Kind mitbestimmen lassen: wann und wie viel?
Kurz gesagt: Kinder, die echte Mitsprache erleben, lernen Entscheidungen zu treffen, Verantwortung zu übernehmen und sich als wirksam zu erleben. Wichtig ist die Unterscheidung: Du kannst dein Kind fragen, ohne die Entscheidung abzugeben. Mitbestimmung bedeutet Beteiligung, nicht Gleichberechtigung in allem.
Du fragst dein Kind, was es essen möchte. Es sagt: "Pommes." Du hast aber schon Suppe gekocht. Das war keine echte Frage. Das war eine Scheinbeteiligung, und Kinder merken den Unterschied sehr genau.
Echte Mitbestimmung ist anstrengender, weil sie Konsequenzen hat. Aber sie bringt auch mehr. Kinder, die wirklich mitentscheiden dürfen, sind nicht schwieriger. Sie sind eigenständiger.
Was Mitbestimmung bringt
Kinder, die erleben, dass ihre Meinung zählt, entwickeln Selbstwirksamkeit: das Gefühl, durch eigenes Handeln etwas bewirken zu können. Das ist einer der stärksten Schutzfaktoren gegen Angst und Hilflosigkeit im späteren Leben.
Gleichzeitig lernen sie, dass Entscheidungen Folgen haben. Wenn das Kind den Pullover selbst ausgesucht hat und ihm jetzt kalt ist, ist das eine eigene Erfahrung. Keine Strafe, kein "Ich hab's doch gesagt." Eine Erkenntnis.
Was Mitbestimmung nicht ist
Mitbestimmung bedeutet nicht, dass das Kind über alles entscheidet. Schlafen, Schulpflicht, Sicherheitsfragen: Das sind keine Verhandlungsgegenstände. Wer versucht, in allem demokratisch zu sein, überfordert das Kind. Kinder brauchen Grenzen und wissen oft selbst, dass manche Dinge bei den Eltern liegen.
Es gibt einen Unterschied zwischen "Ich frage dich, weil deine Meinung zählt" und "Ich frage dich, weil ich die Verantwortung loswerden will." Kinder spüren beides.
Mitbestimmung nach Alter
Kleinkinder (2 bis 5 Jahre)
Zwei klare Optionen. "Willst du den roten oder den blauen Becher?" Nicht mehr. Zu viel Auswahl überfordert. Die Entscheidung ist echt, der Rahmen ist gesetzt.
Grundschulalter (6 bis 10 Jahre)
Kinder können an Alltagsplanungen beteiligt werden: Was kommt am Wochenende? Was koche ich heute? Sie können Meinungen zu ihrer Zimmergestaltung äußern. Bei größeren Entscheidungen, wie einem Umzug oder einer Schulentscheidung, dürfen sie gehört werden, aber die Entscheidung liegt bei den Eltern.
Ab der Mittelstufe (11 Jahre und älter)
Teenager wollen und brauchen echte Beteiligung. Nicht nur "Was meinst du?", sondern "Deine Meinung beeinflusst, was wir entscheiden." Das heißt nicht, dass sie immer Recht bekommen. Aber sie erleben, dass ihre Stimme Gewicht hat.
Wie echte Beteiligung aussieht
Frag, bevor du entschieden hast, nicht danach. Erkläre, was nicht verhandelbar ist und warum. Wenn das Kind eine andere Entscheidung trifft als du erwartet hast, akzeptiere sie, wenn sie im Rahmen liegt. Und wenn du sie nicht akzeptieren kannst: Stell die Frage nicht.
Das klingt streng, ist aber das Gegenteil von Kontrollzwang. Es ist Respekt für das Kind und Respekt für dich selbst.
Weiterlesen
Häufige Fragen
Wie viel Mitsprache ist für welches Alter sinnvoll?
Kleinkinder können zwischen zwei Optionen wählen (roter oder blauer Pullover). Grundschulkinder können bei Alltagsthemen mitentscheiden, die sie direkt betreffen, wie Freizeitaktivitäten oder die eigene Zimmergestaltung. Teenager sollten bei größeren Fragen eine echte Stimme haben, auch wenn die Entscheidung bei den Eltern liegt.
Was tue ich, wenn mein Kind immer nur das Falsche wählt?
Frag dich, ob du die Wahl wirklich meinst. Wenn du nur fragst, aber eine bestimmte Antwort erwartest, merkt das Kind das schnell und hört auf, echte Antworten zu geben. Echte Mitbestimmung bedeutet, dass du das Ergebnis auch akzeptierst, wenn es nicht dein erstes war.
Mein Kind sagt immer 'weiß nicht' und will gar nicht entscheiden. Was tun?
Das kann heißen, dass zu viel erwartet wird, oder dass das Kind gelernt hat, dass seine Meinung nicht wirklich zählt. Fang mit sehr kleinen, konkreten Fragen an und akzeptiere jede Antwort ohne Kommentar. Mit der Zeit wächst das Vertrauen.
Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel wurde von der Kinwords-Redaktion verfasst und befindet sich derzeit in kinderpsychologischer Review. Für konkrete psychotherapeutische Einschätzungen wende dich an eine Fachkraft.
Weitere Beiträge in der Leseecke
Zum MagazinDeine Situation ist anders?
Starte eine kostenlose Beratung, beschreib dein konkretes Anliegen und Kinwords gibt dir in zwei Minuten personalisierte Gesprächs-Formulierungen für genau deinen Fall.
Kostenlos starten