Das Einmaleins lernen: So hilft man Kindern wirklich
Einmaleins lernen fühlt sich für viele Kinder wie eine unüberwindliche Hürde an. Die gute Nachricht: Mit den richtigen Methoden und etwas Geduld klappt es — ohne Tränen am Küchentisch.
Irgendwann taucht es auf jedem Küchentisch auf: das Einmaleins. Mal zwei, mal fünf, mal sieben — und dann stockt es. Das Kind wirkt frustriert, die Eltern auch, und die Klassenarbeit rückt näher. Dabei ist das Einmaleins kein Gedächtniskünstler-Wettbewerb. Es ist eine Fähigkeit, die man mit den richtigen Werkzeugen aufbauen kann.
Warum das Einmaleins so schwer fällt
Viele Kinder versuchen, das Einmaleins wie eine Liste auswendig zu lernen — Zeile für Zeile. Das Problem: Das Arbeitsgedächtnis ist begrenzt. Wer 100 Zahlenkombinationen ohne inneren Zusammenhang speichern will, vergisst einen Großteil wieder innerhalb von Tagen.
Sinnvoller ist es, das Einmaleins als Muster zu verstehen: Die 5er-Reihe endet immer auf 0 oder 5. Die 9er-Reihe hat eine Quersumme von immer 9. Die 2er-Reihe sind einfach verdoppelte Zahlen. Wer diese Regeln verinnerlicht, braucht deutlich weniger auswendig zu lernen.
Die richtige Reihenfolge beim Üben
Nicht alle Reihen sind gleich schwer. Experten für Mathematikdidaktik empfehlen folgende Reihenfolge:
- Zuerst: 1er, 10er, 5er und 2er — weil diese Reihen ein klares Muster haben
- Dann: 4er und 3er — die 4er-Reihe ist die 2er-Reihe doppelt, die 3er hat Muster bei den Einerstellen
- Danach: 6er und 9er — viele Kinder finden die 9er durch die Quersummenregel leichter als erwartet
- Zum Schluss: 7er und 8er — diese Reihen haben wenig offensichtliche Muster und brauchen mehr Wiederholung
Methoden, die wirklich funktionieren
Karteikarten mit Abstandswiederholung
Karteikarten sind altbewährt, aber nur dann wirksam, wenn man sie richtig einsetzt. Das Prinzip: Eine Karte, die das Kind richtig beantwortet hat, wird erst nach zwei Tagen wieder gezeigt. Eine falsch beantwortete Karte kommt sofort wieder dran. So konzentriert sich das Üben auf das, was noch nicht sitzt.
Bewegung einbauen
Kinder lernen besser, wenn sie sich dabei bewegen. Das klingt ungewöhnlich, ist aber gut belegt. Ein Elternteil fragt ab, während das Kind auf einer Trampolin-Balance-Board steht oder beim Spazierengehen die Antworten ruft. Wer die Multiplikationsaufgabe in Bewegung abruft, verknüpft sie mit einer körperlichen Erinnerung — das macht sie stabiler.
Lieder und Reime
Für jüngere Kinder funktionieren Einmaleins-Lieder sehr gut. Es gibt davon viele auf YouTube und Streaming-Plattformen. Der Rhythmus hilft dem Gehirn, Sequenzen zu speichern — dasselbe Prinzip, das dafür sorgt, dass wir uns Liedtexte viel leichter merken als Zahlenreihen.
Zehn Minuten täglich statt Marathon am Wochenende
Das ist der häufigste Fehler: Eltern üben stundenlang vor der Klassenarbeit. Viel besser wäre es, jeden Tag zehn Minuten zu üben — auch in stressigen Wochen. Das Gehirn braucht Schlaf, um Gelerntes zu festigen. Wer am Montagabend lernt und am Freitagabend wiederholt, hat deutlich mehr behalten als jemand, der am Donnerstagabend zwei Stunden paukt.
Was Eltern beim Abfragen besser lassen sollten
Manche Gewohnheiten beim Üben klingen hilfreich, aber sie bremsen eher:
- Sofort korrigieren, bevor das Kind nachdenkt: Wenn ein Kind drei Sekunden zögert, heißt das nicht, dass es die Antwort nicht weiß. Einfach warten.
- Die ganze Reihe aufsagen lassen: Wer immer von 1 anfängt ("1 mal 7 ist 7, 2 mal 7 ist 14..."), kann die Aufgabe nicht aus der Mitte heraus abrufen. Deshalb besser wild durcheinander abfragen.
- Üben, wenn das Kind müde oder hungrig ist: Das Arbeitsgedächtnis funktioniert bei Erschöpfung oder leerem Magen deutlich schlechter. Kurz nach dem Mittagessen oder am frühen Nachmittag sind gute Zeiten.
Wenn es trotzdem nicht klappt
Manche Kinder tun sich mit dem Einmaleins schwerer als andere, auch bei regelmäßigem Üben. Das kann verschiedene Gründe haben: Dyskalkulie (eine Rechenschwäche, bei der das Gehirn Zahlen anders verarbeitet), Konzentrationsschwierigkeiten oder schlicht eine Unterrichtsform, die nicht zum Lerntyp des Kindes passt.
Wenn nach vier Wochen konsequentem Üben kaum Fortschritt sichtbar ist, ist ein Gespräch mit der Lehrperson oder einem Lerntherapeuten sinnvoll. Frühzeitig hinzuschauen ist immer besser als abwarten.
Das Wichtigste in Kürze
- Reihen in sinnvoller Reihenfolge lernen — einfache Muster zuerst
- Täglich kurz üben statt selten lang
- Wild durcheinander abfragen, nicht immer von vorne
- Bewegung und Rhythmus machen das Lernen wirksamer
- Bei anhaltenden Schwierigkeiten professionelle Unterstützung holen
Häufige Fragen
- Ab wann lernen Kinder das Einmaleins in der Schule?
- Das Einmaleins wird in Deutschland in der Regel in der zweiten Klasse eingeführt. Zunächst lernen Kinder die Reihen 1, 2, 5 und 10, weil diese leichter zu erfassen sind. Die vollständigen Malreihen bis 10×10 werden bis Ende der zweiten oder Anfang der dritten Klasse erwartet.
- Wie lange dauert es, bis ein Kind das Einmaleins sicher kann?
- Die meisten Kinder brauchen bei regelmäßigem Üben zwischen vier und acht Wochen, um alle Reihen zuverlässig abrufen zu können. Entscheidend ist nicht das Tempo, sondern die Regelmäßigkeit: täglich 10 Minuten üben ist wirksamer als zweimal pro Woche 45 Minuten.
- Mein Kind lernt die Reihen, vergisst sie aber nach ein paar Tagen. Was tun?
- Vergessen ist beim Einmaleins normal, solange das Wissen noch nicht gefestigt ist. Das Gehirn braucht Wiederholungen im Abstand von ein bis zwei Tagen, um die Verbindungen langfristig zu verankern. Karteikarten mit Lücke-System oder kurze Abfragerunden vor dem Schlafengehen helfen besonders gut.