Ratgeber6 Min. LesezeitKinwords Redaktion

Mit Teenager über Drogen reden: Was wirklich hilft

Kurz gesagt: Das Gespräch über Drogen funktioniert nur, wenn Eltern neugierig statt alarmiert klingen. Wer sofort mit Verboten und Schreckensmeldungen aufwartet, verliert den Zugang. Wer fragt, zuhört und die eigene Position erklärt, bleibt Ansprechpartner.

Die meisten Eltern reden zu spät über Drogen. Entweder warten sie, bis es einen Anlass gibt, also bis sie Marihuana im Zimmer finden oder erfahren, dass auf einer Party etwas im Umlauf war. Oder sie wählen den Schulvortrag-Modus: Drogen sind gefährlich, mach das nicht, wir reden nie wieder darüber.

Beides funktioniert nicht. Nicht weil Teenager generell nicht zuhören, sondern weil Angst und Dringlichkeit schlechte Gesprächsbedingungen sind.

Warum das Gespräch so schwer ist

Eltern haben Angst, und das merkt man. Teenager spüren, wenn ein Gespräch aus Panik kommt, und schalten ab. Gleichzeitig wollen Eltern nicht den Eindruck erwecken, Drogenkonsum sei in Ordnung. Diese Spannung führt oft dazu, dass das Gespräch gar nicht stattfindet oder nach zwei Minuten beendet ist.

Hinzu kommt: Teenager wissen oft mehr über Drogen als Eltern. Sie haben Freunde, die gekifft haben, sie lesen online, sie hören Musik, in der Substanzen verherrlicht werden. Wer so tut, als wäre das alles unbekanntes Terrain, verliert Glaubwürdigkeit.

Wie das Gespräch gelingt

Ohne Anlass anfangen

Das beste Gespräch über Drogen findet statt, bevor etwas passiert ist. Nicht als Warnung, sondern als echtes Gespräch. "In einer Serie, die wir geschaut haben, hat jemand gekifft. Was denkst du eigentlich darüber?" ist ein anderer Einstieg als "Ich muss jetzt mal mit dir über Drogen reden."

Neugier zeigen, nicht Alarm

Fragen statt sagen. "Was hörst du so darüber in deiner Klasse?" öffnet mehr als "Du weißt, dass Kiffen verboten ist, oder?" Wer fragt, bekommt eine Antwort. Wer belehrt, bekommt Schweigen.

Die eigene Haltung klar machen

Teenager wollen wissen, wie Eltern wirklich denken, nicht nur, was die offizielle Position ist. "Ich mache mir Sorgen, weil Kiffen das Gehirn in der Entwicklung beeinflusst, und dein Gehirn ist noch nicht fertig." Das ist eine andere Aussage als "Drogen sind gefährlich, basta." Eine persönliche Begründung trägt mehr als eine generelle Verbotsbotschaft.

Druckventil anbieten

Teenager kommen nur mit Problemen, wenn sie nicht befürchten müssen, sofort Ärger zu bekommen. "Wenn du jemals in einer Situation bist, in der du nicht weißt, was du tun sollst, ruf mich an. Ich frage dann nicht, was du genommen hast, sondern wie es dir geht." Das ist keine Erlaubnis. Es ist ein Sicherheitsnetz.

Was nicht hilft

Schreckensmeldungen. Wenn Eltern mit Horrorgeschichten über Sucht und Lebensruinen aufwarten, lernen Teenager, das Thema zu umgehen, nicht, damit umzugehen.

Einmalige Großgespräche. Kein Teenager verarbeitet ein zweistündiges Gespräch über Drogenrisiken. Kurze, wiederkehrende Gespräche über Zeit sind wirksamer.

Überwachung statt Vertrauen. Wer den Teenager kontrolliert, signalisiert Misstrauen. Wer das Gespräch sucht, signalisiert Beziehung.

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Häufige Fragen

Mein Teenager hat Drogen probiert. Was tue ich jetzt?

Ruhig bleiben. Nicht sofort mit Strafe drohen, sondern erst verstehen wollen. Frag, wie es dazu kam, was er erlebt hat, ob er sich wohl gefühlt hat danach. Wer bestraft, bevor er zugehört hat, verliert den Zugang. Und den brauchst du jetzt mehr als je zuvor.

Ab wann sollte man mit dem Gespräch über Drogen anfangen?

Früher als die meisten Eltern denken. Schon im Grundschulalter können Kinder verstehen, was Sucht bedeutet, ohne dass man das Wort Drogen benutzen muss. Mit etwa zwölf oder dreizehn Jahren, wenn Peer-Druck und Neugier steigen, sollte das Thema bereits vertraut sein, nicht neu.

Wie rede ich mit meinem Teenager, ohne dass er zumacht?

Keine Verhöre, keine Anklagen, keine Belehrungen in der ersten Minute. Ein Gespräch über Drogen beginnt am besten, wenn gerade kein konkreter Anlass vorliegt: im Auto, beim Abendessen, nach einem Film, der das Thema aufgreift. Neugier statt Alarm. 'Was denkst du eigentlich darüber?' öffnet mehr als 'Du weißt, dass das verboten ist, oder?'

Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel wurde von der Kinwords-Redaktion verfasst und befindet sich derzeit in kinderpsychologischer Review. Für konkrete psychotherapeutische Einschätzungen wende dich an eine Fachkraft.

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