Nasenbluten beim Kind: Was tun? Richtige Erste Hilfe und Vorbeugen
Kurz gesagt: Dein Kind sitzt aufrecht und beugt den Kopf leicht nach vorne. Du oder dein Kind drückt den weichen Teil der Nase zehn Minuten lang ohne Unterbrechung zusammen. Blut im Mund wird ausgespuckt, nicht geschluckt. Kopf in den Nacken und Hinlegen sind keine gute Idee. Blutet es nach 20 Minuten Druck noch, nach einem Sturz auf den Kopf oder auffällig oft, gehört dein Kind zum Arzt.
Es ist halb sieben am Morgen, die Heizung läuft seit Wochen. Deine Tochter kommt ins Bad, hält sich die Hand vors Gesicht, und zwischen den Fingern tropft es rot auf die Fliesen. Sie ist erschrocken, du auch. Nasenbluten beim Kind sieht oft dramatischer aus, als es ist. Was tun, damit es schnell aufhört? Die Antwort ist einfacher, als viele denken, und sie widerspricht manchem, was wir selbst als Kinder gelernt haben.
Die meisten Fälle von Nasenbluten bei Schulkindern sind harmlos und hören mit der richtigen Technik nach einigen Minuten auf. Hier liest du, wie die Erste Hilfe geht, welche alten Ratschläge du vergessen kannst, warum gerade der Winter Nasenbluten begünstigt und wann ein Arzt draufschauen sollte.
Sofort Notruf wählen, wenn …
- dein Kind nach einem Sturz oder Schlag auf den Kopf aus der Nase blutet oder klare Flüssigkeit aus der Nase läuft,
- es sehr stark blutet und trotz Druck nicht weniger wird,
- dein Kind blass, schwindelig, benommen oder schläfrig wird oder schlecht Luft bekommt.
- Notruf: Deutschland 112, Österreich und Schweiz 144. Die 112 funktioniert in der ganzen EU und auch in der Schweiz.
Nasenbluten beim Kind: Was tun in den ersten Minuten?
Fast immer blutet es aus einem kleinen Gefäßgeflecht ganz vorne in der Nasenscheidewand. Diese Stelle kannst du von außen gut erreichen. Genau darauf beruht die Erste Hilfe:
- Aufrecht hinsetzen. Auf einen Stuhl, auf den Badewannenrand, auf deinen Schoß. Kleinere Kinder sitzen gern auf deinem Arm.
- Kopf leicht nach vorne beugen. So läuft das Blut vorne heraus und nicht in den Rachen. Ein Waschbecken oder eine Schüssel darunter fängt die Tropfen auf.
- Den weichen Teil der Nase zusammendrücken. Daumen und Zeigefinger fassen die Nasenflügel unterhalb des harten Nasenknochens und drücken sie fest gegeneinander. Dein Kind atmet währenddessen durch den Mund.
- Zehn Minuten durchhalten. Nicht nach zwei Minuten loslassen und nachschauen. Jedes Nachsehen reißt das frische Gerinnsel wieder auf. Eine Uhr oder ein Timer auf dem Handy hilft.
- Ausspucken statt schlucken. Blut, das in den Mund läuft, kommt ins Waschbecken oder ins Taschentuch.
Ein kalter Waschlappen oder ein in ein Tuch gewickeltes Kühlpack im Nacken kann zusätzlich helfen. Viele Kinder finden es angenehm, nötig ist es nicht. Der Druck auf die Nase ist das, was wirkt.
Ab etwa acht, neun Jahren können die meisten Kinder selbst drücken. Zeig es ihnen einmal in Ruhe, wenn gerade nichts blutet. Dann klappt es auch in der Schule oder bei Freunden. Für den Moment selbst helfen ruhige, kurze Sätze:
„Das sieht nach viel aus, ist aber nur ein kleines Äderchen. Wir drücken jetzt zusammen zehn Minuten, und ich bleib die ganze Zeit bei dir. Atme einfach durch den Mund.“
Ist die Blutung gestoppt, sollte dein Kind die nächsten Stunden nicht kräftig schnäuzen, nicht in der Nase bohren und nicht gleich wild toben. Die Kruste braucht etwas Zeit, um fest zu werden.
Diese Fehler machen viele Eltern
Einige Tipps halten sich seit Generationen, obwohl Kinderärzte heute davon abraten.
Kopf in den Nacken legen. Das ist der bekannteste Irrtum. Das Blut läuft dann in den Rachen, dein Kind schluckt es, und verschlucktes Blut löst oft Übelkeit und Erbrechen aus. Dazu kommt: Du kannst nicht mehr sehen, ob die Blutung schon nachlässt.
Hinlegen. Im Liegen passiert dasselbe wie mit dem Kopf im Nacken. Außerdem kann sich ein Kind leichter verschlucken. Aufrecht sitzen ist besser.
Taschentuch tief in die Nase stopfen. Ein Pfropf im Nasenloch drückt nicht auf die blutende Stelle. Beim Herausziehen reißt er die frische Kruste ab, und es geht von vorne los. Halte das Taschentuch lieber vor die Nase und drück die Nasenflügel von außen zusammen.
Zu kurz drücken. Zwei, drei Minuten reichen meist nicht. Wer dann loslässt und die Blutung kommt wieder, denkt schnell, es wirke nicht. Zehn Minuten am Stück geben dem Blut Zeit, zu gerinnen.
Warum Kinder Nasenbluten bekommen
Die Gefäße vorne in der Nase liegen bei Kindern dicht unter einer dünnen Schleimhaut. Schon kleine Reize können sie verletzen. Die häufigsten Auslöser sind:
- Trockene Schleimhaut. Im Winter trocknet die Heizungsluft die Nase aus. Sie wird rissig, juckt, und es bilden sich kleine Krusten. Viele Kinder bluten deshalb vor allem morgens nach dem Aufwachen.
- Nasebohren. Gerade wenn die Nase trocken ist und juckt, gehen die Finger fast von allein hinein. Lange Nägel verletzen die Schleimhaut leicht.
- Schnupfen und Allergien. Die Schleimhaut ist gereizt und geschwollen, dazu kommt häufiges Schnäuzen. Auch Heuschnupfen kann die Nase empfindlicher machen.
- Ein Stoß oder Schlag. Ein Ball beim Sport, ein Ellbogen beim Raufen, ein Zusammenstoß auf dem Schulhof.
Selten steckt etwas anderes dahinter, zum Beispiel ein kleiner Gegenstand, den ein jüngeres Kind sich in die Nase gesteckt hat, oder eine Störung der Blutgerinnung. Darauf weisen eher die Warnzeichen weiter unten hin.
Vorbeugen im Winter: So bleibt die Nase feucht
Hat dein Kind öfter Nasenbluten, lohnt es sich, bei der Schleimhaut anzusetzen. Diese Dinge helfen vielen Familien:
- Raumluft nicht zu trocken halten. Mehrmals am Tag kurz und kräftig stoßlüften, das Kinderzimmer nicht überheizen. Eine Schale Wasser auf der Heizung oder ein Luftbefeuchter kann helfen. Ein Luftbefeuchter muss regelmäßig gereinigt werden, sonst können sich Keime darin vermehren.
- Nasensalbe oder Meerwasserspray. Eine pflegende Nasensalbe, die du abends dünn vorne in die Nasenlöcher streichst, oder ein Nasenspray mit Meerwasser halten die Schleimhaut geschmeidig. In der Apotheke bekommst du Produkte, die für Kinder geeignet sind. Abschwellende Nasensprays sind dafür nicht gedacht.
- Fingernägel kurz halten. Dann richtet Nasebohren weniger Schaden an.
- Sanft schnäuzen. Bei Schnupfen lieber ein Nasenloch nach dem anderen und nicht mit voller Kraft.
- Genug trinken. Auch das hält die Schleimhäute feucht, gerade wenn es draußen kalt und drinnen warm ist.
Mit älteren Kindern kannst du offen über das Nasebohren reden, ohne zu schimpfen. Ein Satz wie dieser kommt meist besser an als ein Verbot:
„Ich weiß, dass es juckt. Wenn du an die Nase musst, nimm ein Taschentuch oder sag Bescheid, dann holen wir die Salbe. Mit dem Finger reißt du dir sonst immer wieder die kleine Wunde auf.“
Nasenbluten in der Schule
Nasenbluten ist nicht ansteckend. Dein Kind darf damit ganz normal in die Schule. Bekommt es öfter Nasenbluten, sag der Klassenlehrerin oder dem Klassenlehrer kurz Bescheid. Dann weiß die Lehrkraft, dass es harmlos ist, und kann richtig helfen. Das kann zum Beispiel so klingen:
„Lena hat im Winter öfter Nasenbluten, das ist beim Kinderarzt bekannt und harmlos. Sie weiß, dass sie sich hinsetzen, nach vorne beugen und die Nase zehn Minuten zudrücken soll. Hört es nach zwanzig Minuten nicht auf, rufen Sie mich bitte an.“
Pack deinem Kind ein Päckchen Taschentücher in den Ranzen. Jüngere Kinder schämen sich manchmal, wenn sie vor der Klasse bluten, oder haben Angst vor dem Blut. Übt die Handgriffe zuhause, dann fühlt sich dein Kind sicherer. Blutet es nach einem Ball ins Gesicht im Sportunterricht, gilt dieselbe Erste Hilfe. Mehr zu Verletzungen beim Sport findest du im Ratgeber Sportverletzung beim Kind: Erste Hilfe und wann zum Arzt.
Wann du zum Kinderarzt solltest
Einzelnes Nasenbluten, das mit Druck aufhört, muss kein Arzt sehen. Lass dein Kind aber untersuchen, wenn eines davon zutrifft:
- Die Nase blutet nach 20 Minuten richtigem Druck immer noch.
- Dein Kind hat sehr häufig Nasenbluten, zum Beispiel mehrmals pro Woche, oder es wird immer mehr.
- Das Nasenbluten kam nach einem Sturz oder Schlag auf den Kopf. Bei Benommenheit, Erbrechen oder klarer Flüssigkeit aus der Nase ruf sofort den Notruf.
- Die Nase sieht nach einem Stoß schief aus oder schwillt stark an.
- Dir fallen blaue Flecken ohne erkennbaren Grund auf, oder dein Kind blutet auch am Zahnfleisch oder nach kleinen Schnitten auffällig lange.
- In eurer Familie ist eine Blutungsneigung oder Gerinnungsstörung bekannt.
- Ein jüngeres Kind blutet nur aus einem Nasenloch und es riecht unangenehm. Dann steckt womöglich etwas in der Nase.
- Dein Kind nimmt Medikamente, die die Blutgerinnung beeinflussen.
Die Kinderärztin schaut sich die Nase an und überweist bei Bedarf an eine HNO-Praxis. Manchmal wird ein Gefäß, das immer wieder blutet, dort verödet. Das ist ein kurzer Eingriff. Gegen Schmerzen nach einem Stoß gib deinem Kind kein Mittel mit Acetylsalicylsäure (ASS, zum Beispiel Aspirin), weil es die Blutung verstärken kann und für Kinder ohnehin nicht empfohlen wird. Welches Mittel und welche Dosis passen, sagt dir die Praxis oder Apotheke.
Klagt dein Kind neben dem Nasenbluten häufig über Kopfschmerzen, sprich auch das beim Kinderarzt an. Was hinter Kopfschmerzen bei Kindern stecken kann, liest du im Ratgeber Kind hat Kopfschmerzen.
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Häufige Fragen
Was tun, wenn mein Kind Nasenbluten hat?
Setz dein Kind aufrecht hin und lass es den Kopf leicht nach vorne beugen. Drück dann den weichen vorderen Teil der Nase mit Daumen und Zeigefinger zusammen, ohne Pause, etwa zehn Minuten lang. Blut, das in den Mund läuft, soll dein Kind ausspucken statt schlucken. Ein kalter Waschlappen im Nacken kann zusätzlich helfen, ist aber kein Muss.
Warum soll mein Kind den Kopf nicht in den Nacken legen?
Dann läuft das Blut nicht mehr vorne heraus, sondern hinten in den Rachen. Dein Kind schluckt es, und verschlucktes Blut reizt den Magen. Viele Kinder müssen sich dann übergeben. Außerdem siehst du nicht mehr, ob die Blutung schon aufgehört hat. Deshalb gilt: Kopf leicht nach vorne, nicht nach hinten.
Warum hat mein Kind im Winter so oft Nasenbluten?
Heizungsluft ist trocken. Die Schleimhaut vorne in der Nase trocknet aus, wird rissig und juckt. Dort liegen viele kleine Blutgefäße direkt unter der Oberfläche. Ein bisschen Reiben, Nasebohren oder kräftiges Schnäuzen bei Schnupfen reicht dann, und es blutet. Ausreichend feuchte Raumluft und eine pflegende Nasensalbe helfen vielen Kindern.
Wann muss ich mit Nasenbluten zum Arzt?
Wenn die Nase nach 20 Minuten Druck immer noch blutet, wenn dein Kind sehr oft Nasenbluten hat, wenn es nach einem Sturz oder Schlag auf den Kopf blutet, wenn dir blaue Flecken ohne erkennbaren Grund auffallen oder wenn in eurer Familie eine Blutungsneigung bekannt ist. Wirkt dein Kind blass, schwindelig oder benommen, ruf den Notruf: 112 in Deutschland, 144 in Österreich und der Schweiz.
Darf mein Kind mit Nasenbluten in die Schule?
Ja. Nasenbluten ist nicht ansteckend und kein Grund, zuhause zu bleiben. Hat dein Kind öfter Nasenbluten, sag der Klassenlehrerin kurz Bescheid. Dann weiß sie, wie sie helfen kann, und erschrickt nicht. Ältere Kinder können ein paar Taschentücher im Ranzen haben und wissen, wie sie selbst richtig drücken.
Soll ich ein Taschentuch in die Nase stecken?
Lieber nicht. Ein tief hineingestopftes Taschentuch drückt nicht an der richtigen Stelle. Beim Herausziehen reißt es außerdem oft die frische Kruste wieder auf, und die Blutung geht von vorne los. Besser ist es, die Nasenflügel von außen zusammenzudrücken und ein Taschentuch nur vor die Nase zu halten.