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Lerntherapeut: Wann macht das Sinn – und wie findet ihr den Richtigen?

Kurz gesagt: Lerntherapie ist sinnvoll, wenn Nachhilfe nicht hilft, eine Diagnose wie Legasthenie oder Dyskalkulie vorliegt, oder wenn das Kind trotz Anstrengung immer wieder scheitert. Ein guter Lerntherapeut arbeitet an den Ursachen – nicht am Schulstoff.

Euer Kind hat Nachhilfe, übt zu Hause, sitzt stundenlang über den Hausaufgaben – und trotzdem werden die Noten nicht besser. Das ist frustrierend für alle Beteiligten. Und es ist oft das Zeichen, dass das Problem tiefer liegt als fehlendes Wissen.

Lerntherapie richtet sich an Kinder, bei denen das Lernen selbst gestört ist – nicht das Wissen. Der Unterschied klingt klein, ist aber entscheidend.

Wann Lerntherapie sinnvoll ist

Wenn eine Lernschwäche diagnostiziert wurde

Bei Legasthenie (Lese-Rechtschreib-Schwäche) und Dyskalkulie (Rechenschwäche) ist Lerntherapie die empfohlene Förderform – vor Nachhilfe. Das liegt daran, dass diese Schwächen neurobiologische Ursachen haben: Das Gehirn verarbeitet Buchstaben oder Zahlen anders. Nachhilfe, die einfach mehr Aufgaben gibt, hilft wenig bis gar nicht.

Wenn Nachhilfe nicht wirkt

Wenn euer Kind nach drei bis vier Monaten Nachhilfe keine Verbesserung zeigt, lohnt eine Diagnose durch den schulpsychologischen Dienst oder einen Kinder- und Jugendpsychologen. Vielleicht liegt eine unerkannte Lernschwäche vor. Vielleicht sind es Aufmerksamkeitsprobleme, die das Lernen verhindern. Lerntherapie hilft, das herauszufinden – und dann gezielt zu fördern.

Wenn Lernangst das Lernen blockiert

Manche Kinder lernen nicht, weil sie Angst vor Fehlern haben oder Misserfolge so stark vermeiden, dass sie gar nicht erst anfangen. Gute Lerntherapeuten arbeiten auch an diesen emotionalen Komponenten – sie sind nicht nur Lerncoach, sondern auch Vertrauensperson.

Wie Lerntherapie abläuft

Am Anfang steht immer eine Eingangsdiagnostik: Der Lerntherapeut schaut genau hin, wo das Kind steht, wo es hakt und warum. Dann folgt ein individueller Förderplan – keine Schulbücher, sondern therapeutische Materialien, die auf die spezifischen Lücken zugeschnitten sind.

Sitzungen dauern meist 45 bis 60 Minuten und finden ein- bis zweimal pro Woche statt. Einen spürbaren Effekt sieht man in der Regel nach drei bis sechs Monaten – vorausgesetzt, der Therapeug ist gut und das Kind macht mit.

Worauf ihr bei der Wahl achten solltet

Qualifikation prüfen. „Lerntherapeut" ist kein geschützter Berufstitel. Sucht nach zertifizierten Fachkräften des Verbands für Lerntherapie (VFL) oder des Bundesverbands Legasthenie und Dyskalkulie (BVL). Diese haben nachgewiesene Ausbildung.

Eingangsdiagnostik verlangen. Beginnt der Therapeut sofort zu üben, ohne euer Kind vorher gründlich zu testen, ist das ein Warnsignal. Eine gute Diagnose braucht Zeit und strukturierte Tests – nicht ein 15-Minuten-Gespräch.

Eltern einbeziehen. Ein guter Lerntherapeut erklärt euch regelmäßig, was er beobachtet und wie ihr zuhause unterstützen könnt. Ihr seid Partner – nicht nur Zahler.

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Häufige Fragen

Was macht ein Lerntherapeut anders als ein Nachhilfelehrer?

Ein Nachhilfelehrer wiederholt Schulstoff und erklärt ihn anders. Ein Lerntherapeut arbeitet an den Grundlagen: Warum versteht das Kind bestimmte Zusammenhänge nicht? Gibt es Wahrnehmungsprobleme, Aufmerksamkeitsprobleme oder Strategiedefizite? Die Arbeit ist kleinteiliger, individueller und länger – aber sie löst die Ursache statt nur die Symptome.

Wer zahlt die Lerntherapie?

In der Regel die Eltern selbst, da Lerntherapie keine Kassenleistung ist. Einige Krankenkassen übernehmen Teile, wenn eine Diagnose wie Legasthenie oder Dyskalkulie vorliegt – fragt direkt bei eurer Kasse nach. Jugendämter können bei sozialem Förderbedarf Kosten übernehmen. Preise liegen meist zwischen 60 und 100 Euro pro Stunde.

Wie finde ich einen guten Lerntherapeuten?

Sucht nach zertifizierten Lerntherapeuten des Verbands für Lerntherapie (VFL) oder des Bundesverbands Legasthenie und Dyskalkulie (BVL). Fragt euren Kinderarzt oder den schulpsychologischen Dienst nach Empfehlungen. Ein gutes Erstgespräch sollte eine detaillierte Eingangsdiagnostik beinhalten – kein guter Lerntherapeut beginnt einfach zu üben, ohne zu wissen, was das Kind genau braucht.

Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel wurde von der Kinwords-Redaktion verfasst und befindet sich derzeit in kinderpsychologischer Review. Für konkrete therapeutische Einschätzungen wende dich an eine Fachkraft.

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