Kind hat Angst vor dem Krampus: So hilfst du
Kurz gesagt: Wenn dein Kind Angst vor dem Krampus hat, ist das eine gesunde Reaktion auf Fellmasken, Hörner, Glockenlärm und Ruten. Kinder unter etwa fünf Jahren können oft noch nicht sicher trennen, ob unter der Maske ein Mensch oder ein echtes Wesen steckt. Erklär den Brauch ruhig, geh mit Kleinkindern höchstens mit viel Abstand zum Krampuslauf und benutze den Krampus nie als Drohung.
Anfang Dezember ziehen in Österreich, Bayern und Südtirol wieder Krampusse und Perchten durch die Straßen. Am 5. Dezember ist Krampustag, am 6. kommt der Nikolaus. Für viele Erwachsene ist das ein schöner Brauch mit Glühwein am Straßenrand. Für ein Kind von drei oder sechs Jahren sieht es anders aus: Da stapfen zottelige Gestalten mit Hörnern, roten Augen und rasselnden Ketten auf es zu. Dass dein Kind dann schreit, sich an dein Bein klammert oder tagelang nicht mehr davon loskommt, ist völlig verständlich.
Kind hat Angst vor dem Krampus: Woher kommt das?
Krampusmasken sind gemacht, um zu erschrecken. Das ist ihr Zweck. Dazu kommen Kuhglocken, die so laut scheppern, dass man sein eigenes Wort nicht mehr versteht, Ruten, Fackeln und eine Menschenmenge, die johlt. Bei manchen Läufen berühren die Krampusse Zuschauer oder schlagen mit der Rute an die Beine. Für Erwachsene gehört das zum Spiel, für ein Kind fühlt es sich wie ein echter Angriff an.
Kleinkinder und Kindergartenkinder denken außerdem noch stark magisch. Was echt aussieht, ist für sie echt. Ein Kind mit vier Jahren kann wissen, dass „da nur ein Mann drin ist“, und trotzdem in Panik geraten, sobald der Krampus brüllt. Erst ab dem Volksschul- oder Grundschulalter wird die Grenze zwischen Verkleidung und Wirklichkeit stabiler. Selbst dann bleibt bei vielen Kindern ein mulmiges Gefühl, und das darf auch so sein.
Wie erkläre ich meinem Kind den Krampus?
Fang ein paar Tage vorher an, nicht erst am Straßenrand. Kinder kommen mit Dingen besser zurecht, die sie schon kennen. Du kannst zum Beispiel sagen:
- „Der Krampus ist ein verkleideter Mensch. Unter der Maske ist ein junger Mann aus unserem Ort, der sich das Kostüm selbst gebastelt hat.“
- „Das ist ein ganz alter Brauch. Die Leute verkleiden sich, weil sie Spaß am Erschrecken haben, nicht weil sie Kindern wehtun wollen.“
- „Du darfst Angst haben. Ich bin die ganze Zeit bei dir und wir gehen sofort, wenn du willst.“
Bei älteren Kindern hilft es, hinter die Kulissen zu schauen. Manche Krampusgruppen zeigen ihre Masken vorher ohne Kostüm, etwa auf Adventmärkten. Eine Holzmaske in der Hand zu halten, nimmt ihr viel von ihrem Schrecken. Auch Bilderbücher über den Nikolaus und seinen Begleiter sind ein guter Einstieg, solange du vorher selbst durchblätterst, wie gruselig die Bilder sind.
Wenn dein Kind schon bei Halloween Angst vor Masken und Gruselkostümen hatte, rechne damit, dass der Krampus noch eine Stufe heftiger wirkt. Halloween-Kostüme sind meist bunt und kindlich, Krampusse sind laut, groß und kommen nah heran.
Krampuslauf mit Kindern: Ja oder nein?
Mit Babys und Kleinkindern unter drei Jahren würde ich den Krampuslauf auslassen. Sie haben nichts davon, und der Lärm allein ist für kleine Ohren eine Belastung. Bei Kindergartenkindern entscheidet das Kind mit. Frag ehrlich: „Willst du die Krampusse anschauen? Es wird laut, und sie sehen wild aus.“ Ein Nein ist eine gute Antwort, kein Grund zum Überreden.
Wenn ihr hingeht, hilft eine gute Vorbereitung:
- Stellt euch nicht in die erste Reihe an die Absperrung. Ein paar Meter Abstand reichen, damit kein Krampus dein Kind berühren kann.
- Sucht euch einen Platz am Rand, von dem aus ihr schnell in eine Seitengasse oder ein Geschäft verschwinden könnt.
- Nimm einen Kapselgehörschutz für Kinder mit. Die Glocken sind über längere Zeit wirklich laut, und mit Gehörschutz fühlt sich vieles weniger bedrohlich an.
- Trag kleine Kinder auf dem Arm oder auf den Schultern. Von oben wirkt der Krampus kleiner und dein Kind spürt dich.
- Vereinbart ein Zeichen fürs Gehen, zum Beispiel zweimal an der Hand drücken, und halte dich daran.
Wenn dein Kind empfindlich auf Lärm reagiert, findest du im Artikel zur Angst vor lauten Geräuschen weitere Ideen.
Warum du den Krampus nie als Drohung benutzen solltest
„Wenn du nicht brav bist, holt dich der Krampus.“ Diesen Satz haben viele von uns selbst als Kind gehört. Er wirkt, weil er Angst macht. Genau das ist das Problem: Dein Kind lernt, dass es eine Figur gibt, die nachts kommen und es mitnehmen könnte, und dass seine Eltern damit einverstanden wären. Manche Kinder entwickeln daraus Einschlafängste, die weit über den Dezember hinaus bleiben.
Bitte auch Großeltern und Verwandte freundlich, solche Sätze wegzulassen. Du kannst sagen: „Wir erzählen ihm den Krampus als Brauch, nicht als Strafe. Er hat sonst nachts Angst.“ Die meisten verstehen das, wenn man es ohne Vorwurf sagt.
Wenn Nikolaus und Krampus in Kindergarten oder Schule kommen
In vielen Kindergärten und Volksschulen kommt rund um den 6. Dezember der Nikolaus zu Besuch, manchmal mit Krampus. Frag ein paar Tage vorher nach, wie das geplant ist. Viele Einrichtungen verzichten inzwischen auf einen maskierten Krampus oder lassen ihn ohne Maske auftreten. Wenn nicht, bitte darum, dass dein Kind weiter hinten sitzen oder kurz mit einer Pädagogin rausgehen darf.
Bereite dein Kind darauf vor, was passiert: „Morgen kommt der Nikolaus in den Kindergarten. Er liest aus seinem goldenen Buch vor und verteilt Säckchen. Vielleicht ist ein Krampus dabei, der bleibt aber an der Tür stehen.“ Wenn du das so ankündigst, kläre vorher mit der Einrichtung, ob es auch stimmt.
Nachbesprechung und Albträume
Nach einem Krampuserlebnis wollen manche Kinder immer wieder darüber reden, andere gar nicht. Beides ist in Ordnung. Wenn dein Kind erzählt, hör zu und bewerte nicht. Statt „Das war doch gar nicht so schlimm“ hilft eher: „Der mit den großen Hörnern hat dich richtig erschreckt, oder?“
Malen, Nachspielen und Kneten helfen Kindern, Angst zu verarbeiten. Wenn dein Kind einen Krampus malt und ihm danach eine Zahnlücke oder Pantoffeln verpasst, macht es die Figur kleiner. Spiel ruhig mit, ohne selbst zu erschrecken.
Albträume in den Nächten danach sind häufig und vergehen meist nach ein paar Tagen. Ein Nachtlicht, ein festes Abendritual und das Versprechen, dass du in der Nähe bist, reichen oft schon. Mehr dazu, was nachts konkret hilft, liest du im Ratgeber zu Albträumen bei Kindern. Halten Angst und schlechte Nächte länger als zwei bis drei Wochen an oder traut sich dein Kind gar nicht mehr aus dem Haus, sprich mit deiner Kinderärztin oder deinem Kinderarzt.
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Häufige Fragen
Ab welchem Alter kann ein Kind zum Krampuslauf mitgehen?
Eine feste Grenze gibt es nicht. Viele Kinder unter drei Jahren erschrecken stark, weil sie Maske und Mensch noch nicht auseinanderhalten können. Ab etwa fünf oder sechs Jahren verstehen die meisten, dass unter dem Fell ein verkleideter Mensch steckt. Entscheidend ist, ob dein Kind selbst hin will und wie es auf Lärm reagiert.
Darf ich mit dem Krampus drohen, damit mein Kind folgt?
Lieber nicht. Ein Satz wie „Sonst holt dich der Krampus“ wirkt kurz, macht aber eine Brauchtumsfigur zur echten Bedrohung. Manche Kinder schlafen danach wochenlang schlecht oder trauen sich nicht mehr allein ins Zimmer. Grenzen setzt du besser selbst, mit ruhigen Worten und Folgen, die du auch umsetzt.
Was mache ich, wenn der Krampus in den Kindergarten kommt?
Frag vorher nach, wie der Besuch abläuft und ob der Krampus maskiert kommt. Viele Einrichtungen laden heute nur noch den Nikolaus ein. Wenn dein Kind große Angst hat, bitte darum, dass es weiter hinten sitzen oder mit einer Betreuerin kurz rausgehen darf. Das ist keine Sonderbehandlung, sondern Rücksicht.
Mein Kind hat nach dem Krampuslauf Albträume. Was hilft?
Sprich tagsüber in Ruhe über das Erlebte, nicht kurz vor dem Schlafengehen. Lass dein Kind den Krampus malen und gemeinsam etwas Lustiges dazuzeichnen, etwa eine Zipfelmütze. Ein Licht im Flur und ein festes Abendritual geben Sicherheit. Dauern die Albträume länger als zwei bis drei Wochen, sprich mit der Kinderärztin.
Sind Perchten und Krampusse dasselbe?
Nicht ganz. Der Krampus begleitet den Nikolaus rund um den 5. und 6. Dezember. Perchten gehören eigentlich in die Raunächte zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag. Viele Läufe mischen heute beide Figuren, für Kinder sehen sie ohnehin gleich furchteinflößend aus.