kind den Stoff grundsätzlich versteht, aber Lücken hat. Wenn eine Teilleistungsschwäche wie Legasthenie oder Rechenschwäche dahintersteckt, braucht das Kind speziell ausgebildete Lerntherapie, keine klassische Nachhilfe. Das eine ersetzt das andere nicht.
Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel wurde von der Kinwords-Redaktion verfasst und befindet sich derzeit in kinderpsychologischer Review. Fur konkrete psychotherapeutische Einschatzungen wende dich an eine Fachkraft.
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