Ratgeber6 Min. LesezeitKinwords Redaktion

Kind schreibt schlecht: Legasthenie-Verdacht oder normales Lerntempo?

Kurz gesagt: Schlechte Rechtschreibung in der Grundschule ist nicht immer ein Problem. Viele Kinder brauchen länger als andere. Legasthenie zeigt sich durch bestimmte Fehlermuster, nicht durch zufällige Fehler. Wenn du ein Muster siehst und das Kind trotz Üben nicht besser wird, ist ein Test beim Schulpsychologen der richtige nächste Schritt.

Die Lehrerin schreibt: „Schreibung weiter üben." Das Diktat kommt nach Hause mit acht Fehlern auf zehn Zeilen. Du übst mit deinem Kind jeden Abend, aber es wird nicht besser. Oder vielleicht doch besser, aber kaum. Was stimmt hier nicht?

Die Antwort ist nicht einfach, weil schlechtes Schreiben verschiedene Ursachen hat. Erst wenn du weißt, worum es geht, kannst du richtig helfen.

Wann ist schlechtes Schreiben normal?

In der ersten und zweiten Klasse machen fast alle Kinder viele Fehler. Das Lesen- und Schreibenlernen ist eine komplexe Leistung, die Zeit braucht. Wenn dein Kind in Klasse 1 „Hund" als „Hunt" schreibt oder Buchstaben umdreht, ist das oft normaler Entwicklungsschritt.

Besorgniserregender wird es, wenn:

  • Die gleichen Fehler immer wieder vorkommen, auch nachdem das Kind sie oft geübt hat
  • Das Kind Buchstaben systematisch verwechselt (b und d, p und q, ie und ei)
  • Das Kind Wörter so schreibt, wie es sie hört, auch wenn die Schreibregel bekannt ist
  • Das Schreiben deutlich langsamer geht als bei anderen Kindern im gleichen Alter
  • Das Kind das Lesen ebenfalls schwer findet und sehr langsam liest

Was Legasthenie ist und was nicht

Legasthenie ist keine Faulheit und kein Zeichen von geringer Intelligenz. Sie betrifft etwa 5 bis 10 Prozent der Bevölkerung und hat neurologische Ursachen. Das Gehirn verarbeitet schriftliche Informationen anders als bei anderen Menschen.

Typische Fehlermuster bei Legasthenie:

  • Buchstaben umdrehen oder spiegeln (b/d, p/q)
  • Silben oder Buchstaben in Wörtern auslassen
  • Wörter nach Klang schreiben statt nach Regel (z. B. „Hase" als „Haze")
  • Beim Lesen Wörter erraten statt dekodieren
  • Sehr langsames, anstrengendes Lesen und Schreiben

Das Wichtige: Nicht alle diese Fehler zusammen bedeuten automatisch Legasthenie. Und Legasthenie zeigt sich nicht bei jedem Kind gleich. Ein Fachtest ist der einzig verlässliche Weg.

Was du als nächstes tun kannst

Mit der Lehrkraft sprechen

Bitte um ein Gespräch und frag direkt: Was beobachten Sie konkret? Sehen Sie ein Muster? Empfehlen Sie eine Abklärung? Viele Lehrkräfte erkennen Legasthenie-Anzeichen, bringen es aber nicht von sich aus auf.

Einen Test machen lassen

Der Schulpsychologische Dienst kann testen, ob eine Lese-Rechtschreib-Störung vorliegt. Alternativ gibt es niedergelassene Kinderpsychologen, die den Test anbieten. Der Test ist der Ausgangspunkt für alles weitere: gezielte Förderung, Nachteilsausgleich in der Schule, spezialisierte Legasthenie-Therapie.

Zu Hause nicht überfrachten

Mehr Üben ist nicht immer die Antwort. Wenn ein Kind trotz Übens nicht besser wird, liegt das oft nicht am fehlenden Einsatz, sondern an der falschen Methode. Pauschal mehr Diktate zu schreiben hilft bei Legasthenie wenig. Spezielle Förderprogramme, die die phonologische Bewusstheit trainieren, bringen mehr.

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Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Legasthenie und einfach schlechtem Schreiben?

Legasthenie (Lese-Rechtschreib-Störung) ist eine neurologische Besonderheit beim Verarbeiten von Schrift. Kinder mit Legasthenie machen nicht zufällig Fehler, sondern systematisch bestimmte Fehlertypen: Buchstaben verwechseln oder umdrehen (b/d, p/q), Silben auslassen, Wörter nach Klang statt nach Schreibregel schreiben. Schlechtes Schreiben ohne Muster kann dagegen eine Frage der Übung, der Feinmotorik oder der Motivation sein. Ein Fachpsychologe kann das mit Tests unterscheiden.

Darf die Schule mein Kind wegen schlechter Rechtschreibung schlechter benoten?

In Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es Regelungen zum Nachteilsausgleich bei Legasthenie. Bei einer entsprechenden Diagnose können Schulen Noten in Deutsch und manchmal anderen Fächern gesondert ausweisen oder gewichten. Die konkreten Regelungen unterscheiden sich je nach Bundesland. Besprich das mit der Schulleitung, sobald eine Diagnose vorliegt.

Kann Legasthenie verschwinden?

Legasthenie verschwindet nicht, aber sie lässt sich kompensieren. Mit gezielter Förderung und dem richtigen Rahmen können Kinder mit Legasthenie lesen und schreiben lernen, auch wenn es mehr Aufwand kostet. Viele Erwachsene mit Legasthenie führen erfolgreiche Berufs- und Privatleben. Der Schlüssel ist frühzeitige Diagnose und gezielte Förderung statt allgemeiner Übekritik.

Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel wurde von der Kinwords-Redaktion verfasst und befindet sich derzeit in kinderpsychologischer Review. Für konkrete psychotherapeutische Einschätzungen wende dich an eine Fachkraft.

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