Kind wird in der Schule geärgert: So kannst du als Elternteil helfen
Kurz gesagt: Zuhören ohne zu bewerten kommt vor dem Handeln. Unterscheide gelegentliches Ärgern von wiederkehrendem Mobbing und such früh das sachliche Gespräch mit der Schule.
Dein Kind kommt nachhause und du merkst, dass irgendetwas nicht stimmt. Nach langem Nachfragen kommt heraus: Es wird in der Schule geärgert, von einem Mitschüler, einer Gruppe oder vielleicht sogar einer Lehrkraft. Dieses Wissen tut weh. Du willst sofort handeln. Aber was ist wirklich der richtige Schritt?
Warum Ärgern in der Schule so belastend ist
Kinder verbringen einen großen Teil ihres Tages in der Schule. Was dort passiert, prägt sie tief. Wenn ein Kind regelmäßig geärgert, ausgelacht oder ausgegrenzt wird, hat das Folgen, die über den Schulhof hinausgehen. Betroffene Kinder entwickeln häufiger Schulangst, zeigen weniger Lust am Lernen und ziehen sich zuhause zurück. Laut einer Studie der Universität Bielefeld aus dem Jahr 2021 geben rund 14 Prozent der deutschen Grundschüler an, regelmäßig von Mitschülern geärgert zu werden. Das ist keine Randerscheinung.
Zuhören, bevor du handelst
Der erste und wichtigste Schritt ist zuhören, ohne sofort zu bewerten oder zu reagieren. Lass dein Kind erzählen. Frag nach, wie es sich dabei gefühlt hat. Vermeide Sätze wie "Das war doch sicher nicht so gemeint" oder "Du musst dich einfach wehren." Diese gut gemeinten Reaktionen signalisieren unbeabsichtigt, dass das Empfinden des Kindes falsch ist.
Was dein Kind jetzt braucht, ist das Gefühl, dass du verstehst, wie schlimm es sich anfühlt. "Das klingt wirklich verletzend. Ich bin froh, dass du mir davon erzählt hast." Das gibt deinem Kind das Gefühl, nicht allein damit zu sein.
Unterschied zwischen Ärgern und Mobbing
Es ist wichtig, zwischen gelegentlichem Ärgern und wiederkehrendem Mobbing zu unterscheiden. Kinder streiten sich und necken sich, das ist normal und auch ein Teil davon, soziale Grenzen kennenzulernen. Problematisch wird es, wenn dasselbe Kind immer wieder von denselben Personen zum Ziel wird, wenn es ein klares Machtgefälle gibt und wenn dein Kind beginnt, Schule aktiv zu meiden.
Wenn du den Verdacht hast, dass es sich um Mobbing handelt, ist schnelles Handeln nötig. Sprich frühzeitig mit der Klassenlehrerin oder dem Klassenlehrer. Schreib die Vorfälle kurz auf, mit Datum und Beschreibung. Das hilft, die Situation konkret darzustellen und macht deutlich, dass es kein Einzelfall ist.
Das Gespräch mit der Schule suchen
Ein Gespräch mit der Lehrkraft oder der Schulleitung ist ein wichtiger Schritt, wenn das Ärgern regelmäßig passiert. Komm vorbereitet und sachlich. Schildere, was dein Kind berichtet hat, ohne Anschuldigungen zu machen. Frage, was die Schule tun kann und was bisher bereits unternommen wurde.
Schulen sind rechtlich verpflichtet, das Wohlergehen aller Schülerinnen und Schüler zu sichern. Wenn du das Gefühl hast, dass dein Anliegen nicht ernst genommen wird, kannst du dich an den Elternbeirat oder das Schulamt wenden.
Was du deinem Kind zuhause mitgeben kannst
Parallel zum Gespräch mit der Schule kannst du deinem Kind helfen, innerlich gestärkt in den Schulalltag zu gehen. Übe mit ihm kurze, ruhige Reaktionen auf Sticheleien. "Das interessiert mich nicht" oder einfaches Weggehen ohne sichtbare Reaktion nehmen dem Ärgern oft die Wirkung, weil es keine Aufmerksamkeit gibt. Das klingt einfacher als es ist, besonders für jüngere Kinder. Aber Rollenspiele zuhause können dabei helfen.
Stärke auch das soziale Umfeld deines Kindes. Gibt es ein oder zwei Klassenkameraden, mit denen es gut auskommt? Verabredungen nach der Schule, gemeinsame Freizeitaktivitäten oder ein Verein, in dem dein Kind eine Gemeinschaft findet, die positiv ist, helfen dabei, das Selbstbewusstsein zu stärken.
Wann professionelle Unterstützung sinnvoll ist
Wenn dein Kind schlecht schläft, Bauchschmerzen vor der Schule hat, weint oder sehr still geworden ist, sollte professionelle Hilfe nicht lange auf sich warten. Kinderpsychologische Praxen, Schulberatungsstellen und die "Nummer gegen Kummer" (0800 111 0 333, kostenlos und anonym) sind gute erste Anlaufstellen. Dein Kind muss nicht leiden, bis die Schulsituation sich von selbst löst.
Du bist der wichtigste Rückhalt deines Kindes
Was dein Kind in dieser Zeit vor allem braucht, bist du. Nicht als Retter, der alles sofort löst, sondern als verlässliche Person, der es vertrauen kann. Wenn dein Kind weiß, dass es zuhause gehört wird und dass du an seiner Seite bist, trägt das erheblich dazu bei, schwierige Schulphasen zu überstehen.
Kostenlose, anonyme Beratung – rund um die Uhr
- Elterntelefon „Nummer gegen Kummer": 0800-111 0 550
- Kinder- und Jugendtelefon: 116 111
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Häufige Fragen
Soll ich die Eltern des anderen Kindes ansprechen?
In den meisten Fällen ist es sinnvoller, zuerst die Schule einzuschalten. Ein direktes Elterngespräch kann schnell eskalieren. Wenn die Schule nicht reagiert und das Verhalten anhält, kann ein Gespräch mit den anderen Eltern hilfreich sein, am besten mit einer Lehrkraft oder dem Schulberatungsdienst dabei.
Mein Kind sagt, ich soll nichts tun. Was nun?
Das Zögern deines Kindes ist oft Angst vor Konsequenzen. Versichere ihm, dass du behutsam vorgehst. Gleichzeitig hast du als Elternteil auch die Verantwortung, aktiv zu werden, wenn du siehst, dass es deinem Kind nicht gut geht. Erkläre deinem Kind, was du planst, und nimm seine Bedenken ernst.
Kann Ärgern in der Schule psychische Folgen haben?
Ja. Anhaltende soziale Ausgrenzung und Hänseleien können zu Angststörungen, Depressionen und geringem Selbstwertgefühl führen, wenn sie nicht ernst genommen werden. Frühes Handeln macht einen großen Unterschied.
Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel wurde von der Kinwords-Redaktion verfasst und befindet sich derzeit in kinderpsychologischer Review. Für konkrete psychotherapeutische Einschätzungen wende dich an eine Fachkraft.
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