Pubertät5 Min. LesezeitKinwords Redaktion

Teenager schläft zu lange: Ursachen und was Eltern tun können

Das Wichtigste in einem Satz: Teenager brauchen biologisch mehr Schlaf als Erwachsene, und ihr innerer Rhythmus verschiebt sich in der Pubertät nach hinten. Viel Schlaf ist meistens normal, aber ein plötzlicher Wandel mit anderen Warnsignalen verdient Aufmerksamkeit.

Zwölf Uhr mittags. Teenager schläft noch. Du klopfst an. Keine Reaktion. Beim dritten Mal öffnet sich die Tür einen Spalt. "Lass mich in Ruhe." Das Frühstück ist längst kalt.

Viele Eltern fragen sich, ob das noch normal ist oder ob da etwas nicht stimmt. Die Antwort ist meistens: beides ist möglich, und es kommt auf die Umstände an.

Warum Teenager so viel schlafen

In der Pubertät verändert sich die innere Uhr. Das nennt sich Schlafphasenverschiebung. Das Gehirn schüttet das Schlafhormon Melatonin später aus als bei Kindern oder Erwachsenen. Das bedeutet: Teenager werden abends später müde und morgens später wach. Das ist keine Faulheit. Das ist Biologie.

Dazu kommt der erhöhte Schlafbedarf. Wachstum, Hormonveränderungen, die enorme Umbauarbeit im Gehirn: das alles kostet Energie. Forschungsstudien zeigen, dass Jugendliche acht bis zehn Stunden Schlaf pro Nacht brauchen, um gut funktionieren zu können. Die meisten bekommen deutlich weniger.

Wer unter der Woche zu wenig schläft, schläft am Wochenende nach. Das Gehirn fordert, was es bekommen hat. Das macht Samstagmittag-Schläfer aus fast allen Teenagern.

Was das Schlafen verlängert

Bildschirme sind das Hauptproblem. Das blaue Licht von Smartphone, Tablet und Computer unterdrückt die Melatoninausschüttung. Wer bis 23 Uhr auf TikTok schaut, hat danach das Problem: er ist hellwach, aber sein Körper braucht eigentlich Schlaf. Das Einschlafen verzögert sich um weitere ein bis zwei Stunden.

Das Ergebnis: Schlafen um ein Uhr, aufwachen sollen um sechs. Fünf Stunden sind zu wenig. Am Wochenende wird das aufgeholt. Der Rhythmus verschiebt sich weiter nach hinten. Ein Teufelskreis.

Wann Viel-Schlafen ein Warnsignal ist

Meistens ist viel Schlaf einfach Schlafmangel, der ausgeglichen wird. Aber manchmal steckt mehr dahinter. Wenn das Viel-Schlafen plötzlich begonnen hat und gleichzeitig andere Dinge auffallen, solltest du genauer hinschauen.

Warnsignale: kein Interesse mehr an Dingen, die früher Spaß gemacht haben. Sozialer Rückzug. Kaum noch Freude. Schulleistungen brechen innerhalb kurzer Zeit ein. In solchen Fällen kann übermäßiger Schlaf ein Zeichen einer Depression sein. Ein Termin beim Kinderarzt ist dann der richtige erste Schritt.

Auch körperliche Ursachen sind möglich: Schilddrüsenprobleme, Anämie, Eisenmangel. Ein einfacher Bluttest kann das klären.

Was Eltern konkret tun können

Schlafenszeit statt Aufstehzeit regulieren. Wer auf das Aufwachen fixiert ist, bekämpft das Symptom. Der Hebel liegt am Abend. Wann geht das Licht aus? Wann ist das Handy weg?

Handy außer Reichweite. Nicht "Handy aus", sondern Handy aus dem Zimmer. Wer es im Zimmer hat, schaut drauf. Laden im Flur oder Wohnzimmer ist kein Vertrauen entziehen, sondern Schlafhygiene.

Auch am Wochenende halbwegs strukturiert bleiben. Kein Alarm um sieben, aber auch kein Schlafen bis 14 Uhr. Wer den Rhythmus komplett kippen lässt, macht die Woche schwerer.

Nicht kämpfen, erklären. Teenager, die verstehen, warum ihr Schlaf wichtig ist und wie Melatonin funktioniert, sind eher bereit, etwas zu ändern. Das Gespräch ist besser als das Kommando.

Häufige Fragen

Wie viel Schlaf braucht ein Teenager?

Forschungsstudien empfehlen für Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren acht bis zehn Stunden pro Nacht. Das ist deutlich mehr als Erwachsene brauchen. Wer weniger schläft, zeigt schlechtere schulische Leistungen, mehr emotionale Instabilität und ein höheres Risiko für Depressionen.

Ist es normal, dass Teenager am Wochenende sehr lange schlafen?

Bis zu einem gewissen Grad schon. Der Schlafrhythmus verschiebt sich in der Pubertät biologisch nach hinten. Das nennt sich Schlafphasenverschiebung. Wer unter der Woche zu wenig schläft, holt das am Wochenende nach. Problematisch wird es, wenn der Unterschied mehr als zwei bis drei Stunden beträgt, weil das den inneren Rhythmus dauerhaft stört.

Wann ist zu viel Schlaf ein Warnsignal?

Wenn das Viel-Schlafen plötzlich auftritt und mit anderen Veränderungen zusammenfällt: weniger Freude, sozialer Rückzug, weniger Interesse an Hobbys, Schulleistungen brechen ein. Das können Anzeichen einer Depression sein, die professionelle Unterstützung braucht.

Wie kriege ich meinen Teenager morgens aus dem Bett?

Wichtiger als der Kampf am Morgen ist die Schlafzeit am Abend. Wer um zwei Uhr schläft, kann um sieben nicht ausgeschlafen aufstehen. Handy außer Reichweite, Bildschirm weg eine Stunde vor dem Schlafen, feste Zeiten auch am Wochenende. Das wirkt mittelfristig besser als jeder Wecker.

Weitere Beiträge in der Leseecke

Zum Magazin

Ein Ratgeber der Woche und ein Gesprächs-Starter, den du heute Abend mit deinem Kind ausprobieren kannst. Kein Spam, jederzeit abbestellbar.