Fastenzeit mit Kindern: Verzicht-Ideen ohne Druck
Kurz gesagt: Kinder sollen in der Fastenzeit nicht beim Essen fasten. Sie brauchen ihre Mahlzeiten, und auch die Kirchen verlangen das Fasten erst von Erwachsenen. Was gut funktioniert: Dein Kind sucht sich freiwillig eine Sache aus, auf die es bis Ostern verzichtet, etwa Süßes unter der Woche, Bildschirmzeit am Nachmittag oder das Meckern. Am schönsten klappt das als Familien-Challenge, bei der auch die Erwachsenen mitmachen, ohne Strafen und ohne Gerede über Gewicht.
Kaum sind die Faschingskrapfen gegessen und die Kostüme wieder im Schrank, kommt der Aschermittwoch. 2027 fällt er auf den 10. Februar, Ostern ist am 28. März. Dazwischen liegt die Fastenzeit mit Kindern, und spätestens wenn die Oma erzählt, dass sie dieses Jahr auf Schokolade verzichtet, fragt dein Kind: „Muss ich das auch?“ Die ehrliche Antwort lautet: Nein, aber du kannst, wenn du willst. Und wenn ihr es gemeinsam macht, kann es richtig Spaß machen.
Sollen Kinder in der Fastenzeit fasten?
Beim Essen nicht. Das ist keine Frage von Strenge oder Frömmigkeit, sondern von Wachstum. Kinder brauchen regelmäßige Mahlzeiten, und Hunger macht sie nicht nachdenklich, sondern quengelig und unkonzentriert. Selbst die katholische Kirche nimmt Kinder ausdrücklich aus: Das eigentliche Fastengebot gilt erst ab 18 Jahren, der Verzicht auf Fleisch am Aschermittwoch und Karfreitag ab 14. Im Islam ist es ähnlich, dort fasten Kinder vor der Pubertät im Ramadan höchstens probeweise ein paar Stunden.
Lass also Mahlzeiten nicht ausfallen, auch wenn dein Kind das von sich aus vorschlägt, weil es die Erwachsenen nachmachen will. Du kannst sagen: „Dein Körper wächst noch, der braucht sein Frühstück. Aber wir finden etwas anderes, auf das du verzichten kannst.“
Die Fastenzeit kindgerecht erklären
Ob ihr religiös seid oder nicht, Kinder verstehen die Idee hinter dem Verzicht erstaunlich schnell. Für christliche Familien ist die Geschichte naheliegend: Jesus war 40 Tage in der Wüste, und in den 40 Tagen vor Ostern erinnern sich Christen daran. Sie lassen etwas weg, um mehr Platz für das Wesentliche zu haben. Kindergartenkindern reicht oft ein einziger Satz: „Vor Ostern üben viele Menschen, mit weniger auszukommen.“
Wenn ihr mit Kirche wenig am Hut habt, funktioniert die Fastenzeit trotzdem. Dann ist sie einfach ein Experiment: „Wie fühlt es sich an, sechs Wochen ohne etwas zu leben, das wir sonst jeden Tag haben? Fehlt es uns? Oder merken wir, dass es gar nicht so wichtig war?“ Schulkinder finden diese Frage oft spannender als jede Begründung. Wenn dein Kind tiefer nachbohrt, warum andere Menschen an Gott glauben, findest du Anregungen im Artikel Kind fragt nach Gott und Religion.
Verzicht-Ideen für Kinder nach Alter
Die wichtigste Regel: Dein Kind sucht sich seinen Verzicht selbst aus. Was du ihm vorschreibst, ist keine Fastenzeit, sondern ein Verbot mit Ablaufdatum.
Kindergartenkinder (3 bis 6 Jahre) können mit sechs Wochen wenig anfangen. Für sie passt ein kleiner, sichtbarer Verzicht für einen überschaubaren Zeitraum, etwa eine Woche ohne Gummibärchen oder kein Fernsehen vor dem Abendessen. Noch besser funktioniert das Gegenteil von Verzicht: jeden Tag eine gute Tat, ein Spielzeug für den Flohmarkt aussortieren oder abends ein Bild für die Uroma malen.
Volksschul- und Grundschulkinder (6 bis 10 Jahre) schaffen meist einen echten Vorsatz bis Ostern, wenn er konkret ist. „Weniger Süßes“ ist zu schwammig. „Süßes nur am Wochenende“ kann dein Kind selbst überprüfen. Beliebt sind auch: kein Tablet unter der Woche, keine Limo, kein Meckern beim Anziehen, jeden Tag zehn Minuten lesen statt fernsehen.
Ältere Kinder und Teenager wählen gern Dinge, die sie wirklich herausfordern, etwa einen Tag pro Woche ohne Handy oder kein TikTok vor den Hausaufgaben. Hier lohnt es sich zuzuhören, wenn sie etwas vorschlagen, das sie selbst stört. Das zeigt, dass sie über ihre Gewohnheiten nachdenken. Mehr Ideen für Tage ohne Display findest du im Ratgeber zur bildschirmfreien Zeit in der Familie.
Die Familien-Challenge: Alle machen mit
Kinder verzichten leichter, wenn sie nicht allein sind. Setzt euch am Faschingsdienstag oder am Aschermittwoch zusammen, und jedes Familienmitglied nennt seinen Vorsatz. Papa verzichtet aufs Handy beim Abendessen, Mama auf die zweite Tasse Kaffee, die Große auf YouTube-Shorts, der Kleine auf das Schimpfwort, das er neuerdings so gern sagt.
Hängt eine Liste an den Kühlschrank, auf der jeder seine Tage abhakt. Wichtig dabei: Die Erwachsenen sind ehrlich, wenn sie scheitern. Ein Kind, das sieht, wie Mama zugibt „Heute hab ich am Tisch doch aufs Handy geschaut“, lernt mehr als von jedem Vortrag. Manche Familien legen das gesparte Geld für Süßes oder Kaffee in eine Dose und spenden es zu Ostern. Das gibt dem Verzicht ein greifbares Ziel.
Eine schöne Variante für Familien mit kleinen Kindern ist das Anti-Meckern-Fasten. Jedes Mal, wenn jemand jammert oder schimpft, wird nicht bestraft, sondern der Satz positiv neu gesagt. Aus „Immer muss ich aufräumen!“ wird „Hilfst du mir beim Aufräumen?“. Wenn das bei euch ein Dauerthema ist, lohnt sich ein Blick in den Artikel Kind meckert ständig.
Süßigkeiten fasten ohne Essensprobleme
Der Klassiker unter den Vorsätzen ist der Verzicht auf Süßes. Das kann gut gehen, braucht aber etwas Fingerspitzengefühl. Wer sechs Wochen streng verzichtet, starrt oft genau auf das, was fehlt, und stopft sich am Ostersonntag dann das halbe Nest auf einmal rein. Ein gemäßigter Vorsatz wie „Süßes nur am Wochenende“ ist für die meisten Kinder die bessere Wahl.
Achte auch darauf, wie bei euch über Essen gesprochen wird. Sätze wie „Ich verzichte, damit ich ein paar Kilo verliere“ oder „Zucker ist Gift“ haben in der Fastenzeit mit Kindern nichts verloren. Kinder übernehmen solche Bewertungen schnell und beziehen sie auf ihren eigenen Körper. Sprich lieber über das Gefühl: „Am Anfang hab ich die Schokolade echt vermisst. Jetzt denke ich kaum noch dran.“ Wie du Süßes im Alltag entspannt begrenzt, auch nach Ostern, liest du im Ratgeber Süßigkeiten bei Kindern begrenzen.
Wenn das Kind nach drei Tagen aufgibt
Es ist Freitag, die Fastenzeit läuft seit Mittwoch, und dein Kind steht mit dem Lolli aus der Bäckerei vor dir. Das ist kein Scheitern, sondern ziemlich normal. Viele Erwachsene halten ihre Vorsätze auch nicht durch.
Schimpf nicht und mach keine Bemerkung wie „Ich hab doch gewusst, dass du das nicht schaffst“. Frag stattdessen neugierig: „Was war schwierig?“ Oft stellt sich heraus, dass der Vorsatz zu groß war oder dass die Freundin in der Pause immer Süßes teilt. Dann könnt ihr umplanen. Du kannst sagen: „Willst du nochmal anfangen? Vielleicht mit etwas Kleinerem, oder nur bis zum nächsten Sonntag?“
Wenn dein Kind ganz aufhören will, ist das auch in Ordnung. Die Fastenzeit ist freiwillig. Wer sein Kind mit Belohnungen, Strafen oder Vergleichen mit Geschwistern bei der Stange hält, macht aus einem Experiment eine Pflicht. Und ein Kind, das sich jeden Tag dafür schämt, dass es den Keks gegessen hat, lernt beim Thema Essen genau das Falsche.
Wann du Hilfe holen solltest
Bei den allermeisten Kindern ist die Fastenzeit ein harmloses Familienprojekt. Manchmal wird aus dem Verzicht aber etwas anderes. Werde aufmerksam, wenn dein Kind von sich aus Mahlzeiten auslässt, heimlich isst, sich nach dem Essen schämt oder auffällig oft über Kalorien, Figur oder Gewicht spricht. Ein weiteres Warnsignal: Der Verzicht hört nach Ostern nicht auf, sondern wird strenger.
Das muss keine Essstörung sein, sollte aber ernst genommen werden, gerade bei Kindern ab etwa zehn Jahren und in der Pubertät. Sprich mit deiner Kinderärztin oder deinem Kinderarzt und schildere, was dir aufgefallen ist. Welche Anzeichen es gibt und wie du dein Kind ansprichst, ohne es in die Ecke zu drängen, erklärt der Ratgeber Essstörung bei Kindern erkennen.
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Häufige Fragen
Ab welchem Alter dürfen Kinder in der Fastenzeit fasten?
Beim Essen gar nicht. Kinder im Wachstum brauchen regelmäßige Mahlzeiten, deshalb lassen sie weder Frühstück noch Abendessen aus. Selbst die katholische Kirche verpflichtet erst Erwachsene ab 18 zum Fasten. Was Kinder in jedem Alter können: auf eine Sache freiwillig verzichten, etwa auf Gummibärchen, das Tablet am Nachmittag oder das Meckern beim Zähneputzen.
Wann beginnt die Fastenzeit 2027?
Die Fastenzeit 2027 beginnt am Aschermittwoch, dem 10. Februar 2027, direkt nach Fasching, Karneval oder Fastnacht. Sie dauert 40 Tage, die Sonntage werden nicht mitgezählt, und endet mit Ostern am 28. März 2027. Viele Familien nehmen sich die Sonntage auch beim Verzicht frei.
Ist Süßigkeiten-Verzicht in der Fastenzeit schlecht für das Essverhalten?
Nicht automatisch. Problematisch wird es, wenn Süßes zum verbotenen Schatz wird, auf den das Kind sechs Wochen lang starrt, oder wenn Erwachsene vom Abnehmen reden. Wähl lieber eine kleinere Sache, etwa keine Süßigkeiten unter der Woche, und sprich über das Gefühl beim Verzichten, nicht über Kalorien oder Gewicht.
Wie erkläre ich die Fastenzeit, wenn wir nicht religiös sind?
Du kannst sagen: „Viele Menschen probieren vor Ostern aus, ob sie eine Weile ohne etwas auskommen, das sie sonst jeden Tag haben. Man merkt dabei, was einem wirklich wichtig ist.“ Das reicht. Wer mag, erzählt dazu, dass Christen damit an die 40 Tage erinnern, die Jesus in der Wüste verbracht hat.
Mein Kind hat nach drei Tagen aufgegeben. Soll ich es zum Weitermachen drängen?
Nein. Frag nach, was schwierig war, und biete einen Neustart mit einer kleineren Sache an. Dass ein Vorsatz nicht hält, ist eine echte Erfahrung, über die ihr reden könnt. Wer stattdessen mit Druck oder Strafen weitermacht, verknüpft Verzicht mit schlechter Stimmung, und das hält länger als jede Fastenzeit.
Wann sollte ich beim Thema Fasten aufmerksam werden?
Wenn dein Kind von sich aus Mahlzeiten auslässt, heimlich isst, sich nach dem Essen schuldig fühlt, viel über Figur oder Gewicht redet oder den Verzicht nach Ostern einfach weiterführt. Dann geht es nicht mehr um die Fastenzeit. Sprich mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt, lieber einmal zu früh als zu spät.