Teenager hat keinen Plan: Wie Eltern bei der Berufsfindung helfen
Kurz gesagt: Ein Teenager, der noch nicht weiß, was er werden will, ist kein Problem, sondern der Normalfall. Was Eltern in dieser Phase hilft, ist weniger Druck und mehr echte Neugier: Was macht dir Spaß? Was willst du ausprobieren? Das führt weiter als die Frage, die die meisten stellen: Was willst du werden?
Warum so viele Teenager keinen Plan haben
Die Frage "Was willst du werden?" wird Jugendlichen hunderte Male gestellt. Von Verwandten, Lehrkräften, Eltern, Freunden. Wenn sie keine Antwort haben, fühlen sie sich oft beschämt, als würden sie etwas versäumen, das alle anderen längst wissen.
Dabei ist das Fehlen eines Plans in diesem Alter meistens kein Zeichen von Gleichgültigkeit. Es ist ein Zeichen von ehrlicher Selbstkenntnis: Ich weiß noch nicht, was zu mir passt. Das ist ein gesunder Ausgangspunkt. Ein Teenager, der mit 16 sicher weiß, dass er Arzt werden will und das acht Jahre durchhält, ist eher die Ausnahme.
Was die Situation für Eltern trotzdem belastend macht: Die Schule fordert Entscheidungen. Nächstes Jahr kommt der Abschluss. Und alle anderen scheinen schon zu wissen, wohin sie wollen. Das erzeugt Druck, der sich auf das Kind überträgt.
Was nicht hilft
Drängen hilft nicht. Wenn du immer wieder fragst "Und? Hast du dir schon überlegt, was du machst?", reagieren die meisten Teenager mit einem Mauern oder einem "Weiß ich nicht", das jede weitere Unterhaltung abblockt. Der Teenager fühlt sich beurteilt, nicht unterstützt.
Vergleiche helfen auch nicht. "Die Schwester von Annas Freundin macht jetzt eine Ausbildung bei Siemens" sagt dem Kind nichts über sich selbst, löst aber Druck aus. Vergleiche erzeugen das Gefühl, im Rückstand zu sein, ohne zu zeigen, wie man aufholt.
Und: Die eigenen Berufswünsche auf das Kind projizieren hilft nicht. "Du bist gut in Mathe, du solltest Ingenieur werden" klingt nach Hilfe, ist aber eine Ansage. Auch wenn die Einschätzung stimmt, entscheidet das Kind selbst, was es mit seinen Stärken anfangen will.
Was stattdessen wirklich weiterhilft
Frag nach Tätigkeiten, nicht nach Berufen. "Was machst du gern, auch außerhalb der Schule?" oder "Gibt es etwas, das dir leichtfällt, was anderen schwer vorkommt?" oder "Wobei verlierst du das Zeitgefühl?" Das sind Fragen, die auf echte Interessen zeigen.
Ermögliche konkrete Erfahrungen. Ein Praktikum, auch ein kurzes, ist wertvoller als jedes Gespräch über Berufe. Die meisten Jugendlichen entwickeln ihre Vorstellungen durch Erfahrungen, nicht durch Nachdenken im Leeren. Ein Praktikumstag in einer Zahnarztpraxis kann zeigen: das interessiert mich, oder das ist genau das Richtige.
Sprich offen über deinen eigenen Weg. Wenn du erzählst, dass du mit 18 auch keine Ahnung hattest, was du werden willst, oder dass du deinen Beruf über Umwege gefunden hast, nimmt das Druck. Das Kind merkt: Es ist nicht nur meins, was nicht weiß wohin. Und es endet meistens gut.
Wann Unterstützung von außen sinnvoll ist
Die Bundesagentur für Arbeit bietet kostenlose Berufsberatung an, in der Schule oder im Jobcenter. Diese Beratung ist neutral, informiert über aktuelle Ausbildungsberufe und kann strukturierte Interessentests anbieten. Das ist kein Zeichen für ein Problem mit dem Kind, sondern ein sinnvolles Werkzeug.
Wenn dein Teenager sich weigert, überhaupt über die Zukunft zu sprechen, und sich dabei zunehmend zieht und isoliert, kann das auch ein Zeichen sein, dass mehr dahintersteckt: Angst vor dem Scheitern, Druck, der sich angestaut hat, oder ein Gefühl, die eigenen Interessen nicht zu kennen. In dem Fall kann eine kurze psychologische Begleitung helfen.
Kinwords-Ratgeber für Eltern in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Dieser Text ersetzt keine Berufsberatung oder therapeutische Fachberatung.
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Häufige Fragen
Ab wann sollte ein Teenager wissen, was er werden will?
Das ist ein weit verbreiteter Irrtum: dass Jugendliche mit 16 oder 17 schon wissen sollten, was sie werden wollen. In der Realität haben viele Menschen auch mit 25 noch keinen klaren Berufsplan. Was Teenager bis zum Ende der Schulzeit wirklich brauchen, ist keine fertige Antwort, sondern ein Prozess: sich ausprobiert haben, erste Interessen entdeckt, und ein Gespür dafür entwickelt, was sich gut anfühlt und was nicht.
Mein Teenager sagt bei jedem Beruf: 'Das will ich nicht'. Was kann ich tun?
Frag nicht nach Berufen, sondern nach Tätigkeiten. 'Was machst du gern?' ist eine bessere Frage als 'Was willst du werden?' Wenn dein Teenager gern erklärt, gern bastelt, gern mit Menschen redet oder gern Probleme löst, dann können Berufsfelder aus diesen Tätigkeiten entwickelt werden. Das Ablehnen von Berufen zeigt meistens, dass das Kind noch keinen Kontakt zu dem hat, was sich für es richtig anfühlt, nicht dass es faul oder gleichgültig ist.
Sollte ich meinem Teenager einen Beruf empfehlen?
Empfehlungen sind hilfreich, wenn sie neugierig machen und nicht unter Druck setzen. 'Ich könnte mir vorstellen, dass du gut in Richtung X wärst, weil du gut erklären kannst. Was denkst du?' Das öffnet ein Gespräch. Problematisch wird es, wenn Eltern bestimmte Berufe als die einzig sinnvollen darstellen oder wenn der Teenager das Gefühl hat, er enttäuscht seine Eltern, wenn er einen anderen Weg wählt.
Was bringt ein Berufsberater im Vergleich zu Elterngesprächen?
Berufsberater, zum Beispiel bei der Bundesagentur für Arbeit oder in Schulen, haben Zugang zu aktuellen Arbeitsmarktdaten, Berufsinteressentests und Praktikumsnetzwerken. Sie können neutral begleiten, ohne die emotionale Ladung, die ein Elterngespräch manchmal hat. Der Berufsberater kann helfen, Interessen zu strukturieren. Das Gespräch mit den Eltern bleibt trotzdem wichtig, es geht ums Vertrauen, nicht um Informationen.
Mein Teenager will einfach nichts tun nach der Schule. Wie gehe ich damit um?
Kurze Pausen nach einem langen Schul-Sprint sind in Ordnung. Problematisch wird es, wenn aus Wochen Monate werden und der Teenager sich zunehmend isoliert. Dann hilft es, klare, verhandelbare Schritte zu vereinbaren, zum Beispiel: 'In den nächsten drei Monaten bewirbst du dich auf zwei Praktikumsplätze oder schaust dir zwei Ausbildungen an.' Das ist kein Ultimatum, sondern eine Struktur, die hilft, den ersten Schritt zu machen.
Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel wurde von der Kinwords-Redaktion verfasst und befindet sich derzeit in pädagogischer Review. Für konkrete Berufsberatung wende dich an die Bundesagentur für Arbeit oder deine Schule.
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