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Kind arbeitet sehr langsam: Nicht jedes Kind braucht dasselbe Tempo

Kurz gesagt: Langsames Arbeitstempo ist nicht automatisch ein Problem. Es kann am Temperament liegen, an Perfektionismus, an einer noch nicht automatisierten Faehigkeit wie Lesen oder Schreiben, oder daran, dass Grundfaehigkeiten noch Kapazitaet brauchen. Druck beschleunigt selten, sorgt aber fuer mehr Fehler und mehr Stress. Was hilft ist Uebung in kleinen Schritten, und wenn noetig, ein Gespraech mit der Schule ueber Anpassungen.

Hausaufgaben dauern drei Stunden, fuer Stoff, fuer den andere Kinder eine halbe Stunde brauchen. In der Schule ist das Kind immer das letzte, das eine Aufgabe abgibt. Das ist frustrierend fuer das Kind, frustrierend fuer Eltern, und manchmal frustrierend fuer die Lehrkraft.

Was dahinter steckt und ob man etwas tun muss, haengt davon ab, was genau passiert.

Haeufige Gruende fuer langsames Arbeitstempo

  • Grundlegende Faehigkeiten sind noch nicht automatisiert. Wenn Lesen oder Schreiben noch Anstrengung kostet, bleibt wenig Kapazitaet fuer den Inhalt. Das Kind denkt gleichzeitig darueber nach, wie es einen Buchstaben schreibt und was es schreiben will. Beides braucht Ressourcen.
  • Perfektionismus. Das Kind radiert oft, schreibt nochmal, ist nie zufrieden mit dem Ergebnis. Das ist kein Fleis, sondern eine Bremse. Perfektionismus entsteht oft dort, wo Fehler in der Vergangenheit stark beachtet oder kritisiert wurden.
  • Ablenkbarkeit. Das Kind faengt an, wird unterbrochen durch innere oder aeussere Reize, faengt neu an. Nicht das Arbeiten dauert lange, sondern die Pausen dazwischen.
  • Natuerliches Temperament. Manche Menschen sind grundsaetzlich ggruendlicher und langsamer, verarbeiten mehr, bevor sie anfangen. Das ist eine Eigenschaft, kein Mangel.

Was Druck anrichtet

Wenn man ein langsam arbeitendes Kind unter Zeitdruck setzt, passiert meistens eines von drei Dingen: mehr Fehler, weil die Kontrolle fehlt. Mehr Stress, weil das Kind merkt, dass es den Erwartungen nicht entspricht. Oder beides. Was nicht passiert: eine dauerhafte Beschleunigung.

"Mach schneller", "du koenntest das auch in 20 Minuten schaffen", und die Uhr danebenstellen helfen kurzfristig manchmal, erzeugen aber langfristig Angst vor der Aufgabe.

Was wirklich hilft

Wenn das Lesen oder Schreiben noch muehsam ist, hilft regelmaessiges Ueben in kleinen Mengen ohne Druck. Zehn Minuten taeglich Lesen baut Fluss auf. Regelmaessiges Schreiben, auch ausserhalb der Hausaufgaben, automatisiert den Stift.

Wenn Perfektionismus das Tempo bremst: Aufgaben mit niedriger Erwartung einfuehren, bei denen Schnelligkeit das Ziel ist. "Schreib so schnell du kannst, egal ob Fehler drin sind." Das trainiert, loszulassen. Fehlertoleranz entsteht durch Uebung, nicht durch Ueberzeugen.

Wenn Ablenkbarkeit das Thema ist: ruhige Umgebung, kurze Bloecke mit Timer, Pausen nach dem Block statt mittendrin.

Wann man die Schule einbezieht

Wenn langsames Tempo dazu fuehrt, dass das Kind regelmaessig Aufgaben nicht beendet, schlechte Noten bekommt, obwohl es den Stoff kann, oder sich in der Schule chronisch gestresst fuehlt, ist ein Gespraech mit der Lehrkraft sinnvoll. Manchmal helfen kleine Anpassungen: mehr Zeit bei Pruefungen, weniger Aufgaben bei gleichem Inhalt, ein ruhigerer Sitzplatz.

Bei diagnostiziertem Bedarf gibt es in Deutschland, Oesterreich und der Schweiz den sogenannten Nachteilsausgleich, der mehr Zeit bei Pruefungen oder andere Anpassungen ermoeglichen kann. Das ist kein Sonderstatus, sondern eine Anpassung, damit die Leistung des Kindes sichtbar wird.

Haeufige Fragen

Ist ein langsam arbeitendes Kind ein Zeichen fuer eine Lernstoerung?

Nicht unbedingt. Langsames Arbeitstempo kann viele Gruende haben: Perfektionismus, Ablenkbarkeit, wenig Automatisierung bei grundlegenden Faehigkeiten wie Lesen oder Schreiben, oder einfach ein anderes natuerliches Tempo. Eine Lernstoerung wie Legasthenie oder Dyskalkulie geht meist mit anderen Auffaelligkeiten einher, nicht nur mit Langsamkeit. Wenn du dir unsicher bist, ist ein Gespraech mit der Lehrkraft und dem Kinderarzt ein sinnvoller erster Schritt.

Mein Kind arbeitet in der Schule langsam, zu Hause aber schnell. Warum?

In der Schule gibt es mehr Reize, mehr Ablenkung, sozialen Druck und oft weniger Ruhe als zu Hause. Ausserdem arbeiten Kinder zu Hause oft in einer Umgebung, die sie kennen und in der sie sich sicher fuehlen. Das ist kein Widerspruch, sondern ein Hinweis darauf, dass das Kind grundsaetzlich kann, aber unter Schul-Bedingungen mehr Unterstuetzung braucht.

Soll ich dafuer sorgen, dass mein Kind schneller wird?

Das Ziel sollte nicht 'schneller' sein, sondern 'ausreichend schnell fuer die Anforderungen'. Manche Kinder werden ihr Leben lang langsamer arbeiten als andere und damit kein Problem haben. Was helfen kann: Automatisierung grundlegender Faehigkeiten, also mehr Lesen, damit Lesen fliesst; regelmaessiges Schreiben, damit Schreiben fliesst. Was nicht hilft: staendiger Zeitdruck und Vergleiche mit Geschwistern oder anderen Kindern.

Die Lehrerin sagt, mein Kind beendet die Aufgaben nie rechtzeitig. Was sage ich?

Hoerenswert zu fragen, ob das Kind die Aufgaben inhaltlich versteht und nur langsam ausfuehrt, oder ob es auch inhaltlich nicht mitkommt. Das sind verschiedene Probleme mit verschiedenen Loesungen. Wenn nur das Tempo fehlt: gibt es die Moeglichkeit einer kleinen Anpassung, etwa mehr Zeit bei Pruefungen oder weniger Aufgaben bei gleichem Inhalt? Nachteilsausgleich ist in Deutschland und Oesterreich bei diagnostiziertem Bedarf moeglich.

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