Wachstumsdenken beim Kind fördern: Frust in Lernen wandeln
Kurz gesagt: Ein Wachstumsdenken ist die Überzeugung „Ich kann das noch nicht – aber ich kann es lernen“. Kinder mit dieser Haltung halten Frust besser aus, weil Anstrengung und Fehler für sie zum Lernen gehören und kein Beweis für Dummheit sind. Du förderst sie, indem du den Weg lobst statt das Talent, Fehler normal und nützlich machst und das kleine Wort „noch“ benutzt. Kinder übernehmen diese Denkweise vor allem über die Sprache der Erwachsenen um sie herum.
„Ich bin einfach schlecht in Mathe.“ Wenn ein Kind so über sich spricht, steckt oft ein statisches Denken dahinter: Fähigkeiten seien angeboren und festgelegt. Die Forschung von Carol Dweck hat gezeigt, dass die Gegenhaltung – das Wachstumsdenken – Kinder lernwilliger und ausdauernder macht. Das Gute: Diese Haltung ist keine Frage der Begabung, sondern lässt sich fördern. Vor allem über die Art, wie wir mit Kindern reden.
Warum die Denkweise über Frust entscheidet
Zwei Kinder scheitern an derselben Aufgabe. Das eine denkt „Dafür bin ich zu dumm“ und gibt auf. Das andere denkt „Das kann ich noch nicht, ich probier's anders“ und macht weiter. Der Unterschied liegt nicht in der Begabung, sondern in der inneren Erzählung. Ein Kind mit Wachstumsdenken erlebt Frust nicht als Urteil über sich, sondern als normalen Teil des Lernens – und hält ihn deshalb länger aus. Genau hier setzt du an.
So förderst du das Wachstumsdenken
- Den Weg loben, nicht das Talent. „Du hast eine andere Strategie probiert“ statt „du bist so ein Mathegenie“ – das lenkt den Blick auf das Veränderbare.
- Das Wörtchen „noch“. „Du kannst es noch nicht“ hält die Tür offen; „du kannst es nicht“ schlägt sie zu.
- Fehler normalisieren. Zeig eigene Fehler und frag: „Was nehmen wir daraus mit?“ So wird ein Fehler zur Information statt zur Schande.
- Das Gehirn erklären. Kinder finden es faszinierend, dass ihr Gehirn beim Üben tatsächlich neue Verbindungen bildet – wie ein Muskel, der wächst.
- Vergleiche vermeiden. „Deine Schwester konnte das schon“ zementiert statisches Denken. Vergleich dein Kind höchstens mit seinem früheren Ich.
Vorsicht vor dem „falschen“ Wachstumsdenken
Ein häufiges Missverständnis: einfach immer „streng dich mehr an“ zu sagen. Wenn ein Kind sich müht und trotzdem scheitert, hilft kein Appell, sondern eine neue Strategie – vielleicht eine andere Methode, ein Zwischenschritt, Hilfe von außen. Wachstumsdenken heißt nicht „mehr vom Gleichen“, sondern „ein anderer Weg“. Und es lebt vom Vorbild: Wenn dein Kind dich bei einer eigenen Hürde sagen hört „Das ist schwer, aber ich lerne noch dazu“, prägt sich das tiefer ein als jede Ermahnung. So wächst ein Kind heran, das vor Schwierigem nicht flieht, sondern neugierig fragt: Wie krieg ich das hin?
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Häufige Fragen
Was ist ein Wachstumsdenken (Growth Mindset) bei Kindern?
Ein Wachstumsdenken ist die Überzeugung, dass Fähigkeiten nicht angeboren und festgelegt sind, sondern durch Übung wachsen. Ein Kind mit dieser Haltung denkt bei einer Hürde „Das kann ich noch nicht“ statt „Dafür bin ich zu dumm“. Der Gegenpol ist das statische Denken, bei dem ein Kind glaubt, es sei eben „gut“ oder „schlecht“ in etwas. Das Wachstumsdenken lässt sich fördern – vor allem über die Art, wie wir mit Kindern über Anstrengung und Fehler reden.
Wie fördere ich das Wachstumsdenken meines Kindes?
Lobe den Weg, nicht das Talent: „Du hast eine andere Strategie probiert“ statt „du bist so schlau“. Mach Fehler zu etwas Normalem und Nützlichem, indem du auch eigene Fehler zeigst und fragst, was man daraus lernt. Und benutze das kleine Wörtchen „noch“: „Du kannst es noch nicht“ öffnet die Tür, während „du kannst es nicht“ sie zuschlägt. Kinder übernehmen diese Denkweise vor allem über die Sprache der Erwachsenen um sie herum.
Hilft Wachstumsdenken gegen niedrige Frustrationstoleranz?
Ja, indirekt. Ein Kind, das versteht, dass sein Gehirn beim Üben wächst, erlebt Anstrengung und Fehler nicht als Beweis für eigenes Versagen, sondern als Teil des Lernens. Dadurch hält es Frust länger aus, weil der Frust einen Sinn bekommt. Wachstumsdenken ersetzt keine Begleitung durch schwierige Momente, aber es gibt dem Kind eine Erzählung, in der Dranbleiben sich lohnt.
Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel wurde von der Kinwords-Redaktion verfasst und befindet sich derzeit in kinderpsychologischer Review. Für konkrete psychotherapeutische Einschätzungen wende dich an eine Fachkraft.
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