Von der Kinwords Redaktion

Weihnachtsgeschichten vorlesen: Bücher für Schulkinder

Weihnachtsgeschichten zum Vorlesen für Schulkinder von 6 bis 12: Klassiker und neue Bücher nach Alter, Adventsbücher mit 24 Kapiteln und Tipps fürs Vorlesen.

Kinwords Redaktion 9 Min. Lesezeit

Kurz gesagt: Weihnachtsgeschichten zum Vorlesen wählst du für Schulkinder am besten nach Alter: Mit 6 bis 7 Jahren passen kurze Bildergeschichten wie „Weihnachten in Bullerbü“ von Astrid Lindgren, mit 8 bis 9 Jahren Kapitelbücher wie „Hilfe, die Herdmanns kommen“, ab 10 Jahren Klassiker wie „Das Weihnachtsgeheimnis“ von Jostein Gaarder mit genau 24 Kapiteln oder eine Fassung von Dickens' „Eine Weihnachtsgeschichte“. Zehn bis zwanzig Minuten am Abend reichen. Liest dein Kind schon selbst, lest abwechselnd.

Draußen ist es um fünf schon dunkel, drinnen brennt eine Kerze, und alle sitzen eng beisammen auf dem Sofa: Vorlesen gehört für viele Familien zu den schönsten Momenten im Advent. Gleichzeitig hören gerade in der Volksschule und Grundschule viele Eltern damit auf, weil das Kind ja jetzt selbst lesen kann. Schade, denn Kinder zwischen 6 und 12 verstehen beim Zuhören Geschichten, die sie allein noch nicht lesen würden. Hier findest du Weihnachtsgeschichten und Bücher nach Altersstufe, Ideen für ein Vorlese-Ritual und Tipps, wie das Vorlesen lebendig bleibt, auch wenn dein Kind längst mitliest.

Welche Weihnachtsgeschichten passen zu welchem Alter?

Die Altersangaben sind Richtwerte. Ein lesebegeistertes 7-jähriges Kind hört vielleicht schon begeistert bei einem Kapitelbuch zu, ein 10-jähriges genießt noch eine Bildergeschichte. Entscheidend ist, ob dein Kind am nächsten Abend wissen will, wie es weitergeht.

6 bis 7 Jahre: kurz, warm, mit Bildern

  • „Weihnachten in Bullerbü“ von Astrid Lindgren: Die Kinder aus Bullerbü backen Pfefferkuchen, holen den Weihnachtsbaum und feiern zusammen. Ein Bilderbuch, das an einem Abend durch ist und ein Gefühl von Geborgenheit vermittelt.
  • „Tomte Tummetott“ nach Astrid Lindgren: Ein kleiner Wichtel wacht in der Winternacht über Hof und Tiere. Sehr ruhig, perfekt als letzte Geschichte vor dem Schlafen.
  • „Pettersson kriegt Weihnachtsbesuch“ von Sven Nordqvist: Pettersson verletzt sich kurz vor Weihnachten, und Kater Findus sorgt dafür, dass das Fest trotzdem stattfindet. Witzig, mit vielen Details in den Bildern, die Kinder gern entdecken.

8 bis 9 Jahre: erste Kapitelbücher und Humor

  • „Hilfe, die Herdmanns kommen“ von Barbara Robinson: Die sechs schlimmsten Kinder der Stadt übernehmen die Hauptrollen im Krippenspiel. Zum Lachen und am Ende überraschend berührend. Eignet sich auch noch gut für 10- und 11-Jährige.
  • „Weihnachten im Möwenweg“ von Kirsten Boie: Alltag in einer Reihenhaussiedlung in der Adventszeit, mit Plätzchen, Geheimnissen und Nachbarskindern. Kinder erkennen sich darin oft wieder.
  • „Michel aus Lönneberga“ von Astrid Lindgren: In den Michel-Büchern gibt es das Weihnachtskapitel, in dem Michel die Bewohner des Armenhauses heimlich zum Festessen auf Katthult einlädt. Lustig und gleichzeitig ein guter Anlass, über Teilen zu sprechen.
  • „Der Weihnachtosaurus“ von Tom Fletcher: Ein moderneres Abenteuer um einen Dinosaurier und einen Jungen im Rollstuhl. Viele Kapitel, gut über mehrere Wochen verteilbar.

10 bis 12 Jahre: Klassiker und mehr Tiefgang

  • „Das fliegende Klassenzimmer“ von Erich Kästner: Spielt in einem Internat in den Tagen vor Weihnachten. Es geht um Freundschaft, Mut und Heimweh. Manche Ausdrücke sind altmodisch, genau das lädt zum Nachfragen ein.
  • „Eine Weihnachtsgeschichte“ von Charles Dickens: Der geizige Ebenezer Scrooge bekommt in einer Nacht Besuch von drei Geistern. Das Original von 1843 ist anspruchsvoll, für 10-Jährige sind gekürzte Nacherzählungen meist besser. Die Geisterszenen können jüngere Kinder ängstigen.
  • „Nussknacker und Mausekönig“ von E. T. A. Hoffmann: Die Vorlage für das berühmte Ballett. In einer kindgerechten Nacherzählung ein spannendes Märchen, und wenn ihr danach die Musik von Tschaikowsky hört, versteht dein Kind die Geschichte dahinter.
  • Hans Christian Andersen: „Der Tannenbaum“ und „Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern“ sind kurz und traurig. Gut für ältere Kinder, wenn du danach Zeit zum Reden hast.

Die Weihnachtsgeschichte aus der Bibel vorlesen

Die eigentliche Weihnachtsgeschichte steht im Lukas-Evangelium, Kapitel 2, Verse 1 bis 20: Maria und Josef ziehen nach Bethlehem, finden keinen Platz in der Herberge, das Kind kommt im Stall zur Welt, und die Hirten auf dem Feld hören von Engeln davon. Für Schulkinder ist die Luther-Übersetzung oft schwer verständlich. Eine Kinderbibel oder eine Übersetzung in einfacherer Sprache wie die BasisBibel funktioniert besser.

In vielen Familien wird dieser Text an Heiligabend vor der Bescherung gelesen, gern auch von einem Kind. Das klappt mit 9 oder 10 Jahren meist schon gut, wenn es den Text vorher einmal üben darf. Auch wenn ihr nicht religiös seid, lohnt sich die Geschichte: Sie erklärt, warum es das Fest überhaupt gibt und warum in Österreich, Süddeutschland und weiten Teilen der Schweiz das Christkind die Geschenke bringt, während im Norden Deutschlands eher der Weihnachtsmann kommt.

Adventskalender-Bücher mit 24 Kapiteln

Ein Buch, das genau vom 1. bis 24. Dezember reicht, macht das Vorlesen zum Adventskalender: jeden Abend ein Kapitel, und an Heiligabend ist die Geschichte zu Ende. Der bekannteste Klassiker dafür ist „Das Weihnachtsgeheimnis“ von Jostein Gaarder. Ein Junge findet in einem alten Adventskalender jeden Tag einen Zettel, auf dem eine Geschichte über eine Pilgerreise nach Bethlehem weitergeht. Das Buch eignet sich für Kinder ab etwa 10 Jahren, die einzelnen Kapitel brauchen vorgelesen etwa 15 bis 25 Minuten.

Daneben erscheinen jedes Jahr neue Adventskalender-Bücher für Jüngere, oft mit Seiten zum Aufschneiden oder kurzen Kapiteln von 5 bis 10 Minuten. Achte beim Kauf auf drei Dinge:

  • Kapitellänge: An einem vollen Schulabend sind 10 Minuten realistischer als 30. Sonst wird das Ritual zur Pflicht.
  • Altersangabe: Sie bezieht sich meist aufs Selbstlesen. Zum Vorlesen passt ein Buch oft schon ein, zwei Jahre früher.
  • Geschwister: Liegen deine Kinder weit auseinander, wählst du lieber eine Geschichte für das jüngere Kind. Das ältere liest dann ein Kapitel vor.

Verpasst ihr einen Abend, ist das kein Drama. Lest am nächsten Tag zwei Kapitel oder holt sie am Wochenende nach.

So wird das Vorlesen im Advent zum Ritual

Ein Ritual lebt davon, dass es verlässlich wiederkommt, nicht davon, dass es perfekt ist. Die meisten Familien finden ihren Platz für die Vorlesezeit nach dem Abendessen oder direkt vor dem Schlafengehen. Ein paar Ideen, die den Unterschied machen:

  • Feste Zeit, fester Ort: Zum Beispiel jeden Abend um halb acht auf dem Sofa. So muss niemand fragen, ob heute vorgelesen wird.
  • Licht macht Stimmung: Deckenlicht aus, eine Lichterkette oder eine Kerze am Adventskranz an. Echte Kerzen nur, solange ein Erwachsener im Raum ist.
  • Etwas zum Halten: Ein Becher Tee oder Kakao, eine Decke, ein Kuscheltier. Gerade unruhige Kinder hören besser zu, wenn die Hände beschäftigt sind, etwa beim Malen.
  • Bildschirme weg: Handys bleiben während der Vorlesezeit in einem anderen Raum, auch deins.
  • An den Adventssonntagen etwas Besonderes: Ein längeres Kapitel, ein Gedicht oder die Geschichte aus dem Lukas-Evangelium am vierten Advent.

Rund um den bundesweiten Vorlesetag in Deutschland, der jedes Jahr am dritten Freitag im November stattfindet, lesen auch viele Schulen und Büchereien vor. Ein guter Moment, um zu Hause mit dem Advents-Vorlesen zu starten.

Wenn dein Kind schon selbst liest: abwechselnd lesen

Viele Kinder in der zweiten oder dritten Klasse wollen nicht mehr nur zuhören, sondern selbst lesen. Andere sind froh, abends endlich nicht lesen zu müssen, weil es in der Schule anstrengend genug war. Beides ist in Ordnung. Ein paar Wege, wie ihr euch das Buch teilen könnt:

  • Seite um Seite: Du liest eine Seite, dein Kind die nächste. Bei Leseanfängern reicht ein Absatz oder ein Satz.
  • Rollen verteilen: Dein Kind übernimmt die wörtliche Rede einer Figur, zum Beispiel den grantigen Scrooge oder den frechen Findus. Das macht Spaß und übt nebenbei das betonte Lesen.
  • Das Kind liest vor: Ältere Geschwister lesen den Jüngeren ein Kapitel vor, gern mit dir als Zuhörerin.
  • Du liest das schwere Buch: Wenn dein Kind tagsüber selbst etwas Leichtes liest, darfst du abends das anspruchsvollere Buch vorlesen. Zuhören trainiert Wortschatz und Verständnis auf einem höheren Niveau.

Wichtig: Verbessere beim abwechselnden Lesen nicht jeden Fehler. Wenn ein Wort den Sinn verändert, sag es ruhig nebenbei. Sonst lass dein Kind lesen. Im Advent geht es um die Geschichte, nicht um eine Leseübung.

Tipps fürs lebendige Vorlesen

Du musst keine Schauspielerin sein. Kinder lieben es aber, wenn die Stimme sich verändert und die Geschichte Tempo bekommt. Diese Kniffe helfen:

  1. Vorher überfliegen: Lies das Kapitel kurz selbst an. Dann weißt du, wo eine spannende Stelle kommt und ob eine Szene für dein Kind zu traurig oder zu gruselig ist.
  2. Langsamer lesen, als du denkst: Die meisten lesen zu schnell vor. Mach an spannenden Stellen eine Pause und schau dein Kind an.
  3. Stimmen für Figuren: Eine tiefe Brummstimme für Pettersson, eine flüsternde für den Tomte. Zwei, drei Stimmen reichen, mehr muss sich niemand merken.
  4. Geräusche einbauen: Schritte im Schnee, ein Klopfen an der Tür, das Knistern vom Feuer. Gerade Jüngere machen gern mit.
  5. Fragen zulassen: Wenn dein Kind unterbricht, ist es dabei. Kurz antworten, dann weiterlesen. Gute Fragen für danach: „Was hättest du an seiner Stelle gemacht?“ oder „Was meinst du, passiert morgen?“
  6. Am spannendsten Punkt aufhören: So freut sich dein Kind schon auf den nächsten Abend.

Und wenn du nach einem langen Tag selbst müde bist: Ein Hörbuch zusammen hören ist auch gemeinsame Zeit. Bleib dabei sitzen, statt nebenbei aufzuräumen.

Gut zu wissen: Weihnachtsgeschichten sind nicht immer nur fröhlich. Wenn eure Familie gerade einen Verlust erlebt hat, Eltern sich getrennt haben oder ein Großelternteil zum ersten Mal fehlt, können Geschichten über Familienfeste oder Tod, wie bei Andersen, starke Gefühle auslösen. Wähl dann lieber eine leichte Geschichte und nimm dir Zeit, wenn dein Kind traurig wird. Fällt dir auf, dass dein Kind auch in der dritten oder vierten Klasse beim Lesen noch sehr stockt, sprich mit der Lehrerin oder dem Lehrer. Eine Lese-Rechtschreib-Schwäche lässt sich mit Unterstützung gut auffangen, je früher, desto besser.

Häufige Fragen

Bis zu welchem Alter sollte man Kindern Weihnachtsgeschichten vorlesen?

Eine feste Grenze gibt es nicht. Viele Eltern hören auf, sobald das Kind selbst liest, dabei genießen auch 10- bis 12-Jährige das gemeinsame Vorlesen oft noch sehr. Im Advent fällt es leichter, weil das Ritual zur Jahreszeit gehört. Ältere Kinder lesen gern abwechselnd mit dir oder übernehmen selbst ein Kapitel für jüngere Geschwister.

Welche Weihnachtsgeschichte passt für ein Kind von 6 Jahren?

Für Erstklässler eignen sich kurze, bildreiche Geschichten, die an einem Abend fertig sind. Gut funktionieren „Weihnachten in Bullerbü“ und „Tomte Tummetott“ nach Astrid Lindgren oder „Pettersson kriegt Weihnachtsbesuch“ von Sven Nordqvist. Plane etwa 10 bis 15 Minuten ein, länger hält die Aufmerksamkeit in diesem Alter abends selten.

Gibt es Weihnachtsbücher mit 24 Kapiteln für den Advent?

Ja. Der bekannteste Klassiker ist „Das Weihnachtsgeheimnis“ von Jostein Gaarder, das in 24 Kapiteln vom 1. bis zum 24. Dezember erzählt wird und sich für Kinder ab etwa 10 Jahren eignet. Daneben erscheinen jedes Jahr neue Adventskalender-Bücher, oft mit Seiten zum Aufschneiden. Prüf vor dem Kauf Altersangabe und Kapitellänge.

Ist die Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens für Kinder geeignet?

Das Original von 1843 ist für Grundschulkinder sprachlich schwer und an einigen Stellen gruselig. Für Kinder ab etwa 8 Jahren gibt es gekürzte, kindgerechte Nacherzählungen, ab etwa 11 Jahren klappt oft auch eine vollständige moderne Übersetzung. Lies die Geisterszenen vorher selbst, dann weißt du, ob dein Kind sie verkraftet.

Was tun, wenn mein Kind schon selbst liest und nicht mehr zuhören will?

Lest abwechselnd: Du liest eine Seite, dein Kind die nächste, oder es übernimmt die wörtliche Rede einer Figur. Viele Kinder machen auch gern mit, wenn sie das Buch selbst aussuchen dürfen. Druck hilft nicht. Wenn dein Kind lieber allein liest, bleibt ihr trotzdem verbunden, indem ihr über die Geschichte sprecht.

Wie erzähle ich Kindern die Weihnachtsgeschichte aus der Bibel?

Die biblische Weihnachtsgeschichte steht im Lukas-Evangelium, Kapitel 2, Verse 1 bis 20. Für Schulkinder eignet sich eine Kinderbibel oder eine moderne Übersetzung wie die BasisBibel. Erzähl ruhig mit eigenen Worten nach und lass dein Kind Fragen stellen. Auch Familien ohne Kirchenbindung lesen sie oft, um zu erklären, woher das Fest kommt.

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