Teenager raucht: Wie Eltern das Gespraech fuehren

Kinwords Redaktion 6 Min. Lesezeit

Das Schulkind von damals raucht. Die Zigarette war zwischen den Freunden vielleicht schon laenger dabei, bevor die Eltern es bemerkt haben. Und jetzt stehen sie da: Wie reagieren, ohne dass das Kind dichtmacht?

Die erste Reaktion vieler Eltern ist Wut oder Entsetzen. Das ist verstaendlich. Aber es ist selten hilfreich. Teenager, die bei etwas Verbotswidrigem erwischt werden, schliessen sich ab, wenn die Reaktion der Eltern zu heftig ist. Das Ergebnis: Sie rauchen weiter, nur versteckter.

Warum Teenager anfangen zu rauchen

Es gibt selten einen einzigen Grund. Meistens ist es eine Mischung: soziale Gruppen, in denen geraucht wird; das Gefuehl, erwachsen zu wirken; Neugier; Stress. Einige Teenager beschreiben Rauchen als das erste Mal, dass sie sich kurz entspannen koennen.

Das bedeutet nicht, dass Rauchen akzeptiert werden muss. Aber es hilft, die Funktion zu verstehen, die das Rauchen gerade im Leben des Teenagers uebernimmt. Wer nur das Verhalten anspricht, ohne die dahinterliegende Funktion zu beruecksichtigen, loest selten etwas.

Das Gespraech: Wie es gelingt

Nicht im Schock-Moment anfangen. Wenn du dein Kind gerade beim Rauchen erwischt hast und du noch bebenst, ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt fuer ein tiefes Gespraech. Sage kurz, dass du es gesehen hast, und sage, dass ihr heute noch darueber reden werdet.

Im Gespraech selbst: Fragen statt erklaeren. 'Wie lange machst du das schon?' 'Was gefallt dir daran?' Das klingt wie Neugier, nicht wie Verhör. Teenager reden mehr, wenn sie das Gefuehl haben, dass die Eltern zuhören, nicht schon die Antwort fertig haben.

Gesundheitsargumente sparingly einsetzen. Dein Kind weiss, dass Rauchen schaedlich ist. Es nochmal zu erklaeren ist meistens Zeitverschwendung. Wirkungsvoller: 'Ich mache mir Sorgen, weil ich weiss, wie schwer das Aufhoeren ist.' Das ist persoenlich, nicht belehrend.

Was nicht hilft

Absolute Verbote mit harten Konsequenzen treiben Rauchen in die Illegalitaet der Heimlichkeit. Das Kind hoert nicht auf, du weisst nur nichts mehr davon.

Permanente Mahnungen helfen auch nicht. Wenn das Thema Rauchen bei jedem Abendessen aufkommt, wird der Teenager irgendwann abschalten. Ein Gespraech, ein klarer Standpunkt, dann loslassen.

Schuld und Scham als Hebel einzusetzen, 'Wie konntest du mir das antun', funktioniert bei Teenagern besonders schlecht. Sie erleben es als Manipulation und verschliessen sich.

E-Zigaretten: Ein eigenes Thema

E-Zigaretten und Vaping werden von vielen Teenagern nicht als "richtiges Rauchen" wahrgenommen. Die Risiken sind weniger gut erforscht als beim Rauchen, aber Nikotin ist in beiden Faellen drin, und die Suchtgefahr ist vergleichbar. Eltern tun gut daran, E-Zigaretten genauso zu behandeln wie Zigaretten, auch wenn der Teenager argumentiert, das sei "was anderes".

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Haeufige Fragen

Was soll ich sagen, wenn ich meinen Teenager beim Rauchen erwische?

Zuerst: nicht sofort ausrasten. Eine erste Reaktion im Schock ist selten hilfreich. Wenn du kannst, atme kurz durch und sage etwas wie: 'Ich hab dich gesehen. Ich moechte, dass wir heute noch darueber reden.' Das gibt dir Zeit, ruhig zu bleiben, und dem Teenager Zeit, sich zu sammeln. Was du in diesem Gespraech sagest, ist wichtiger als die erste Reaktion.

Mein Teenager sagt, er raucht nur manchmal. Ist das weniger schlimm?

Gelegentliches Rauchen hat tatsaechlich ein geringeres Suchtrisiko als taegliches Rauchen, aber der Einstieg ist meistens gelegentlich. Die Frage ist weniger, wie oft gerade geraucht wird, sondern was den Teenager dazu bringt. Stress, soziale Gruppen, Experimentierfreude? Je nach Antwort sieht die sinnvolle Reaktion anders aus.

Mein Teenager kennt die Risiken, raucht trotzdem. Warum?

Weil Wissen und Handeln zwei verschiedene Dinge sind. Teenager wissen meist, dass Rauchen schaedlich ist. Das Problem ist, dass der kurzfristige soziale Gewinn (Dazugehoeren, cool wirken, Stress abbauen) groesser wirkt als der abstrakte Langzeitschaden. Das ist keine Dummheit, das ist Entwicklungspsychologie.

Soll ich Konsequenzen setzen, wenn mein Kind raucht?

Konsequenzen sind moeglich, aber selten das Hauptwerkzeug. Das Problem: Rauchen passiert ausserhalb des Hauses, und du kannst nicht kontrollieren, was dein Kind bei Freunden macht. Strenge Verbote mit harten Konsequenzen treiben Rauchen meistens nur in die Geheimhaltung. Wirkungsvoller ist es, dass dein Kind mit dir reden kann, ohne Angst vor dem Ausrasten zu haben.

Hilft es, selbst aufzuhoeren, wenn ich rauche?

Ja, deutlich. Eltern, die rauchen, haben es schwerer, Rauchen ueberzeugend als Problem darzustellen. Das ist kein Vorwurf, das ist Realitaet. Wenn du selbst Raucher bist und aufhoeren moechtest, ist das ein ehrliches Gespraech wert: 'Ich weiss, dass ich auch rauche, und ich moechte aufhoeren. Ich wuensche mir, dass du nicht anfaengst.'

Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel wurde von der Kinwords-Redaktion verfasst und befindet sich derzeit in kinderpsychologischer Review. Fuer konkrete Beratung wende dich an eine Fachkraft.

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