Pubertät5 Min. LesezeitKinwords Redaktion

Teenager schminkt sich zu früh: Wie Eltern richtig reagieren

Das Wichtigste in einem Satz: Wenn Kinder anfangen sich zu schminken, geht es fast nie um Make-up selbst, sondern darum, dazuzugehören, älter zu wirken oder die eigene Identität auszuprobieren. Wer das versteht, kann das Gespräch führen, statt zu verbieten.

Du holst dein Kind von der Schule ab oder es kommt nach Hause, und du siehst: Mascara, Lippenstift, Concealer. Dein Kind ist zehn, elf, zwölf. Du weißt nicht, ob du etwas sagen sollst, wie du es sagst oder ob du überreagierst.

Dieses Gefühl ist häufig. Und es ist berechtigt.

Was dahintersteckt

Der Wunsch, sich zu schminken, kommt selten aus dem Nichts. Dahinter stecken meistens nachvollziehbare Motive:

  • Dazugehören. In vielen Klassen fangen einige früh an, und wer nicht mitmacht, fühlt sich ausgeschlossen. Kein Kind sagt "ich will dazugehören", es schminkt sich einfach.
  • Social Media. Influencer auf TikTok und Instagram zeigen Make-up-Routinen, die auch für junge Zuschauer gedacht sind. Was dort normal aussieht, zieht nach.
  • Körperbild. In der Pubertät beginnen Kinder, sich mit ihrem Aussehen auseinanderzusetzen. Make-up ist für manche ein Weg, etwas an einem Makel abzudecken, der sie stört.
  • Identität ausprobieren. Sich anders zu sehen als sonst ist ein normaler Teil der Entwicklung. Make-up ist dabei nur eines von vielen Werkzeugen.

Was Eltern nicht tun sollten

Sofortverbot. Das klingt eindeutig, führt aber fast immer dazu, dass das Kind das Make-up heimlich trägt, im Schulklo aufträgt und auf dem Rückweg wieder abschminkt. Das Vertrauen leidet, das Make-up bleibt.

Öffentlich kommentieren. "So kannst du nicht aus dem Haus" vor Geschwistern oder anderen wirkt beschämend. Das führt zu Widerstand, nicht zu einem Gespräch.

Aussehen bewerten. "Das sieht billig aus" ist kein Argument, das ein Kind erreicht. Es wertet nur.

Wie das Gespräch gelingt

Ruhig, unter vier Augen, ohne Vorwurf. Nicht: "Warum machst du das?" Sondern: "Ich hab gesehen, dass du dich geschminkt hast. Ich möchte verstehen, was dir daran wichtig ist."

Dann wirklich zuhören. Was kommt, ist meistens aufschlussreich: "Alle machen das." Oder: "Ich mag meine Haut nicht." Oder: "Das fühlt sich gut an."

Danach kannst du sagen, was dich bewegt: dass du dir Sorgen machst, dass du möchtest, dass sie sich in ihrem Alter noch keine Gedanken über ihr Aussehen machen muss. Nicht als Vorwurf, als Aussage über dich.

Dann gemeinsam eine Regelung finden: Welches Make-up, wann, wie viel. Eine Regelung, die beide mittragen, hält länger als ein Verbot.

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Häufige Fragen

Ab welchem Alter ist Make-up okay?

Es gibt keine wissenschaftlich festgelegte Altersgrenze. Viele Experten sagen: dezentes Make-up wie getönte Lip-Gloss oder leichter Mascara ist ab etwa 12 bis 13 Jahren gesellschaftlich üblich. Wichtiger als eine Altersgrenze ist das Gespräch darüber, warum dein Kind sich schminken möchte.

Mein Kind schminkt sich heimlich. Was tun?

Heimliches Schminken zeigt, dass dein Kind weiß, dass du nicht einverstanden bist, es sich aber trotzdem nicht traut, das direkt anzusprechen. Statt Verbot hilft hier ein ehrliches Gespräch: Was möchtest du damit ausdrücken? Gemeinsam eine Regelung finden, die für beide passt, ist nachhaltiger als Verbote, die heimlich umgangen werden.

Was ist, wenn mein Kind durch Make-up viel älter wirkt?

Das ist ein berechtigtes Anliegen und kein übertriebenes Elterngefühl. Sprich direkt an, was du siehst: 'Du wirkst auf mich damit viel älter als du bist, und das macht mir Sorgen, weil...' Dann zuhören. Oft geht es darum, in der Peer-Gruppe dazuzugehören. Gemeinsam einen Mittelweg finden ist möglich.

Kann Make-up der Haut eines Kindes schaden?

Ja, wenn es regelmäßig verwendet und nicht sorgfältig abgeschminkt wird. Günstige Produkte enthalten oft Inhaltsstoffe, die für junge Haut nicht geeignet sind. Wenn ihr euch auf Make-up einigt, lohnt sich ein Gespräch über Hautpflege und das richtige Abschminken.

Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel wurde von der Kinwords-Redaktion verfasst und befindet sich derzeit in kinderpsychologischer Review. Für konkrete psychotherapeutische Einschätzungen wende dich an eine Fachkraft.

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