Girls’Day und Boys’Day: So findet dein Kind einen Platz
Kurz gesagt: Am Girls’Day und Boys’Day schnuppern Kinder ab etwa Klasse 5 einen Tag lang in Berufe, in denen ihr Geschlecht selten vertreten ist. In Deutschland liegt der Tag meist im April, das genaue Datum steht auf girls-day.de und boys-day.de. Plätze findest du dort im Radar, über dein eigenes Netzwerk oder über deinen Arbeitgeber. Die Freistellung beantragst du bei der Schule, meist formlos, die Regeln hängen vom Bundesland ab. In Österreich gibt es eigene Angebote von Bund und Ländern, in der Schweiz den Nationalen Zukunftstag im November.
Beim Abendessen legt dein Sohn einen Zettel auf den Tisch. „Girls’Day und Boys’Day“ steht drauf, darunter ein Datum im April und der Satz: „Bitte bis Ende Februar Platz suchen.“ Er zuckt mit den Schultern. „Keine Ahnung, wo ich hin soll. Kann ich nicht einfach in die Schule?“
So beginnt die Sache in vielen Familien. Der Tag selbst ist schnell erklärt. Schwieriger ist es, rechtzeitig einen Platz zu finden, der deinem Kind wirklich etwas zeigt. Hier liest du, was der Tag bringt, wie die Freistellung läuft, wo ihr suchen könnt und wie du mit einem Kind umgehst, das keine Lust hat.
Was der Tag eigentlich soll
Beim Girls’Day lernen Mädchen Berufe kennen, in denen bisher wenige Frauen arbeiten: Mechatronik, Informatik, Elektrotechnik, Forschung, Handwerk. Beim Boys’Day schauen Jungen in Berufe, in denen wenige Männer arbeiten, zum Beispiel Pflege, Erziehung, Grundschule oder Physiotherapie. Beide Tage finden in Deutschland am selben Termin statt.
Der Gedanke dahinter: Viele Kinder entscheiden sich nach dem, was sie kennen. Wer nie eine Frau an der CNC-Fräse oder einen Mann in der Kita gesehen hat, kommt selten auf die Idee, das selbst zu machen. Ein einziger Tag ersetzt keine Berufsorientierung. Er kann aber eine Tür einen Spalt öffnen, und manchmal reicht ein Satz wie „Das hätte ich mir nie zugetraut“ für eine neue Richtung.
In Niedersachsen und Brandenburg heißt der Tag Zukunftstag. Dort ist er fest im Schuljahr eingeplant, und die Schulen organisieren mehr selbst. Die Angebote stehen trotzdem oft auch auf den bundesweiten Seiten.
Österreich und die Schweiz
In Österreich gibt es den Girls’ Day nicht als einen einheitlichen Tag. Der Bund veranstaltet einen Girls’ Day im öffentlichen Dienst, dazu kommen Angebote der Länder, etwa der Wiener Töchtertag. Auch für Burschen gibt es Aktionstage in sozialen Berufen. Termine und Anmeldung unterscheiden sich je nach Bundesland, die Schule weiß meist, was in deiner Region läuft.
In der Schweiz heißt das Angebot Nationaler Zukunftstag und findet im November statt. Das Motto ist „Seitenwechsel“: Mädchen und Jungen begleiten einen Elternteil oder eine andere Bezugsperson zur Arbeit oder machen bei Spezialprojekten mit, in denen sie einen untypischen Beruf ausprobieren. Gedacht ist der Tag vor allem für die 5. bis 7. Klasse. Wie die Schulen ihn handhaben, regelt jeder Kanton selbst.
Freistellung von der Schule: so läuft es
In Deutschland gibt es keine bundesweit gleiche Regel. In vielen Ländern ist der Ablauf aber ähnlich:
- Formloser Antrag: Ein kurzer Brief oder eine Nachricht an die Klassenleitung reicht oft. Manche Schulen haben ein eigenes Formular.
- Bestätigung des Betriebs: Viele Schulen wollen schwarz auf weiß sehen, wo dein Kind den Tag verbringt. Die Betriebe kennen das und stellen die Bestätigung meist ohne Nachfrage aus.
- Rechtzeitig: Drei bis vier Wochen vorher ist ein guter Zeitpunkt. Klassenarbeiten an dem Tag klärst du gleich mit.
Ein Antrag kann so aussehen: „Sehr geehrte Frau Becker, unsere Tochter Lena möchte am Girls’Day bei der Firma Müller Elektrotechnik teilnehmen. Wir bitten um Freistellung für diesen Tag. Die Bestätigung des Betriebs liegt bei.“ Mehr braucht es meistens nicht.
Frag bei der Gelegenheit nach, ob die Schule den Tag als schulische Veranstaltung führt. Dann ist dein Kind in Deutschland in der Regel über die gesetzliche Schülerunfallversicherung abgesichert, auch auf dem Hin- und Rückweg.
Wo ihr einen Platz findet
Das Radar auf den offiziellen Seiten. Auf girls-day.de und boys-day.de gibt es eine Platzbörse mit Karte. Dort gebt ihr eure Postleitzahl ein und seht, welche Betriebe, Hochschulen und Behörden in der Nähe etwas anbieten. Bei jedem Angebot steht, für welches Alter es gedacht ist und wie viele Plätze es gibt. Die ersten Angebote tauchen oft schon im Winter auf. Beliebte Plätze, etwa bei Feuerwehr, Polizei oder in Laboren, sind schnell weg.
Euer eigenes Netzwerk. Die Tante, die als Elektrikerin arbeitet. Der Nachbar, der Krankenpfleger ist. Die Mutter einer Klassenkameradin mit eigener Tischlerei. Solche Kontakte stehen in keiner Datenbank, sind aber oft die besten Plätze, weil sich jemand wirklich Zeit nimmt. Ein Anruf genügt: „Unser Sohn sucht für den Boys’Day einen Platz. Hättest du Lust, ihn einen Tag mitzunehmen?“
Dein eigener Arbeitgeber. Viele größere Firmen machen beim Girls’Day mit, ohne dass die Mitarbeitenden davon wissen. Frag in der Personalabteilung nach. Arbeitest du selbst in einem Beruf, der für dein Kind untypisch ist, kann es dich begleiten. Wenn nicht, passt vielleicht eine andere Abteilung. In der Schweiz ist das Mitnehmen zur Arbeit ohnehin die Grundidee des Tages.
Kleine Betriebe direkt anfragen. Die Kfz-Werkstatt um die Ecke, die Apotheke, der Kindergarten im Ort. Nicht jeder kleine Betrieb trägt sich ins Radar ein, aber viele sagen ja, wenn ein Kind freundlich fragt. Lass dein Kind den Anruf oder die Mail möglichst selbst machen. Das ist schon die halbe Übung für das spätere Praktikum.
Wenn dein Kind nicht will oder keine Idee hat
„Ich will nicht in so eine Mädchensache“ oder „Pflege ist doch langweilig“: Solche Sätze hörst du vermutlich. Hinter der Abwehr steckt oft Unsicherheit. Ein Tag allein in einem fremden Betrieb, vielleicht als einziger Junge unter lauter Erwachsenen, ist für Elfjährige eine echte Hürde.
Statt zu überreden, hilft eine einfache Frage: „Was machst du gern, wenn dir keiner etwas vorgibt?“ Wer gern baut, landet vielleicht in der Zimmerei. Wer gern mit jüngeren Kindern spielt, in der Kita. Wer stundenlang an Videos schneidet, in einer Agentur oder bei einem Radiosender. Der Beruf muss nicht perfekt passen. Es reicht, wenn dein Kind den Tag nicht als Strafe erlebt.
Hilfreich ist auch, gemeinsam vor dem Bildschirm zu sitzen und das Radar durchzuscrollen. Lass dein Kind drei Angebote markieren, die es nicht völlig blöd findet, und bewirb euch auf alle drei. Hat dein Kind generell noch keine Vorstellung, was es später machen will, ist das in dem Alter völlig normal. Mehr dazu liest du im Ratgeber Kind hat keinen Berufswunsch.
Ein Freund oder eine Freundin, die mitkommt, nimmt viel Druck heraus. Manche Betriebe vergeben ihre Plätze gern paarweise, frag einfach nach.
Gut vorbereitet in den Tag
Ein paar Dinge klärt ihr am besten schon ein, zwei Tage vorher:
- Anfahrt: Fahrt den Weg einmal gemeinsam ab oder schaut ihn auf der Karte an. Wann muss dein Kind wo sein, und wen fragt es am Empfang?
- Kleidung: In Werkstätten und Laboren sind feste, geschlossene Schuhe oft Pflicht, lange Haare werden zusammengebunden. Im Büro oder in der Kita reicht normale Alltagskleidung. Steht nichts im Angebot, frag beim Betrieb nach.
- Essen und Trinken: Nicht jeder Betrieb hat eine Kantine. Ein Pausenbrot und eine Flasche Wasser schaden nie.
- Handynummer: Dein Kind sollte die Nummer der Ansprechperson im Betrieb haben, und die Ansprechperson deine.
Schreibt gemeinsam zwei oder drei Fragen auf, die dein Kind stellen kann. Zum Beispiel: „Was machen Sie an einem ganz normalen Tag?“, „Was hat Ihnen am Anfang am meisten Mühe gemacht?“ oder „Welches Schulfach braucht man hier wirklich?“ Mit einem Zettel in der Tasche trauen sich auch stillere Kinder zu fragen.
Viele Tipps für die Vorbereitung gelten genauso für das erste richtige Praktikum, das meist in Klasse 8 oder 9 kommt. Wie du dein Kind dabei unterstützt, steht im Ratgeber Schülerpraktikum vorbereiten.
Nach dem Tag: kurz nachfragen, nicht ausfragen
Wenn dein Kind abends heimkommt, ist es oft müde. Ein ganzer Tag unter Erwachsenen ist anstrengend. Statt „Und, wie war’s?“ helfen konkretere Fragen: „Was hast du heute selbst in der Hand gehabt?“ oder „Gab es etwas, das dich überrascht hat?“
Auch ein „War total langweilig“ ist eine brauchbare Antwort. Dann weiß dein Kind schon, was es nicht will, und das ist für die Berufswahl genauso wertvoll. Frag ruhig nach, was genau langweilig war: das Warten, die Tätigkeit oder die Leute? Daraus lässt sich oft mehr ablesen als aus Begeisterung.
Hat der Tag gut gefallen, sprecht darüber, wie es weitergehen kann. Vielleicht bietet der Betrieb später ein längeres Praktikum an. Ein kurzes Dankeschön per Mail oder Karte an die Ansprechperson öffnet dafür die Tür und ist eine gute Übung für dein Kind.
Checkliste für Eltern: Termin auf girls-day.de oder boys-day.de nachsehen (in Österreich bei Schule oder Land, in der Schweiz auf der Seite des Nationalen Zukunftstags). Ab Januar Plätze im Radar und im eigenen Umfeld suchen. Bestätigung vom Betrieb holen. Drei bis vier Wochen vorher die Freistellung bei der Klassenleitung beantragen und nach der Versicherung fragen. Am Vortag Anfahrt, Kleidung und Telefonnummern klären.
Der Zukunftstag ist ein guter Anlass, um mit deinem Kind über Berufe zu reden, ohne dass es gleich um die große Entscheidung geht. Wie du das Thema in den nächsten Jahren begleitest, liest du im Ratgeber Berufsorientierung für Teenager: Wie du wirklich hilfst, ohne Druck zu machen.
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Häufige Fragen
Wann ist der Girls’Day und Boys’Day?
In Deutschland finden Girls’Day und Boys’Day einmal im Jahr am selben Tag statt, meist im April, manchmal schon Ende März. Das genaue Datum für das kommende Jahr steht auf den offiziellen Seiten girls-day.de und boys-day.de. In der Schweiz liegt der Nationale Zukunftstag im November. In Österreich legen Bund und Länder ihre Termine selbst fest, frag dort bei der Schule oder auf der Seite deines Bundeslandes nach.
Ab welcher Klasse kann mein Kind mitmachen?
In Deutschland richten sich die meisten Angebote an Kinder ab Klasse 5. Manche Betriebe nehmen erst Ältere, etwa ab Klasse 7 oder 8, weil Werkstätten oder Labore Altersgrenzen haben. Das steht meist direkt beim Angebot. In der Schweiz ist der Zukunftstag vor allem für die 5. bis 7. Klasse gedacht.
Muss die Schule mein Kind für den Girls’Day freistellen?
Einen allgemeinen Anspruch gibt es nicht, die Regeln hängen vom Bundesland ab. In vielen Ländern genügt ein formloser Antrag bei der Klassenleitung, oft zusammen mit einer Bestätigung des Betriebs. In Niedersachsen und Brandenburg heißt der Tag Zukunftstag und ist fest im Schuljahr verankert. Stell den Antrag am besten drei bis vier Wochen vorher, damit die Schule Zeit hat.
Ist mein Kind am Girls’Day oder Boys’Day versichert?
Wenn die Schule die Teilnahme genehmigt hat, gilt der Tag in Deutschland in der Regel als schulische Veranstaltung, und dein Kind ist über die gesetzliche Schülerunfallversicherung abgesichert, auch auf dem Weg. Ohne Genehmigung ist das nicht sicher. Frag deshalb bei der Freistellung ausdrücklich nach, ob die Schule den Tag als Schulveranstaltung führt.
Was tun, wenn mein Kind keinen Platz mehr bekommt?
Beliebte Angebote sind oft Wochen vorher voll. Schau trotzdem regelmäßig in die Platzbörsen, weil kurz vorher Plätze frei werden. Frag außerdem im eigenen Umfeld: Arbeitgeber von Eltern, Verwandten oder Nachbarn nehmen oft auch Kinder auf, die nicht im offiziellen Verzeichnis stehen. Viele Schulen bieten für Kinder ohne Platz ein Programm an der Schule an.
Darf mein Kind einfach mit mir zur Arbeit kommen?
Ja, das ist eine verbreitete Lösung, in der Schweiz sogar die Grundidee des Zukunftstags. Beim deutschen Girls’Day und Boys’Day geht es allerdings um Berufe, in denen das eigene Geschlecht selten vertreten ist. Arbeitest du in so einem Beruf, passt das gut. Wenn nicht, kann dein Kind in deinem Betrieb vielleicht in eine andere Abteilung schauen, etwa die IT oder die Pflege. Kläre das vorher mit deiner Führungskraft.