Von der Kinwords Redaktion

Glatteis auf dem Schulweg: So kommt dein Kind sicher an

Glatteis auf dem Schulweg: Welche Schuhe helfen, wie der Pinguin-Gang geht, wann du dein Kind zuhause lassen darfst und was nach einem Sturz gilt.

Kinwords Redaktion 8 Min. Lesezeit

Kurz gesagt: Bei Glatteis auf dem Schulweg kommt dein Kind am sichersten an, wenn es Schuhe mit grober, weicher Sohle trägt, im Pinguin-Gang mit kleinen Schritten geht, beide Hände frei hat und zehn bis fünfzehn Minuten früher losgeht. Fahrrad und Roller bleiben bei Glätte zuhause. Ist der Weg an einem Morgen wirklich zu gefährlich, darfst du als Elternteil entscheiden, dein Kind zu begleiten oder zuhause zu lassen, und informierst die Schule. Ein Sturz auf dem direkten Schulweg ist in Deutschland und Österreich gesetzlich unfallversichert.

Über Nacht hat es geregnet, dann ist die Temperatur unter null gefallen. Am Morgen glänzt der Gehweg, das Auto ist vereist, und dein Kind steht schon mit dem Rucksack in der Tür. Viele Eltern fragen sich in solchen Momenten: Schaffe ich es, mein Kind sicher zur Schule zu bringen? Und darf es überhaupt allein los? Dieser Ratgeber zeigt dir, was auf Eis wirklich hilft, wie dein Kind richtig geht, was gilt, wenn Unterricht ausfällt oder dein Kind zu spät kommt, und was du nach einem Sturz tust.

Warum Glatteis auf dem Schulweg für Kinder besonders tückisch ist

Glatteis ist oft kaum zu sehen. Gefrierender Regen oder überfrierende Nässe legen eine dünne, durchsichtige Schicht auf Gehwege, Treppen und Brücken. Der Boden sieht nur nass aus. Kinder sind morgens zudem oft in Eile, schauen auf Freunde statt auf den Weg und laufen eher, als dass sie gehen.

Dazu kommt die Dunkelheit im Winter. Wer im Halbdunkel unterwegs ist, erkennt glatte Stellen später, und Autofahrer sehen Kinder schlechter. Auch Autos rutschen bei Glätte, bremsen später und kommen schwerer zum Stehen. Ein Kind, das an der Bordsteinkante ausrutscht, ist deshalb doppelt in Gefahr.

Die richtigen Schuhe und Spikes

Die Schuhe entscheiden über die Hälfte der Sicherheit. Gut sind Winterstiefel mit einer weichen Gummisohle und tiefem, grobem Profil. Harte, glatte Sohlen, wie sie manche Sneaker oder Gummistiefel haben, werden bei Kälte noch härter und rutschen. Schau dir die Sohle der Winterschuhe vom letzten Jahr an: Ist das Profil abgelaufen, lohnt sich ein neues Paar.

  • Profil: tiefe, grobe Rillen, die nicht schon flach gelaufen sind
  • Sohle: weiches Gummi, das auch bei Frost elastisch bleibt
  • Passform: fester Halt am Knöchel, Klettverschluss oder Schnürung gut zu
  • Spikes: Überzieh-Spikes oder Grödel für sehr vereiste Wege, in Kindergrößen im Sportgeschäft erhältlich

Spikes helfen auf Eis und festgetretenem Schnee. Auf trockenem Asphalt, im Bus und auf den glatten Böden im Schulhaus werden sie selbst zur Rutschgefahr. Übe mit deinem Kind zuhause, wie es sie an- und auszieht. Eine kleine Tasche im Rucksack verhindert, dass nasse Spikes die Hefte durchweichen.

Pinguin-Gang: So geht dein Kind auf Eis

Pinguine fallen auf dem Eis selten um. Ihr Trick lässt sich gut nachmachen, und Kinder lernen ihn schnell, weil er lustig aussieht. Probiert den Pinguin-Gang am besten vorher gemeinsam auf einem sicheren Stück Weg aus:

  • Leicht nach vorn beugen: Der Oberkörper neigt sich etwas nach vorn, der Schwerpunkt liegt über dem vorderen Fuß.
  • Knie locker: Die Knie sind leicht gebeugt, nicht durchgestreckt.
  • Kleine Schritte: Viele kurze Schritte statt weniger langer.
  • Fuß flach aufsetzen: Den ganzen Fuß auf einmal aufsetzen, nicht zuerst mit der Ferse.
  • Arme seitlich: Die Arme hängen locker etwas vom Körper weg und helfen beim Ausbalancieren.
  • Hände aus den Taschen: Handschuhe tragen statt Hände in die Jackentaschen stecken, damit sich dein Kind abfangen kann.

Erkläre deinem Kind auch, wo es besonders aufpassen soll: auf Brücken, Treppen, Gullydeckeln, Kanaldeckeln, abschüssigen Stellen und überall, wo der Boden glänzt. Oft ist der Rand des Gehwegs mit etwas Schnee griffiger als die blanke Mitte. Und ganz wichtig: Niemals auf dem Eis schlittern oder eine Rutschbahn anlegen, auch wenn die Freunde das machen.

Rucksack, Jacke und Sichtbarkeit

Ein schwerer Rucksack, der nur über einer Schulter hängt, bringt dein Kind schneller aus dem Gleichgewicht. Beide Gurte sollten angezogen und so eingestellt sein, dass der Ranzen eng am Rücken anliegt. Nimm an Glatteis-Tagen raus, was nicht unbedingt mit muss. Turnbeutel, Brotdose oder Bastelsachen gehören möglichst in den Rucksack, damit die Hände frei bleiben.

Weil es im Winter morgens noch dunkel ist, helfen helle Kleidung, Reflektoren an Jacke und Ranzen und eine Warnweste oder ein Reflektorband. Mehr dazu findest du im Ratgeber zum Schulweg im Dunkeln.

Fahrrad und Roller bleiben bei Glätte stehen

Auf zwei Rädern ist Glatteis kaum zu beherrschen, auch für Erwachsene nicht. Ein Rad rutscht in der Kurve oder beim Bremsen einfach weg. Mit dem Roller ist es ähnlich, die kleinen Rollen finden auf Eis keinen Halt. Die Regel für Glatteis-Tage ist deshalb einfach: Fahrrad und Roller bleiben zuhause, dein Kind geht zu Fuß, fährt mit dem Bus oder wird gebracht. Sprecht das schon im Herbst ab, dann gibt es am Morgen keine Diskussion.

Früher losgehen und die Bushaltestelle

Zeitdruck ist der größte Feind auf dem Eis. Wer spät dran ist, rennt, und wer rennt, fällt. Plane an Glatteis-Tagen zehn bis fünfzehn Minuten mehr ein. Schon der Blick auf die Wetter-App am Vorabend hilft: Ist Glätte angesagt, stellt ihr den Wecker etwas früher und legt Kleidung und Schuhe bereit.

Fährt dein Kind mit dem Bus, gelten an der Haltestelle ein paar Regeln. Es wartet mit Abstand zur Bordsteinkante, weil ein Bus beim Einfahren rutschen kann. Es rennt dem Bus nicht hinterher, auch wenn er gerade abfährt. Und es steigt erst ein, wenn der Bus steht. Fallen Busse wegen der Straßenverhältnisse aus oder kommen sie sehr spät, sollte dein Kind wissen, was es dann tut: dich anrufen, zurück nach Hause gehen oder bei einer vereinbarten Nachbarin warten.

Schulausfall wegen Glatteis: Was gilt in DE, AT und CH?

Unterricht fällt wegen Glätte nur selten komplett aus. Wenn, dann entscheiden das je nach Land die Schulbehörden, der Schulträger oder die Schulleitung, meist am frühen Morgen. Oft bleibt die Schule offen und bietet eine Betreuung an, während Busse nicht fahren. Achte auf Nachrichten deiner Schule, etwa über Eltern-App, E-Mail oder Website, und auf Meldungen im regionalen Radio.

Unabhängig davon gilt in allen drei Ländern: Du als Elternteil schätzt ein, ob deinem Kind der Schulweg an diesem Morgen zumutbar ist. Ist der Weg spiegelglatt und kannst du dein Kind nicht begleiten, darfst du es zuhause lassen. Entscheidend ist, dass du die Schule vor Unterrichtsbeginn informierst und dein Kind entschuldigst.

  • Deutschland: Die Regeln zum Unterrichtsausfall bei Unwetter macht jedes Bundesland selbst. Viele Kultusministerien überlassen Eltern bei extremem Wetter ausdrücklich die Entscheidung über den Schulweg.
  • Österreich: Das Schulpflichtgesetz erkennt einen ungangbaren Schulweg und Wetter, das die Gesundheit gefährdet, als Grund für das Fernbleiben an. Du entschuldigst dein Kind wie bei Krankheit.
  • Schweiz: Zuständig sind Kanton und Gemeinde. Frag bei der Schule nach, wie Absenzen wegen Wetter gemeldet werden.

Kommt dein Kind wegen Glatteis oder eines verspäteten Busses zu spät, ist eine kurze Nachricht an die Schule meist alles, was es braucht. Lehrkräfte wissen, dass an solchen Tagen viele Kinder später kommen. Sicher anzukommen ist wichtiger als pünktlich.

Was tun nach einem Sturz auf dem Eis?

Trotz aller Vorsicht kann dein Kind ausrutschen. Meist bleibt es bei einem blauen Fleck oder einer Schürfwunde. Kinder fangen sich oft mit den Händen ab, deshalb sind Handgelenke häufig betroffen. Schwillt das Handgelenk an, tut es bei Bewegung weh oder kann dein Kind es kaum benutzen, lass es ärztlich anschauen. Bis dahin hilft Kühlen mit einem Kühlpack, eingewickelt in ein Tuch.

Ist dein Kind auf den Kopf gefallen, beobachtest du es in den Stunden danach gut. Warnzeichen sind Bewusstlosigkeit, auch kurz, Erbrechen, zunehmende Müdigkeit, Verwirrtheit, stärker werdende Kopfschmerzen, Sehstörungen oder ein auffälliges Verhalten. Dann gehört dein Kind sofort zur Ärztin oder zum Arzt. Bei Bewusstlosigkeit, Krampfanfall oder wenn es kaum wach zu halten ist, wählst du den Notruf: 112 in Deutschland, 144 in Österreich und der Schweiz. Ausführlich erklären wir das im Ratgeber Kind hat sich den Kopf gestoßen: Wann zum Arzt?

Sag deinem Kind auch, was es tun soll, wenn es allein unterwegs stürzt: kurz sitzen bleiben, durchatmen, vorsichtig aufstehen. Tut etwas stark weh, ruft es dich an oder bittet einen Erwachsenen in der Nähe um Hilfe. In der Schule kann es sich im Sekretariat melden.

Ist ein Unfall auf dem Schulweg versichert?

In Deutschland und Österreich sind Schulkinder auf dem direkten Weg zur Schule und zurück gesetzlich unfallversichert. In Deutschland übernehmen das die Unfallkassen, in Österreich die AUVA. Du zahlst dafür keinen Beitrag. Kleine Umwege, etwa zur Fahrgemeinschaft oder zur Betreuung, sind in der Regel mitversichert, ein privater Abstecher eher nicht.

Wichtig ist, dass du den Unfall meldest. Gib der Schule Bescheid, sie erstattet die Unfallanzeige. In der Arztpraxis sagst du gleich, dass es ein Schulwegunfall war. In Deutschland bist du mit einem Durchgangsarzt, oft in einer Unfallambulanz oder einer chirurgischen Praxis, richtig, bei Kindern auch in der Kinderarztpraxis. In der Schweiz gibt es keine eigene Schüler-Unfallversicherung wie in Deutschland oder Österreich. Bei Kindern deckt in der Regel die Krankenkasse Unfälle ab, manche Gemeinden haben zusätzlich eine Schülerversicherung.

Den Glatteis-Morgen gemeinsam vorbereiten

Am meisten hilft ein Plan, den ihr schon kennt, bevor der erste Frost kommt. Geht den Schulweg einmal gemeinsam ab und überlegt, wo es im Winter glatt werden könnte und welcher Umweg sicherer ist. Übt den Pinguin-Gang. Vereinbart, was passiert, wenn der Bus nicht kommt. Und sag deinem Kind ehrlich: Lieber zu spät und heil als pünktlich mit Gips. Kinder, die wissen, dass niemand schimpft, wenn sie langsam gehen, gehen auch langsam.

Hinweis: Dieser Ratgeber gibt allgemeine Informationen und ersetzt keine ärztliche Untersuchung und keine Rechtsberatung. Nach einem Sturz mit Bewusstlosigkeit, Erbrechen, Krampfanfall oder starker Verletzung wähle sofort den Notruf: 112 in Deutschland, 144 in Österreich und der Schweiz. Welche Regeln bei Unterrichtsausfall gelten, erfährst du bei deiner Schule oder der zuständigen Schulbehörde.

Häufige Fragen

Darf ich mein Kind bei Glatteis zuhause lassen?

Ja, wenn der Schulweg an diesem Morgen wirklich gefährlich ist. Ob der Weg zumutbar ist, schätzt du als Elternteil ein, denn du kennst dein Kind und die Strecke. Wichtig ist, dass du die Schule vor Unterrichtsbeginn informierst und dein Kind entschuldigst. Wie das genau geregelt ist, unterscheidet sich je nach Bundesland in Deutschland, in Österreich und je nach Kanton in der Schweiz.

Fällt die Schule bei Glatteis automatisch aus?

Nein. Unterrichtsausfall wegen Glätte ist eher selten und wird von der Schulbehörde, dem Schulträger oder der Schulleitung beschlossen, oft am frühen Morgen. Häufiger fallen Schulbusse aus, während die Schule offen bleibt und eine Betreuung anbietet. Achte auf die Kanäle deiner Schule, etwa Eltern-App, E-Mail oder Website, und auf Durchsagen im regionalen Radio.

Was passiert, wenn mein Kind wegen Glatteis zu spät kommt?

Bei Glatteis sind Busse verspätet und viele Wege dauern länger. Kommt dein Kind deshalb zu spät, ist das in aller Regel kein Problem, wenn du der Schule kurz Bescheid gibst. Besser als Eile ist ein früherer Start: Wer zehn bis fünfzehn Minuten mehr Zeit hat, muss auf dem Eis nicht rennen.

Sind Schuhspikes für Kinder sinnvoll?

Für Wege mit viel Eis können Überzieh-Spikes oder Grödel aus dem Sportgeschäft helfen. Es gibt sie in Kindergrößen. Sie sind auf Eis und festgetretenem Schnee nützlich, auf trockenem Asphalt und auf glatten Fliesen im Schulhaus dagegen rutschig. Dein Kind sollte sie vor dem Eingang ausziehen können und sie in einer kleinen Tasche im Rucksack verstauen.

Ist ein Sturz auf dem Schulweg versichert?

In Deutschland und Österreich ja. Kinder sind auf dem direkten Weg zur Schule und zurück gesetzlich unfallversichert, in Deutschland über die Unfallkassen, in Österreich über die AUVA. Das kostet dich nichts. Melde den Unfall der Schule und sag in der Arztpraxis, dass es auf dem Schulweg passiert ist. In der Schweiz übernimmt bei Kindern in der Regel die Krankenkasse die Behandlungskosten.

Wann muss mein Kind nach einem Sturz auf den Kopf zum Arzt?

Wenn es nach dem Sturz bewusstlos war, erbricht, immer müder wird, verwirrt wirkt oder über stärker werdende Kopfschmerzen klagt, gehört es sofort ärztlich untersucht. Bei Bewusstlosigkeit, Krampfanfall oder wenn dein Kind kaum wach zu halten ist, wählst du den Notruf: 112 in Deutschland, 144 in Österreich und der Schweiz. Bei kleineren Stößen beobachtest du dein Kind in den nächsten Stunden gut.

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