Igel gefunden im Herbst: Was tun, wenn dein Kind helfen will
Igel im Herbst gefunden? So erkennt ihr, ob er Hilfe braucht, was ihr tun und lassen solltet, wo es Igelstationen gibt und was dein Kind dabei lernt.
Kurz gesagt: Wenn dein Kind im Herbst einen Igel gefunden hat, braucht das Tier meistens keine Hilfe. Ein Igel, der abends oder nachts kräftig durch den Garten läuft, frisst sich gerade Winterspeck an. Hilfe braucht er, wenn er tagsüber herumtorkelt oder in der Sonne liegt, verletzt ist, sehr mager oder apathisch wirkt oder im Spätherbst bei Frost noch sehr klein ist. Dann fasst ihr ihn nur mit Handschuhen an, setzt ihn in einen Karton und ruft eine Igelstation oder Tierarztpraxis an. Keine Milch, und nicht einfach als Haustier behalten.
Für Kinder ist ein Igel ein ganz besonderer Fund. Er schnauft, raschelt im Laub und rollt sich zur stacheligen Kugel zusammen, wenn man ihm zu nahe kommt. Viele Kinder wollen ihn sofort mit ins Haus nehmen, ihm ein Bett bauen und ihn durch den Winter bringen. Das ist liebevoll gemeint, schadet einem gesunden Igel aber mehr, als es hilft. Hier liest du, wie ihr gemeinsam richtig entscheidet.
Warum ihr im Herbst so viele Igel seht
Von September bis in den November sind Igel besonders aktiv. Sie müssen sich vor dem Winterschlaf ein dickes Fettpolster anfressen, denn von etwa November bis März oder April leben sie fast nur von ihren Reserven. Dazu kommen die Jungtiere aus dem Spätsommer, die zum ersten Mal allein unterwegs sind und noch wachsen müssen. Deshalb begegnet ihr in dieser Zeit öfter Igeln, in der Dämmerung im Garten, am Komposthaufen oder auf dem Gehweg. Die allermeisten davon kommen gut allein zurecht.
Wann braucht ein Igel wirklich Hilfe?
Schaut euch den Igel zuerst aus ein paar Metern Abstand an. Eingreifen solltet ihr, wenn eines dieser Zeichen zutrifft:
- Er ist tagsüber unterwegs: Igel sind nachtaktiv. Ein Igel, der am Tag umherirrt, schwankt, im Kreis läuft oder offen in der Sonne liegt, ist sehr wahrscheinlich krank oder geschwächt. Ausnahme: Ein kräftiger Igel sammelt kurz Laub für sein Nest und verschwindet zügig wieder.
- Er ist verletzt: Wunden, Blut, ein nachgezogenes Bein, Verletzungen durch Mähroboter, Rasentrimmer oder Autos. Auch weiße Fliegeneier oder Maden in Wunden, an Augen oder Ohren sind ein Notfall.
- Er wirkt apathisch: Er rollt sich bei Berührung nicht ein, liegt auf der Seite, reagiert kaum, hustet oder hat verklebte Augen.
- Er ist abgemagert: Hinter dem Kopf ist eine deutliche Einbuchtung zu sehen, der Körper wirkt eher länglich als rund. Fachleute sprechen vom Hungerknick.
- Er ist im Spätherbst noch sehr klein: Ein Jungigel, der im November oder später bei Frost oder Schnee noch deutlich unter 500 Gramm wiegt, schafft den Winterschlaf oft nicht allein. Ein Igel in dieser Größe passt etwa noch in zwei Kinderhände.
Trifft nichts davon zu, lasst ihr den Igel in Ruhe. Ein munterer, rundlicher Igel, der in der Dämmerung durch den Garten zieht, braucht keine Rettung, sondern einen ruhigen Garten.
Igel gefunden: Was ihr tun könnt
- Handschuhe anziehen: Dicke Garten- oder Lederhandschuhe, alternativ ein gefaltetes Handtuch. Dein Kind fasst den Igel am besten gar nicht selbst an, sondern hilft beim Vorbereiten.
- Karton herrichten: Ein Karton mit hohen Wänden, ausgelegt mit Zeitungspapier und einem alten Handtuch, in das sich der Igel verkriechen kann. Ein paar Luftlöcher in den Deckel, den Deckel nur locker auflegen.
- Wärme bei kalten Igeln: Fühlt sich der Igel kühl an, legt ihr eine handwarme Wärmflasche, in ein Tuch gewickelt, in eine Ecke des Kartons. Der Igel muss ausweichen können, falls es ihm zu warm wird.
- Ruhig und sicher abstellen: An einen ruhigen Ort im Haus, weg von Haustieren, Durchzug und Kinderlärm. Dein Kind kann ab und zu leise nachsehen, aber den Igel nicht herausholen oder herumzeigen.
- Sofort Fachleute anrufen: Igelstation, Wildtierhilfe oder Tierarztpraxis. Am Telefon bekommt ihr meist schon gesagt, ob ihr den Igel bringen sollt, was er bis dahin braucht oder ob er doch zurück nach draußen darf.
Merkt euch genau, wo ihr den Igel gefunden habt. Igel sind ortstreu, und nach der Pflege wird er am besten genau dort wieder ausgesetzt.
Was ihr lieber lassen solltet
- Keine Milch: Igel vertragen keinen Milchzucker. Kuhmilch löst bei ihnen schweren Durchfall aus, und ein geschwächter Igel kann daran sterben. Eine flache Schale mit Wasser ist in Ordnung.
- Kein Obst, keine Nüsse, kein Brot: Igel fressen vor allem Insekten, Käfer und Würmer. Was ein gefundener Igel bekommen darf, besprecht ihr mit der Igelstation, statt aus dem Kühlschrank zu raten.
- Gesunde Igel nicht mitnehmen: Ein gesunder Igel ist draußen am besten aufgehoben. In der warmen Wohnung kommt sein Winterschlaf durcheinander, und er verliert wertvolle Zeit zum Anfressen.
- Nicht auf eigene Faust überwintern: Einen Igel durch den Winter zu bringen, braucht Erfahrung, das richtige Futter und oft tierärztliche Behandlung gegen Parasiten. Das gehört in Fachhände.
Wo du Hilfe für Igel findest
Sucht am besten schon jetzt im Herbst die nächste Anlaufstelle heraus. Viele Igelstationen arbeiten ehrenamtlich und sind im Oktober und November sehr ausgelastet, ein Anruf vorab ist deshalb wichtig.
- Deutschland: Igelstationen und Wildtierhilfen gibt es in vielen Regionen. Der Verein Pro Igel informiert ausführlich und hilft bei der Suche nach einer Station. Auch der NABU gibt Tipps.
- Österreich: Wendet euch an eine Igelstation oder Wildtierhilfe in eurem Bundesland, an den örtlichen Tierschutzverein oder an eine Tierarztpraxis.
- Schweiz: Igelstationen gibt es in vielen Kantonen, etwa das Igelzentrum in Zürich. Pro Igel Schweiz informiert über Fundigel und Stationen.
- Überall: Eine Tierarztpraxis ist eine gute erste Adresse, gerade bei Verletzungen. Nicht jede behandelt Wildtiere, aber fast alle wissen, wohin ihr euch wenden könnt.
Was ist rechtlich erlaubt?
Igel sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz geschützt, in Deutschland sogar besonders geschützt. Gesunde Igel dürft ihr nicht einfangen oder als Haustier halten. Ist ein Igel verletzt, krank oder hilflos, dürft ihr ihn vorübergehend aufnehmen, um ihn zu versorgen oder zu einer Station zu bringen. Sobald er wieder selbstständig leben kann, muss er zurück in die Natur.
In Deutschland regelt das das Bundesnaturschutzgesetz. In Österreich ist Naturschutz Sache der Bundesländer, in der Schweiz gibt es Regeln auf Bundes- und Kantonsebene. Die Details unterscheiden sich also je nach Wohnort. Wenn ihr euch unsicher seid, fragt einfach bei der Igelstation nach.
Hygiene: Flöhe, Zecken und Händewaschen
Fast jeder wilde Igel hat Flöhe, viele auch Zecken. Igelflöhe sind auf Igel spezialisiert und bleiben nicht dauerhaft auf Menschen oder Haustieren. Zecken können dagegen auf Kinder überwechseln, deshalb lohnt sich am Abend ein kurzer Blick auf Arme und Hände. Wie ihr eine Zecke richtig entfernt, steht im Ratgeber Zeckenstich beim Kind.
Igel können außerdem Hautpilz und Salmonellen übertragen. Deshalb gilt: nur mit Handschuhen anfassen, nicht ans Gesicht halten und danach gründlich die Hände mit Seife waschen, auch wenn dein Kind Handschuhe anhatte. Handtücher kommen in die heiße Wäsche, den Karton werft ihr weg. Bemerkst du bei deinem Kind in den Wochen danach einen runden, roten, schuppigen und juckenden Fleck, lass ihn kinderärztlich anschauen.
Den Garten igelfreundlich machen
Die beste Igelhilfe passiert nicht im Karton, sondern im Garten. Daraus kann ein schönes Herbstprojekt für die ganze Familie werden:
- Laubhaufen liegen lassen: Ein Haufen Laub und Reisig in einer ruhigen Ecke ist für Igel ein ideales Winterquartier. Dein Kind kann ihn mit aufschichten.
- Durchgänge im Zaun: Ein Loch von etwa 13 mal 13 Zentimetern unten im Zaun genügt, damit Igel von Garten zu Garten wandern können.
- Mähroboter nachts aus: Mähroboter verletzen jedes Jahr viele Igel. Lasst ihn nur tagsüber laufen, wenn überhaupt.
- Fallen entschärfen: Lichtschächte abdecken, im Teich eine flache Ausstiegshilfe schaffen, Netze hochbinden.
- Kein Schneckenkorn und Gift: Igel fressen vergiftete Schnecken und Insekten mit. Ein naturnaher Garten mit Wildblumen und Hecken liefert ihnen genug Futter.
- Wasser hinstellen: Eine flache Schale mit frischem Wasser hilft Igeln vor allem in trockenen Herbstwochen.
Was dein Kind dabei lernt
Wenn dein Kind den Igel unbedingt retten will, zeigt es echtes Mitgefühl. Nimm das ernst, auch wenn die Antwort lautet, dass ihr ihn draußen lasst. Erkläre warum: Ein gesunder Igel weiß selbst am besten, wie er durch den Winter kommt, und eure Aufgabe ist es, ihm dabei nicht im Weg zu stehen. So lernt dein Kind, dass Helfen manchmal bedeutet, sich zurückzuhalten und genau hinzuschauen.
Gib ihm eine Aufgabe. Es kann in der Dämmerung vom Fenster aus beobachten, ob der Igel wiederkommt, eine Igel-Ecke im Garten gestalten oder notieren, wann es ihn sieht. Mehr Ideen, wie du die Neugier auf Tiere und Natur stärkst, findest du im Ratgeber Kinder und Natur: Warum Draußenspielen unersetzlich ist. Wer schon einmal einen Jungvogel gefunden hat, kennt vieles davon, Unterschiede und Gemeinsamkeiten zeigt der Ratgeber Jungvogel gefunden: Was tun?.
Nicht jeder kranke Igel überlebt, auch nicht in der besten Station. Bereite dein Kind ehrlich darauf vor und sag ihm, dass es alles richtig gemacht hat, wenn es Hilfe geholt hat. Wie Kinder Verantwortung für Tiere Schritt für Schritt lernen, beschreibt der Ratgeber Haustier und Kind: Verantwortung lernen.
Hinweis: Dieser Ratgeber gibt allgemeine Informationen und ersetzt nicht die Beratung durch eine Igelstation, Wildtierhilfe oder Tierarztpraxis. Ist ein Igel verletzt, hat er Maden oder Fliegeneier in Wunden oder ist er tagsüber geschwächt unterwegs, wende dich so schnell wie möglich an Fachleute. Hat sich dein Kind an den Stacheln verletzt oder wurde gebissen und die Stelle rötet sich, schwillt an oder schmerzt, lass sie ärztlich anschauen. Außerhalb der Praxiszeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst: in Deutschland 116 117, in Österreich 1450, in der Schweiz der Hausarzt oder die kantonale Notfallnummer.
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Häufige Fragen
Was tun, wenn man im Herbst einen Igel findet?
Erst aus etwas Abstand beobachten. Ein Igel, der in der Dämmerung oder nachts zügig durch den Garten läuft und kräftig wirkt, braucht keine Hilfe. Hilfe braucht er, wenn er tagsüber herumtorkelt oder in der Sonne liegt, verletzt ist, sehr mager wirkt oder im Spätherbst noch sehr klein ist. Dann ruft ihr eine Igelstation oder Tierarztpraxis an, bevor ihr ihn mitnehmt.
Ist ein Igel, der tagsüber unterwegs ist, immer krank?
Fast immer ist das ein Warnzeichen. Igel sind nachtaktiv, und ein gesunder Igel verschläft den Tag in seinem Nest. Läuft er am Tag unsicher herum, liegt er offen in der Sonne oder rollt sich bei Berührung nicht ein, ist er wahrscheinlich krank, verletzt oder stark geschwächt. Eine Ausnahme ist ein kräftiger Igel, der im Spätsommer kurz Laub für sein Nest sammelt und dann wieder verschwindet.
Wie schwer muss ein junger Igel vor dem Winterschlaf sein?
Als grobe Orientierung gilt: Ein Jungigel, der im November oder später bei Frost noch deutlich unter 500 Gramm wiegt, schafft den Winterschlaf oft nicht allein. Gewicht ist aber nur ein Hinweis von mehreren. Wirkt ein kleiner Igel munter und frisst, kann er draußen bleiben. Ob ein Igel überwintert werden muss, klärt ihr am besten mit einer Igelstation.
Darf man einem Igel Milch geben?
Nein. Igel vertragen keinen Milchzucker und bekommen von Kuhmilch schweren Durchfall, der für einen geschwächten Igel lebensgefährlich sein kann. Stellt höchstens eine flache Schale mit Wasser hin. Was ein gefundener Igel fressen darf, besprecht ihr mit der Igelstation. Obst, Nüsse, Brot und Speisereste sind ungeeignet.
Darf ich einen Igel mit nach Hause nehmen?
Igel sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz geschützt. Einen gesunden Igel dürft ihr nicht einfach mitnehmen. Ist er verletzt, krank oder hilflos, dürft ihr ihn vorübergehend aufnehmen, um ihn zu versorgen oder zu einer Station zu bringen. Sobald er wieder fit ist, muss er zurück in die Natur. Die genauen Regeln unterscheiden sich je nach Land und Region, die Igelstation kennt sie.
Können Kinder sich bei einem Igel etwas einfangen?
Igel haben oft Flöhe und Zecken und können Hautpilz oder Salmonellen übertragen. Igelflöhe bleiben nicht dauerhaft auf Menschen. Fasst einen Igel nur mit dicken Handschuhen oder einem Handtuch an und wascht euch danach gründlich die Hände mit Seife. Zeigt sich bei deinem Kind später ein runder, juckender, schuppiger Fleck auf der Haut, lass ihn kinderärztlich anschauen.